Liste der Schulleiter und zweite Lehrerstelle in Wentorf 1919 bis 1974
Adolf Baumgarten, 1. Lehrer und Schulleiter in Wentorf von 1951 bis 1974
Heinz-Dietrich Heinsohn, Gemeindearchiv Klamp
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Chronik II der Schule zu Wentorf
Transkription, Digisat, Fußnoten: Heinz-Dietrich Heinsohn, Gemeindearchiv Klamp
Originaldokument: Chronik II der Schule zu Wentorf 1924 - 1974, Gemeindearchiv Klamp
Winterhalbjahr 1923/1924
Aus hygienischen und wirtschaftlichen Gründen wurde wie in den Vorjahren für diesen Winter auch die ungeteilte Schulzeit eingeführt.
Bald nach Beendigung des regenreichen Sommers setzte schon Mitte Oktober eine Kälte ein, die das Heizen der Schulzimmer notwendig machte.
Noch mehr als im Sommerhalbjahr war im Oktober das Fallen des Markwertes1 eingesetzt. Für einen Dollar (Der Dollar war der Maßstab für den Wert des deutschen Papiergeldes) zählte man an der Börse Mitte November schon 4 Billionen + 200 Milliarden Papiermark. Ein Beispiel möge noch folgen für die Schnelligkeit des Sinkens der Mark: Erhielt ein Beamter sein Gehalt am 1. eines Monals, so wurde dasselbe restlos noch in der selben Stunde des Empfangs in Sachwerte umgesetzt. Verzögerte sich die Auszahlung um 1 Tag, so war man nur instande, die Hälfte der Sachwerte zu erstehen; ja nach 3 Tagen war es sogar nicht ausgeschlossen, daß man statt eines neuen, guten Anzuges nur noch eine Stück Waschseife für sein Gehalt erhält. Eine Folge der Inflation war es, daß den festangestellten Beamten ihr Recht auf vierteljährliche Vorauszahlung ihres Gehaltes laut Reichstagsbeschluß genommen wurde und sie sich mit einer halbmonatlichen Vorauszahlung begnügen mußten. Ein Aufatmen ging durch das ganze Volt, als mit Anfang Dezember die Papiermarkrechnung verschwand und die "Rentenmark“ ihren Einzug hielt, als die wilde Spekulation den Todesstoß und die ruhige Berechnung den Sieg erhielt. Die "Rentenmark“2 oder die "Goldmark“ basierte auf dem Wert des Dollars. Der Vater der Rentenmark war der Reichttagsabgeordnete Prof. Dr. Helferich3. Die Rentenmark verdrängte noch im Laufe des Winterhalbjahres die verschiedenen Zahlungsmittel der Städte, Industrieen und sonstiger größer Körperschaften und Unternehmungen, und so wurde es wieder jedem Deutschen möglich, sich in den Zahlungsmitteln zurechtzufinden.
Der Unterricht erfuhr keine weitere Treibung durch die Inflation, auch den winterlichen Unterhaltungsabenden tat sie keinen Abbruch. Allerdings reichte für das Winterhalbjahr der Unterricht der erst im Vorjahre eingerichteten ländlichen Fortbildungsschule. Ostern 1924 wurden 3 Knaben und 6 Mädchen aus der Schule entlassen.
1) Preisverfall für 1 US Dollar:
15.08.1921 - 88 Mark
03.11.1921 - 209 Mark
12.07.1922 - 447 Mark
02.08.1922 - 860 Mark
03.01.1923 - 7.525 Mark
18.01.1923 - 23.000 Mark
11.05.1923 - 40.500 Mark
13.06.1923 - 100.000 Mark
30.07.1923 - 1.000.000 Mark
07.09.1923 - 53.000.000 Mark
17.09.1923 - 200.000.000 Mark
02.10.1923 - 242.000.000 Mark
10.10.1923 - 2.900.000.000 Mark
19.10.1923 - 12.000.000.000 Mark
11.11.1923 - 631.000.000.000 Mark
16.11.1923 - Währungsreform.
Nach dem ersten Weltkrieg war Deutschland wirtschaftlich ruiniert. Die folgenden Jahre waren in einem bis dahin unbekannten Maß politisiert. Deutschnationale gegen Sozialisten, Bauern gegen den Staat, Arm gegen Reich - der politische Kampf beherrschte die Straßen der Städte, erreichte besonders in Schleswig-Holstein das flache Land und radikalisierte sich dort. Mit dem Ende der Inflation 1923 beruhigte sich allmählich das öffentliche Leben. Die preußische Provinz Schleswig-Holstein mit prägenden Bereich Landwirtschaft und Handwerk kam jedoch auch nach 1925 nicht wieder in Schwung und auch nicht zur Ruhe.
2) Der Wechselkurs einer Rentenmark war mit einer Billion Papiermark festgelegt worden, ein US-Dollar entsprach 4,20 Rentenmark.
3) Karl Theodor Helfferich (* 22. Juli 1872 in Neustadt an der Haardt; † 23. April 1924 in Bellinzona, Schweiz) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Bankier und Politiker. Während der Hyperinflation 1923 entwarf Helfferich den Plan einer Roggenwährung, der abgelehnt wurde. Wesentliche Merkmale wurden im Plan für die Einführung der Rentenmark übernommen.
Sommerhalbjahr 1924
9 Abc Schützen, 7 Knaben und 2 Mädchen traten nach Ostern neu in die Schule ein. Die Schülerzahl betrug insgesamt 82.
Nachdem Herr Lehrer Hose kurz vor Schluß des Winterhalbjahres durch die Arbeitsgemeinschaft des Lehrervereins hier in seiner Klasse unter dem Vorsitz des Herrn Oberregierungsrates Wahlbruch seine praktische 2. Lehrerprüfung abgelegt hatte, wurde ihm die einklassige Volksschule in Bredenbek Kreis Plön, zur Verwaltung übertragen. Mit dem 1. Juni schied damit ein treuer, wohlwollender Lehrer von hiesigen Schülern, die ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden. Mit der Verwaltung der hiesigen 2. Stelle wurde der Lehrer Hans Zitterbaum beauftragt.
Am 24.4.1900 bin ich als Sohn des Zollsekretärs W. Zitterbaum in Pankow bei Berlin geboren. Als ich 2 Jahre alt war siedelten meine Elter nach Kiel über. Mit meinem 7. Lebensjahre kam ich zur Schule und besuchte die Mittelschule in Kiel bis zur ersten Klasse. Um Lehrer zu werden bezog ich 1910 die Präparandenanstalt in Kiel. 1918 bestand ich die Seminaraufnahmeprüfung. Meine Ausbildung wurde durch die Einberufung zum Militär (21.6.1918) unterbrochen. Infolge der Demobilmachung wurde ich am 22.12.1918 bereits wieder entlassen. Nun setzte ich mein Studium fort und bestand Ostern 1921 die 1. Lehrerprüfung. Da ich infolge Überfüllung meines Berufs vorläufig keine Aussicht auf Anstellung hatte, ging ich zum kaufmännischen Betrieb über. Um schnell Stelle als Stenotypist der Buchhalter zu bekommen, machte ich an einer kaufmännischen Privatschule einen 6 monatlichen Kurs in Schreibmaschinenschreiben, Stenographie und Buchhaltung mit. Ich erhielt dann im November 1921 auch schon meine erste Stelle als Stenotypist am Finanzamt Kiel. Dort bin ich fast 2 Jahre tätig gewesen. Im Juni 1922 wurde ich auf meinem Wunsch entlassen, um eine Lehrervertetungsstelle an der Hilfsschule in Kiel annehmen zu können. Nach 3 Wochen wurde mir gekündigt. Nun war ich fast über ½ Jahr ohne Stellung. Im Februar 1924 erhielt ich dann endlich meine 2. Vertretungsstelle an der 4. Knaben-Volksschule. Die Vertretung dauerte ungefähr 8 Wochen Nun war ich wieder 2 Monate ohne Einkommen. Am 1. Juni 1924 wurde ich von der Regierung mit der Verwaltung der 2. Schulstelle in Wentorf beauftragt.
Kurz nach den Pfingstferien fand wieder des übliche Kindervergnügen statt, morgens Wettspiele, nachmittags Tanzbelustigungen der Schüler.
Der Sommer war überaus regenreich, die recht gute Korn- und Hackfruchternte1 war des regnerischen Wetters wegen nur schwerlich unter Dach und Fach zu bringen.
1) Hackfrüchte sind landwirtschaftliche Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais, die während Ihres Wachstums mehrmals gehackt werden müssen, um Unkraut zu bekämpfen und den Boden zu lockern.
Winterhalbjahr 1924/1925
Ein selten milder Winter; der nur etwas Frost und wenig Schnee in den Monaten November, Dezember und Januar brachte und schon Anfang Februar mit Warmen Frühlingswetter einsetzte, ließ die Frühjahrsbestellung der Felder schon Anfang des Märzmonates beenden.
Die in diesem Jahre mit aller Energie wieder ins Leben gerufene Fortbildungsschulen des Kreises begannen den Unterricht mit Anfang des Winterhalbjahres.
Auch hier setzte der Untericht mit dem 15.10.1924 ein, obwohl die Schülerzahl nur 3 betrug; und nach dem Fortgange eines Jugendlichen mußte der Unterricht am 1. Februar 1925 geschlossen
werden, da die beiden noch schulpflichtigen Fortbildungsschüler kaum bildungsfähig waren.
Von der Volksschule aus wurden in diesem Winter wieder 4 Elternabende veranstaltet, die immer mehr das gute Einvernehmen zwischen Schule und Haus zu festigen scheinen.
Durch die Schüler war in den letzten 2 Jahren an Elternabenden und Schulfesten allmählich ein solcher Fond zusammengearbeitet, daß die Anschaffung des Schulkinos, eines Lichtbildwerfers für undurchsichtige u. durchsichtige Gegenstände und mit einem Mikroansatz, kurz vor Ende des Winterhalbjahres angeschafft werden konnte. Konfirmiert wurden Ostern 1925 - 8 Knaben und 6 Mädchen.
Sommerhalbjahr 1925
Ostern traten neu ein 14 Rekruten: 8 Mädchen und 6 Knaben. Den größten Tiefstand der Schülerzahl im hiesigen Gutsbezirk erreicht im Vorjahre, ist jetzt überwunden. Die Schülerzahl beträgt 83 und zwar: 1. Klasse: 27 Knaben, 12 Mädchen und 2. Klasse: 26 Knaben, 18 Mädchen.
Am 1. Juni dieses Jahres fand eine Volks- und Berufszählung im Deutschen Reiche statt. Die Zählung in unsern Gutsbezirk ergab:
| Hof und Kate Klamp: | 5 Haushaltungen mit 36 Einwohnern |
| Dorf Rönfeldholz: | 45 Haushaltungen mit 199 Einwohnern |
| Dorf und Ausbauten Wentorf: | 35 Haushaltungen mit 168 Einwohnern |
| Dorf und Ausbauten Vogelsdorf: | 25 Haushaltungen mit 104 Einwohnern |
| Insgesamt: | 110 Haushaltungen mit 199 Einwohnern |
An Gewerbetreibende (selbständig) hat der Gutsbezirk 1 Gastwirt, 1 Schuster, 1 Schmied, 1 Stellmacher, 1 Müller, 1 Viehhändler, 3 Höker und Pantoffelmacher. Landleute mit einem Besitz über 10 ha hat der Gutsbezirk insgesamt: 19; und zwar Klamp 1, Rönfeldholz 1, Wentorf mit Ausbauten 11, Vogelsdorf mit Ausbauten 6. Instenstellen mit einem Areal von 2 bis 10 ha hat der Bezirk insgesamt 44; und zwar Rönfeldholz 13, Wentorf 7, Vogelsdorf 4. Auch bei der Volkszählung ergab sich das anormale Verhältnis. 251 Frauen standen 236 Männern gegenüber.
Kurz nach Pfingsten, am 12. Juli, wurde der langersehnten Saal im Gutsbezirk so weit fertiggestellt, daß die alte "Totengilde Wentorf“ ihr diesjähriges Schützenfest unterm Dach, anstatt im Zelt "feiern“ zu können. Damit verschwand ein Stück alten Volkslebens, nämlich, das "im Zelt tanzen“ während des Sommervergnügens. Das 2. Fest des Gutsbezirkes, der Fastenabend "Fastlobend"1, das Wintervergnügen hatte der Krieg 1914-1918 bereits einschlafen lassen. Es fand statt auf einer Bauerndiele, jährlich wechselnd von einem Bauern zum andern. Das diesjährige Kindervergnügen, nicht mehr des Zeltes wegen von der Totengilde abhängig, fand nach Einweihung des Saales in der gewohnten Weise statt am 21. Juli.
Die diesjährige Ernte war verhältnismäßig "gut“, doch erreicht der Ertrag nicht den des Vorjahres; der Sommer war für das meiste Land zu trocken, auf einzelnen Äckern würde das Korn notreif, besonders zu leiden hatte der Sandboden der Hufenstellen Gustav Möller und Friedrich Makoben.
1) Am Fastnachtstag gingen Kinder , zum Teil verkleidet , mit einem Spieß oder einer Fastnachtsgabel (ein gegabelter Zweig , von der Rinde befreit) von Haus zu Haus, sagten Sprüche auf und bekamen dafür allerlei Leckereien auf Fastnachtspieß gesteckt.
Winterhalbjahr 1925/1926
Für das Winterhalbjahr wurde wie in den Vorjahren die ungeteilte Schulzeit eingeführt. Auch der Fortbildungsschulunterricht setzte mit Beginn dieses Halbjahres wieder ein mit einer Schülerzahl von 8. Trotz des sehr regelmäßigen Schulbesuches besteht die Abneigung gegen die Schule bei den Schülern weiterhin fort, doch wurden dem Vorstand keine Schwierigkeiten bereitet, man fügt sich, wenn auch nicht freiwillig dem Neuen.
Die diesjährige Weihnachtsfeier der Schule, die statt fand im Saale zu Rönfeldholz, bildete einen Höhepunkt der Elternabende. Aufgeführt wurde das Märchenspiel "Die Schneekönigin“. Die am Schlusse der Feier erscheinenden 2 Weihnachtsmänner mit den kleinen Geschenken und die Bescherung der Schüler und der noch nicht schulpflichtigen Kinder wurden zu einem Erlebnis aller Anwesenden.
Zwei weitere gediegene Abende dürfte der Gutsbezirk Anfang des Winterhalbjahres erleben:
Die "Lüttenborger Speeldeel“ war der Einladung des Ausschusses für Jugendpflege gefolgt und und bot des plattdeutsche fünfaktige Lustspiel "Gastweert Göbel“ von Wroost. Die Reineinnahme wurde unserer Schule zur Anschaffung von Lehrmitteln überwiesen.
Der Frauenverein veranstaltete einen Mitgliederabend und erreichte seinen Zweck, den Verein fester zu schließen und das schon rege Interesse für die Arbeit und die Aufgabe des Vereins zu erhöhen und vertiefen.
Schon rechtzeitig setzte im November der Winter mit mäßig Strenge ein und hielt recht lange an, sodaß die Frühjahrbestellungen erst Ausgang April beendet werden konnten. Konfirmiert wurden Ostern 1926 ?? Knaben und ?? Mädchen.
Sommerhalbjahr 1926
Mit Beginn des Sommerhalbjahres traten neu ein ?? Rekruten, nämlich ?? Knaben und ?? Mädchen.
Die Schülerzahl betrug 82, und zwar 51 Knaben und 31 Mädchen, darin in
Klasse 1: 27 Knaben + 12 Mädchen = 39 Schüler
Klasse 2: 24 Knaben + 19 Mädchen = 43 Schüler
Kurz nach Beginn des Unterrichts zwang eine Stimmbandlähmung des 1. Lehrers diesen zur Einstellung des Unterrichts. Nachdem 2 Wochen Kontrollunterricht eingeführt worden war, wurde der 2. Lehrer beauftragt, den Unterricht der 1. Klasse mit zu übernehmen. Dann wurden die beiden Kollegen aus Darry, der Kollege aus Matzwitz und der Lehrer aus Kühren mit der Verwaltung beauftragt. Diese Vertretung dauerte bis zu den Pfingstferien, und da die Heilung der Erkrankung des 1. Lehrers noch lange Zeit in Anspruch nehmen würde, übernahm ein Junglehrer die Verwaltung der 1. Klasse. Anfang Dezember hörte auch dieser auf, da die Genesung des Stelleninhabers der 1. Klasse soweit fortgeschritten war, daß der Unterricht von ihm wieder aufgenommen werden konnte. Der Sommer war sehr regenreich, die Ernte infolgedessen nicht sehr lohnend und konnte ebenfalls nur mühsam eingebracht werden. Das übliche Kindervergnügen fand in allgewohnter Weise statt, doch hatten die Kampfspiele sehr zu leiden unter der regnerischenWitterung. Das diesjährige Bezirkspielfest fand statt im September auf dem neuen städtischen Spielplatz in Lütjenburg. Die Wentorfer Schule konnte eine namhafte Anzahl Siege im Dreikampf erringen. Außerdem wurde die Trommelballmannschaft1 der Mädchen Bezirksmeisterin.
Zu Anfang des Sommerhalbjahres wurde das Zimmer an der Nordwestseite der großen Feuchtigkeit wegen mit Gipsplatten besetzt und neu tapeziert und die Kammern des 1. und 2. Lehrers auf dem Hausboden ebenfalls frisch tapeziert. Gleichzeitig erhielten die Fenster des ganzen Hauses einen schon lang entbehrten Ölanstrich von außen und die beiden Klassenräume einen 2., aber jämmerlichen ,Ölfarbenanstrich! Ebenfalls wurde des Strohdach an seinen schadhaftesten Stellen ein wenig ausgeflickt, sodaß wir nun doch nicht mehr in der 2. Klasse mit Eimer und Aufwischtuch zu laufen hatten.
Winterhalbjahr 1926/1927
Die ungeteilte Schulzeit wurde wieder eingeführt und ich glaube, daß sie der sehr schlechten Wege wegen nie wieder verschwinden wird, zumal seit dem Verkauf des Gutbezirks jeder für sich, kein Mensch für die Allgemeinheit Interesse hat.
Auch die Fortbildungsschule setzte wieder mit dem 15.10.1927 ein, sie scheint allmählich als notwendiges, unabwendbares Übel hingenommen zu werden.
Die Tanzfestlichkeiten im neuen Saale scheinen, was Besucherzahl anbelangt, allmählich wieder abzuflauen, auch die alle 14 Tage angesetzten Vergnügungen der verschiedenen Vereine haben nicht überlebt. Das einzige Fest, daß stets mehr Anklang findet und gern von allen besucht wird, ist das Weihnachtsfest der Schule. Selbst die größten Spötter und religionslosen Gesellen verstummen vor dem Weihnachtszauber der Schulfeier.
Die freie Volksbühne Rönfeldholz weiß, warum sie kleine Weihnachtsfestspiele und weihnachtlich angehauchte Darbietungen geben muß an ihren Vergnügungen an jedem 2. Weihnachtssonntag, warum sie die Tannenbäume und Adventskränze der Schule übernimmt zur Schmückung des Saales.
Die Lüttenborger Speeldeel, die am 29.1.1927 Schurecks Straßenmusik2 gab, hatte wohl infolge ihres guten Rufes einen besetzten Saal, doch fand das Stück keinen großen Anklang. "Dat weer to dull“, so äußerten fast alle; der Sinn des Stückes war nicht erfaßt.
Über den Versammlungen der "Dorfschaftsvereinigungen“ und ihren einmütigen Beschlußfassungen siehe hinten - die freie Gemeinde trägt noch Kinderschuhe.
Ostern wurden 8 Knaben und 2 Mädchen aus der Schule entlassen.
1) Trommelball ist ein altes Mannschafts-Rückschlagspiel, dass sich am ehesten mit Tennis vergleichen läßt. Jeder Spieler hat als "Schläger" eine Art Tamburin. Der Spielball besteht aus Gummi und hat einen Durchmesser von sechs Zentimetern.
2) Straßenmusik von Paul Schurek - Komödie in 3 Akten - Jan Lünk, Hein Dickback und Emil Spittel sehen sich als große Künstler und müssen ihr Geld doch mit Straßenmusik verdienen. Als sie ein Etui mit Brillanten finden, verlieren die drei die Beziehung zu ihrer Realität. Sie sehen bessere Zeiten auf sich zukommen – und würden sie nie erleben, würde ihre Wirtin Greten ihnen nicht helfen, ihre "Macken“ zu überwinden.
Sommerhalbjahr 1927
Neu traten in die Schule ein 9 Kinder und zwar 5 Mädchen und 4 Knaben. Die Gesamtschülerzahl betrug am Anfang des Sommerhalbjahres 84, nämlich 45 in Klasse 2 und 39 in Klasse 1, und zwar waren vorhanden: 35 Mädchen und 49 Knaben.
Ein sehr regenreicher Sommer ließ das Getreide sehr gut gedeihen,doch litten die Halmbrüche nach dem Schneiden arg unter der nassen Witterung. Nur schwer wurde das Getreide geborgen, das letzte kam erst Mitte September unter Dach und Fach; an ein Abstoppeln der Felder konnte nur in geringer Menge gedacht werden. Die Heu- u. Kleeernte war sehr gut. Die Getreideernte kann als eine Mittelernte bezeichnet werden.
Auch in diesem Sommer fand ein Bezirksspielfest für die Schulen statt, an dem die Wentorfer sich wie üblich mehrere Siegerkränze heimzuholen imstande waren. Das Kindervergnügen fand in diesem Jahre unter sehr reger Beteiligung der Elternschaft an einem Sonntag statt. Anklang fanden vor allen Dingen die Wettkämpfe um die Königswürde und die alten Volkstänze.
Ein langgehegter Wunsch der Einwohnerschaft fand seine Vewirklichung gegen Ende des Sommerhalbjahres. Ein Bürgersteig wurde gebaut im Ostende des Dorfes Wentorf, so daß man jetzt trockenen Fußes von einem Ende des Dorfes zum andern gelangen kann. Die Mittel wurden von der Höfebank der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Hoffentlich werden nun die übrigen unpassierbaren Strecken der Gemeindewege bald derartig ausgebessert, daß die Schulkinder den Schulweg zurückzulegen imstande sind.
Winterhalbjahr 1927/1928
Die schon gewohnte ungeteilte Schulzeit und auch die Fortbildungsschule setzten wieder mit dem Beginn des Winterhalbjahres ein. Früh setzte der Winter ein und zeigte auch eine ungewöhnliche Strenge.
Während des Winterhalbjahres wurde der Weg Wentorf-Vörstenmoor zu einem passablen Fuhrweg auf Kosten der Höfebank und des Kreises ausgebaut. Auch die übrigen notwendigsten Wegestrecken erfuhren eine geringe Aufbesserung im Bezirk Wentorf-Rönfeldholz. Der Hauptweg Wentorf-Vogelsdorf wurde insofern für Fußgänger an seinen schlimmsten Stellen auf dem östlichsten Teile der Gemarkung Wentorf und auf dem westlichsten Teil der Vogelsdorfer Strecke passierbar hergestellt, daß der Wall mit Zaun an der Rückseite des Weges ausgerodet und bis zu halber Höhe abgetragen und mit Kies befahren wurde für den Fußgängerverkehr, sodaß dadurch die Straße verbreitert wurde und ein schnelleres Abtragen des Fahrweges unmöglich war. Auch diese Arbeiten wurden von der Höfebank bestritten.
