CHRONIK EINES DORFES

50 Jahre Fresendorf

(1951 bis 2001)

 

Erinnert von Winfried Seydler

 

 

 

Fresendorf 1951 bis heute

Nach der Kapitulation im Mai 1945 wurde Schleswig-Holstein Britische Zone. Auf Anregung der britischen Besatzungsmacht hin, beschloss der neue Landtag in Kiel im Jahre 1949 ein 30.000 ha umfassendes Siedlungsprogramm. Dafür wurden den schleswig-holsteinischen Grundbesitzern mit Mehrfachbesitz angetragen, das Land zur Verfügung zu stellen. Sie erhielten dafür eine positive Anrechnung auf ihre Belastungen zum Lastenausgleich. So kam es, dass Gut Panker die Flächen Hohenfelde, Todendorf und Klamp, sowie Gut Neuhaus die Flächen Gottesgabe, Mühlen, Köhn und 150 ha von Neuhaus direkt für die Aufsiedelung von Fresendorf zur Verfügung stellten. Das Gesamtsiedlungsobjekt „Klamp-Fresendorf” umfasste zu dieser Zeit eine Fläche von 441 ha. Diese setzte sich wie folgt zusammen: 350,76 ha Acker, 68,78 ha Grünland, 2 ha Wasser und 16 ha Wege. Die Landfläche wurde folgendermaßen verteilt: 105 ha Resthof Gut Klamp, 4 ha an 5 Bauern und 4 Landarbeiter in Rönfeldholz, 32 ha Teskamp und 230 ha Fresendorf und Winterfeld.

Am 01.04.1951 wurde die Teilung der o.g. Fläche vorgenommen. Mit der Erstellung des Bauplanes wurde Herr Architekt Schreiber beauftragt. Herr Schreiber kam damals aus Süddeutschland und wollte ein Dorf nach seinen Vorstellungen sinnvoll und effektiv erstellen. D.h. er plante jeweils 3 Gehöfte im Verbund, damit die jeweils benötigten Maschinen wie z.b. Drillmaschine, Heuwender, Harke, Vielfachgerät, Grasmäher und Mähbinder von jeweils drei Bauernstellen genutzt werden konnten. Leider hatte er damals nicht bedacht, dass es egal ist, wie weit die Benutzer von einander entfernt wohnten, wenn doch wichtig war, wie weit die zu bewirtschaftenden Flächen von einander entfernt waren. So hatte doch jeder Hof drei Flurstücke zu bearbeiten. Die Gerätschaften mussten also mit Pferd und Wagen von einer Arbeitsstelle zur nächsten gefahren werden, was für einen jeden äußerst beschwerlich und unbequem war. Die Aufteilung der Flächen nach Herrn Schreiber sah folgendes vor: Der Resthof mit 105 ha wurde der Familie Dralle zugeschrieben. Der Rest wurde an die Landgesellschaft vergeben, dessen Verwalter Herr Hönk war.

Fresendorf wurde zur Großbaustelle. Der Bebauungsplan sah eine Aufsiedelung von 12 Vollbauernstellen - jeweils zwischen 16 bis 21 ha groß -, 7 Kleinbauernstellen, 3 Einzelhäusern und 5 Doppelwohnhäuser vor. Mit dem Bau wurde im Sommer 1951 begonnen. Die Bauernhäuser wurden, wie heute trotz baulicher Veränderungen immer noch gut ersichtlich, in West-Ost Richtung gebaut. Dieses bedeutete, dass niemand im Wohnteil am Nachmittag in den Genuss der Sonne kam.

Gleichzeitig mit dem Bau der Häuser wurden durch die Schleswag die Masten für die Stromleitungen gesetzt. Auch das Wasserwerk entstand zu dieser Zeit. Die Wasserleitungen an die Haushalte wurden gebuddelt (1,20m tief).

Die Höfe wurden dann offiziell laut Kaufvertrag zum 01.11.1951 übernommen, auch wenn zu dieser Zeit noch nicht alle Stellen voll bezugsfertig waren. Die Eigentumsverhältnisse sahen vor, das sowohl Ehemann als auch Ehefrau gleichberechtigte Besitzer waren. Nach 14 Jahre sollten die Höfe aufgelassen werden und in das Eigentum der Familien übergehen. Das hat bis auf einen Fall auch bestens geklappt: Der Hof der Familie Riemer wurde aufgrund von Erbstreitigkeiten im Jahre 1964 wie folgt geteilt: Der bis dahin wirtschaftende Bernhard Riemer übernahm das Gehöft, um eine Pension, die leider keinen Gewinn brachte, zu errichten. Er verkaufte in den 70ern an Familie Stoß. Das Land wurde an vier Nachbarn verkauft, die pro ha DM 7.500 entrichteten. Heute gehört das Bauernhaus den Familien Menz und Ciesla, die es im Jahre 1993 von den Stoß kauften.

Im Laufe des Novembers 1951 begann der Einzug der Familien. Wir - die Familie Seydler - waren die Zweiten, die am 09.11.51 ihr neues Zuhause am Streetzer Berg - damals hieß es noch Nummer 6 - bezogen. Zum Einzug hatte jede Wohneinheit nämlich nur eine Nummer.

 

 

Die VollbauernstellenDie KleinbauernstellenDie EinzelhäuserDie Doppelhäuser
Makoben - Nr. 1 Jansen - Nr. 20 Woed - Nr. 38 Zielke / Putzek - Nr. 34 / 33
Grapatin - Nr. 2 Hamann - Nr. 19 Pahl - Nr. 35 Pichotka / Krueger - Nr. 31 / 30
Ehrig - Nr. 3 Brosowski - Nr. 18Appel - Nr. 32Manschewski / Dudek - Nr. 28 / 29
Breitenfeld - Nr. 4 Neumann - Nr. 16  Pompluhn / Ketelhut - Nr. 27 / 25
Riemer - Nr. 5 Rosenthal - Nr. 17 Schubinski / Freiherr - Nr. 37 / 36
Seydler - Nr. 6 Barz - Nr. 23   
Jaeschke - Nr. 7 Dimanowski - Nr. 22  
Wendt - Nr. 8    
Uecker - Nr. 9    
Jahn - Nr. 10    
Petter - Nr. 11    
Boenke - Nr. 12    

 

 

Herr Rosenthal bekam 1956 am Torfmoor bei Giekau Land dazu. Dadurch wurdesein Betrieb zu einer Vollbauernstelle.

Es gab noch kein Licht, kein Wasser und auch eine Straße zu unserem Gehöft gab es noch nicht. Jeder versuchte seine Habe durch Feld und Flur an seinen Bestimmungsort zu bringen. Meist war Willy Jansen bereit, die mit dem LKW ankommenden und an der Straße abgesetzten Neuankömmlinge mit einem Lanz Bulldog an ihren Wohnort zu bringen.

Ab Mitte November wurden dann die Betriebsmittel verteilt. Zuerst bekam jeder, außer den Familien Jahn, Jaeschke und Uecker, zwei Pferde mit Geschirr und zwei Wagen. Des weiteren, außer für Jahn und Uecker, sechs Kühe, eine Starke, eine Sau und vier Läuferschweine. Die Nebenerwerbsstellen bekamen jeweils zwei Kühe.