Die Weihnachtsfeier der Schule fand wieder in der gewohnten Weise statt, der Saal war überfüllt, sodaß im nächsten Jahre die Feier an 2 Abenden stattfinden muß.
Am Schluß des Winterhalbjahres fand im Anschluß an den Fortbildungsschulunterricht ein Lichtbilderabend statt, an dem zahlreiche Gemeindeangehörige teilnahmen und eine rege Aussprache über Kunstdüngerversuche den Schülern der Fortbildungsschule die Stellung der Landwirte des hiesigen Bezirkes zur Kunstdüngerfrage zeigte.
Aus der Schule entlassen wurden 5 Knaben und 3 Mädchen.
Sommerhalbjahr 1928
Neu traten ein in die Schule 21 Schüler, eine außergewöhnliche Anzahl. Die Schülerzahl stieg damit auf 95 und zwar verteilen diese sich auf die 4 ersten Schuljahre mit 59, auf die 4 oberen mit 36 Kindern; auf die Mädchen entfallen 40 auf die Knaben 55 Kinder.
Das Sommerhalbjahr brachte wieder die wiederholt beantragten notwendigsten Reparaturen nicht; doch zeigte die Umwandlung unsers Gutsbezirkes in eine Gemeinde Klamp Anfang Oktober, warum der Vorsitzende unseres Schulverbandes sich geweigert hatte, die von ihm schon als dringend anerkannten Reparaturen auszuführen. Eine Aufforderung des Lehrers, Feuerung für die Forbildungsschule zu liefern und in den Herbstferien die notwendigsten Reparaturen endlich auszuführen, wurde mit dem Hinweis auf die Nichtzuständigkeit des bisherigen Schulverbandsvorsitzenden zu der nunmehr selbständigen Schulgemeinde Klamp (höhnisch?) abgelehnt. (Saubere Wirtschaft)
Der kühle, regnerische Sommer ließ das Getreide nur spät zur Reife kommen; die Ernte begann erst in den letzten Tagen des August, war aber, da 3 Wochen regenlose, sonnige Tage herrschten, am 14. September beendet. Das Dreschen zeigte eine sehr gut lohnende Ernte.
Auch am diesjährigen Bezirksspielfest errangen die hiesigen Schüler zahlreiche und gute Plätze. Die Schlagballmannschaft der Knaben holte sich das Wanderbild.
Das Kindervergenügen fand wieder statt wie bisher, der Umzug sah zum erstenmale die neuen Reichsfarben. Die am 11. August stattgehabte Verfassungsfeier zeigte den vorschriftsmäßigen Charakter.
Winterhalbjahr 1928/1929
Zeitig setzte auch in diesem Jahre der Winter ein und zeigteeine außergewöhnliche Strenge, zum größten Teil reichte der angeschaffte Feurungsvorrat nicht aus. Viele Städte des Reiches mußten längere "Kälte bzw. Kohlenferien“ machen. Nur ältere Leute konnten sich eines ähnlich strengen Winters erinnern. Die Schiffahrt lag zum Teil still und russische Eisbrecher waren in den Ostseehäfen und im Kaiser-Wilhelm-Kanal tätig. Der Winter hielt außerdem bis in den Monat April hinein an, sodaß die Frühjahrsbestellungen erst in der Mitte des Monats Mai beendet werden konnten. Der hiesige Volksschul- und Fortbildungsschulunterricht nahm aber den normalen Verlauf.
Mit dem 1. Oktober 1828 wurden laut Reichsgesetz die Gutsbezirke aufgelöst und in freien Gemeinden umgewandelt (verwaltungstechnisch). Der hiesige Gutsbzirk wurde aufgelöst, und eine neue Gemeinde Klamp feiert seine Auferstehung. Die Wahlen zur Gemeindevertretung wurden auf den 2. Dezember festgesetzt und durchgeführt, so daß mit Beginn des Jahres 1929 alle Einwohner der Gutsbezirke ihre gemeindlichen Angelegenheiten selbst durch ihre gewählten Vertreter regeln durften. So wurden von der Reichsregierung aus auch die Einwohner der früheren Gutsbezirke für voll mündig erklärt. Und das sicher zum Segen der betroffenen Ortschaften und ihrer Einwohner! Und sicher zum Segen auf schulischem Gebiete! Wenn sich in mancher Beziehung zuerst wohl auch eine nicht zu verwundernde Unsicherheit zeigte, so war der Wille und das Gefühl der Verantwortlichkeit doch bald den Anforderungen gewachsen.
An den ersten Tagen des Monats April 1929 erfolgte dann auch endlich die Auflassung der bereits 1923 gekauften Parzellen und die Übernahme der Schuldenlast auf die Landesrentenbank Berlin.
In diesem Jahre wurden aus der Schule entlassen 8 Knaben und 6 Mädchen.
1) Die Gemeinde Klamp war bis 1928 ein Gutsbezirk unter der Herrschaft Hessensteins. Nachdem die preußische Regierung die Gutsbezirke aufgelöst hat, wurde Klamp in eine Landgemeinde umgewandelt.
Sommerhalbjahr 1929
Beim Beginn des Schuljahres wurden neu aufgenommen 18 Rekruten, sodaß die Schülerzahl der beiden ersten Schuljahre 38 betrug. Schon im Vorjahre mußte das 4. Schuljahr, weil der Unterrichtsraum der 2. Klasse die Schülerzahl nicht fassen konnte, vorläufig den obersten 4 Jahrgängen zugeteilt werden.Das Unterrichtsziel mußte deshalb für die 4 letzten Schuljahre zurückgesteckt werden. Um diesem großen Nachteil abzuhelfen und den später einsetzenden Raummangel der 1. Klasse vorzubeugen, wurde die Einrichtung der 3-klassigen mit 2 Lehrern als Übergang beantragt. Die Gesamtschulerzahl von 95 verteilt sich dann wie folgt: Klasse 1 25, Klasse 2 27 und Klasse 3 43 Schüler.
Das Sommerhalbjahr zeichnete sich nach dem überaus strengen Winter aus durch sehr große Trockenheit und über mittlere Wärme. Die Folge war ein allgemeiner Wassermangel und ein sehr schlechter Graswuchs, sodaß auch in unserer Gemeinde Notverkäufe an Rindvieh vorgenommen werden mußten. Die Ernte blieb im Ertrag hinter den der nasseren Jahre etwas zurück.
Das Kindervergnügen wurde in bekannterweise abgehalten, der Anteil der Einwohner war noch größer als in den Vorjahren. Beim diesjährigen Bezirksspielfest, das im Rahmen der Reichsjugendwettkämpfe durchgeführt wurde, errang die hiesige Schule wieder eine gute Anzahl von Siegen und zum 2. Male das Wanderbild.
Eine gründliche Ausbesserung der Klassenräume erfolgte im Spätsommer. Der 2. Klassenraum erhielt, da dringend notwendig, einen neuen Fußboden, eine neue Gipsdecke, neuen Wandputz und neue Fenster, der Unterrichtsraum der 1. Klasse erhielt einen neuen Kalkputz der Wände, neue Fenster und außerdem wurden die beiden Fenster der Ostseite zugemauert. Durch Verlängerung der Ostwand des Korridors bis an die Nordmauer des Gebäudes wurde die notwendige Vergrößerung des Flurs und ein nettes Lehrmittelzimmer geschaffen. Diese Arbeiten kosteten der neuen Gemeinde ca. 2500 RM, waren überaus notwendig und sind nur ein Anfang zu nennen. Die Instandsetzung der Bedachung, die erneuert werden muß, soll bis zum nächsten Etatsjahr zurückgestellt werden. Das Südzimmer der 1. Lehrerwohnung erhält einen neuen Kachelofen,da der alte zusammengefallen war. Außer diesen Ausgaben bewilligte die Gemeindevertretung auf Vorschlag des Schulvorstandes für Lehr- und Lernmittel noch die Summe von 200 RM.
Winterhalbjahr 1929/1930
Das Winterhalbjahr setzte nach den Herbstferien, die um den 20.10. beendet waren, ein und mit ihm außer der Volksschule auch wieder der Fortbildungs-Schulunterricht, der sich jetzt bei Schülern und Arbeitgebern als notwendig und segenbringend durchgesetzt hat. Die Zahl der Schüler betrug 11.
Auch in diesem Winterhalbjahr kamen die Jugendlichen wöchentlich 1x im Klassenraum, der ihnen zur Verfügung gestellt war, zusammen und erfreuten sich am gemeinsamen Singen u. Musizieren, am Tanzen der alten Volkstänze, am Spielen von verschiedenen Gesellschaftsspielen und am Hören der Rundfunkdarbietungen.
Eine besondere Freude erlebte ich in diesem Winterhalbjahr durch die weibliche Jugend der hiesigen Gemeinde, die von sich aus ohne von irgend einer Seite beeinflußt zu sein, eine Jugendabteilung gründeten und mich baten, die Ausgestaltung ihrer Zusammenkünfte zu übernehmen. Nachdem zunächst nur wöchentlich 1x die jungen Mädchen (24 an der Zahl, Bauern- und Arbeitertöchter) in der ihnen bereitwilligst überlassenen Schule sich einfanden, beschlossen sie schon bald, 2x wöchendlich sich versammeln zu wollen und im Sinne der Jugendabteilung des Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz und der Jugendpflege zu "arbeiten“. Mit großer Freude und bewundernswerter Ausdauer haben die jungen Mädchen dann auch ihre "Arbeit“ geleistet und am 23.März durch einen feinsinngen, selten schönen Abend die Gemeinde beschenkt. Im Verein der männlichen Jugendlichen haben sie sich nun das Ziel gesteckt, ein ihrer Arbeit entsprechendes Jugendheim einrichten zu helfen und einen für Spiel und Sport genügend großen Spielplatz mit herstellen zu wollen.
Die von der Schule veranstaltete Weihnachtsfeier im Beckschen Saale mußte einem Wunsche der Gemeindemitglieder entsprechend an 2 Abenden geboten werden. Ein Weihnachtsfest ohne die Schulfeier ist im Gemeindebezirk kaum mehr denkbar, es gibt wohl kaum einen Erwachsenen und sicher keinen Jugendlichen, der der Veranstaltung fern bleibt, kommen doch aus den Nachbargemeinden mehrere Eltern und Kinder, um mitfeiern zukönnen.
Durch Beschluß der Gemeindevertretung wurde die Unterhaltung der öffentlichen Wege auf die gespannhaltenden Einwohner je nach der Größe des Besitzes verteilt. Die Folge war ein größeres Interesse an der Instandsetzung und Bestandhaltung der Wege, die in regenreichen Jahreszeiten bis jetzt für Fußgänger schwer passierbar gewesen waren. Die Instandsetzung der Wege wurde durch den milden Winter sehr begünstigt.
Der regenarme, trockene Sommer 1929 und der milde, wenig Feuchtigkeit bringende Winter 1929/1930 hatten es bewirkt, daß dieWasserknappheit einzelne Hufenbesitzer Wentorfs zwang, jeden 2. Tag Wasser zum Tränken des Viehs aus dem Dorfteich während des ganzen Winterhalbjahres bis zum Anfang des Monats April zu holen. Die Frühjahrsbestellung war bis Mitte April beendet. Entlassen wurden zu Ostern 1930: 9 Knaben und 2 Mädchen. (Hugo Wilhelm Saggau)
Sommerhalbjahr 1930
Zu Ostern 1930 traten neu ein 2 Knaben und 6 Mädchen, sodaß die Gesamtschülerzahl um 3 auf 92 Kinder fiel. Die eingerichtete "3-klassige mit 2 Lehrern“ wurde genehmigt bis auf Widerruf.
Der Sommer war für unsern Boden günstig, die Halmfrüchte zeigten einen recht guten Ertrag, ebenso war die Hackfruchternte gut.
Das Kindervergnügen fand in gewohnter Weise statt und hat sich als Volksfest eingebürgert, und zwar nicht zuletzt durch die einfachen Wettspiele und durch die zahlreichen Volkstänze veranlaßt.
Beim diesjährigen Bezirksspielfest holten sich die Schüler wieder einige schöne Ehrenurkunden, unterlagen aber im Schlagballendspiel, sodaß das Wanderbild diesmal der Schule Dannau abgetreten werden mußte.
Durch aktive Beteiligung des Lehrers feierte das fast eingeschlafene alte Volksfest, das Ringreiten, eine neue Blüte und verschaffte sich wieder neue Freunde und Gönner, hoffentlich nicht nur vorübergehend. Ebenso sind das Fest der Totengilde und das Erntebierfest in hiesiger Gemeinde wieder fest verankert, sodaß in dieser Beziehung Krieg und Inflation und deren Folgen als überwunden anzusprechen sind.
Ein großes Projekt in Gestalt des Schulumbaus mit einem Kostenanschlag von 22.000 RM zeigte, daß die hiesige Gemeindevertretung Person und Sache noch nicht zu unterscheiden vermochte. Kirchturmspolitik treiben ist nicht rühmlich, hier stand man noch auf andern Standpunkt. Durch Kurzsichtigkeit und falscher Sparsamkeit fiel der Schulumbau mit Wohnung für den 2. Lehrer und 1 Jugendheim in sich zusammen. Von den 22.000 RM blieben nur noch 4.700 RM übrig; von der 1. Summe sollte die Gemeinde nach dem Voranschlag nur 8.000 RM tragen, 14. 000 RM sollten geschenkt werden, von der kleinen Summe schon 3.466 RM. Nach langem Hin und Her wurde eine wesentliche Vergrößerung des Spielpatzes beschlossen und der Schulvorstand mit der Ausführung beauftragt.
Winterhalbjahr 1930/1931
Dem fruchtbaren Sommer 1930 folgte ein sehr milder, bis zum Weihnachtsfeste eines mit Schnee segnender Winter. Schul-, Fortbildungsschul- und Jugendarbeit nahmen den gewöhnlichen Verlauf.
Die Jugendabteilung des Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz veranstaltete unter seiner Mitwirkung von Herrn u. Frau Pastor Gellhausen eine gediegene Adventsfeier für die ca. 30 Alten unserer Gemeinde, an der sich fast geschlossen sämtl. Mitglieder des Frauenhauptvereins beteiligten.
Die Schule gab am letzten Abend vor den Weihnachtsferien für die Eltern und Schulfreunde wieder ihre schon eingebürgerte Weihnachtsfeier unter dem Thema: "Wir glauben an denWeihnachtsmann und seine Helfer.“ Auch dieser Abend mußte wiederholt werden.
Nach langwierigen, unerquicklichen Verhandlungen zwischen Schulvorstand und Gemeindevertretung wurden für die schon öfter beanstandeten Bänke der 2. Klasse Tische und Stühle für 32 Schüler angeschafft, die ein ganz neues und sehr freundl. Aussehen dem Arbeitsraum verliehen und nicht wenig u. a. die Arbeitsfreudigkeit erhöhten.
Der mangelnden Entschlußfähigkeit der Gemeinde-Vertretung ist es m. E. zuzuschreiben, daß auch die Staatsbeihilfe für die Eneuerung der Bedachung jetzt nicht mehr gewährt wird der großen "Sparmaßnahmen“ wegen.
Die alten Brandwehren mit ihren unzulänglichen Handdruckspritzen wurden abgelößt durch eine "Freiwillige Feuerwehr“ mit einer kleinen "Motorspritze!“ Diese notwendige Umformung kostete der Gemeinde allerdings die stattliche Summe von ca 3.000 RM.
Gerade in der Zeit des Übergangs und in der Erwartung der Motorspritze brach durch Kurzschluß entstanden ein Großfeuer hier in Wentorf aus, das daß Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Landmannes Scheel und den Dachstuhl des Wohngebäudes des Arbeiters J. Meyer vernichtete. Während Meyer sämtliches Inventar und sämtliche Möbel retten konnte, fiel sämtliches Inventar und das Mobiliar des W. Scheel den Flammen zum Opfer.
Ostern 1931 wurden 3 Knaben und 2 Mädchen aus der Schule entlassen.
Sommerhalbjahr 1931
Es traten neu ein 3 Knaben und 7 Mädchen; die Schülerzahl betrug 92; 2 Schüler fanden Aufnahme in den gehobenen Klassen der Lütjenbürger Schule.
Auch für das Schuljahr wurde die 3-Klassige mit 2 Lehrern genehmigt. Die Schülerzahl der Klassen betrug: 31, 41 und 20. Das Kindervergnügen fand wie in den Vorjahren unter sehr reger Anteilnahme der Einwohner an einem Sonntag zwischen Heu- und Kornernte statt.
Das kurz vor den Sommerferien in Lütjenburg veranstaltete Bezirksspielfest brachte der hiesigen Schule wieder den Erfolg der Vorjahre für ihre Spiel- und Turnfreudigkeit. Zum 2. Male errangen die Mädchen die Bezirkstrommelballmeisterschaft.
Das Pfingsten stattfindende Ringreiten hatte wieder sehr großen Zuspruch bei den Verheirateten und Unverheirateten; Landwirte und Arbeiter, Beamte und Angestellte, junge Leute und Grauhaarige beteiligten sich auch diesmal am alten Volkssport.
Leider setzte in diesem Sommer ein Preisrückgang bei den landwirtschaftlichen Produkten ein, sodaß es den hiesigen Landwirten und teilweise sogar den Insten äußerst schwer wurde ihren Zins- und Steuerverpflichtungen nachzukommen, zum Teil mußten Schulden im Betriebe gemacht werden, die nicht mehr abgestoßen werden konnten. Die Milchpreise gingen zurück auf ungefähr 8 Pfennig für das Liter, die Schweinepreise sanken auf ca. 40 Pfennig das Pfund Lebendgewicht, die Preise für gute Milchkühe lagen bei 300 RM und auch die Kornpreise ließen nach. Dazu kam noch, daß eine sehr schlecht lohnende Ernte die Notlage der Landwirtschaft noch vergrößerte und gegenüber den anderen Berufen besonders hart empfunden werden mußte. In politischer Beziehung war ein schlagartiger Übergang zum "Radikalismus“ die Folge. Jeder Landmann schränkte sich bis aufs äußerste ein mit dem Halten von Knechten und Mädchen und mit deren Entlohnung. Die Arbeitslosigkeit stieg auch in unserer Gemeinde schnell, da nur die notwendigsten Arbeiten ihre Erledigung finden konnten.
Die Arbeitslosenzahl des Reiches stieg in diesem Halbjahrbis auf 4,5 Millionen. Notverordnungen der Reichsregierung suchten mildernd in die drückenden Verhältnisse einzugreifen.
Winterhalbjahr 1931/1932
Mit dem Beginn dieses Winterhalbjahres trat die "Not“ ziemlich stark in die Erscheinung. Die Geldknappheit wirkte sich besonders deprimierend aus hier auf dem Lande, daß die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in einem ungesunden Verhältnisse standen zu den Preisen der Produkte der Industrie und Gewerbes. Selbst die Einsetzung des Reichssparkommissars1 konnte dieses Mißverhältnis nur etwas mildern die Landwirtschaft verschuldete bedenklich. Den hiesigen Siedlern wurde ein Aufatmen gegönnt durch Erlaß der Zinsen für ein halbes Jahr, aber eine Sanierung bedeutete das noch nicht. Eine völlige "Radikalisierung“ in politischer Beziehung, so hoffte die Landbevölkerung, würde Beseitigung der wirtschaftlichen Notlage herbeiführen, und meines Erachtens nicht zu unrecht.
(Für die Arbeiterbevölkerung der Städte wurden überall im Rahmen der "Winterhilfe“ Erleichterungen gesucht durch Sammlungen und den Erlös von Veranstaltungen verschiedenster Art.)
Die hiesige Fortbildungsschule mußte in diesem Winterhalbjahre ruhen, nicht die notwendigsten Mittel konnten bereitgestellt werden. Der Sport- und Spielverein der männlichen Jugend wurde zeitweise zerrissen ebenfalls durch die "Radikalisierung“. Die Jugendabteilung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz allerdings ließ sich in ihrer "Arbeit“ nicht stören. Zu ihrer diesjährigen Adventsfeier hatte sie sich die Mitwirkung der hiesigen Schule gesichert. Außerdem trugen wesentlich zur Verschönerung Herr u. Frau Pastor Gellhausen sowie Herr Kunstmaler Fidde Biehl* bei. Wie im Vorjahre fand auch das Weihnachtsfest der Schule unter regster Anteilnahme der Gemeinde statt. Die Ende des Winterhalbjahres stattfindenden 2 Wahlen des Reichstagspräsidenten ergab die Wiederwahl Hindenburgs.
Konfirmiert wurden 3 Mädchen und 2 Knaben.
1) Der Reichssparkommissar wurde 1922 in der Weimarer Republik zur Beratung der Reichsregierung bei Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung durch Gutachten und Vorschläge geschaffen. Er nahm örtliche Prüfungen vor, auf Wunsch der Länderverwaltungen auch bei diesen. Der Leiter war im Nebenamt der Präsident des Rechnungshofs des Deutschen Reiches. Als seine Beauftragten waren die Präsidenten der Landesfinanzämter tätig. Von 1922 bis 1938 war Moritz Saemisch neben anderen Funktionen auch Reichssparkommissar.
Sommerhalbjahr 1932
Nach Ostern traten neu in die Schule 2 Knaben und 4 Mädchen ein. Die Schülerzahl betrug 94. Die "3-klassige mit 2 Lehrern“ wurde wieder genehmigt. Der Schuletat erlitt bei Aufstellung des hiesigen Haushaltplanes ziemliche Abstriche, notwendige Sparmaßnahmen mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage der hiesigen Gemeindemitglieder wurden zur Begründung angeführt. Nur die allernotwendigsten Reparaturen konnten infolgedessen durchgeführt werden; das äußerst schadhafte Dach wurde notdürftig ausgebessert und die Aufstellung einer Schulpumpe auf dem Spielplatzewurde nach 2-jährigem Bemühen des Schulvorstandes endlich doch noch Tatsache.
Das im Juni abgehaltene Bezirksspielfest, welches wiein den Vorjahren auf dem Lütjenburger Sport- und Spielplatz im Rahmen der Reichsjugendwettkämpfe statt fand, zeigte die hiesige Schule siegreich in Schlag-, Trommel- und Faustball. Auch in den Dreikämpfen blieben die Schüler nicht hinter den Erfolgen der Vorjahre zurück, sodaß man fast das Wörtchen, unverschämt, das während der Siegerverkündigung fiel, hätte verstehen können.
Das Ringreiterfest am Pfingstsonntage ließ nichts von der "Not der Zeit“ merken, es war wie vorher ein richtiges altes Volksfest. Auch die Jahresfeste der übrigen alten "Gilden“ nahmen den nach der Inflation üblichen Verlauf.
Das diesjährige "Kindervogelschießen“ besonders wirkte trotz der "schweren Zeit“ und der politischen Zerrissenheit einigend und erhebend. Es erfüllte voll und ganz die an es gestellten Erwartungen. Die von den Gemeindeangehörigen gestifteten Geldspenden erreichten trotz der Geldknappheit die bislang noch nicht erreichte Summe von ca. 240 RM.