Die Kühe, welche verteilt wurden, kamen aus den aufgesiedelten Gütern aus der näheren Umgebung, denn auf Gut Klamp, wo im Juni/Juli 1951 auch die Maul - und Klauenseuche gewütet hatte, gab es nicht mehr genügend Vieh. Die Tiere, die zur Verteilung zur Verfügung standen, waren schwer MKS geschädigt und zum Teil nicht tragend. Jedem Tier lag ein Stückeinheitswert zugrunde, der nicht dem tatsächlichen Wert entsprach. Um nun niemanden zu übervorteilen, wurde jedes Tier einzeln verlost. So gab es nun von einem Tag auf den anderen 19 Milcherzeuger in Fresendorf, die täglich ihre Kannen zur Abholung durch das Fahrzeug der Landgesellschaft, ein Fahrzeug der Milchzentrale Lütjenburg gab es erst später, an die Bushaltestelle des Dorfes an der B 202 brachten. Die selbsthergestellte Butter und der Käse wurden direkt neben den Kannen abgelegt. Und man soll sich wundern, das trotz der harten Zeiten, niemals etwas "abhanden" gekommen ist.

Am 21. Dezember 1951 ab 9 Uhr wurde dann endlich der Strom von der Schleswag freigeschaltet und das Wasser kam aus der Leitung - welch ein Segen! Im Laufe des Winters hatte man nun Zeit, die Getreidevorräte und das Stroh zu verteilen. Es gab für jeden Bauern: 52 ztr. Weizen, 21 ztr. Roggen, 84 ztr. Hafer, 21 ztr. Gerste, 43 ztr. Gemenge, 319 ztr. Kartoffeln, 873 ztr. Rüben, 187 ztr. Heu und 12 Fuder Stroh. Außerdem erhielten vier Bauern eine Rübenblattmiete.

 

Finanzierungsbeispiel einer Vollbauernstelle

Am Beispiel unseres Hofes - der Stelle Nummer 6 - möchte ich im folgenden, die komplizierte Finanzierung einmal darstellen:

Unser Hof war zum Einzugszeitpunkt 20,9 ha groß und kostete mit Inventar (Maschinen, Geräte und Vieh) und Gebäude DM 80.962.

Von dieser Summe entfielen DM 40.000 auf das Land, DM 27.000 auf die Erstellung des Gebäudes, und für totes und lebendes Inventar wurden DM 14.000 in Rechnung gestellt.

Um diese Summe finanzieren zu können, musste man 5 verschiedene Kreditinstitute in Anspruch nehmen. Die aufgenommenen Darlehen hatten jeweils unterschiedliche Konditionen und Laufzeiten. Ein Kredit in Höhe von DM 2.000 hatte eine Laufzeit von 99 Jahren und war jährlich mit DM 20 für Tilgung und Zins zu bedienen.

Die Wirtschaftsberatung

Damit alle Neusiedler auch einigermaßen in Gang kamen, wurde von der Landgesellschaft ein Herr Borchert - später ein Herr Van Rießen- als Berater eingesetzt. Geld-, Dünger- und Bewirtschaftungspläne wurden aufgestellt. Doch schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass das theoretische Wissen des Beraters nicht so wertvoll einzuschätzen war, wie die praktische Erfahrung und Vorbildung des jeweiligen Betriebsleiters. Die berufliche Vorbildung der einzelnen Neusiedler war natürlich sehr unterschiedlich. Ein entscheidender Faktor für eine gut funktionierende Landwirtschaft war die Arbeitskraft der Familie. Viele Bauern waren auf die Einstellung von Fremdarbeitskräften angewiesen, da die eigenen Kinder noch zu klein zur Mithilfe waren.

Für alles und jeden gab es Regelungen, so auch für die Anlage der Bauerngärten. Der Gärtner Herr Seemann und das aus der Landwirtschaftsschule in Preetz kommende Fräulein Kerk wurden beauftragt, die Bauerngärten zu gestalten. Es wurde eine Gartengröße zwischen 1.000 und 1.200 qm festgelegt. Um diese Gärten sollte einheitlich eine Buchenhecke angepflanzt werden. Für die Gärten selbst wurden Unmengen Obstbäume aller Art, Johannisbeeren, Stachelbeeren und diverse andere Früchte angeliefert und unter Anleitung von Herrn Seemann gepflanzt. Ich weiß noch genau, wie die Engerlinge das Gemüse meiner Mutter in den ersten Jahren vernichtet haben. Nur an die Stiefmütterchen, die nachgewiesen nicht essbar sind, gingen sie nicht.

Das Jahr 1952 brachte zwei wesentliche Veränderungen im Dorf: Zum einen begann man die Straßen abzustecken, Gräben auszuheben, Muttererde abzuräumen und das Terrain zu planieren. Alles in Handarbeit mit Schiebkarre und Lore. Der Straßenuntergrund bestand aus Bunkerschotter, der von Kiel herangeschafft wurde. Der Schotter musste mühsam mit dem großen Hammer zerkleinert und dann verteilt werden. Abgedeckt wurde dieser dann mit dem Kies von der Panzersperre aus Lütjenburg. Wenn kein Arbeiter mehr in Sicht war, also hauptsächlich am Abend und an den Wochenenden, fuhren wir Kinder zum Spaß mit den Loren. Da das Bremsen sich aber häufig als schwierige Sache herausstellte, hieß es nicht selten: Abspringen in voller Fahrt. Denn mitsamt einer entgleisten Lore wollte doch keiner umstürzen. Erst 1965 bekamen die Straßen eine endgültige Teerdecke.

Zum zweiten wurde 1952 der Schulunterricht für die neuzugezogenen Kinder ins Gottesgabener Herrenhaus verlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen alle Kinder in Wentorf zur Schule. Dort gab es zwei Klassen: Die Unterstufe - 1.bis 4. Schuljahr - geleitet von Herrn Liedtke und die Oberstufe, geleitet von Herrn Baumgarten, der kurz zuvor aus der DDR geflüchtet war. Durch die Fresendorfer Kinder, 40 an der Zahl, wurde das Unterrichten für die Lehrer zu einer schwierige Angelegenheit, zumal es doch an allen Ecken an Material und Platz fehlte. So entschloss man sich, den 40 Kindern im Herrenhaus von Gottesgabe durch Herrn Schepe und Fräulein Rebischke in Schichtunterricht etwas beibringen zu lassen. Da dieses keine Dauerlösung sein konnte, wurde der Bau einer Schule für Gottesgabe und Fresendorf (für Fresendorf alleine wäre es zu teuer gewesen) beschlossen. Der Bau wurde im Dezember 1956 im Seekrug fertig gestellt und bezogen. Das nun nicht mehr für den vorgesehenen Schulbau benötigte Gelände am Teich, wurde dazu verwendet, eine Gemeinschaftsscheune zu errichten. Aus Abbruchmaterial von Gut Klamp wurde von der Landgesellschaft ein großes Gebäude errichtet, das auch für Dorffeste gerne genutzt wurde. Das betreffende Grundstück wurde von Gerald Jansen gekauft, die Scheune wurde abgerissen und das Gelände als Bauland verkauft.

Auch der vorgesehene Sportplatz erfuhr eine andere Nutzung: Das Land mit einer Größe von 1,75 ha wurde an Kuno Makoben verkauft, der dieses landwirtschaftlich nutzte. Heute steht dort das Reetdachhaus von Zahnarzt Dr. Strahlendorff, der das Land von den Makobens erwarb. Durch die Schließung der Schulen in Engelau und Giekau und gleichzeitige Verlagerung der Hauptschule nach Lütjenburg im Jahre 1974, ist uns bis zum heutigen Tage die Grundschule der Gemeinde Giekau erhalten geblieben. 1975 wurde ein Gemeindekindergarten für zwei Gruppen und 1999 zwei Klassenräume angebaut. Am 01. April 1952 wurde der erste Fresendorfer Nachwuchs mit Hannelore Uecker geboren.