Die diesjährige Ernte war eine sehr gute, sodaß die dringendsten Forderungen erfüllt werden konnten, die Herabsetzung des Schuldenzinsfußes aber weiterhin notwendig und zur Existenzfrage sich verdichteten.
Ein Erlaß des Kultusministeriums von 2.8. dieses Jahres gab der Kirche das Recht der Einsichtnahme in den Religionsunterricht der Volks- und Mittelschulen.
Da der Inhaber der 2. Lehrerstelle durch eine Magenerkrankung gezwungen wurde, ein Sanatorium aufzusuchen, bewilligte die Gemeinde die Kosten für seine Vertretung. Die Vertretung wurde notwendig für die Zeit zwischen den Sommer- u. Herbstferien.
1) Friedrich Wilhelm Biehl, niederdeutsche Namensvariante: Fidde Biehl geb. 28.1.1893 in Lütjenburg, gest. 1972 in Hamburg war Lehrer, Maler und Bildhauermeister.
Winterhalbjahr 1932/1933
Ein milder Winter, der keine "weißen“ Weihnachten bescherte folgte dem fruchtbaren Sommer. Die Notlage der Landwirtschaft hatte fast einen erschütternden Stand erreicht, sodaß unseren Bauern das ihnen eigene "Stöhnen“ nicht mehr verargt werden konnte. Sie waren nur noch äußerst Bescheiden in der Lage, einen Teil ihrer Zins- und Steuerlast zu begleichen. Die ganzen Verhältnisse des Vaterlandes in jeder Hinsicht zeigten den Zustand einer allseitig drückenden und lähmenden Krise. Die Arbeitslosigkeit mit den demoralisierenden Folgen machten sich schon erschreckend in unserer kleinen Gemeinde bemerkbar.
Trotzdem waren die Adventsfeier der Jugendabteilung des Vaterländischen Frauenvereins v. R. Kreuz und die Weihnachtsfeier der Schule erhebende Momente und vereinigte die sich durch die wirtschaftliche Not immer gespannter gegenüberstehenden Bauern und Arbeiter.
Am 31.1.1933 wurde der größte Teil der deutschen Bevölkerung vom Alpdruck befreit durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Das neue erwachende Deutschland des Nationalsozialismus wurde vom greisen Generalfeldmarschall von Hindenburg betraut mit der Führung des deutschen Volkes und Staates.
Und die Wahlen am 5. u. 12. März 1933 gaben der "nationalen Front“ die absolute Mehrheit und damit waren die Zweifler überzeugt von der Richtigkeit der Entscheidung am 31.1.1933
Der Sieg der "nationalsozialistischen Revolution“ war erkämpft in seiner 1. und bedeutungsvollsten Phase.
Sommerhalbjahr 1933
So schnell und gründlich auch der Nationalsozialismus im Staat die Macht im Jahre 1933 erkämpft hatte, hier in der Gemeinde, "der roten Hochburg“ der "Novemberlinge“1, war der Spuk noch nicht so ohne weiteres zu bannen. Mit zäher Energie versuchten die hiesigen kleinen Bonzen ihre Position zu halten und ihre Pöstchen zu sichern.
Doch durch das Zusammenfassen der besseren Kräfte in der Anfang März hier gegründeten NSDAP unter Führung des 1. Lehrers, wurde auch die hiesige Gemeinde langsam aber sicher umgekrempelt. Während noch bei den Gemeindewahlen die alte Richtung 119 Stimmen, die Liste der NSDAP 117 Stimmen und eine 3. Liste (Nörgler) 12 Stimmen erhielt, zeigte derTag der nationalen Arbeit, der 1. Mai, dank der Rührigkeit und des bestimmten Tons der NSDAP Leitung schon ein Wackeln der"eisernen Front“. Und am Ehrentag der deutschen Bauern, dem 1. Okt., brachte die Geschlossenheit der Gemeinde und die Mitwirkung fast aller Einwohner vom Gutspächter herunter bis zum letzten Arbeitslosen und seiner Familie der Gemeinde den Ehrenpreis, eine Hitlerplakette.
Schon am 10.4. wurden der alte Gemeindevorsteher und sein Stellvertreter (und etwas später die "sozialdemokratisch“ angehauchten Gemeindevertreter) ihrer Ämter enthoben und der Führer der hiesigen NSDAP, der am 5.4. bei der Gründungder Ortsgruppe ernannte Ortsgruppenleiter, zum kommissarischen Gemeindervorstand (und weiteren Parteigenossen mit anderen Gemeindeämtern) komissarisch betraut.
Das Schuljahr begann wegen des völkischen Umbruchs und der damit verbundenen Reinigung des Beamtenkörpers - speziell der Erzieherschaft - erst am 1. Mai. Es traten, nachdem Konfirmanden Ostern aus der Schule enlassen waren, neu ein 5 Knaben und 7 Mädchen. Die Gesamtschülerzahl betrug am Anfang des Schuljahres 98 Kinder. Nach mehrjähriger Genehmigung wurde wieder statt der "3-klass. mit 2 Lehrern“ vom Schulamt Plön wieder die gesetzliche "Zweiklässige“ angeordnet. Im übrigen zeigte mit Ausnahme des bewußt und offen nun wieder (zum 1. Male seit 1918) "deutsch“ eingestellten inneren Unterrichtsbetriebes, die Schule das allmählich gewordene alte Gesicht der Volksverbundenheit.
Das Kindervergnügen und auch die alten Volksfeste das "Ringreitens“ und der "Totengilde“ und der "Ruhgilde“ waren gewohnheitsmäßig besucht.
Die Anfang September beendete Ernte war trotz des trockenen Sommers sehr lohnend.
1) "Novemberlinge“ ist ein abwertender politischer Kampfbegriff aus der Zeit der Weimarer Republik. Er wurde von konservativen, nationalistischen und rechtsextremen Kreisen genutzt, um die Politiker und Verantwortlichen der Novemberrevolution 1918/19 sowie der frühen Weimarer Republik zu diffamieren.Der Begriff zielt darauf ab, die Akteure, die im November 1918 die Monarchie stürzten und die Demokratie errichteten, als "verantwortlich“ für die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg und das folgende Chaos darzustellen.
Winterhalbjahr 1933/1934
Gleich nach Beginn des Wintersemesters wurde der Inhaber der 2. Lehrerstelle abberufen von der Regierung an die einklässige Volksschule zu Brenkenhagen, Kreis Oldenburg. 9 1/4 Jahre lang hatte der stille, deutsche Hans Zitterbaum hier segendreich gewirkt und sich dadurch einen Platz in den Herzen der Schüler und Eltern erobern können. Mit der Verwaltung seiner Stelle würde gleich nach seinen Fortgang der Schulamtbewerber Waldemar Schnegg beauftragt.
Ich, Waldemar Schnegg, bin am 2.9.1911 zu Pinnow bei Frankfurt/Oder geboren. Mein Vater, der Kunstmaler Hugo Ernst Schnegg, ist Bayer und hat seine Vorfahren in Tirol und Bayern. Meine Mutter ist Norddeutsche, ihre Vorfahren sind Hamburger und Dänen gewesen. Der Beruf meines Vaters brachte wegen ungenügender Verdienstmöglichkeiten einen mehrfachen Wohnungswechsel mit sich, so daß ich in Niederschlesien zu Ostern 1917 zur Schule kam, mit 9 Jahren nach Augsburg, mit 11 Jahren nach Hamburg und mit 14 Jahren nach Blankenese umgeschult wurde, wo ich am 18. März 1930 die Reifeprüfung des Reform-Realgymnasiums ablegte. Das häufige Umziehen bewirkte, daß ich keinen Fleck in Deutschland meine eigene Heimat nennen konnte, aber nun fühle ich mit Freude und Stolz, daß ich Schleswig-Holsteiner geworden bin. Ich studierte nun an der neugegründeten pädagogischen Akademie zu Altona und legte am 18. März 1932 dort die erste Lehrerprüfung ab. Unsere Ausbildung, die etwas Reuartiges und die fruchtbare Zusammenfassung der pädagogischen bewegung nach dem Kriege darstellen soll, war leider zum größten Teil verfehlt. Die Erziehung wurde als in sich ruhende Erscheinungsform des geistigen Lebens betrachtet, und die erzieherische Haltung des Lehrers mit aller Sorgfalt gekennzeichnet, – und darin sehe ich trotz mancher schwerer Irrtümer das einzig Wertvolle meiner Ausbildung – aber man wollte und konnte uns kein bestimmtes Ziel für die Erziehungsarbeit zeigen. Es gab überall "Problemie“ (Anm. polnisch, Probleme) und so würden wir in allem mißtrauisch und nörglerisch, sodaß wir während unserer Ausbildung oft mit überlegenem Lächeln auf die schreckliche Rasse der Volksschullehrer herabsahen. Mich ärgerte diese Überheblichkeit immer, dem Einfluß dieses Wahnwitzes könnte ich mich aber doch nicht entziehen. Die verhängnisvolle Einstellung zu unserer Berufsarbeit und unserem Stand erschwerte meine Tätigkeit anfangs sehr. Vor lauter falscher Gewissenhaftigkeit, und in dem peinlichen Streben, ganz im Sinne der Akedemie zu wirken, waren die einfachsten Dinge des Unterrichts eine Qual für Lehrer und Schüler. Zunächst suchte ich die Ursachen, für die Schwierigkeiten nur bei mir selbst, kam allmählich dazu, was ich auf der Akademie gelernt hätte, zu vernachlässigen und von den Kollegen Rat zu holen; der Nationalsozialismus brachte mich aber zu der volligen Ablehnung meiner Ausbildung, besonders seit ich den Reichsleiter des nationalsozialistischen Lehrerbundes, Kultusminister Schemen, auf der Jahrtagung in Kiel am 3. Februar dieses Jahres hörte. Zuerst war ich in Blankenese 14 Jahr als Hospitant tätig, kam dann durch ein Angebot der Stadt Westerland auf Sylt zum Sommer dorthin und wurde nach den Herbstferien von Regierung hierher geschicht. Ich hatte vorher noch keine Klasse mit mehreren Abteilungen gehabt und freute mich auf diese neue Aufgabe für meinen Beruf, zumal mir der Rektor der Schule in Westerland wertvolle Winke (Anm. Hinweise) für die Selbsttätigkeit der Kinder gegeben hatte. Mir kam es hier in erster Linie darauf an, gründlich zu arbeiten. Meine vornehmste Sorge war die deutsche Sprache. Darum versuchte ich besonders Kinder zum Freien Erzählen zu bringen. Wenn sie auch guten Willen zeigten, so war doch der Erfolg meiner Bemühungen nicht groß, daß ich nicht Plattdeutsch sprechen konnte, machte den Anfang schwer. Auch die Sprachlehre sollte eine feste Grundlage bekommen. Zu dem Zweck ließ ich ein besonderes Heft anlegen, worin an Beispielen, die wir in gemeinsamer Arbeit zusammenstellten, der richtige Gebrauch der Verhältnißwörter gezeigt wird. Ich hatte vor, auch den Gebrauch des 3. oder 4. Falles nach Tätigkeitswörtern und die Zusammensetzung von Ding-, Tätigkeitswörtern und anderen häufig vorkommenden Wortzusammensetzungen – was ich auch schon durchgenommen und geübt hatte – darin zu behandeln, aber dazu reichte die Zeit leider nicht mehr aus. So versuchte ich den Zahlosen sprachlichen Fehlern, die durch Übertragung der Mundart ins Hochdeutsche zustande kommen, wirksam zu begegnen. – Alle Arbeit sollte mit herzlicher Freude und mit Anspannung aller Kräfte getan werden, darum bestrafte ich nicht nur Nachlässigkeiten bei Arbeiten, die zu Hause gemacht wurden, sondern ebenso auch, wenn jemand in der Schule liederlich gearbeitet hatte, aber wer gut und sorgfältig arbeitete, erhielt auch ein entsprechendes Lob als unmittelbaren Ausdruck meiner Freude. Außerhalb des Unterrichts spielte und scherzte ich gerne mit den Kindern.
Gleich zu Beginn des Winterhalbjahres begann durch die nationalsoz. Regierung der Kampf gegen Hunger und Kälte. Das Winterhilfswerkt der HJ Volkswohlfahrt wurde getragen vom ganzen deutschen Volke; es zeigte sich eine Opferbereitschaft und eine Opferwilligkeit, die Bewunderung selbst des Auslandes trotz Neid und Verhetzung sich erzwang. Gemeinde Klamp stand in der Opferbereitschaft wahrlich nicht an letzter Stelle. Die Bauern gaben ungefähr das 1 ½ - bis 1 ⅔ fache dessen, was als Norm hingestellt wurde, und eine geradezu einzigartige Gebe- und Opferfreudigkeit zeigte die minderbemittelte Arbeiterschicht.
Dank der Winterhilfe war es möglich, auch in unserer Gemeinde, Hunger und Kälte von den Familien in diesem Winter fernzuhalten, und die Schüler griffen begeistert und erfreut mit ein.
Der 12. November brachte dem Nationalsozialismus und seinem Führer, dem Volkskanzler Adolf Hitler, die Quittung des gesamten deutschen Volkes: 93% des 65 Millionenvolkes bekannten sich zur Politik der NSDAP und das Ausland horchte staunend und bewundernd auf die Einheit Deutschlands, wie sie die Geschichte Deutschlands und auch der ganzen Welt bislang noch nicht gesehen hatte. – In unserer Gemeinde gingen 99,5% der Wähler an die Urne und 94,5 % bekannten sich zur Politik Adolf Hitlers.
Daß die Weihnachtsfeier der Schule in diesem Jahr zum erstenmale nicht stattfand, wurde zwar bedauert doch nach reiflicher Überlegung leidlich hingenommen, zumal ein Anfang Januar stattgehalter Elternabend der Schule einigermaßen "Ersatz“ bot.
Anfang Januar wurde die Frauenschaft Klamp ins Leben gerufen, sehr zum Leidwesen einiger Vorstandsmitglieder des bis dahin wirklich ideal verbreitenden "Frauenvereines v. R. Kreuz“. Die Tage des Frauenvereins allerdings sind schon gezählt, den mit dem Tage des Ausscheidens "unserer Schwester Marie Vogt“ (einer Schülerin d. Johann Hinr. Fahrs) die im Dezemeber schon ihren 70. Geburtstag feierte, bricht der Frauenverein zusammen. Es traten sofort 41 Frauen der NS Frauenschaft bei, Leiter wurde die älteste Nationalsozialistin der Gemeinde: Fräulein Elli Abraham, Klamp (Hitlerine).
Während sich die schulpflichtigen Knaben schon im April 1933 dem Jungvolk stellten, gründeten die Schülerinnen erst im Jahre 1934 eine Jungmädelnschaft. Leider erlaubt das Portemonaie vieler Väter nicht, daß alle Schüler und Schülerinnen den Wunsch, das Braunhemd zu tragen, erfüllt bekommen.
Am Sonntag Judica (Anm. 5. Sonntag der Passionszeit im christlichen Kirchenjahr Passionssontag) wurden konfirmiert: 4 Knaben und 6 Mädel.
Mit dem 31. März schied der Schulamtsbewerber W. Schnegg aus dem hiesigen Schuldienst; er wurde abberufen nach Georgenburg, einem kleinen Orte 5 km von Insterburg in Ostpreußen.
Und mit dem 31.3. verließ auch ich den hiesigen Schuldienst, da ich mit dem 1.4. an den Volksschuldienst des nahen Städtchens Lütjenburg berufen war. Als Frontkämpfer kam ich vor 14 ½ Jahren hierher, Frontkämpfer musste und durfte ich hier sein in meiner Arbeit in der Schule und der Gemeinde. Ein nie erlahmender Mut, ein unerschütterlicher Glaube an das Gute, Schöne und Edle und eine gute Dosis Humor halfen mir meinen Kampf führen und den Weg der Pflicht gehn. "Nur treu!“ das waren die beiden Leitworte meines hiesigen Wirkens und Strebens. Mit dankbaren und ein wenig schweren Herzens verlasse ich die Gemeinde Klamp, die Stätte meines vielleicht fruchtbarsten Schaffens.
Ostern 1934, Saggau
1) Die Marine-Brigade von Loewenfeld, auch als 3. Marine-Brigade bekannt, war ein Freikorps der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, das aus Angehörigen der ehemaligen Kaiserlichen Marine aufgestellt wurde. Sie war antirepublikanisch, antidemokratisch und antisemitisch. Mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot der "Reichskriegsflagge“ – statt mit den "Verfassungsfarben“ Schwarz-Rot-Gold – und dieses politische Bekenntnis mit dem Hakenkreuz-Symbol noch verschärfend, bekundeten die völkisch-rechtsextremistischen Gegner der demokratischen Republik öffentlich ihre Bereitschaft zu deren Beseitigung mit Waffengewalt.
2) Als Spartakusaufstand, Januarkämpfe oder Januaraufstand bezeichnet man den Generalstreik und die bewaffneten Kämpfe in Berlin vom 5. bis 12. Januar 1919 im Zusammenhang mit der Novemberrevolution.
Ostern 1934
Die Kollegen Saggau und Schnegg haben die Schule verlassen, der eine nach Lütjenburg, der andere nach Ostpreußen. Mit Beginn des neuen Schuljahres traten auch die neuen Lehrkräfte an. Für die 1. Klasse der Lehrer Wilhelm Jüppner, für die 2. Klasse der Schulamtsbewerber Werner Schwabroh
Möge ein kurzer Lebensabriß beider am Anfang einen Platz finden, zunächst für den Lehrer der 1. Klasse Wilhelm Jüppner.
Geboren wurde ich am 7. August 1899 in Hanerau, Kreis Rendsburg. Meine Eltern siedelten schon 1900 nach Tating, Kreis Eiderstedt, über und hier habe ich dann in ungebundener Freiheit meine Jugendjahre verleben dürfen. Dort besuchte ich auch neun Jahre lang die dreiklassige Volksschule. Im ersten Kriegsjahr - Ostern 1915- wurde ich konfirmiert und aus der Volksschule entlassen. Ich trat in die Seminer-Präparanten-Anstalt Sondern ein. Durch mancherlei Ferienunterbrochen konnte ich hier den ersten Teil meiner Schulausbildung erledigen. Wie wohl bei jedem gesunden deutschen Jungen tauchte auch bei mir immer wieder de Wunsch auf, meinem Deutschen Vaterland mit der Waffe in der Hand in schwerster Zeit an der Front zu dienen. Dieser Wunsch sollte noch rechtzeitig seine Erfüllung finden. Im Juni 1917 - kaum in die 1. Präparantenklasse eingetreten - 17 jährig- wurde ich zum Heeresdienst eingezogen. Eine kurze infantristische Ausbildung erhielt ich beim Garde-Füsilier Regiment in Berlin, bald darauf wurde ich versetzt zur 2. Erf. M. G. K. des Gardekorps und wurde dort als Mashinengewehrschütze gründlichst ausgebildet. Mehr als acht Monate stand ich dann bei der 2. M. K. des Res. J. Rept. Nr 64.(1. Gard. Res. div.) an der Westfront, erhielt des E. K. 2. Klasse und wurde am 11. November 1918 wenige Stunden vor Beginn des Waffenstillstandes verwundet. Nach Ausheilung meiner Verwundung konnte ich den Weg zurSchulbank zurück noch nicht finden, trat vielmehr einem Freikorps (v. Loewenfeldt)1 bei und kämpfte mit diesen im März 1919 in Berlin gegen Spartakus2. Der zweite Teil meiner Lehrerausbildung lag dann von Ostern 1919 bis Juni 1921 aber auch diese Zeit war von mancherlei politischen und wirtschaftlichen Ereignissen überschattet. Bis Pfingsten 1920 besuchte ich noch das Seminer in Tondern und erlebte hier in nächster Nähe den Abstimmungskampf in Nordschleswig. Dann siedelte das Semiar nach Niebüll über und hier konnte ich dann auch im Juni 1921 - nachdem die beginnende Geldentwertung die wirtschaftliche Grundlage meiner Ausbildung wesentlich verschmälert hatte - meine 1. Lehrerprüfung machen. Wegen Überfüllung fand ich aber keine Beschäftigung im Schuldienst.In den verschiedensten Berufen, zuletzt als Angestellter auf dem Finanzamt in Husum, fand ich Unterkommen. Anfang 1923 war ich dann aber auch "dran“ und wurde als Schulamtsbewerber an der Knabenbürgerschule in Bad Segeberg beschäftigt. Hier war ich vom Februar 1923 bis Ostern 1924.Der Abbau auf dem Gebiete der Schule traf auch mich. Bald aber fand ich neue Beschäftigung und zwar im Kreis Südtondern, im "Grenzgebiet“. Bis zum 31. 12. 1926 war ich als 2. Lehrer an der zweiklässigen Volksschule in Uphusum. Hier machte ich auch die 2. Lehrerprüfung. Vom 1.1.1927 bis zum 31.3. 1934 verwaltete ich die 2. Lehrerstelle an der dreiklassigen Volksschule in Humptrup, Kreis Südtondern. Anschließend wurde ich nach hier versetzt. Zum Abschluß noch ein Wort zur national sozialistischen Revolution. Verhältnismäßig früh fand ich den Weg zu Hitler betätigte mich bereits 1902 als politischer Leiter, als Kreisordner und baute als Kreisbeauftragter für den Arbeitsdienst im Kreis Südtondern den national sozialistischen Arbeitsdienst auf. Hier übernahm ich den Posten eines Ortsgruppenleiters der NSDAP–Ortsgruppe Klamp.
Wilhelm Jüppner
Ostern 1934
Am 20 Februar 1911 wurde ich als zweiter und letzter Sohn des Eisenbahn Oberingenieurs Heinrich Schwabroh in Altona, in irgendeiner Großstadtstraße geboren. Nach der Taufe hieß ich Werner Schwabroh. 1913 zogen die Eltern mit uns aus der Binnenstadt hinaus in den zweiten Grüngürtel der Stadt Altona. In der nahegelegenen Oberrealschule kletterte ich von Etage zu Etage höher und machte im Jahre 1930 meine Reifeprüfung. Mein letzter Klassenlehrer erreichte durch sein Vorbild, daß ich mich dem Lehrerberuf zuwandte. Die im gleichen Frühjahr gegründete Pädagogische Akademie in Altona nahm mich auf. Das Bestreben der Professorin, in uns Studenten vor allen Dingen "Kräfte zu entwickeln“ fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Ich bekam den Mut mancherlei Fähigkeiten zu pflegen, an die ich vorher nie dachte. Persönlich gefielen uns unsere Lehrmeister alle gut, aber sie waren doch Opfer der Lehre, der sie sich verschrieben. In der pädagogischen Ausbildung konnten sie nur in wenigen Gleichgearteten Begeisterung erzeugen, für die Meißten war es Quälkram, sich durch das Gewirr und Gestrüpp der verschiedenen Richtungen hindurchzuarbeiten. So war es zum Schluß so, daß wir froh waren in die Praxis gehen zu können. Im Frühjahr 1932 bestand ich die erste Lehrerprüfung. Die Aussichten im Beruf waren sehr schlecht. Man sprach von 15.000 - 20.000 arbeitslosen Junglehrern. Die Notlösung der 50 Hospisanten gefiel mir nicht und ich bewarb mich an das Landerziehungsheim Nordeck in Oberhessen bei Gießen. Diese entlegene Karolingerburg ist in ruhigen Zeiten ein idealer Aufenthalt, sie war für meine persönliche Formung und Selbsständigkeit fast entscheidend, und doch bewarb ich mich nach einem Jahr wieder fort, weil inzwischen der 30. Januar 1933 war, weil man sonst garnichts von der wahren Erhebung gespürt hätte, denn in Zeitungen und Radio kann man das wahrhaftig nicht. Ich kehrte nach Altona zurück, war vom April bis Oktober Hospitant an der 2. Mädchen Volksschule in Altona, vom Oktober bis Dezember Hilfslehrer an der 4 Klassigen Volksschule in Altona-Rissen, vom Dezember bis April 1934 vollbeschäftigter Lehrer an der 2. Knaben-Volksschule in Wandsbeck. Dann bekam ich von der Regierung die Berufung nach Wentorf bei Lütjenburg als Unterlehrer und nun bin ich hier.
Mein Verhältnis zum Nationalsozialsmis gestaltete sich folgendermaßen. Als Primaner waren wir begeistert unter Führung des Klassenlehrers. Er hatte nur die inzwischen längst fallen gelassene Auffassung, daß eine Uniformierung sehr schädlich sei für den jungen Charakter. Er nahm uns mit zu den Vorträgen von Stapel, Gebr. Günther und anderen. Aber über den Versammlungsbesuch kamen wir nicht hinaus. Die Zeit auf der Akademie war sehr gefährlich, denn ohne daß wir es recht merkten, impfte man uns sozialdemokratisch. Trotzdem zeigten die Gespräche in den Tagungsräumen, daß bei den allermeisten das Gesunde siegte. Nun 1932 kam Mordeck, das abgelegene Nest, wo noch Raubvögel kreisten. Hier sah und hörte man nichts, deshalb die Bewerbung nach Altona, Eintritt in die Schutzstaffel und schweren Dienst geschoben. Wir sogenannten "Märzgefallenen“1 hatten es nicht leicht. Nachher, als alles kam, war es gleich aber jetzt am Anfang bekamen wir viel zu hören. Das hat sich alles gegeben. Hier in Wentorf mache ich Dienst in Lütjenburg.
Werner Schwabroh
Bald nach Beginn des Schuljahres - am 27. April - erscheint der Schulrat (Herr Stöpel, Plön) und wohnt dem Unterricht beider Klassen bei. Am 31. Mai mache ich mit der 1. Klasse den ersten größeren Wandertag. Per Rad geht es an der Nordseite des Selenter Sees entlang nach Laboe. Das Marine-Ehrenmal erregt mit seinen gewaltigen Ausmaßen das besonderen Erstaunen der Kinder. Ein Erlebnis für sich ist die Dampferfahrt von Laboe nach Kiel hinein. Fast alle betreten zum ersten Mal in ihrem Leben ein Schiff. Der Höhepunkt soll aber noch kommen – ein Besuch im Zirkus "Straßburger“. Da leuchten die Augen nach dieser fremdländischen Märchenpracht. Auch die Heimfahrt mit dem Rad gemacht. Eine ganz beachtliche Leistung haben die Kinder hinter sich gebracht als wir nach 10 Uhr wieder im Haus sind.
Eine Neueinrichtung auf dem Gebiet der Lehrerbildung schlägt seine Wellen nach Wentorf. Der Student (1. Semester), der Hochschule für Lehrerbildung in Kiel Werner Blunck hospitiert ca. 14 Tage im Unterricht der 1. Klasse und macht die ersten schüchternen padg. Gehversuche. Auf diesem Wege will man die kommenden Lehrer mit der Landschule und dem Leben der Dorfbevölkerung in Verbindung bringen.
Am 1. Juli feiert die Schule nach altem Brauch ihr Vogelschießen. Viel schöne Tradition kann fortgeführt werden, zum ersten Mal flattert auch wieder ein richtiger Vogelauf der Stange und wird mit einem Gewehr heruntergeholt. Wie stark das Interesse des ganzen Dorfes an ihrer Schule ist, mag daraus hervorgehen, daß mehr als 200 RM für Geschenke zur Verfügung gestellt werden. Bei schönstem Sonnenschein war es ein herrliches Dorffest.
Im neuen Deutschland bedürfen drei Tage besonderer Erwähnung: Der 1. Mai der Tag der Sommesonnenwende und der 1. Oktober als Erntedanktag. Alle drei werden unter allseitigen Anteilnahme der Gemeinde gefeiert in einem würdigen Rahmen. Am 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit beteiligen wir uns an einer gemeinsamen Kundgebung in Lütjenburg. Am Abend der Sommersonnenwende leuchtet von den Höhen der "Kuhberge“ ein mächtiger brennender Holzstoß. Jung und Alt umsteht des Feuer lauscht der Rede und singt gemeinsam. Zum Schluß wagt die Jugend den Sprung durch des herabsinkende Feuer!
Der Sommer war ausnahmsweise trocken, einenTag nach dem andern brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel - ein ausgezeichnetes Wetter für den Erholung suchenden Großstädter. Voll banger Sorge sah der Bauer oft in die Zukunft. Die Beschaffung des Wassers machte Schwierigkeiten. Weite Wege mußten mit der Wassertonne gemacht werden. Die Weiden boten einen trostlosen Anblick. An manchen Stellen mußte das Vieh sogar in den Stall gebracht werden. Im Korn drohte eine völlige Mißernte. Und doch ging noch alles zum Guten. Wenn auch die Strohmenge erheblich unter dem Durchschnitt blieb, so war das Dreschergebnis durchaus befriedigend.
Daher hatte die Gemeinde allen Grund mit dem ganzen deutschen Volk am Sonntag, dem 30. September, das Erntedankfest zu feiern. Ein festlicher Umzug mit geschmückten Erntewagen usw. ging von Vogelsdorf über Wentorf und Rönfeldholz nach Klamp. Dort wurde der Erntekranz überreicht.
Am 2. August 1934 - genau 20 Jahre nach Ausbruch des Weltkrieges - starb der Reichspräsident Generelfeldmarschall v. Hindenburg, der große Führer in schwerer Kriegs- und Nachkriegszeit. Am 7. August wurde er im Feldherrn Turm des Tannenberg Denkmals unter höchsten Ehren beigesetzt. Am 10. August sollte das deutsche Volk selbst seinen Nachfolger bestimmen. Bei stärkster Wahlbeteiligung erklärten sich mehr als 90% des deutschen Volkes damit einverstanden, daß der Führer der NSDAP - Der Gefreite des Weltkriegs – Reichskanzler und Führer der deutschen Volkes wurde. Ein erhebender Beweis deutscher Einigkeit. In der Gemeinde Klamp waren von 295 abgegebenenStimmen 283 Ja-Stimmen und nur 12 Nein-Stimmen!
Durch Verfügung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 30. Juli 1934 wird als Erziehungsberechtigte neben Schule u. Elternhaus die Hitler-Jugend-Bewegung gestellt. Der Sonntag soll grundsätzlich der Familie und dem Elternhaus gehören. Der Sonnabend wird als Staatsjugendtag der HJ zur Verfügung gestellt. In der Schulpraxis wirkt es sich dahin aus, daß für den eigentlichen Unterrichtsbetrieb nur noch die Tage vom Montag bis Freitag jeder Woche zur Verfügung stehen. Am Sonnabend gehen alle die Kinder, die zum Jungvolk und zur Jungmädelschaft gehören zu ihrer Organisation. In der Schule sind nur diejenigen, die nicht der HJ angehören oder aber bereits 14 Jahre alt sind und werden hier nach einem besonderen Lehr- u. Stundenplan im Sinne des national-sozialistischen Staates erzogen. Es handelt sich nur um ¼ der Schüler der 1. Klasse, alle anderen gehen zum Staatsjugendtag.
Im Laufe des Winters werden wir verschiedene Elternabende veranstalten um das Band zwischen Schule und Elternhaus fester zu knüpfen und das Interesse der Eltern an unserer Schularbeit zu steigern.
Ende Oktober steigt der erste als "Saarabend“. Spiel, Lied und Bild fesseln die zahlreich erschienenen Einwohner und lassen sie etwas spüren von dem Kampf, von den Sorgen und Nöten unserer Brüder an der Saar.
Am 9. November veranstaltete die Ortspruppe der NSDAP eine eindrucksvolle Totengedenkfeier für die Gefallenen der national-sozialistischen Bewegung und die Toten des Weltkrieges. Die Beteiligung war sehr gut.
Am 1. Advent ist der 2. Elternabend als Adventsfeier ausgestaltet. Die wachsende Zahl der Teilnehmer zeigt, daß wir auf dem rechten Weg sind. Es ist wohl keine Familie, die nicht durch wenigstens ein Mitglied vertreten ist.
Vom 3. - 16. Dezember nahm der 1. Lehrer als Ortsgruppenleiter der NSDAP an einem Lehrgang der Kreisführerschule2 in Preetz teil. Während dieser Zeit hielt der 2. Lehrer den Unterrichtsbetrieb in Form der Halbtagsschule aufrecht.
Mit Unterstützung der Beratungstelle für das Volksbüchereiwesen in Flensburg ist es möglich eine neue – wenn auch im Anfang in ihrem Umfang bescheidene doch inhaltlich wertvolle - Dorfbücherei aufzubauen. Sehr schnell setzt ein reger Buchverleih ein; ein Beweis dafür, daß die Neueinrichtung nicht überflüssig war.
Im Kampf gegen Hunger und Kälte setzte Anfang Oktober die Tätigkeit des Winterhilfswerkes 1934/35 ein.
Von den Schülern wird monatlich einmal die Pfund-Spende eingesammelt. Der monatliche Eintopfsonntag3 ist Allgemeingut des deutschen Volkes geworden. Am Anfang eines jeden Monats wird eine Plakette verkauft. Inzwischen kommt noch die eine und die andere Sammlung und immer wieder finden sich Sammler und Geber. Durch die eingehenden Spenden kann viel Not gelindert werden - nicht nur hier - große Spenden können zur Großstadt gegeben werden oder in Notstandsgebiete zum Versand gebracht werden. Nach Abschluß des Winterhilfswerk 1934/35 werden Spendenaufkommen und Wert der verteilten Unterstützungen in der Chronik verzeichnet werden. An diese Stelle kann erwähnt werden, daß während des vorjährigen Winterhilfswerk im deutschen Volk 360.000.000 RM durch freiwillige Spenden aufgebracht wurden und an bedürftige Volksgenossen zur Verteilung gelangen konnten.
Der 13. Januar ist der Schicksalstag der Deutschen an der Saar4. Nach 15-jähriger Feindherrschaft sollen sie über ihr Schicksal entscheiden. Deutschland, ja die ganze Welt schaut in diesen Tagen auf des kleine Land mit seinen 800.000 Einwohnern. Trotz aller Schikanen durch Völkerbundsregierung, Emigranten Juden und Marxisten bewahren die Saarländer eine vorbildliche Disziplin und geben den Franzosen nicht den so sehr gewünschten Grund zur Einmischung mit bewaffneter Macht! Am Morgen des 15. Januar erwartet alles am Lautsprecher das Ergebnis der Abstimmung. Wenig nach acht Uhr ist es heraus: Mit mehr als 90% bekennen sich die Saarländer zum deutschen Vaterland und seinem Führer Adolf Hitler! In wenigen Augenblicken prangt unsere Gemeinde im Flaggenschmuck und abends veranstalten die Formationen der Gemeinde einen Fackelzug.
Ende Januar 1935 nehmen Grippe und Masern im Dorf überhand. Am 1. Februar fehlen von Schulkindern nicht weniger als 47. Auf Anordnung des Kreisarztes wird die Schule daraufhin bis zum 7. Februar geschlossen. Bösartig tritt die Krankheit nicht auf.
Am 25. Februar 1935 wird der 3. und letzte (Winter)Elternabend dieses Winters gefeiert. Frohsinn ist die Parole. Ein selbstgebautes Kaspertheater, Schatten- und Märchenspiele unterhalten Jung und Alt.
Das Winterhilfswerk 1934/35 kann im Bezirk der Ortsgruppe Klamp (umfassend die politischen Gemeinden Klamp und Giekau) mit dem sehr erfreulichen Ergebnis von 4.500 RM abgeschlossen werden. Vor diesem Betrag werden 1.000 RM hier verteilt, während 3.500 RM der Großstadt und anderen Notstandsgebieten zur Verfügung gestellt werden. Sozialismus der Tat!
Das Schuljahr 1934/35 ist zu Ende. Zum ersten Mal werden Zeugnisse verteilt. In Zukunft werden sie halbjährlich erscheinen. Entlassen werden aus der Schule 9 Schüler - 5 Knaben und 4 Mädchen. Zwei weitere Schüler verlassen die Schule. Der eine geht zur National-Politischen-Erziehungsanstalt in Plön, der andere zur gehobenen Schule in Lütjenburg.
1) Im Verlauf der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und hier besonders nach der Reichstagswahl März 1933 kam es zu zahlreichen Eintritten in die NSDAP, nicht zuletzt von Beamten und staatlichen Angestellten, denen die Mitgliedschaft bis dahin verboten war. Viele der Antragsteller erhofften sich vom Beitritt berufliche Vorteile oder befürchteten berufliche Nachteile (z. B. Entlassung), wenn sie nicht NSDAP-Mitglied waren. Diese Neumitglieder, denen "alte Kämpfer“ Opportunismus unterstellten, wurden als "Märzgefallene“ oder Märzveilchen verspottet.
2) Kreisführerschule. In Wochenkursen werden Funktionsträger des öffentlichen Lebens und innerhalb der NSDAP im Sinne des Nationalsozialismus in der geschult, um dessen Ziele an den jeweiligen Schaltstellen effektiver umzusetzen und die ganze Gesellschaft zu durchdringen.
3) Als Eintopfsonntag wurde in Deutschland ab dem 1. Oktober 1933 eine Propagandaaktion durch das NS-Regime als ein Zeichen der Solidarisierung mit der Volksgemeinschaft eingeführt. Von Oktober bis März sollte einmal im Monat in allen deutschen Haushalten nur Eintopf gegessen werden. Die Differenz zwischen den Kosten für das sonst übliche Sonntagsessen und dem für Eintopf nötigen Aufwand, "von oben“ generell mit 50 Pfennig veranschlagt, wurde von den von Tür zu Tür gehenden Blockwarten der NSDAP kassiert und kam dem kurz zuvor gegründeten Winterhilfswerk zugute. Als "Dank“ erhielt man eine Plakette. Wer kein aktuelles. Abzeichen trug, wurde verdächtigt, nicht gespendet zu haben.
4) Saargebiet bezeichnet das von 1920 bis 1935 vom Deutschen Reich abgetrennte Industriegebiet an der mittleren Saar. In den Artikeln des Versailler Vertrags wurde das Saarbecken als Mandatsgebiet dem Völkerbund auf 15 Jahre übertragen und fremder Verwaltung unterstellt.
Ostern 1935
Nach den Osterferien beginnt der Unterricht mit insgesamt 96 Schülern. Die Verteilung auf Klassen und Geschlechter ergibt folgendes Bild:
1. Klasse: 26 Knaben + 28 Mädchen = 54
2. Klasse: 17 Knaben + 25 Mädchen = 42
Schulneulinge sind es in diesem Jahr 12. Eine Versetzung von Lehrpersonen fand nicht statt.
Vom 14. Juni bis zum 5. Juli nimmt der 1. Lehrer als Kreisschulungsleiter der NSDAP an einem Lehrgang der Reichsschulungsburg Lobeda in Thüringen teil. Ein Vertreter wird nicht gestellt beide Klassen müssen vom 2. Lehrer verwaltet werden. Eine unangenehme Störung des Unterrichts!
Am Sonntag, 14 Juli wird nach alter Sitte bei schönstem Sonnenschein des Vogelschießen gefeiert. Einige neue Kampfspiele am Vormittag geben einen besonderen Reiz. Auf der Einnahmenseite sind 280 RM zu buchen.
An dieser Stelle mag nachgetragen werden, daß die Ostern 1935 entlassenen Konfirmanden an der Nordseite des Spielplatzes ca. 100 Sitkafichten und an der Ostseite 3 Pyramidenpappeln zum Schutz und zur Zierde des Platzes anpflanzten. Ich denke, daß diese Bäume gleichzeitig ein Band zwischen Entlassenen und der Schule bildet.
Am 1. Mai ist die Saarfrage endgültig gelöst und die so lange vom Reich gerennten dürfen heimkehren. Die Kräfte der Regierung sind frei geworden für neue Aufgaben. Die Welt braucht auf die Verwirklichung nicht lange warten. Am 16. März 1935 erscheint das Gesetz zum Aufbau der deutschen Wehrmacht und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Die Ketten von Versailles sind gerissen. Deutschland ist frei. Deutschland ist wieder bündnisfähig. Und schon wird ein Flottenabkommen mit England geschlossen. Die kühnsten Träume sind in Erfüllung gegangen und die schwersten Sorgen gebannt. Deutschland ist nicht mehr Spielball anderer Völker. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht macht sich ins kleinste Dorf hinein bemerkbar. Die Jugend muß zur Musterung und kehrt Blumen- und Bändergeschmückt ins Dorf zurück, wenn sie "gezogen“ sind. Ein halbes Jahr Arbeits und ein Jahr Wehrdienst sind vorgesehen. Ältere Jahrgänge gehen vorläufig freiwillig auf 8 Wochen zum Ergänzungsbataillon und erhalten dort eine militärische Grundausbildung. Zum 1. November rücken aus der Gemeinde Klamp die ersten Rekruten ein.
Im Zeichen der Freiheit baut die Gemeinde Klamp für die Kämpfer und Toten des großen Krieges im Sommer 1935 ein Ehremmal. Groß ist der Opfersinn der Bevölkerung. Sämliche Hand- und Spanndienste werden von den Gemeindeangehörigen unentgeltlich geleistet und trotzdem müssen noch ca. 1.500 RM aufgebracht werden zur Deckung der Facharbeiterlöhne und Materialkosten. Am 20 April - am Geburtstag des Führers - werden der Gemeinde die ersten Pläne unterbreitet und genau ein halbes Jahr später - am 20.Oktober - findet die feierliche Weihe des würdigen Ehrenmals statt. Ein Ehrendoppelposten der neuen Wehrmacht ist aufgezogen, die braunen Kämpfer des dritten Reichs sind zahlreich angetreten. Dies Mal wird kommenden Geschlechtern ein Zeugnis sein von deutschem Heldengeist. An dieser Stelle mag auch des Mannes gedacht werden, durch dessen vorbildlichen Opfergeist und sachkundige Initiative der Bau des Ehrenmals emöglicht wurde, des Bürgermeisters Pg. (Anm.: Parteigenosse) Dralle auf Klamp. Das Grundstück zum Bau des Ehrenmals stellte der Bauer Riechers zur Verfügung.
In der Zeit vom 11.- 15. September fand in Nürnburg der Parteitag der Freiheit statt. Aus der Gemeinde Klamp nehmen 2 Parteigenossen teil. Der Reichsparteitag bringt uns das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes (Judengesetzgebung!) und das Ende der schwarz-weiß-roten Fahne. Ehrenvoll wird sie eingerollt und von jetzt ab an gibt es nur noch eine Reichs- und Nationalflagge! "Jetzt wehen Hitlers Fahnen über allen Straßen!“ Der zweite Flaggenmast bei der Schule fällt und so ist auch nach außen - symbolisch - die Einheit des Reiches hergestellt!
Ein örtiger Junge hat Freude am Soldatenleben. Im Kreis Plön ist Divisionsmanöver. 10.000 Soldaten sind unterwegs. Da dürfen wir nicht fehlen! Im Raum von Preetz treiben wir uns einen Tag herum, beobachten die Soldaten bei ihrem Handwerk und essen mit ihnen aus der Gulaschkanone!
Erntefest ist im 3. Reich zur guten Sitte geworden. Es ist Fest der Gemeinschaft. Keine Familie des Dorfes fehlt. Erde und Himmel haben ihren Segen gegeben. Die Ernte ist weit über Durchschnitt. Die Ernährung des Volkes für ein weiteres Jahr in wesentlichen Teilen gesichert. Die Schweinepreise liegen um 50 Pfennig - auch das Rindvieh ist gut im Preis. Für Korn gibt es Festpreise.
In der Adventszeit wird der 1. Elternabend gestaltet. Vorweihnachtstimmung erfaßt die Kinder und den übervollen Saal. Spiel und Lied bindet alles zur Festgemeinde.
Mit Beginn des Jahres 1936 tritt er 1. Lehrer wegen Überlastung von dem Posten des Ortsgruppenleiters der NSDAP zurück. Als Kreisschulungsleiter arbeitet er weiter.
Der Gesundheitszustand der Kinder ist - im Gegensatz zum Vorjahr - sehr gut.
Als Folge des Militärbündnisses zwischen Frankreich und Sowjet-Rußland löst der Führer und Reichskanzler das deutsche Volk von den Fesseln des Versailler Diktats und des Vertrags von Locarno1 endgültig.
1) Die Verträge von Locarno sind völkerrechtliche Vereinbarungen, die 1925 in Locarno verhandelt und in London unterzeichnet wurden. Deutschland einerseits, Frankreich und Belgien andererseits verzichteten auf eine gewaltsame Veränderung ihrer im Friedensvertrag von Versailles gezogenen Grenzen, für die Großbritannien und Italien die Garantie übernahmen. Adolf Hitler und die Nationalsozialisten wollten die Ergebnisse des Vertrags von Versailles mit aller Entschiedenheit – auch mit kriegerischen Mitteln – revidieren. Durch die Verträge von Locarno fühlten sie sich gehindert, diese Revision voranzutreiben. Als die französische Nationalversammlung 1936 den 1935 geschlossenen Beistandspakt mit der Sowjetunion ratifizierte, stellte sich Deutschland auf den Rechtsstandpunkt, damit habe Frankreich den Vertrag von Locarno gebrochen. Hitler war entschlossen, dies als Vorwand zu nutzen, um seinerseits den Vertrag zu brechen. Die endgültige Ratifizierung durch den französischen Senat wartete er gar nicht mehr ab: Am 7. März 1936, einem Samstag, ließ er die Wehrmacht frühmorgens ins entmilitarisierte Rheinland einmarschieren.
In feierlicher Reichstagssitzung verkündet er den Abgesandten des Volkes und der ganzen Welt daß Deutschland seine Ehre wieder herstellt. Deutsche Truppen besetzen die entmilitarisierte Zone am Rhein, deutsche Truppen ziehen über den Rhein, beziehen im Rheinland und Baden ihre neuen Friedensgarnisonen und werden überall von der Bevölkerung freudigst begrüßt und umjubelt. Der 7. März 1936 ist für das deutsche Volk ein historischer Tag erster Ordnung.