In den Fresendorfer Gründungsjahren konnte das umliegende Land noch nicht voll zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt werden, das es noch viele nicht drainierte Feuchtgebiete gab. Als Ausgleich dafür konnte auf dem Teskamp ein 30 ha großes Stück von den Fresendorfern für ein Jahr unentgeltlich genutzt werden. Auch durfte das Rindvieh im Sommer auf den Weiden bei Winterfeld grasen. Erst später wurden die Gründe in Fresendorf von einhundert Mann in Handarbeit drainiert und somit trockengelegt. Die Arbeiter verdienten am einen schweren Arbeitstag DM 20, das war ungefähr soviel wie das Stempelgeld von einer Woche.

Auch die Neuhäuser Wiese wurde mit einem Pumpenwerk erst trockengelegt, dann drainiert, und schließlich umgepflügt und besät. Als abschließende Arbeit an der Drainage wurde erst im Jahre 1953 mit der Trockenlegung des Ilensee begonnen. Dazu wurde mit Hacke und Schaufel auf dem Bauch arbeitend ein Tunnel unter der B 202 gegraben. Bei den heutigen Gerätschaften ist das kaum noch vorstellbar.

Im ersten Wirtschaftsjahr wurden schließlich auch noch sechs Genossen- bzw. Gemeinschaften gegründet. Das hierfür benötigte Geld wurde von der Landgesellschaft zur Verfügung gestellt bzw. kam aus den Töpfen des Bundes.

 

1. Wassergenossenschaft

Das Wasserwerk wurde 1952 in Eigenregie übernommen. Gebaut hat es die Firma Leon aus Preetz, finanziert wurde es mit Marshallgeldern. Die Vollbauernstellen hatten jeweils 3 Anteile, die Nebenerwerbsstellen jeweils 2 Anteile und die Wohnhäuser je einen Anteil an der neu gegründeten Genossenschaft. Jede Neubürgerfamilie muss sich heute mit DM 1.500 in die Wassergenossenschaft einkaufen.

Die Vorsitzenden waren: Hermann Riemer (1952-1955), Siegfried Seydler (1955-1980), Werner Rosenthal (ab 1980). Pumpenwart war von 1952 bis 1999 Kurt Uecker. Heute sorgt Edwin Neumann, das das Wasser in gewohnt guter Qualität läuft.

Am Anfang war Kurt Schubinski der Kassenwart. Zu dieser Zeit wurde das Wassergeld nach Einheiten erhoben. Die Berechnung war ganz einfach: Für jedes Großvieh (GVE) musste eine Einheit und pro Person ebenfalls eine Einheit Wassergeld entrichtet werden. Diese Regelung hatte bis Mitte der 90er Jahre Bestand. Danach wurden in jedem Haushalt Wasseruhren installiert. Nun konnte nach dem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet werden. Seit 1982 erfüllt Herbert Heesch den „Job” des Kassenwartes.

Anfang der 80er Jahre wurde das gesamte Leitungsnetz erneuert. Auch der Brunnen musste saniert werden. Die Kosten hierfür wurden durch einen Zuschuss der Gemeinde Giekau, einer Umlage auf die Nutzer und aus vorhandenen Rücklagen gedeckt. Da es sich um einen „Arthesischen Brunnen” handelt, kann der Wasserfluss nichtreguliert werden. Das Wasser kommt aus 42m Tiefe und sprudelt ständig. Nur ein kleiner Teil wird tatsächlich genutzt, der Rest speist den Selenter See. Kleine Anekdote: In den ersten Jahren kassierte Kurt Schubinski das Wassergeld monatlich bar ein. Da er bei manchen Genossen immer 'nen Lütten eingeschenkt bekam, war er meist mehrere Tage unterwegs, um die Kassiertour auch heil zu überstehen.