Der Führer wünscht zu dieser Tat das "Ja“ des Volkes. Der Reichstag wird aufgelöst und Neuwahlen werden für den 29. März ausgeschrieben. Unter der Parole "für Ehre, Freiheit und Gleichberechtigung“ finden im ganzen Reich Wahlkundgebungen statt. Der Führer tritt eine Deutschlandreise an und spricht zu seinem Volk. Es ist eine Triumphfahrt, wie die Weltgeschichte sie noch nicht gesehen. Des ganze Volk gerät in Feststimmung. Der Rundfunk bringt die Stimme des Führers in die entlegenste Ecke, Beauftragte der NSDAP sprechen im kleinsten Dorf und mahnen die Volksgenossen an ihre Pflicht. Zwei Tage vor der Wahl spricht der Führer zum deutschen Arbeiter auf den Kruppwerken in Essen, am letzten Abendaus dem befreiten Köln zum ganzen deutschen Volk welches in Gemeinschaftsempfängern seinen Worten lauscht. Zum Schluß vereinen sich alle im Gesang des Niederländischen Dankgebets1 und millionenfach hallt der Ruf: "Herr, mach uns frei!“
Am Abend des 29. März staunt die Welt. Mit 99% bekennt sich des deutsche Volk zur Politik seines Führers und damit zum Frieden und zur Ehre. Bei einer 100%igen Wahlbeteiligung in der Gemeinde Klamp werden 290 Stimmen für den Führer und nur 2 gegen ihn abgegeben. Bei der letzten Wahl (am 19. Aujust 1934) waren es noch 183:12!
Am 17. März 1936 macht der an der Wentorfer Schule beschäftigte Schulamtsbewerber Werner Schwabroh seine Prüfung zur endgültigen Anstellung als Volksschullehrer (2. Lehrerprüfung!) Der Prüfungskommission gehören die Herren Reg- und Schulrat Elbertzhaegen - Schleswig, Kreisschulrat Tonner - Neumünster und Rektor Graucob - Lütjenburg an. Nach dreistündigem Unterricht in der 2. Klasse findet die mündliche Prüfung statt. Herr Schwabroh besteht die Prüfung mit dem Prädikat "gut.“
Als Abschluß des Schuljahres macht die 1. Klasse am 23. März einen Ausflug nach Kiel.Der Fliegerhorst Holtenau mit seinem riesigen Betrieb beeindruckt in besonderem Maße die Kinder.
Am 21. März werden 9 Schüler aus der Schule entlassen (3 Knaben und 6 Mädchen) Alle finden in bäuerlichen Betrieben des Dorfes bezw. im Elternhaus ihre Beschäftigung.
Aus der 2. Klasse werden ebenfalls 9 Kinder in die 1.Klasse versetzt. (4 Knaben und 5 Mädchen)
Nachgetragen mag werden, daß die Gemeinde dem Spritzenhaus einen sehr ansprechenden Schlauchtrockenturm bauen ließ. Bau des Ehrenmals, Bau des Schlauchtrockenturms und eine gründliche Überholung der Gemeindewege im Lauf eines Jahres geben ein getreues Bild von der gesunden Finanzlage der Gemeinde unter der zielbewußten Führung des Bürgermeisters Herr Dralle auf Klamp. Reparaturen am Schulhaus wurden mit Rücksicht auf den bevorstehenden notwendigen Umbau des Schulgeländes zurückgestellt.
1) Das Niederländische Dankgebet entstand vermutlich im Zusammenhang des Sieges der Niederländer über die spanischen Truppen in der Schlacht von Turnhout 1597. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Lied bewusst bei Massenveranstaltungen eingesetzt, um ihnen eine würdevolle Weihe zu geben und um die angeblich gottgewollte Kontinuität des Dritten Reiches mit dem Deutschen Reich zu betonen. In Deutschland wird es außerhalb seiner nach wie vor traditionellen Verwendung beim Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr kaum noch gespielt.
Ostern 1936
Nach den Osterferien beginnt der Unterrichtmit insgesamt 96 Schülern. Die Verteilung auf Klassen und Geschlechter ergibt folgendes Bild:
1. Klasse: 27 Knaben + 27 Mädchen = 54
2. Klasse: 22 Knaben + 20 Mädchen = 42
Gesamt: 49 + 47 = 96
Schulanfänger sind es in diesem Jahr nur 7 (4 Knaben und 3 Mädchen). Ein Kind muß wegen allgemeiner Körperschwäche zurückgestellt werden. Eine Versetzung von Lehrpersonen fand nicht statt.
Am Nachmittag des 23. Juni entlädt sich über der Gemeinde ein entsetzliches Unwetter. Gleich der erste Blitz schlägt in eine Scheune auf Klamp und zündet. In wenigen Augenblicken ist die Scheune ein rauchender Trümmerhaufen. Das Glück ist aber groß. Trotz bedrohlicher Nähe bleiben die anderen Scheunen vom Feuer verschont. Ein Wolkenbruch rauschte hernieder wie ihn die ältesten Leute noch nicht erlebt hatten. In wenigen Minuten gleichen die abfallenden Wege reißenden Gebirgsbächen und tieferliegende Felder glichen einem See, indem die Grünhaufen herunschwammen. In ca. 2 Stunden fielen 70mm Regen! Das ist ⅒ der Jahresmenge! Mit viel Fleiß und Mühe waren gerade im Frühjahr die Wege ausgebessert. Jetzt war die ganze Arbeit umsonst. Tagelang mußten die Bauern fahren um die größten Löcher einigermaßen zu schließen.
Am 20. u. 21. Juni wurden die Reichsjugendwettkämpfe durchgeführt. Ca 35 % der Schüler und Schülerinnen der 1. Klasse gehen mit mehr als 180 Punkten als Sieger aus dem Dreikampf hervor. Die Organisation der Reichsjugendwettkämpfe läßt noch sehr zu wünschen übrig.
Am 17. Juni machte die 1. Klasse einen Ausflug nach Kiel. Das Groß der Klasse fuhr per Rad nach Raisdorf und benutzte von dort aus die Bahn. Der Rest der Kinder fuhr mit der Lehrerfrau über Preetz nach Kiel. In Kiel wurde die Reichsausstellung "Schule und Luftfahrt“ besichtigt. Anschließend wurde eine wundervolle Dampferfahrt durch die Kieler Förde nach Laboe gemacht. Das vor kurzem geweihte Ehrenmal (Marine) machte auf die Kinder einen unvergeßlichen Eindruck.
Kurz vor Pfingsten wird der Küchenherd durch einen neuen ersetzt. Gleichzeitig erhält die Küche einen neuen Anstrich. Auch werden die Fenster der Lehrerwohnungen von außen gestrichen. Der Anblick des Schulhauses ist nicht sehr einladend. Die schon verschiedentlich erwähnte Dachreparatur darf nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Durchregnen richtet nicht unerheblichen Schaden an.
Der 12. Juli ist für des Vogelschießen bestimmt. Der Wettergott macht ein freundliches Gesicht dazu und so kann das Schönste der Dorffeste glücklich abrollen. Kinder und Erwachsene haben ihre Freude. Der zum Festplatz umgestaltete Schulhof ist nicht wieder zu erkennen. Die Zahl der Kampfspiele ist gegenüber dem Vorjahr erhöht. Der Vogel wird von der Stange heruntergeholt. Der Opfersinn läßt nicht zu wünschen übrig. Auf der Einnahmenseite stehen insgesamt 257,15 RM.
Das Erntewetter ist nicht sonderlich günstig. Recht oft macht der Regen dem Bauern einen Strich durch seine Rechung. Der Leutemangel ist auch sehr fühlbar. Da müssen unsere Jungs in den Sommerferien tüchtig mit zupacken. Es gab wohl kaum einen Bauern, der nicht wenigstens während der Sommerferien keinen Schulknaben beschäftigte. Und so wird dann auch die Ernte geschafft.Das Ergebnins läßt sich allerdings nicht mit den Rekordernten der beidenVorjahre vergleichen. Die Sonne hat zu oft gefehlt. Im Endergebnis mag es eine Mittelernte sein. Die Kinder haben fleißig geholfen, zum Teil auch beim Absammeln der Ähren. Sie sollen eine Anerkennung haben.
Zwei große Autoomnibusse werden gemietet und am 3. September geht es auf große Fahrt. Plön, Segeberg Hamburg, Neumünster sind die Eckpunkte der großen Rundreise. Morgens 7 Uhr stehen wir schon auf der Höhe des Segeberger Kalkberges und schauen übers schöne holsteinische Land. Die märchenhafte Pracht der Höhlen zieht uns in ihren Bann. Die Thingstätte1 am Fuß des Berges erzählt vom Kulturwillen des neuen Reiches.
Das pulsende Leben des Hamburger Hafen spüren wir auf einer Barkassenfahrt durch die verschiedenen Hafenbecken. Hagenbecks Tierpark läßt die Augen der Kinder erstrahlen.
Die Sommerferien werden vorzeitig abgebrochen, dafür gibt es aber noch einmal vom 8. bis 14. September Ferien. Die beiden Lehrer nehmen am Reichsparteitag der Ehre in Nürnberg teil, der eine als SS-Mann, der andere als politischer Leiter. Beide holen sich von dort Kraft zu neuem Schaffen. Aus der Gemeinde nehmen noch 4 weitere Parteigenossen am Parteitag teil.
Am 29. November steigt der erste Elternabend des Winters. Er steht unter der Losung: "Freut Euch desLebens!“ Neben anderen Darbietungen bringen die Kinder des Märchenspiel: "Drei Säcke voll Lügen.“ Der Saal bei Beck ist gerammelt voll.
Die Schularbeit der Oberstufe erfährt eine Erleichterung durch Aufhebung des Staatsjugendtages. Der Oberstufe standen nur fünf Wochentage zur Verfügung, während der Sonnabend der HJ zur Verfügung stand. Dieser Zustand wird aufgehoben und an sechs Wochentagen findet wieder planmäßigerUnterricht statt.
Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes beginnt einen neuen Abschnitt im Herbst 1936. Mit alter Energie appelliert man an den Opfersinn und der Erfolg bleibt nicht aus. Eintopfsonntag, Ansteckplakette, Agrarspende, Pfandsammlung von den Schülern durchgeführt, Schlachtspende, Tag der nationalen Solidarität. Alle helfen im Kampf gegen Hunger und Kälte. Das Gesamtergebnis des Winters wird später nachgetragen.
November und Dezember stehen im Zeichen der Grippe. Manche Schule in der Nachbarschaft muß schließen. Hier ist der Gesundheitszustand der Kinder auffallend gut. Es gibt nur ganz geringe Ausfälle.
An dieser Stelle mag zur Beleuchtung der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage eine kurze Vorstellung eingeschoben werden. Es handelt sich um den Bauern Gustav Möller in Wentorf; er hat 4 Knaben im Alter von 6 bis 16 Jahren. Sein Besitz ist 60 Tonnen oder 30 ha groß. Darauf hat er 12 Kühe und 4 Pferde. Er bzw. seine Frau haben zur Hilfe 1 Knecht (im Sommer auch wohl 2) und 1 Mädchen. Das Mädchen erhält einen Monatslohn von 30 RM, der Knecht 50 RM (netto!) An Krankengeld für die beiden müssen vom Bauem mantlich 9,75 RM, an Invalidenversicherung 8,40 RM gezahlt werden. Die Umsatzsteuer beträgt ¼ jährlich 26 RM. An Gemeindesteuer werden monatlich 16 RM gezahlt. Die Bürgersteuer wird mit jährlich 8 RM von der Gemeinde erhoben. An den Reichsnährstand werden jährlich 77 RM und an die lanwirtschaftliche Berussgenossenschaft (Unfall) 32 RM gezahlt. Die Feuerversicherung verlangt eine jährliche Prämie von 180 RM. Eine Kuh, die 5 Mal gekalbt hatte wurde für 500 RM verkauft, für fette Schweine gibt es pro Zentner Lebendgewicht 49 RM.
Im Monat Oktober 1936 wurden 3.524 kg Milchzur Meierei geliefert. Der durchschnittliche Fettgehalt betrug 3,65 %. Zurückgeliefert wurnden 2.365 kg Magermilch und 256 kg Buttermilch. Als Barerlösgab es 431, 87 RM ausbezahlt.Der Weizen kostet je Zentner 10 RM, Gerste 10 - 11 RM (während der Futterpreis 8 - 9RM beträgt). FürHafer gibt es 9 RM. Die Butter kostet im Handes 1,50 RM je ½ kg.
Im Winter werden ca. 70 Zentner Ölkuchen verbraucht; sie erfordern eine Aufwendung von ca. 700 RM. Das Jahresdüngerkonto beläuft sich auf rund 1.000 RM. Holz wird im Forst gekauft (zum Brennen!) und kostet je Faden (2 rm) 14 - 15 RM. Spätere Zeiten mögen hier einmal Vergleiche zeigen.
Volkskundlich ist es wohl interessant, daß die Vogelsdorfer Wassermühle umgebaut wurde. Die technische Entwicklung ließ sich auch hier nicht aufhalten. Das alte Wasserrad verschwindet; die Mühle wird durch einen Elektromotor getrieben.
Wieder einmal ist ein Elternabend fällig. Deutsche Grenzlandnot und das Schicksal der Auslanddeutschen werden durch Kinder und Lehrer mit Wort, Lied und Bild den Eltern zum Bewußtsein gebracht.
Ostern 1937 (am 12. März) werden aus der Schule entlassen: 11 Knaben und 11 Mädchen!
Die so notwendige Reparatur des Schulhauses rückt in greifbare Nähe. Die Regierung pp. stellt einen Zuschuß von reichlich 5.000 RM in Aussicht. Die Finanzierung ist gesichert. Unter diesen Umständen kann der Einbau eines HJ-Heims und eines Schulungsraums erwogen werden. 10.000 Bund (Anm.: Reet) werden bereits von Waterneverstorff angefahren.
Und nun stehe ich am Ende meines Schaffens in Wentorf. Drei Jahre sind es nur gewesen – es waren Jahre voller Kampf und Arbeit. Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Schleswig werde ich mit Wirkung vom 01.04.1937 mit der Verwaltung einer Rektorstelle in Heikendorf bei Kiel beauftragt.
Jüppner
1) Als Thingplätze oder Thingstätten werden Freilichttheater bezeichnet, die zwischen 1933 und 1935 für die Thingspiele im Rahmen der Thingbewegung in der Zeit des Nationalsozialismus errichtet und später auch für politische Kundgebungen verwendet wurden.
Ostern 1937
Der große Lehrermangel bringt es mit sich, daß die Stelle des 1. Lehrers nicht sofort neu besetzt wird. Dann kommt eines Tages die Nachricht vom Kreisschulrat Tonner, daß ein Ostpreußen Heimkehrer nach Wentorf berufen wurde. Am 10. Mai soll er eintreffen. Bis dahin verwalte ich die 1. Klasse mit.
Morgens um 7:00 Uhr kommt die 1. Klasse und hat bis 10:00 Uhr Unterricht. Um 9:00 Uhr kommen die Kinder der zweiten Klasse, so daß zwischen 9 und 10 Uhr alle verfügbaren Truppen zusammen da sind. Der Unterricht der Kleinen dauert bis 12:00 Uhr. Es geht ganz gut so, aber auf die Dauer kommen die Kinder nicht zu ihrem Recht.
Am 20. April feiern wir den Geburtstag des Führers. Wir hissen die Flagge, singen Lieder und hören aus dem Leben des Führers.
Am 1. Mai ist Freudentag. Das kam Nachmittags beim Kindertanz zum Ausdruck. Das Prachtwetter umrahmt eine Feststimmung beim Schifferklavier, die prachtvoll war. Nach der Radio Übertragung sangen die Kinder wieder. Auch abends war die Stimmung so harmonisch wie nur denkbar.
Verschiedene Dorfgenossen möchten so gerne siedeln. Leider ist außer dem Schulland kein Gemeindeland da. Dadurch entsteht nun die Unruhe, die zu allen möglichen Ärgernissen treibt. Das Schulland ist von dem fleißigen Siedler Karl Ehrk gepachtet und man mag es ihm auch nicht ohne Ersatz wegnehmen. Es muß bald ein Entschluss gefaßt werden, sonst werden einige Leute böse und sagen: Uns wird nicht geholfen.
Nach langen Regentagen herrscht seit Ende April heiteres Sonnenwetter. Über Nacht wurde alles grün.
Werner Schwabroh 4.5.1937
Am 10. Mai 1937 begann der Unterricht wieder planmäßig mit 2 Lehrkräften und zwar wird die 1. Klasse von mir (Max Lorenzen) und die 2. Klasse von Werner Schwabroh verwaltet. An dieser Stelle möchts ich kurz meinen Lebenslauf anfügen.
Am 9. August 1902 wurde ich als jüngstes Kind des Lehrers H. Lorenzen in Klanxbüll Kreis Südtondern geboren. Noch beendeter Schulzeit besuchte ich die Prägerandenanstalt in Kappeln und darauf des Lehrerseminer in Niebüll. Nach bestandener 1. Lehrerprüfung besuchte ich von Ostern 1924 bis Ostern 1925 die Preußische Hochschule für Leibesübungenin Spandau. Bei meiner Rückkehr war für uns Junglehrer, also auch für mich, keine Anstellung zu finden. Ich war darauf 7 Monate in einem Meiereibetrieb tätig und erhielt darauf die Stelle eines Wanderturnlehrers im Grenzgebiet (Kr. Flensburg). Bis zum 1. April 1930 habe ich diese Stellung ausgefüllt. Ich war hauptamtlich zur Betreuung von Turnvereinen angestellt, jedoch erstreckte sich meine Tätigkeit auch auf die Schulen, indem ich auf Lehrertagungen Lehrproben hielt und einige Turnkurse in der Lehrerschaft leitete. Wenn diese Zeit der Wanderturnlehrertätigkeit auch sehr anstrengend war, denn bei jedem Wetter mußte ich über Land, so war es doch eine reiche Zeit, die ich mit der Jugend verleben und erleben durfte. Endlich am 1. April 1980 bekam ich in Leck meine erste Anstellung. Jedoch sollte diese nur 1 Jahr dauern, am 1. April 1931 wurde ich wieder abgebaut und wurde am 1. Mai 1931 als Helfslehrer nach Breklum berufen. Meine Tätigkeit dauerte dort bis zum 1. Januar 1932. Die Zeit von dort bis 1. April desselben Jahres verbrachte ich als Hospitant an Flensburger Schulen. Flensburg wurde mir zur 2. Heimat, mein Vater war nach dort übergesiedelt, nachdem er pensioniert worden war.
Am 1. April wurde ich Helfslehrer in Harrisleefeld, doch auch dort dürfte ich nicht bleiben. Mit 50 anderen Kameraden wurde ich nach Ostpreußen versetzt. Ungern fuhren wir nach dort. Wir erhofften eine Planstelle in der Heimat und statt dessen sandte man uns in ein unbekanntes Land; aber wir mußten. Am 1. Mai 1935 trat ich dort meinen Dienst an und zwar in Pogrimmen, Kreis Darkehmen. Am 1. Sept. 1933 bekam ich die 2. Lehrerstelle in Friedrichsberg, Kreis Darkehmen, zu der eine ausreichende Dienstwohnung gehörte. Am 1. Oktober habe ich geheiratet. Jetzt ließ sich die Trennung von der Heimat schon leichter und besser ertragen. Genau 4 Jahre mußte ich in Ostpreußen verweilen, eine Zeit die ausgereicht hat, Land und Leute dort kennen und schätzen zu lernen. Eines sei gesagt: Meiner Frau und mir war es nicht möglich, dort heimisch zu werden. Es war deshalb ständig unser Streben, wieder in die Heimat zu gelangen. Am1. Mai wurde ich nach Wentorf versetzt uns somit war unser sehnlichster Wunsch in Erfüllung gegangen. Zurückschauend auf die Ostpreußenzeit muß ich feststellen, das die Zeit trotz ihrer Unannehmlichkeit für uns glücklich gewesen ist, denn dort wurden uns 2 gesunde Kinder geschenkt. (Heinke und Antje)
Meinen Dienst hier in Wentorf konnte ich erst am 10. Mai antreten, weil ich März und April Soldat war. Meine Garnison war Neukuhren bei Köngsberg, dort wurde ich als Funker bei den Fliegern ausgebildet. In Ostpreußen trat ich am 1. Nov. 1933 in die S.A. ein.
In Wentorf zogen wir in des alte Schulhaus ein. Die notwendigen Reparaturen waren immer noch zurückgestellt worden. Das alte Reetdach war so schadhaft, namentlich über der Eigangstür im Süden, daß bei Regenwetter des blanke Wasser auf die Flurdiele lief. Um diesem Übelstand abzuhelfen, hatte mein Vorgänger eine große Sitzbadewanne (vielleicht stammt sie noch aus älterer Zeit) unter das größte Loch gestellt.
Anfang Juni erschienen die Dachdecker. Das ganze Dach wurde erneuert. Die Arbeiten daran dauerten cirka 5 Wochen. Zuerst war das Wetter für diese Arbeit günstig; aber als die Dachdecker das letzte Viertel des alten Daches abgerissen hatten (Sonnabendnachmittag), setzte am Sonntagmorgen um 5:30 Uhr ein Wolkenbruch ein, sofort lief des Wasser durch die Decke in die Wohnung. In 3 Stunden gabs 66 mm Regen. Die alten Lehmdecken fielen herunter, mit Karre und Schaufel mußte der Lehrer Ordnung schaffen. Die Möbel mußten "fluchtartig“ in den großen Flur und in die kleine Stube gebracht werden.
Der Plan, auf dem Boden einen Gemeinschaffsraum zu schaffen, fand in diesem Sommer ebenfalls seine Verwirklichung. Über den beiden Klassen ist ein Raum entstanden mit 47 qm Fläche. Als Zugang wurde vom Schulflur eine Treppe aufgeführt. Die alten Fenster an der Ostseite wurden weggerissen und durch größere ersetzt, die dem Raum sehr gut Helligkeit geben. Bei der Erneuerung des Daches ist zu erwähnen, daß die beiden Giebel an Süd- und Nordseite des Hauses verschwanden, dadurch entstand beiderseits eine glatte Fläche, die dem Haus entschieden ein besseres Aussehen geben. Zwei Schornsteine (mittlerer und östlicher) wurden vom Boden aus neu aufgesetzt. (Früher gingen beidezusammen in einem) der restliche Schonstein hat einen neuen Putz bekommen.
Die alten Blitzableiter wurden entfernt und durch neue ersetzt. Die Südseite des Hauses bekam eine neue Dachrinne und als Wasserableitung wurde eine Wasserröhre in die Wiese von Julius Rierchers gelegt. Von dieser Röhre verspricht man sich auch eine Trockenlegung eines Teils des Spielplatzes. Die Steinbrücke an der Süd- und Ostseite des Hauses wurde neu gelegt (von Haus schräg abwärts) dadurch wurde in weitem Maße die Trockenlegung des Hauses gewährleistet. Die Steinbrücke an der Nordseite wurde ausgebessert. Zuletzt wurde die ganze Südseite neu ausgefugt, so daß des Schulhaus einen ausgezeichneten Eindruck macht. Duch das Runterfallen der Decken war es nötig Küche, Speisekammer (keine neue Decke), große Stube, Schlafstube (keine neue Decke) gänzlich neu zu machen. Der ganze Wohnhausboden wurde neugedielt. Verhältnismäßig ist das ganze Bauvorhaben schnell zu Ende geführt worden und das ist des Verdienst von Herrn Bürgermeister Dralle, der den Tag hier war und unermüdlich den Bau "vorwärtstrieb“. Die Kosten des Anbaues belaufen sich auf 5.900 RM. Von seiten der Regierung erhielt die Gemeinde 5.500 RM. Für altes und übriggebliebenes Reet erhielt die Gemeinde im Verkauf 200 RM,so daß auf Gemeindelasten nur 200 RM kommen.