 

2. Dreschgemeinschaft

1952 wurde gemeinschaftlich ein Dreschkasten von der Landgesellschaftgekauft. Die Mittel hierfür kamen aus einem Fond, der sich Einrichtungskreditnannte. Der 1. Vorsitzende war Erich Petter, Willy Jansen wurde Maschinenmeister. Herr Jansen zog mit dem Dreschkasten von Hof zu Hof. Das Korn, welches in großen Diemen gelagert wurde, wurde bei jedem Einzelnen vor Ort gedroschen. Da die Hofstellen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht befestigt waren, war das sogenannte „Umrücken” jedes mal ein Abenteuer: Jeweils zwei Höfe stellten ihre 2 Pferde zur Verfügung, die vor die Maschine um gespannt wurden, um die Maschine zum Dreschplatz zu ziehen. Leider kannten die Pferde diese Aufgabe nicht, es war ihnen wohl auch ein bisschen unheimlich und so kam man nur mit viel Hüh und Hott ans Ziel. Herr Wendt hatte einen alten Schimmel, der liebte dieses Manöver am aller wenigsten und verweigerte kategorisch die Mitarbeit. Aber der alte Melkermeister Freiherr - der den Schimmel schon von Klamp her kannte - wusste Rat: Eine alte Zinkwanne musste her, wurde hinter den Schimmel gestellt und nun wurde kräftig darauf herumgetrommelt, er zog dann die Maschine fast von ganz alleine. Da zum Dreschen immer zwischen 8 und 10 Personen anwesend sein mussten, half man sich unter den Fresendorfern gegenseitig. Aus dem Dorf kamen Frauen und Rentner, um den Bauern bei dieser Arbeit zu helfen. Da die Dreschmaschine in ihrem Leistungsvermögen sehr begrenzt war, wurde Ende der 50er Jahre immer mehr der Lohnunternehmer angefordert. Da wir Seydlers im Jahre 1961 unseren ersten Mähdrescher – einen Massey Ferguson 635-bekamen, haben wir bei mehreren Nachbarn gedroschen. Letztendlich wurde die Dreschgemeinschaft aufgelöst.

 

3.Die Ebergemeinschaft

Der erste Eber wurde von der Landgesellschaft in Oldenburg (in Oldenburg) gekauft. Es war ein Landschwein. Bei Uecker wurde es einquartiert, und jeder der etwas, „von ihm wollte” musste mit seinen Sauen zu Fuß zu Uecker ziehen. Was natürlich nicht immer ganz einfach war. Der nächste Eber zog zu Kuno Makoben, welcher den Eber eher rustikal draußen auf der Weide hielt. Dieser Eber hatte eine unheimliche Kondition, denn er schaffte es drei bis vier Sauen pro Tag zu decken. Heute erscheint einem das kaum vorstellbar. Da alle Haushalte des Dorfes damals Schweine und auch Sauen hatten, war der Eber niemals arbeitslos. Wenn wir vom oberen Teil des Dorfes zu „Kunos Eber” mussten, war das jedes mal ein großer Ausflug. Alle zwei Jahre wurde ein neuer Eber angeschafft.

 

4. Die Wiesenwalze

Nachdem die Grünlandflächen 1952-53 durch die Landgesellschaft drainiert und neuangesät worden waren, schenkte diese dem Dorf einen alten Lanz Bulldog mit breiter Eisenbereifung. Dazu gab es eine dreiteilige Wiesenwalze. Jedes Frühjahr setzte nun Willy Jansen den Bulldog mit der Lötlampe in Betrieb und walzte bei allen die Wiesenflächen. Durch eine kleine Umlage der Dorfbewohner konnten die Betriebskosten finanziert werden. Die übrige Zeit des Jahres stand das Gespann ungenutzt hinter der Gemeinschaftsscheune. Als Ende der 50er Jahre mehrere Schlepper im Dorf vorhanden waren, wurde der Bulldog überflüssig und somit verschrottet. Die Wiesenwalze allerdings hat noch lange Zeit ihre Dienste geleistet.

 

5. Die Stierhaltungsgemeinschaft

Natürlich wollte man neben dem Eber auch mit einem eigenen Bullen für Rindernachwuchs sorgen. Leider fand sich aber niemand, der bereit war, den Bullen bei sich aufzunehmen. So wurde das Geld, das für den Bullen hätte ausgegeben werden können, anderweitig ausgegeben: Es wurden Anteile bei der neu gegründeten Besamungsgenossenschaft Schönböken gekauft, und in Zukunft sorgten die Tierärzte für den Kälbernachwuchs.

 

6. Die Jagdgemeinschaft

Von der Landgesellschaft wurde auch eine Jagdgemeinschaft ins Leben gerufen.

Jagdpächter war damals Herr Dr. Christiani aus Kiel. Nach Ausbau der B202 wurde das alte Jagdrevier aber neu aufgeteilt und neue Grenzen festgelegt. So passierte es, dass wir bei der Neuverteilung etwas zu kurz kamen und unser Gebiet so klein wurde, dass unsere Flächen dem Gutsbetrieb Neuhaus angegliedertwurden. Somit verloren wir auch unser Mitspracherecht und unsere Eigenständigkeit.

 

Zum Schluss noch einige Worte zum Fresendorfer Teich: Am Fresendorfer Teich wurden Heimstätten für Witwen und Kriegsinvaliden gebaut. Der Teich, sowie auch das einzig vor Gründung des Dorfes bestehende Haus gehörten nicht zum Siedlungsprojekt. In diesem Haus lebten die Witwe Janz und die Familie Stolpe. Ihre tägliche Aufgabe war es für Gut Neuhaus, das Wassergeflügel aufzuziehen und sich, um die im Teich befindlichen Karpfen zu kümmern. 1953 kaufte Herr Bürgermeister Kienaß den Teich für 1.000 DM von Graf Hahn ab.

1960 wurde das Haus, Frau Janz war inzwischen verstorben, an Herrn Boehnke aus Winterfeld für DM 7.000 verkauft, der sich daraus sein Altenteil zurecht baute. Der Teich wurde von der Gemeinde an einen Fischer verpachtet, dessen Erben ihn auch heute noch bewirtschaften. Um nach dem Abfischen, die Löschwasserversorgung zu gewährleisten, wurde in den 70er Jahren am östlichen Ufer ein kleiner Löschteich angelegt. Im Winter ist der Teich ein magischer Anziehungspunkt für Schlittschuhläufer, denn das Eislaufen gilt hier als ungefährlich. Im Sommer zieht ein Schwanenpaar seine Jungen hier auf und die Frösche stimmen an den Sommerabend lautstarkes Konzert an.

Der erste Neubau wurde 1962 von Edmund Neumann auf dem Grundstück seiner Eltern errichtet. 1971 bauten Barbara und Herbert Heesch ihr Haus neben dem Hof von Robert Grapatin. 1975 entstand bei Rosenthal und 1986 bei Seydler jeweils ein „Altenteilerhaus”. Ansonsten wurden nur Anbauten genehmigt. Die baurechtlichen Bestimmungen sahen bis 1995 keine Neubauten in Fresendorf vor.

Ab 1995 lockerte das Kreisbauamt diese Bestimmung und so konnten die Baulücken rund um den Fresendorfer Teich mit 9 Häusern bis heute geschlossen werden.

Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft wurden bzw. werden die Wirtschaftsgebäude auf den Höfen zu Wohnungen ausgebaut. Zur Zeit werden noch 4 Höfe in Fresendorf bewirtschaftet. Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann nur noch ein bis zwei Bauern übrigbleiben. Auch wenn die ursprüngliche Funktion des Dorfes nicht mehr vorhanden ist, war doch die Aufsiedelung eines Bauerndorfes nicht nutzlos, denn 2 Generationen haben ihr Auskommen und den Start in andere Berufe gefunden.