Die Kornernte war in diesen Jahre durchschnittlich, die Kartoffelernte dagegen eine außerordentlich gute, für die Bauern wegen Knappheit der Futtermittel recht erfreulich. Der Winter war sehr mild. Konfirmiert wurden 14 Kinder, 8 Jungs und 6 Mädel.
Ostern 1938
Zur Schule kamen 9 Kinder, 3 Jungs und 6 Mädel. Kurz nach Ostern, in den Osterferien, wurden beide Klassenzimmer neu gestrichen, so daß sie jetzt einen schönen hellen Eindruck machen. Etwas später wurden die alten Lampen durch neue ersetzt. Das Jahr 1930 war ein Maikäferjahr1. In der Freizeit und auch an einigen Schulstunden frühmorgens wurden von den Kindern eifrig Maikäfer gesammelt. Es wurden 640 Liter zusammengebracht. Die Kinder verdienten sich dadurch so viel, daß beide Klassen eine Ausfahrt über Kiel-Schleswig nach Husum unternehmen konnten. Eine schöne Fahrt, an der auch viele Eltern teilnehmen konnten.
Reparaturen wurden in diesem Jahre nicht an der Schule ausgeführt, es war wegen der Zementknappheit auch nicht möglich. Die kleine Stube erhielt neue Tapeten, da die alten sich dauernd von der Wand lösten. Die Ernte war in diesem Herbst außerordentlich gut, auch die Ernte der Hackfrüchte. Der Herbst war sehr mild, jedoch setzte kurz vor Weihnachten starker Frost ein, - 12 Grad. Zudem fiel recht ergibig Schnee, so daß am Tag nach dem 2. Weihnachtstag der Schneepflug eingesetzt werden mußte. Der Schulbetrieb wurde ohne Unterbrechung weiter durchgeführt.
Von einschneidender Bedeutung für die Schule und fürs ganze Dorf wurde der Herbst 1939 durch den Ausbruch des Krieges. Schon lange hingen Schattenwolken am politischenHimmel. In Polen wurden unsere Volksdeutschen Brüder auf grausamste Weise mißhandelt. Polen glaubte, gestärkt durch engliche Versprechungen, es wagen zu können Deutschland seine freche Stirn bieten zu können. Der Führer rief sein Volk zu den Waffen und so wurden in der Nacht vom 25. zum 26. August 1939 viele Männer aus dem Dorf zu den Waffen gerufen. Unter ihnen auch ich. In Lübeck-Blankensee wurde ich eingekleidet und kam von dort nach Westerland. Die Klasse war nun ohne Lehrer. Zuerst hat Herr Schwabroh beide Klassen verwaltet bis Mitte September. Da wurde er auch einberufen und wurde zuerst in Breslau ausgebildet und kam dann nach Polen und später nach dem Westen.
Meine Klasse wurde durch Frau Rosborg, Vogelsdorf und Herr Schwabrohs Klasse durch meine Frau vertreten. Frau Rosborg mußte aus Gesundheitsrücksichten die Vertretung niederlegen; Ostern 1940 vertrat Lehrer Bruhn aus Görnitz die erste Klasse, jedoch dauerte diese Vertretung nur bis Pfingsten, weil er auch zum Heeresdienst einberufen wurde.Einige Wochen war die Klasse nun wieder verwaist. Dann wurde Lehrer Schubert aus Lütjenburg mit der Vertretung beauftragt, die er zur Zeit, es ist Mitte September 1940, noch ausübt. Es ist erklärlich, daß in dieser Niederschrift keine Einzelheiten aufgeführt sind, die genaueren Ereignisse des Krieges liest man besser an anderer Stelle nach; auch läßt es meine Zeit nicht zu, mich darüber eingehend zu äußern, weil ich mich zur Zeit auf kurzem Urlaub zu Hause befinde.
Lehrer Schubert wurde am 1. Nov. 1940 nach Krummwisch versetzt und damit war die 1. Klasse wieder ohne Lehrer. Am 15. Nov. übernahm Lehrer Hansen aus Lütjenburg die Vertretung der 1. Klasse. Am 1. Mai 1941 wurde Lehrer Hansen auch eingezogen. Vom 1. Mai bis 1. Juli mußte meine Frau beide Klassen übernehmen. Dann übernahm Frau Kordes aus Kiel die 2. Klasse, wo sie bis heute (Mitte August) noch unterrichtet. Meine Frau hat seit 1. Juli die Vertretung der 1. Klasse übernommen. Ostern 1941 wurden 11 Kinder aus der Schule entlassen (7 Mädchen u. 4 Knaben.)
Eine Änderung in Bezug auf das Schuljahr ist insofern eingetreten, als daß die Schulneulinge nicht gleich nach Ostern, sondern erst nach Bendigung der großen Ferien eingeschult werden. In diesem Jahre ist das am 4. Sept. In Zukunft wird die Einschulung immer so sein.
An dem Schulhaus, sowie an der Wohnung sind in Verlaufe des Krieges keine Reparaturen noch Änderungen vorgenommen worden.
Zu Beginn des Jahres 1942 mußte Frau Kordes, Kiel, die Vertretung der zweiten Klasse aus Gesundheitsrücksichten aufgeben. Meine Frau wurde von der Schulregierung aufgefordert, beide Klassen vertretungsweise zu übernehmen, bis eine andere Hilfe eingesetzt würde. Bis jetzt (27. Juni) ist aber noch keine Hilfe gekommen mit bei der jetzigen Lage wird auch keine Hilfe gestellt werden können. So unterrichtet meine Frau zuerst 2 ½ Stunden die 1. Klasse und dann 2 ½ Stdunden die 2. Klasse. Im Verhältnis zu anderen Schulen ist das immerhin noch eine glückliche Lösung, wenn auch diese Art eine große Belastung für meine Frau bedeutet. Unterrichtet wird nur im Raum der 1. Klasse. Im Winter war das schon nötig, um Kohlen zu sparen. Augenblicklich ist in der 2. Klasse ein Ernte-Kindergarten eingerichtet, der von Fräulein Herta Martens aus Wasbeck geleitet wird. Der Raum mit seinen kleinen Tischen und Stühlen eignet sich für diesen Zweck gut. Nur die Beteiligung an dieser Einrichtung läßt zu wünschen übrig. Zum Teil hängt das wohl mit den weiten Entfernungen zusammen.
Den beiden eingezogen Lehrern geht es im bisherigen Verlauf des Krieges noch gut. Lehrer Schwabroh befindet sich schon lange in Russland und hat dort den schweren Winter mit den harten Angriffen des Feindes durchgestanden. Lehrer Lorenzen ist noch auf dem Fliegerhorst in Westerland auf Sylt.
Mit dem 14. Oktober 1943 wird der Lehrer Fritz Bücker aus Preetz mit der Vertretung für den Kameraden Max Lorenzen beauftragt. Damit findet der auf die Dauer unmögliche Zustand, daß eine Frau jahrelang die Führung einer zweiklassigen Schule übernehmen muß, sein Ende. Es sei an dieser Stelle der unermüdlichen, treuen Arbeit von Frau Lorenzen - an der Heimatfront geleistet - gedacht, die nicht durch Orden und Ehrenzeichen, äußerlich sichtbar, belohnt wurde. Man wird dermal einst in kommenden Friedensjahren solche Arbeit zu werten wissen, die ausschlaggebend für ein glückliches Ende des Völkerringens an der Heimatfront gewesen ist. Aber noch tobt der Krieg! Mit seinem eisernen Rythmus zieht er seine Kreise bis in das stille Wentorf. Bei den Terrorangriffen der Briten und Amerikaner auf Kiel dröhnt das Brummen der Motoren der oft hier vorbeifliegenden Formationen bis in jedes einzelne Haus. Zwei Luftschutzbunker - an der Südseite des Spielplatzes ausgeworfen, - zeigen, wie ernst man von maßgeblicher Stelle aus die Lage beurteilt. Ein Bombensplitter durchschlägt am 14.10.42 bei nächtlichem Bombenwurf (Koppel beim Kuhteich, Scheel) das Schulfenster der 2. Klasse und schlägt ein Loch in die Wandtafel rechts vom Ofen. Oft werden die Klassen vorsorglich geräumt, wenn "Voralarm“ gegeben wird, oder das "Bellen“ der Flack verrät, daß wieder Gefahr im Verzuge ist. Nächtliche Angriffe feindlicher Bomber bewirken des öfteren eine Hinausschiebung des Unterrichtsbeginns um eine, bzw. zwei Stunden. Aber sonst verläuft die schulische Arbeit verhältnismäßig ohne Störungen.
Im November 1943 wird der seit vielen Jahren erneuerungsbedürftige eiserne Ofen der 1. Klasse - ein Bundesgenosse von "Kohlenklau“ - durch einen Kachelofen ersetzt. In dieser Zeit findet der Unterricht der 1. Klasse im Gemeinschaftsraum statt.
Durch die schweren Terrorangriffe auf Kiel, bei denen viele Kieler Einwohner ihre Wohnungen verlieren, sind die Eltern gezwungen, ihre Kinder außerhalb Kiels in Sicherheit zu bringen. Auch in die Wentorfer Schule werden 6 Kieler Kinder aufgenommen. Die Gesamtschülerzahl beträgt jetzt - am 23. Februar 1944 - 76 Kinder: 32 Knaben und 44 Mädchen.
Ostern 1944 werden 5 Kinder (2 Knaben und 3 Mädchen) aus der Schule entlassen. Die Terrorangriffe steigern sich mit dem aufziehenden Frühjahr von Woche zu Woche. Tages- und Nachtalarme folgen einander am laufenden Band. Neben den Bombenlasten wirft der Feind Flugblätter und gefälschte Lebensmittelkarten ab, um die innere Moral des deutschen Volkes zu zersetzen. Hierneben ein Flugblatt in dänischer Sprache, das von unseren Kindern zu Hunderten gefunden, abgeliefert wurde. Wir Lächeln nur über solche Kriegsführung!
Flugblatt |
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Am 18. April 1944 wird ein Teil der Schulkinder der Engelauer Schule (Gottesgabe und Vörstenmoor) durch Schreiben des Schulamts vom 18.4.1944 zur Beschulung der Schule in Wentorf überwiesen. Es handelt sich um 13 Kinder. Damit nähert sich die Schülerzahl der Hundertergrenze.
Mitten hinein in diese Ereignisse kommt die Kunde der Erfüllung meinen sehnlichsten Wunsches: "Ich werde in meine Heimat Südhannover zurückversetzt!" Am 15. Mai 1944 verlasse ich die mir liebgewordene Stätte meiner Tätigkeit. Es waren schöne sieben Monate in denen ich die Freude und den Fleiß der Wentorfer Schulkinder schätzen lernte. Auch die Hilfsbereitschaft der gesamten Bevölkerung unserer "4“ Dörfer bei der Überwindung von Schwierigkeiten, die durch die besonderen Verhältnisse meiner "Umsiedlung nach Wentorf“ im 5. Kriegsjahre bedingt waren, verdient höchstes Lob und größte Anerkennung. Durch eine Gemeinschaftsverpflegung, die mich in fast jedes Haus des Dorfes führte, durfte ich viel Wertvolles in schulischer Hinsicht erfahren. Das Band zwischenSchule und Dorf und Elternhaus in unserer Gemeinde hält eisern! Möge es weiter so bleiben!
Glückauf, mein Wentorf!
Bücker
Nach dem Weggang des Lehrers Bücker blieb die 2. Klasse zunächst ohne Unterricht. Mitte Juni übernahm dann die Laienhelfern Fräulein Lucie Busch aus Kiel-Ellerbek die Klasse. Infolge Teilnahme an einem Kursus für Laienhelferinnen in Frankfurt a.d. Oder gab sie am 1. Sept. 1944 ihre Tätigkeit in Wentorf wieder auf.
Im September 1944 wurde vom Schulamt die Hospitantin Fräulein Nora Kopperman nach Wentorf überwiesen. Sie hat einige Wochen das 4. Schuljahr geführt. Im Oktober übernahm sie die Vertretung des erkrankten Lehres Sörmann in Klinker.
Am 28. Septembar 1944 wurde der Lehrer Friedrich Enoch aus Klausdorf (Schwentine) nach Wentorf abgeordnet. In Klausdorf wurde die Schule wegen Luftgefährdung geschlossen. Er übernahm die 9. Klasse.
Die Schülerzahl erreichte mit 103 Schüler ihren höchsten Stand. Am 15. 10. verminderte sie sich um 18 Schüler, dadurch Verfügung des Schulamtes die Kinder von Gottesgabe und Vörstenmoor an die Schule nach Engelau zurück verwiesen wurden.
An dieser Stelle sei dem Lehrer Friedrich Enoch besonderer Dank ausgesprochen für seine Tätigkeit an der hiesigen Schule. Kinder und Eltern denken gern an ihn als Lehrer und Mensch zurück.
Anfang Mai 1945 mußten die Lehrkräfte den Unterricht einstellen. Die Tieffliegergefahr war schließlich überall auf dem Lande so drückend geworden, daß es unverantwortlich war, die Kinder auf die Straße und zur Schule zu schicken. Hinzu kam noch ein weiterer Umstand, weshalb die Schule geschlossen werden mußte: Es kamen Scharen von Flüchtlingen aus den Ostgebieten, die in der Schule untergebracht werden mußten. Beide Klassenräume, das Lehrmittelzimmer sowie der Gemeinschaftsraum wurden belegt. Außerdem auch die Stube des 2. Lehrers, beide Zimmer auf dem Boden und 2 Zimmer der Wohnung des 1. Lehrers. Es wohnten damals über 70 Personen im Schulhaus.
In diesem Wirrwarr und dieser Not kam endlich das langersehnte Ende des Krieges. Nach der Kapitulation Deutschlands wurde diese Gegend Sperrgebiet. Viele tausend Soldaten wurden hier festgehalten und warteten hier auf ihre Entlassung in die Heimat. Wentorf, Vogelsdorf, Rönfeldholz und Klamp mußten zusammen etwa 4.000 Soldaten beherbergen. Sämtliche Ställe und Scheunen der Bauern waren stark belegt. Überall sah man Zelte. An allen geschützten Stellen kochten die "Landser“ noch zusätzlich Kartoffeln und Grütze. Es war ein reges und buntes Treiben. Die sonst so ruhigen Dörfer wurden lebendig. Die Soldaten sorgten für Unterhaltung in bunter Folge. Es wurde viel getanzt und oft Varietés veranstaltet. Die Dorfbewohner nahmen an allem sehr regen Anteil. Später kamen nur Österreicher hierher und diese wurden durch Polen abgelöst. Leider wurde von den "Landsern“ viel gestohlen, vor allem Kartoffeln auf dem Felde und in den Mieten. Hühner, Enten, Gänse gingen natürlich auch mit, ja sogar Hunde waren vor den Langfingern nicht sicher.
Am 17. Juli kam Lehrer Lorenzen aus dem Kriege heim, nach dem er 9 Wochen in Eiderstedt im Lager gewesen war. Der Schulunterricht konnte noch nicht beginnen, weil die Klassenzimmer mit Flüchtlingen belegt waren. Am 15. Sept. wurden die Schulräume frei, weil es gelang, die Flüchtlinge im Dorfe unterzubringen. Jedoch wurde der Unterricht erst am 1. Dez. auf Befehl der Britischen Militärregierung eröffnet. Zunächst begann der Unterricht in der Grundschule. Die Kinderzahl in der Grundschule war wegen der vielen Flüchtlingskinder auf 78 gestiegen. Deswegen wurde folgente Einteilung vorgenommen. Von 8:00 Uhr bis 10:30 Uhr 3. und 4. Schuljahr, von 10:30 Uhr bis 1:00 Uhr 1. und 2. Schuljahr. Der Platzmangel zwang zu dieser Maßnahme. Mitte Dezember wurde Fräulein Mecklenburg, aus Lütjenburg stammend, mit der Verwaltung der Grundschule beauftragt. Fräulein Mecklenburg war vorher in Hannover als Lehramtsbewerberin tätig. Bald nachdem wurde auch der Beginn des Unterrichtsin der Oberstufe befohlen. 6 Tage vor Weihnachten wurde der Unterricht aufgenommen. Die Kinderzahl in der Oberstufe beträgt 27. Gesamtzahl der Schulkinder beträgt also 105. Als Gäste nehmen noch 3 Kinter am Unterricht teil, die vorher die Hauptschule in Lütjenburg besuchten. Bis zur Eröffnung der Haupt- oder Mittelschule in Lütjenburg vergehen sicher noch einige Wochen. So sind Schritte unternommen, und mehr Sitzgelegenheiten für die Kinder zu schaffen, damit eingeregelter Unterrichtsbetrieb gewährleistet wird.
Von Lehrer Schwabroh weiß man bisher nur, daß erlebt. Zur Zeit befindet er sich wohl noch in einem Gefangenenlager. Zum Konfirmantenunterricht gingen 4 Mädchen und 1 Knabe. Entlassen wurde am Ende des Schuljahrs ein Mädchen, weil es neun Schuljahre hinter sich hatte. Die übrigen Konfirmanten mußten nach der Konfimation wieder zur Schule,um des neunte Schuljahr durchzumachen.
1) Früher waren die Maikäfer eine Landplage. Binnen Stunden fraßen sie ganze Bäume kahl. Die Larven leben im Erdreich und fressen Wurzeln von Gräsern, Feldfrüchten und Stauden. Bis in die frühen 1970er Jahre wurden Kinder zum Sammeln von Maikäfern losgeschickt, die sich dadurch ein zusätzliches Taschengeld verdienten.
Schuljahr 1946/1947
Das Schuljahr begann mit 13 Schulneulingen. (7 Mädchen und 6 Knaben) Die Zahl der Kinder in der Grunschulklasse stieg auf nahezu 80. Deshalb wurde es notwendig, daß der 4. Jahrgang zur ersten Klasse versetzt wurde, dadurch wurde in beiden Klassen eine gleiche Kinderzahl erreicht. Trotzdem herrscht in der Gundschulklasse Platzmangel. Der Unterricht wird in dieser Klasse wie folgt erteilt: Von 7:30 Uhr bis 10:30 Uhr 2. u. 3. Schuljahr,von 10:30 Uhr bis 12:30 Uhr 1.Schuljahr bzw. 2. oder 3. Schuljahr. Es wird dadurch erreicht, daß die Pflichtstundenanzahl annährend normal ist. Durch Zuzug weiterer Flüchtlinge ist die Kinderzahl auf 122 gestiegen. (61 Kinder in jeder Klasse)
Nach monatelangem Warten erhielt ich von der Schulregierung die Nachricht, daß ich nicht mehr in Wentorf bleiben dürfe. Die Gemeinde Klamp hat sich sehr für mich eingesetzt; aber alle Bemühungen und Fürsprechen haben nichts genützt. Es war stets mein Wunsch, in meine eigene Heimat versetzt zu werden. Diesem Wunsche wird nun entsprochen. Mit Wirkung vom 1. Dez. 1947 bin ich an die Schule von Sande, Kreis Südtondern, versetzt. Ungern scheide ich von Wentorf, das mir und meiner Familie in den 10 Jahren meiner Tätigkeit ein Heimat geworden ist. Mit vielen Menschen hier verbindet uns enge Freundschaft. Die Pflicht ruft mich fort an eine andere Arbeitstätte. Wentorf wird stets in meinen Erinnerungen einen besonderen Platz einnehmen.
Wentorf, den 29.11.1947 Max Lorenzen
Lehramtsanwärterin Sigrid Mecklenburg, geb. am 29 August 1922 in Lütjenburg
Die Schulbehörde weist dem Lehrer einen Dienstort zu. Ob dieser Dienstort dem Lehrer zur einer Heimat wird, ist eine andere Frage. Jedenfalls ist das durchaus nicht so einfach und selbstverständlich wie es manchmal den Anschein hat. Heimatkunde allein macht noch keine Heimat, denn es geht hier um viel tiefere und wesenhaftere Dinge, als man gewöhnlich meint. Als wahrhaft glückhaften Umstand müßte der Lehrer es dennoch gut finden wenn er an einen Platz gestellt wird den er – geograpfisch gesehen - nun auch tatsächlich als Heimatbezirk ansprechen kann, dessen Boden er und seine Vorfahren entsprossen. Als Kind dieses Landes kann er den Heimatgrundsatz der als Wurzel jeglichen Unterrichts in der Grundschule angestrebt wird, am besten verwirklichen.
Nach meiner 1. Lehrerprüfung, die ich am 30.3.1944 an der HfL (Anm.: Hochschule für Lehrerbildung) in Hannover ablegte, war ich ein Jahr lang an der 8-klassigen Volkschule Ronnenberg Kreis Hannover Land beschäftigt. Infolge der Kriegseinwirkungen verließ ich meinen Dienstort und bewarb mich in meinem Heimatkreis Plön um eine Schulstelle. Am 10.12.1945 wurde ich mit der Verwaltung der hiesigen Grundschule beauftragt. Ein Jahr lang konnte ich noch mit Herrn Lorenzen zusammenarbeiten. In Idealistischer Weise hat er sich für die Schule Wentorf eingesetzt ohne für seine geleistete Arbeit während dieser Jahre irgendeine Vergütung zu erhalten.
Zum schönen Abschluß unserer gemeinsamen Arbeit gestaltete sich das Weihnachtsfest 1946, das wieder unter großer Beteidigung der Gemeindebewohner im Dorfkrug bei Beck in Rönfeldholz begangen. Die 1. Klasse spielte "Der gefessselte Weihachtsmann“ und die kleinen lebten so überzeugend in ihrer "Schneewittchen-Welt“, daß es eine Freude war, die im allgemeinen im Ausdruck etwas schwerfälligen Landkinder einmal von und ganz anderen Seite beobachten zu können. - Unter Mithilfe des r.K. (Anm. Rotes Kreuz) waren Kuchenspenden zusammengekommen, daß allen Kindern, auch den noch nicht schulpflichtigen eine Tüte Kuchen vom Weihnachtsmann überreicht werden konnte.
Ende Dezember 1946 erhielt Herr Lorenzen von der Miltärregierung sein Entlassung aus dem Schuldienst und ich wurde mit der vertretungsweisen Leitung der Schule beauftragt.
In den ersten Tagen des Jahres 1947 erreichte eine Kältewelle ganz Mittel- und Südost-Europa wie in Jahrzehnten nicht dagewesen. Die Temperaturen sinken rapide: -10, - 15, -23 Grad zeigte unser Thermometer. Alles Leben erstarrte. Hinzu kam, daß in der Stromversorgung äußerste Sparmaßnahmen getroffen wurden. Die Stromsperrzeiten verteilten sich über den ganzen Tag. Betriebe mußten wegen Kohlenmangel geschlossen werden. In Wentorf setzen wir mit dem Unterricht bis zum 3. Februar aus. In den größeren Städten wurden die Schulen zu öffentlichen Wärmehallen eingerichtet. Während die Schneedecke bei der grauenhaften Kälte nur schwach war, brachten die ersten Märztage Schneeverwehungen, daß unser Dorf buchstäblich eingeschneit war. Tagelang waren wir völlig abgeschnitten von der Außenwelt: keine Post, keine Zeitung, die Milchwagen fuhren nicht. Wir mußten die Schule an mehrerenTagen wieder schließen. Bei Makoben war eine Schneebarriere, die zu durchbrechen ganzen Vormittag Schneeschaufeln der Dorfbewohner erforderte. Am 16. März setzte endlich das ersehnte Tauwetter ein und damit ein Nachlassen der Kälte. Eine unausbleibliche Folge: Die Wege wurden grundlos. Der Schulbesuch ist bis zu den Osterferien (22. März) noch immer unregelmäßig.Die Kinder haben bei den weiten Wegen keine wetterfestes Schulzeug.
Ostern 1947
Zur Entlassung kommen 14 Kinder (5 Knaben, 9 Mädchen). Eingeschult werden 14 Kinder (6 Knaben, 8 Mädchen). Die Gesamtzahl der Schüler beträgt Ostern 1947 (Anm.: keine Angabe)
Mitte Dezember 1946 beginnen wir an unserer Schule mit der Durchführung der Schulbespeisung, an der 30 vom Amtsarzt ausgewählte unterernährte Kinder teilnehmen. Die Zubereitung des Essens erfolgt durch Frau Lorenzen in der Küche der 1.Lehrerwohnung. Während der großen Pause werden die Kinder gespeist.
Nach Herrn Lorenzens Entlassung kommen die Kinder nur jeden zweiten Tag zur Schule, an einem Tag die 1. Klasse und am nächsten die 2.
Am 29.06.1947 führten wir nach langjähriger Pause zum ersten Mal unser Dorffest wieder durch bei 35 Grad Hitze. Die Wettkämpfe fanden in gewohnter Weise auf dem Schulhof statt und am Nachmittag versammelte sich alles zum Tanz im Dorfkrug bei Beck. Durch Geldspenden kamen nahezu 800 RM zusammen. Die Kinder erhielten der Not entsprechend nur Geldpreise. Geschenke waren nicht zu beschaffen.
Den ganzen Sommer und Herbst hindurchwarten wir auf eine erste Lehrkraft. Der Anfang des Jahres 1948 bringt für die Schule Wentorf mancherlei Umwälzungen. Mit Wirkung vom 1.2.1948 bin ich nach Neumünster versetzt worden.
Sigrid Mecklenburg, Wentorf 10.2.1948
Am 1. Februar wurde Fräulein Mecklenburg nach Neumünster versetzt. Am 10.2.48 wurde ich, Robert Keller von Wahlstorf nach Wentorf versetzt. Meine Eltern stammen beide aus Schlesien. Am 15.1.1895 in Leimbach bei Mansfeld Provinz Sachsen geboren (mein Vater hatte dort ein Geschäft) verlebte ich vom 2. Lebensjahr meine Jugend bis 1914 in Schlesien. Die Berge sind meine Heimat. Urgestein, Granit, unter den Füßen gibt ein besonderes Lebensgefühl, das seinen Ausdruck findet bei solchen Menschen wie Gerhart Hauptmann, Paul Keller, Hermann Stehr, aber auch Jakob Böhme. Nach dem ersten Weltkrieg kam ich durch meine Frau nach Schleswig-Holstein und zwar zuerst nach Dellstedt, Kreis Norderdithmarschen. Wohlde (Treenetal), Fleckeby, Neumünster sind die Orte meiner Tätigkeit. Von einer äusseren Biographie eines Menchen ist schliesslich nur Äusserliches zu erfahren. Das besagt wenig. Mein innerer Weg verlief jenseit allen Nationalismus. Das Deutschtum in seiner Weltbedeutung suchte ich und fand ich in dem Weg von Goethe zu Rudolf Steiner. Möge das deutsche Volk nach dem furchtbaren Zusammenbruch zu seinen geistigen Genien den Weg finden.
Am 10.2.1948 begann ich hier den Unterricht mit 110 Kindern.
Ostern 1948
Es kommen zur Entlassung 5 Mädchen und 2 Knaben es werden neu eingeschult (Anm.: kein Eintrag)
Ende März 1948 kurz vor den Osterferien erkrankten viele Kinder sehr plötzlich an hohem Fieber. Man hatte den Eindruck, das die sonst üblichen Erkältungskrankheiten infolge der mangelhaften Ernährung viel schwerer überwunden wurden.
Wentorf, den 13.5.1948
Als zweite Lehrkraft bin ich nun nach Wentorf versetzt. Mit ein wenig schwerem Herzen habe ich am 15. April Blekendorf, nachdem ich2 ½ Jahre fast dort tätig war, verlassen. In meinem Beruf habe ich das erste Mal recht gespührt, wie sehr nah doch in einer so kurzen Zeit mit seinem Arbeitsfeld verbunden ist. Es war meine erste Stelle und in Blekendorf sind mir an Schwierigkeiten aber auch an Freuden viel wiederfahren. Blekendorf liegt sehr hübsch, nicht weit von der Ostsee. Wie gern bin ich mit den Kindern durch seine schöne Umgebung gewandert. Die Liebe zur Heimat und zur Natur, die müßte jedem Kinde so tief im Herzen leben, daß sie ihm nie verloren geht.
Während meiner Ausbildungszeit lernte ich das Hannoversche Land und seine Leute kennen; ein halbes Jahr Praktikum verbrachte, ich in einer lieblichen Kleinstadt am Harz. Weil die russischen Truppen anrückten, meldete ich mich 1945 in meinem Heimatkreis und bin so wieder im Kreise Plön gelandet.
Nun sind die ersten vier Wochen inWentorf vergangen. Ich glaube, daß ich hier viel Neues lernen kann und wohl Freude haben werde.
Thea Lau, Lehramtsanwärterin, geb. am 26.9.1925 in Kembs, Kreis Plön.
Am 2. Juni 1948 fand eine Elternversammlung statt. Frau Sobatta, Mitglied des Elternbeirates ist weggezogen. An ihre Stelle trat Frau Jeskenowsky, als weiterer Ersatz Frau Brand, Klamp. - Besprochen wurde weiterhin der Beginn des Unterrichtes in den Sommermonaten. Er wurde auf Wunsch infolge der bestehenden Sommerzeit auf 7:30 Uhr festgesetzt. - Ferner bestand Meinungsverschiedenheit darüber, ob das übliche Vogelschießen am Sonntag oder an einem Wochentage sein sollte. Man einigte sich für 1948 auf Sonntag den 4. Juli. Eine Geldsammlung der darauffolgenden Tage brachte innerhalb der Ortschaften Wentorf, Rönfeldholz, Vogelsdorf und Gut Klamp 805 RM ein.
Ab 1. Juni 1948 wurde Frl. Lau wieder nach Blekendorf zurückversetzt. Freitag, den 18. Juni fand das übliche Vogelschießen statt. Am Vormittag wurden Wettkämpfe ausgeführt; der Nachmittag wurde mit Spiel, Tanz und Kaffeetrinken mit viel Kuchen in der Wirtschaft in Rönfeldholz verbracht. Könige wurden Albert Rönfeld, Otto Ehrk, Egon Lorenzen. Königinnen wurden Käthe Lilienthal, Gertrud Giese, Hedwig Hempel. Das Vogelschießen musste noch kurz vor der Geldreform in einigen Tagen auf die Beine gestellt werden. Trotzdem, es klappte alles und für unsere Schuljugend war es ein Tag der Kinderlust.
Auf Grund des Runderlasses der Ministeriums für Volksbildlung - V 14890 - vom 10.Juni 1948 musste der Elternbeirat neu gewählt werden. Von dem Schulleiter wurde zu diesem Zweck am 11. Sept. 1948 um 20:00 Uhr eine Elternversammlung einberufen. Infolge zu geringer Beteitigung musste die Versammlung am 14.9.1948 wiederholt werden. In dieser Versammlung wurde durch den Schulleiter Inhalt und Sinn, sowie das Wahlverfahren des Runderlasses den Versammelten dargelegt. Danach wurden folgende Persönlichkeiten gewählt:
Klassenelternschaft für Klasse 1 (Unterbau - 1. bis 4. Schuljahr): Frau Joskanowski,Vogelsdorf, Herr Hempel, Wentorf, Herr Giese, Rönfeldholz. Die gewählten Ersatzvertreter: Herr Habbig, Wentorf, Herr Meitzel, Wentorf, Frau Pahl, Gut Klamp.
Klassenelternschaft für die klasse 2 (Oberbau 5. bis 9. Schuljahr): Herr Jebe,Rönfeldholz, Herr Schönefeld, Rönfeldholz, Frau Ehrk, Rönfeldholz.
Die gewählten Ersatzvertreter: Herr Redant, Rönfeldholz, Frau Zielke, Gut Klamp, Herr Möller (Bauer), Rönfeldholz.
Nach oben angegebene Verfügung setzt sich in 2 klassigen Schulen der Elternbeirat der gesamten Schule aus den beiden gewählten Klassenelternschaften zusammen.Es wären somit für denElternbeirat der Gemeinde Klamp, Schule Wentorf, gewählt:
Frau Jeskanowski, Herr Hempel, Herr Giese, Herr Jebe, Frau Ehrk, Herr Schönefeld.
Der Vorsitzende des ehemaligen Elternbeirates, Herr Jebe, würde nunmehr innerhalb des gewählten Elternbeirates die Pflicht haben, aus diesem den neuen Vorsitzenden und Schriftführer zu wählen. Da eine Neuwahl heute nicht stattgefunden hat, bleibt Herr Jebe Vorsitzender, Frau Jeskanowski hat sich bereit erklärt, die schriftlichen Arbeiten zu übernehmen.
Mit dem 1.10.1948 wurde ich als 2. Lehrkraft an die Volksschule Wentorf versetzt. Damit ist hier nach langer Zeit nicht tragbarer Verhältnisse - 1 Lehrer hatte 2 Klassen (9 Schuljahre) zu betreuen – der Anfang gegeben zu einer ruhigeren Entwicklung der schulischenArbeit.
Ich bin Ostpreuße. In Mitten in der Johannisburger Heide bin ich geboren, besuchte die Oberschule für Jungen in Lötzen und bestand 1942 die Reifeprüfung. Als Soldat lernte ich Italien, Frankreich und Rußland kennen. In Schwerin/Mecklenburg geriet ich 1945 in Gefangenschaft und kam dann nach Holstein. Mit Beginn des Sommersemesters 1946 studiert ich an der neu errichteten Pädagogischen Hochschule Flensburg-Mürwik. Im Frühjahr 1948 bestand ich hier die 1. Lehrerprüfung und wurde im April nach Dannau Kreis Plön versetzt. Hier blieb ich nur eine Woche, weil die Gemeinde mir keine Wohnung beschaffen könnte. Ich wurde nach Görnitz, später nach Stolpe und Plön-Stadtheide abgeordnet. Nach meiner Versetzung hierher bezog ich mit meiner Ehefrau den inzwischen als 2. Lehrerdienstwohnung ausgebauten Gemeinschaftsraum.
Die Pädagogische Hochschule in ihrer jetzigen Form ist ausschließlich eine Berufshochschule. Sie will den Studenten die ersten berufspraktischen Fertigkeiten vermitteln und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit die Kenntnis des kindlichen Seelenlebens.
Erziehung muß jedoch allemal auch ein Ziel haben. Es liegt nicht so sehr oder gar allein in dem armselig handwerklichen Vermitteln von Schreiben-, Lesen- und Rechnen können, sondern hat höhere menschliche Bedeutung. Man will den jungen Menschen sittlich machen. Sittliches Verhalten und die Ehrfurcht vor sittlichen Werten als Grundlage sozialer Beziehungen überhaupt gehen heute den meisten Menschen ab. Die Familie und das öffentliche Leben sind bei weitem nicht mehr der Garant menschlicher Ordnungen. Damit kann der Lehrer nicht mehr nur Handwerker, sondern er muß mehr denn je planvoller Erzieher sein. Er erzieht in erster Linie durch das, was er ist, auch das Wirken seiner gesamten Persönlichkeit.
Nun ist dies auch nur der Weg, das Wie, das die Hochschule uns zeigte. Die Fixierung letzter ethischer Ziele liegt jenseit ihrer Bemühungen. Man gibt intellektuelle Eselsbrücken und sagt, wir sollen die jungen Menschen zu selbstständigen Individuen "befreien“. Weil sie vorher zu sehr gebunden und zur Unselbstständigkeit gezwungen waren. Kann aber nicht die Freiheit jedes Individuums zum Chaos führen wenn 1. der Mensch auf Grund seiner psychischen Entwicklungsstufe noch nicht dazu reif ist, diese Selbstständigkeit sinnvoll zu gebrauchen, oder wenn 2. der Erwachsene entweder die gleiche Unreife wie das Kind zeigt, oder wenn er auf Grundschlechten Charakters oder mangelnden sittlichen Verantwortungsgefühls seine in der Freiheit gewonnenen Macht zu egoistisch triebhaften Spekulationen mitbraucht?
Man wartet auch wieder - wie bei den Nazis nach 1933 - mit einer Summe von Schlagwörtern auf, die man aus Angst und mangelnder Civilcourage in blindem Gehorsam politischen Programmen entnimmt. Der Mensch soll einfach, ehrlich, human, tolerant, gerecht etc. etc. sein. Was versteht aber der Eine unter Ehrlichkeit und was der Andere? Der Eine ist gerecht, wenn er im Winter 1946/1947 seine Familie verfrieren ließ und Kohlen stahl, und der andere??
Ich gebe zu, ein Zweifler zu sein an der Existenz ethischer Werte per se. Ich glaube aber, daß Freiheit und Selbstständigkeit der Person zum Wohl der Menschheit gereichen können. Dann muß aber der Mensch, der sie hat, aus tiefster Überzeugung sein Leben nach den Gesetzen ethischer Normen ausrichten und vor allen Dingen müssen diese Normenfür die gesamte Menschheit unumstößlichgültiger Besitz sein, sonst könnte der Freie als "Vogelfreier“ der Willkur irgendwelcher Elemente ausgesetzt sein.
Ich versuche, meine Kinder im Sinne einer Sittlichkeit zu erziehen, wie sie der abendländischen Kultur durch die christliche Lehre bereitet wurde, ohne zu wissen, ob ichauf dem rechten Wege bin.
Walter Piel, apl. Lehrer
Vogelschießen 1948 | |
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Schuljahr 1949/1950
Am 3. Juli 1949 fand in alter Weise das Vogelschießen statt. Der Lehrer Walter Piel wurde in den Kreis Rendsburg versetzt. Ein Nachfolger war am 1. Juli natürlich nicht da. So blieb wieder alles wie im Vorjahre an mir hängen. Es ging, weil die Mitglieder des Elternbeirats in positivster Weise mitarbeiteten. Das Fest verlief wie üblich. Am Vormittag waren die Spiele. In drei Gruppen durchgeführt ergaben sich folgende Königinnen und Könige. 6. bis 9. Schuljahr: König Hermann Kunz, Königin Anni Jipp. 3.,4. und 5. Schuljahr: König Rolf Bock, Königin Roswitha Makoben. 1. und 2. Schuljahr: König Siegfried Schnell, Königin Else Orthmann. Am Nachmittag 14:00 Uhr folgte der übliche Umzug nach Rönfdholz. Volkstänze, Lieder, Kaffeetafel und allgemeiner Tanz beendete die Kinderfreude um 21:00 Uhr. Die Elternschaft schwang dann bis ein Uhr das Tanzbein.
Am 10. Juli meldete sich hier Herr Lehrer Salten aus dem Kreise Rendsburg.
Lehrerwechsel Hugo Salten:
Mit Wirkung vom 1. Juli 1949 wurde ich, Hugo Salten, geb. 6. 4. 1886 in Schönau Kreis Preußisch-Holland Ostpreußen, von den Landesregierung in die freie 2. Planstelle an der Volksschule in Wentorf eingewiesen. Ich bin Heimatvertriebener aus Ostpreußen und war dort zuletzt Hauptlehrer an den 6-klassigen ev. Volksschule in Bischofsburg, die während des Krieges infolge der vielen Evakuierten 8-klässig wurde. Im Januar 1945 wurde meine Schule durch Bomben schwer getroffen, die Schüler waren kurz vorher wegen Luftgefährdung entlassen worden. Infolge der mit jedem Tag sich nähernden Front mußten auch wir, meine Frau und ich, die Heimat verlassen und nur mit kleinem Handgepäck, nach vielen Mühen vielen Kreuz- und Querfahrten, konnten wir endlich bei Frauenburg über das Eis des Frischen Haffes auf die Nehrung gelangen. Von dort gings meist zu Fuß die Nehrung entlang, dann mit der Fähre über die Weichsel, alle andern Übergange waren in den Händen der Russen. Nach einigen Tagen Ruhe durften wir mit einem Verwundetentransport nach Westen. Von Herrnhut in Sachsen sind wir dann im Juni 1946 zu unserer verheiratetenTochter in den Kreis Rendsbrug gezogen und nach meiner Entnazifizierung wurde ich an einer Volksschule in Rendsburg mit der Verwaltung einer Planstelle auf Wiederuf beschäftigt.
Lehrerwechsel Horst Liedtke: Am 11. Juli konnte ich hier meinen Dienst antreten.Als Wohnung benutze ich, wie bereits schon mein Vorgänger Lehrer Piel, das über den Klassen liegende frühere Jugendheim. Noch den Sommerferien mit Ende August meldete sich Lehrer Keller krank. Vierzehn Tage lang habe ich dann beide Klassen unterrichtet. Am 12. September wurde dann Lehrer Horst Liedtke, Vogelsdorf mit der Vertretung der 1. Lehrerstelle beanftragt, zunächst bis Ende Oktober, später bis Ende Dezember und schließlich bis 31.3.1950. Nachdem Lehrer Keller Ende März in den Ruhestand versetzt worden war, wurde ich als 1. April mit der Verwaltung der 1. Lehrerstelle beauftragt und Lehrer Liedtke in die 2. Planstelle eingewiesen. In das Schulhaus konnte er noch nicht einziehen, da Lehrer Keller die 1. Lehrerwohnung bis Oktober und vielleicht noch darüber hinaus in Anspruch nimmt.
Adventsfeier: Am 2. Advent fand im Beckschen Saal eine Adventsfeier verbunden mit einer Kaffeetafel für die über 70 Jahre alten Personen statt. Das Rote Kreuz und Pfarrer Gelhausen gestalteten die Feier. Ein Chor der Schule sang diesen mehrere Adventslieder.
Weihnachtsfeier: Am 4. Adventssonntag wurde unter großer Beteiligung der Gemeinde die Weihnachtsfeier der Schule bei Beck begangen. Im ersten Teil wechselten Gemeindgesang, Chorgesang der Kinder, Vortrag von Gedichten und Musikstücken miteinander ab. Dann führte die 2. Klasse zwei Weihnachtsspiele auf, und die Unterklasse spielte "Beim Weihnachtsmann“. Besonders die Reigen der Engel und der Zwerge machten Kinder und Zuschauern große Freude. Durch Kuchen- und Geldspenden konnten jedem Kind eine große Tüte mit Nüssen, Bonbon und dergleichen vom Weihnachtsmann überreicht werden.
Weihnachten in der Schule: Am letzten Schultag vor Weihnachten wurde die Ausgabe der Weihnachtszuteilung der Schulspeisung in Form einer Weihnachtsfrau gestaltet. Die Tische der Unterklasse wurden zu langen Tafeln aufgestellt und weihnachtlich geschmückt, der Lichterbaum stand in der Mitte. An jeder Tasse lag eine Tafel Schokolade und ein Stück Weihnachtsstollen. Beide Klassen erlebten hier nacheinander eine weihnächtliche Stunde. Elternbeirat und Vertreter der Notgemeinschaft nehmen daran teil.
Ausleseprüfung: In diesem Jahr fand zum ersten Male nach Einführung der 6 jährigen Grundschule eine 14-tägige Ausleseprüfung zwecks Auslese zum Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule statt. Von unserer Schule hatten sich hierzu 6 Schüler, 1 Knabe und 5 Mädchen, gemeldet. Die 5 Mädchen nahmen an der Ausleseprüfung in Lütjenburg teil, 3 davon bestanden und wurden in die Mittelschule aufgenommen. Der Knabe bestand die Prüfung an der Oberschule in Plön. Die Namen der Schüler sind: Sabine Picholtka, Ingeborg Pahl, Gisela Hantel und Detlef Mosler.
Ende des Schuljahrs: Am 29. März, am Ende des Schuljahrs, wurden in einer Schlussfeier 15 Schüler entlassen, 11 Mädchen und 4 Knaben, 7 Schüler davon, 5 Mädchen und 2 Knaben, hatten das neunte Leistungsschuljahr erreicht. Die beiden besten Schüler Waltraut Möller und Siegfried Dudeck erhielten zu 150 DM als Erziehungsbeihilfe. Letzterer ging in das Aufbauwerk Kiel. Vier weitere Schüler erhielten sofort eine Lehrstelle.
Lehrer Liedtke, Lebenslauf: Lehrer Horst Liedtke, der am 1.4.1950 in die 2. Planstelle eingewiesen wurde, ist auch Heimatvertriebener. Er ist am 21.1.1915 in Prechlau Westpreußen geboren, war dann später im Kreis Preußen-Holland beheimatet. Auf der Akademie Elbing bestand er 1937 das 1. Lehrerexamen. Dann wurde er an der 3-klassigen Schule im Kreis Schloßberg Ostpreußen bis zur Einberufung zum aktiven Wehrdienst, 1.11.1937, auftragsweise beschäftigt. Während des Krieges kam er wegen minderen Tauglichkeitsgrades wieder 3 Monate ins Amt. Gegen Ende des Krieges am 12.4.1945 geriet er in jugoslawische Gefangenschaft, aus der er erst am 30.12.1948 zurückkehren konnte und zwar zu seiner Mutter, die in Vogelsdorf eine Zuflucht gefunden hatte.
Vogelschießen 1950 | |||||
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Schuljahr 1950/1951
Am ersten Schultag des neuen Schuljahrs wurden nach einem Schulanfänger-Gottesdienst, der durch Vorträge, Gedichten und Gesang der Kinder ausgestaltet wurde, 16 Kinder aufgenommen, 7 Mädchen und 9 Jungen
In der letzten Woche vor Pfingsten unternahm die Schule, 3.bis 9. Schuljahr, eine Wanderfahrt nach Malente. Von der Schulkasse wurden hierzu 100 DM und von den Kindern je 50 Pf beigetragen. Hin- und Rückfahrt wurden mit 2 Autobussen der Firma Hauschild ausgeführt. Es kostete der Sitz je Kind 2 Pf, es konnten aber beliebig viel Kinder in jedem Bus mitfahren, der Gesamtbetrag machte 60 DM aus. Nach den Umfahrt auf den 5 Seen auf einem Motorboot, die 50 DM kostete (die Schule hatte das Boot allein gemietet) gings per Bus weiter nach dem Uklei-See. Infolge der aufgeweichten Wege konnte die Wanderung um den See leider nicht gemacht werden. Auf der einen Seite des Sees war auch der ganze herrliche Baumbestand abgeholzt. Dafür wurde dann noch eine Busfahrt, die 10 DM kostete, nach Eutin gemacht, wo das Schloß und der angrenzende Park besichtigt wurden. Morgens etwa 8:30 Uhr fuhren wir ab und um 18:00 Uhr waren wir wieder zum Hause.
Da die Amtszeit der vor 2 Jahren gewählter Elternvertretungen abgelaufen war wurde im Mai ein neuer Elternbeirat gewählt. Es wurden gewählt für die Unterklasse: Hans Rath, Herbert Bock u. Meta Ehlers, für die Oberklasse: Erich Franzke, Erich Schönefeld u. Rosa Lilienthal. In der anschließenden 1. Sitzung des Elternbeiratswurden Hans Rath zum Vorsitzenden und Erich Franzke zum Schriftführer gewählt. Die Führung der Schulkasse hat der jeweilige Schulleiter.
Mitte Juni fand das Vogelschießen statt. Sämtliche Mitglieder des Elternbeirats, auch die Vertreter, setzten sich tatkräftig sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Durchführung des Festes ein. Die Geldsammlung ergab einen Betrag von 249,20 DM. Zum ersten Mal nach langer Zeit wurde nach dem Vogel mit der Armbrust geschossen. König wurde dabei Hermann Kunz. Für die Wettkampfe wurden die Schulen in drei Gruppen nach Geburtsjahrgängen eingeteilt. Folgende Schüler wurden Könige bezw. Königinnen: in Gruppe 1 Hermann Kunz und Hannelore Carstens, in Gruppe 2 Horst Habbig und Brunhilde Pahl und in Gruppe 3 Heinz Kruse und Marlen Söll. Diese Preisträger erhielten Preise im Wert von je 10 bis 15 DM. Im Festzug fuhren sie im geschmückten Wagen, die Herr Dralle, Klamp und Herr Möller, Wentorf gestellt hatten. Im Beckschen Saal fand die Kinderfreude ihren Ausdruck in einem Aufzug, in zwei Volkstänzen, Trampel- und Klapptanz, und mehreren Liedern. Dann folgte der allgemeine Tanz, zwischendurch waren noch Vorführungen der einzelnen Klassen und Jahrgänge. Die Kuchenspende ermöglichte eine ausgiebige Kaffeetafel. Zur Weiterbildung der Junglehrer sind Arbeitsgemeinschaften für Junglehrer eingerichtet worden, an denen auch Lehrer Liedtke seit April diesen Jahres teilnimmt. Diese erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit nicht nur beiden Junglehrern, für die diese Pflicht sind, sondern auch bei älteren Kollegen, die freiwillig gerne daran teilnehmen. In jedem Monat kommen die Kollegen jeweils immer an einem andern Schulort zusammen. Es ist für viele Kollegen, die in abgelegenen Orten wohnen, mitunter die einzige Gelegenheit, aus ihrer engen Begrenztheit des einsamen dörflichen Lebens hinauszukommen und, ganz abgesehen von den dienstlichen Belangen, mit ihren Berufskollegen über allgemein interessierende Probleme der Lehrerschaft zu sprechen. Allein das gegenseitige Kennenlernen schweißt die Teilnehmer diesen Arbeitsgruppe enger zusammen. Die Tagung besteht aus zwei gehaltenen Sektionen in verschiedenen Fächern, die dann im Anschluß kritisch betrachtet werden. Gerade diese Aussprachen zeigen dem Junglehrern immer wieder neue Wege der Methodik und geben ihm Denkanstöße für seine eigene Arbeit in der Schulklasse. Das Blickfeld schulischer Arbeit wird erweitert, man wird vielfältiger in der Gestaltung des Unterrichts. Im Anschluß an diese Besprechung der Sektionen folgen Referate aus der Psychologie, Erziehungs- und Unterrichtslehre. Ein Minuspunkt erscheint im Augenblick noch in der Arbeitsgemeinschaft zu liegen: 20 Teilnehmer sind für eine Arbeitsgemeinschaft zu reichlich, bei einer Verkleinerung auf 10 bis 15 Mann könnte eine noch positivere Arbeit geleistet werden. Dieser Übelstand ist auch höheren Orts erkannt worden. Jedoch sprechen für die Stärke den Arbeitsgemeinschaft vielfach örtliche Verhältnisse mit. (von Lehrer Liedtke)
In der Woche vom 2. bis 9. Juli 1950 war die 675 Jahrfeier der Stadt Lütjenberg. Die Schule nahm geschlossen an dem Tag der Handwerker teil, die rings um den Marktplatz in ihren aufgestellten Werkstätten ein sehr ansehnliches Bild von ihrer Tätigkeit den Zuschauen vermittelten. Zum Abschluß fand am Sonntag ein Festumzug statt, in dem die Geschichte Lütjenburgs in Festwagen und verschiedenen Festgruppen sehr treffend veranschaulicht wurde. Eine Festschrift hat die Stadt Lütjenberg auch der hiesigen Schule zugesandt.
Wie in jedem Jahr fand auch diesmal das Ringreiten und zwar für die männliche Jugend auf dem Dorfplatz am Teich statt. Die älteren Herrn fanden sich zu diesem fröhlichen Wettstreit in Vogelsdorf auf den Koppel von Gleßmann zusammen. Bei der Jungmannschaft wurde der heimatvertriebene Hans Ulrich Lange und beim Alt-Herrenreiten der heimatvertriebene Karl Schlupp, Vogelsdorf König.
5. Sept. 1950 Mord bei Rönfeldholz: Auf einer Koppel zwischen Wendorf und Rönfeldholz fand die Polizei auf eine Benachrichtigung durch den Bauern Heinrich Giese eine erst vor kurzem vergrabene Männerleiche. Die sofort angestellten Ermittelungen ergaben, daß den etwa70 Jahre alte Mann, der schwere Schnittwunden aufwies, wahrscheinlich in der Montagnacht ermordet, ausgeplündert und dort vergraben wurde. Als mutmaßlicher Raubmörder wird ein etwa 50 Jahre alter Mann gesucht, in dessen Begleitung der Ermordete am Tag vorher in der Gegend gesehen wurde. Ein Bildbericht hierzu anbei.

Weihnachtsfeier 1950: Am letzten Adventssonntag wurde die Weihnachtsfeier der Schule im Beckschen Saale begangen. Die Oberklasse führte das Laienspiel "Wir suchen unsern heilgen Christ“ auf, während das 3. Und 4. Schuljahr den "Tag vor dem heiligen Abend“ spielten. Ein Bus brachte die Gäste und Kinder aus Vogelsdorf zum Festabend. Gedichte, Erzählungen, auch plattdeutsche, verbunden mit Musik und Gesang der alten schönen Weihnachtslieder erfreuten ebenfalls die zahlreichen Gäste. Am Schluß brachte der Weihnachtsmann wieder die volle Weihnachtstüte.
Am letzten Schultag vor dem Fest erhielten alle Kinder einen Weihnachtsstollen, eine Tafel Schokolade und zwei Apfelsinen. Die Kinder, die an der Schulspeisung teilnehmen, erhalten diese Gaben durch die Hilfsgemeinschaft, die restlichen 60 aber infolge Sach- und Geldspenden der Eltern und Freunde der Schule, auch die Schulklasse (Überschuß vom Vogelschießen) hatte einen Betrag beigesteuert. Die Apfelsinen hatte der Jagdpächter aus Kiel auf Anregung des Bürgermeisters gestiftet.
Ausleseprüfung Sommer 1951: Für die Ausleseprüfung, wie sie im Vorjahre auch in Lütjenburg durchgeführt wurde, hat sich in diesem Jahr kein Schüler gemeldet.
Gartenland für 2. Lehrerstelle: Im Einvernehmen mit Bürgermeister Hagedorn soll der 2. Lehrerstelle ein Stück Schulland hinter dem Wirtschaftsgebäude in Größe von 500 qm als Gartenland überlassen werden. Der Stelleninhaber hat dafür einen jährlichen Pachtzins von 5 DM, zahlbar am 1. Oktober jeden Jahres, an den Inhaber der 1. Lehrerstelle zu zahlen.
Lehrer Liedtke berichtet: Am 16.2.1951 wurde erstmalig in der hiesigen Schule eine Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer des hiesigen Bezirks abgehalten. Über Sinn und Zweck der Arbeitsgemeinschaft habe ich schon früher berichtet. Es erschienen hierzu 25 Kollegen, darunter auch wiederum einige älter, die nicht unter die Pflicht Arbeitsgemeinschaft fallen. Ich hatte 2 Probelektionen zu halten, eine mit dem 3. und 4. Schuljahr in Deutsch und eine mit dem 1. Schuljahr. Mit dem 3. und 4. Schuljahr zeigte ich Aufsatzunterricht und führte an Hand eines geschriebenen Aufsatzes die Nachbereitung durch. Mit dem1. Schuljahr führte ich ganzheitliches Lesen nach Doman (Anm.: Donam-Methode) vor. Beide Sektionen wurden anschließend besprochen, für alle war meine Methode des Lesenlernens (Ganzewort-Methode) neu. In hiesiger Gegend wird meistens ganzheitlich nach Wittmann oder aber noch synthetisch unterrichtet. In der abschließenden Kritik wurde festgestellt, daß bei aller Freiheit der Methode die Kinder beachtliche Leseleistungen aufwiesen. Nach einem kleinen in der Klasse eingenommenen Imbiß wurde am Nachmittag die Tagung mit Referaten über "Ganzheitsmethode“ nach Kern fortgesetzt.
Ausleseprüfung März 1951: Nach Einführung auch der vierjährigen Grundschule sollten geeignete Schüler aus dem 4. und 5. Leistungsjahrgang zum Übergang auf eine weiterführende Schule zum Auslese gemeldet werden. Es meldeten sich 3 vom 4. und 2 vom 5. Leistungsjahrgang zur Prüfung. Letztere fand aber nicht statt, da erst 1952 eine Mittelschule in Lütjenburg eingerichtet werden soll.
Am 16. März am Ende des Schuljahr, wurden 12 Schüler, 4 Mädchen und 8 Knaben entlassen. Das 9. Schuljahr bezüglich Leistung hatten 5 Schüler, 3 Mädchenund 2 Knaben erreicht.
Schuljahr 1951/1952
Am 5. April, dem ersten Schultag des neuenSchuljahrs, wurden nach einem Schulenfänger-Gottesdienst, den Pastor Gelhausen hielt, 14 Kinder, 4 Mädchen und 10 Knabenaufgenommen. Die Gesamtzahl der Schüler beträgt jetzt 102, davon sind in Klasse 1 63 und in Klasse 2 (5. bis 9. Schuljahr) 39 Kinder.
Am 29. April fanden in Schleswig-Holstein die vorverlegten Kommunalwohlen statt. Wahlleiter war hier Hauptbuchhalter Franz Aitzel(???). Durch unmittelbare Wahl wurden gewählt:
1. Paustian, Herm. SHW (Schleswig-Holsteinische Wählergemeinschaft)
2. (Herm) Ehrk, Wilh. SHW
3. Hagedorn Friedrich SPD
4. Makoben Knur SHW
5. Voss,Hermann SHW
6. Ehlers, Dorothea SHW
7. Schuhmacher,Friedrich SHW
Ferner aus der Liste: 1. Hermann, Heinrich SPD, 2. Franzke, Erich SPD, 3. Neumann, Otto BHE, 4. Gleßmann, Otto CDU. Insgesamt wurden 2103 gültige Stimmen bei 346 abgegebenen Stimmzetteln gezählt.Ungültig waren 6 Stimmzettel. Wahlberechtigt waren 417 Personen.
Versetzung des Lehrers Salten in den Ruhestand: Infolge Erreichung der Altersgrenze wurde ich am 30. April in den Ruhestand versetzt. In Wiesbaden, wohin ich verziehe, hoffe ich eine neue Heimat zu finden.
Seit 1.5.1951 ist die durch Herrn Salten frei gewordene erste Lehrerstelle unbesezt, und ich verwalte sie vertretungsweise. Die Schulkinder müssen unter diesem Zustand sehr leiden, da sie bei weitem nicht den vollen Unterricht haben. Diesbezügliche Vorstellungen bei der Schulbehörde haben bis zur Stunde noch zu keinem Erfolg geführt. Dieser plötzlich einsetzende Lehrermangel gerade jetzt zu Ostern - vor allem durch den Wechsel vieler Lehrer von der Volksschule zur Mittelschule nach Einführung der vierjährigen Grundschule Ostern 1951 - hat sich auch auf unsere Schulverhältnisse nachteilig ausgewirkt. Das 5. bis 9. Schuljahr hat täglich nur 2 Stunden und das 1. bis 4. Schuljahr wöchentlich sogar nur 8 Stunden. Das ist auf längerer Zeit gesehen mit 103 Kindern einvöllig unhaltbarer Zustand, der einer dringenden Abhilfe bedarf.
Trotz dieser Lage - nur 1 Lehrer - wurde das Vogelschießen noch vor den Sommerferien am 8. Juli festlich in alter Form begangen. Tatkräftig haben sich wiederum die Mitglieder des Elternbeirats nebst deren Vortretern und einigen anderen Personen bei der Vorbereitung und Durchführung in den Dienst der Sache gestellt und so zum Gelingen des Festes beigetragen. Ganz besonders möchte ich auch an dieser Stelle des freiwilligen Einsatzes von Frl. Hagedorn und meiner Frau gedenken, die mich wesentlich beim Einüben von Volkstänzen entlastet haben. Wie im vergangenen Jahre wurden die Kinder in 3 Gruppen eingeteilt. Jungen: 1. Gruppe, Vogelschießen mit der Armbrust; 2. Gruppe, Pfeilwerfen; 3. Gruppe, Steckenpferdreiten. Mädchen: 1. Gruppe Ringwerfen; 2. Gruppe Vogelpieken; 3. Gruppe Karussellfahren. Die Königswürden errangen bei den Jungen: Heinz-Hugo Wulf, Wilfried Franzke, Horst Bartz. Bei den Mädchen: Meta Mertz, Inge Hempel, Helga Kortum.
Am Nachmittag marschierte der bunte Festzug, allen voran als Anführer mit Degen und hoch zu Roß Niko Thomsen, vom Schulhof zu Herrn Adolf Makoben zu einem allgemeinen Umtrucke und von dort zur Waldschenke nach Rönfeldholz. Die Königspaare, ganz im Zeichen der Würde des Tages stehend, fuhren wieder in geschmückten Kutschwagen, die freundlicherweise Herr Möller und Herr Gleßmann gestellt hatten. Nach der Polonaise zeigten die einzelnen Klassen 1./2., 3./4. und 5./9. Schuljahre Tanzspiele und Volkstänze, die reichen Beifall ernteten. Der Kindertanz wurde durch eine Kaffeetafel unterbrochen und gegen 20:00 Uhr beendete eine Schlußpolonaise dieses bei schönstem Wetter wohlgelungene Fest. Der anschließende abendliche Tanz der "Großen“ war gut besucht und verhalf der Schulkasse zu einer ansehnlichen Einnahme.
Auf Anordnung des Kreisschulamts mußten auch bis zu den Sommerferien der volkstümliche Dreikampf - 75 Meter Lauf, Weitsprung, Schlagballweitwurf - der Geburtsjahrgänge 1935 bis 1940 zur Durchführung gelangen. Nach einem den allgemeinen Verhältnissen bescheiden durchgeführten Training wurden am 1. Juli die Wettkämpfe auf dem Schulhof durchgeführt. Auch hier hatten sich als Kampfrichter wiederum Vertreter des Elternbeirats zur Verfügung gestellt. Die ersten 3 Sieger der Jungen und Mädchen wurden durch selbstangefertigte Urkunden während der Kaffeetafel des Vogelschießens ausgezeichnet. Sieger im fairen Wettkampf waren bei den Jungen: 1. Jürgen Rath 230 Punkte 2. Manfred Mitzel 310 Punkte, 3. Adolf Frahm 198 Punkte. Bei den Mädchen: 1. Olga Schönefeld 189 Punkte, 2. Lotti Rönnfeldt 188 Punkte, 3. Roswitha Makoben 187 Punkte.
Als Nachtrag zur Gemeindewahl vom 29.4.1951 wäre noch zu ergänzen, daß auf Grund des Wahlausgangs eine Neuwahl des Bürgermeisters stattfand. Als Kandidaten für diesen Posten wurden nominiert der alte Bürgermeister Friedrich Hagedorn (SPD) und Herr Paustian (SHW). In geheimer Abstimmung gaben die neugewählten Gemeinderäte für Herrn Hagedorn 5 und für Herrn Paustian 6 Stimmen ab. Damit war Herr Paustian zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Klamp auf 4 Jahre gewählt.
Als eine der ersten Aufgaben des neuen Gemeinderats war die Renovierung der 1. Lehrerwohnung, die notwendig geworden war. Beide Zimmer wurden durch den Malermeister Herrn Jürgens, Lütjenburg, neu gemacht, davon eins tapeziert. Ebenso wurden der Ofen in der Lehrerwohnung und der Ofen in der Klasse auf der Nordseite des Schulgebäudes neu ausgemauert. Als dringend notwendig erweist sich noch die Neusetzung des Ofens in dem anderen Klassenraum. Kostenanschläge liegen bereits vor, und dieses Projekt dürfte in den Herbstferien zur Durchführung gelangen.
Wie in vielen Teilen Europas, so wurden auch wir nach einigen heißen Tagen von starken Unwettern mit ergiebigen Regenfällen in der ersten Hälfte des August heimgesucht. Bei einem Gewitter schlug der Blitz in das Bauerngehöft des Bauern Wulf, Rodenkrog, ein. Das Anwesenen brannte bis auf die Grundmauern nieder. Mitverbrannt sind leider auch ein Selbstbinder, ein Trecker, eine neue Schrotmühle und eine Zuchtsau. - Liedtke.
Am 1. Sept. 1951 wurde mir die Verwaltung der 1. Schulstelle Wentorf übertragen. Ich lasse einen kurzen Lebenslauf folgen.
Ich bin am 5.3.1913 in Wismar (Mecklenburg) als Sohn des Lokomotivführers Adolf Baumgarten geboren. Die Grundschule besuchte ich in Waren (Müritz) und Rostock, anschließend das Realgymnasium Rostock, an dem ich Ostern 1931 meine Reifeprüfung ablegte. Meine Berufsausbildung erhielt ich von 1931 bis 1933 an der Hochschule für Lehrerbildung in Rostock. Nach der 1. Lehrerprüfung war ich in verschiedenen Landesteilen in Mecklenburg tätig.
Ich bin seit 21.12.1943 mit der einzigen Tochter das Landwirtes Heinrich Lübeke (Köchelstorf bei Rehna, Mecklenburg) verheiratet. Ich habe einen Sohn von 4 ½ Jahren.
Am 26. August 1939 wurde ich zum Kriegsdienst einberufen - ich hatte bereits 1931/1935 gedient und hatte zwei Reserveübungen erledigt. Während des größten Teiles des Krieges war ich in Norwegen, zum Schluß als Referent im Marineoberkommando Norwegen. Am 9.6.1946 wurde ich aus englischer Gefangenschaft entlassen. Da ich mich als früheren Reserve Offizier der Wehrmacht nicht gleich in die sogenannt besetzte Zone traute, ließ ich mich in die britische Zone (Schleswig-Holstein) entlassen, wo mir ein Kriegskamerad bei einem Bauern eine Beschäftigung als landwirtschaftlicher Arbeiter nachgewiesen hatte. Ende September 1946 ging ich dann doch zu meiner Familie nach Köchelstorf bei Rehna auf den Bauenhof meines Schwiegervaters. Hier blieb ich in der festen Erwartung, daß die Zweiteilung Deutschlands nicht von langer Dauer sein könne, und ich in Kürze in meiner Heimat wieder Lehrer sein könne, ohne mich den dort zur Zeit herrschenden Kommunismus unterwerfen zu müssen. Im Frühjahr 1951 scheiterte die Pariser Vorkonferenz, damit schien alle Hoffnung auf eine baldige friedliche Zusammenführung der beiden Teile Deutschlands begraben. Gleichzeitig begannen die Ostzonenbehörden, die früheren Lehrer zur Wiedereinstellung aufzufordern. Eine Ablehnung dieser Aufforderung ist bei den derzeitigen Verhältnissen in der Ostzone unmöglich, so blieb nur nur der Weg, in die Westzone zurückzukehren. Nach etwas dramatischem Grenzübertritt - zwei Nächte von der ortzonalen Grenzpolizei gefangen, Verhör, körperliche Visitation u.s.w., dritte Nacht bei strömendem Regen geglückt - meldete ich mich auf Empfehlung des früheren Dozenten für Musik der Hochschule zur Lehrerbildung Rostock Friedrich Siems (jetzt an der Volksoberschule Preetz) zur Wiedereinstellung als Lehrer im Kreis Plön. Die Einstellung stieß trotz Fürsprache durch Siems und anerkennenswerten Einsetzen des Schulrates auf Schwierigkeiten, weil kurz vorher ein Einstellungsstop für Ostzonenlehrer verfügt war. Erst nachdem das Sozialministerium Kiel mich aufgrund meiner Anmeldung Juni 1946 in Schleswig-Holstens (ich hatte mich nicht abgemeldet und damit meinen Wohnsitz hier nicht aufgegeben) als Schleswig-Holsteiner bestätigte, wurde meine Einstellung genehmigt und mir die Verwaltung der 1. Planstelle in Wentorf übertragen.
Meine Frau und meinen Jungen habe ich Anfang Oktober 1951 mit dem Flugzeug über Berlin nachkommen lassen.
Ich traf hier eine schulfreundliche Gemeindevertretung, so daß ein Reihe Reparaturen und Verbesserungen am Schulgrundstück durchgeführt wurden bzw. noch erledigt werden sollen.
Der Schulofen im Klassenzimmer der 2. Klasse wurde von Grund auf neu umgesetzt. In das Schulhaus wurde eine Waschküche eingebaut; bisher war in der Küche der 1. Lehrerwohnung ein alter unbrauchbarer gemauerter Waschkessel gewesen. Jetzt wurde ein neuer Waschkessel beschafft, die Pumpe aus der Küche in die Waschküche verlegt. Gleichzeitig wurden in der Küche der 1. und 2. Lehrerwohnung je ein Ausguß angebracht und für das Wasser, das sich bisher in einer Rinne um das Haus seinen Weg suchen mußte, eine Drainage gebaut. Ein Zimmer (bisher noch von einer Flüchtlingsfamilie bewohnt) wurde gemalt, so daß von den vier Zimmern der 1. Lehrerwohnung nun drei gemacht sind.
Für das Rechnungsjahr 1952/1953 sind von der Gemeindevertretung 1.000 DM für neue Schulmöbel für die 2. Klasse bewilligt; bei Genehmigung eines Landesvorschusses sollen nun endlich die "Museumsbänke" verschwinden. Ferner wurde die Erneuerung des Zaunes am Schulplatz genehmigt und der Bau einer gemauerten Abfallgrube vorgesehen.
Am 13. Nov. brannte die Scheune des Bauern Schneider in Wentorf ab. Als Brandursache wurde Selbstentzündung von zu feucht eingefahrenem Gemenge ermittelt. Glücklicherweise war der Abend im Gegensatz zu den vorausgegangenen Tagen fast windstill, so daß größeres Unglück durch Übergreifen des Feuers auf Nachbargrundstücke (Post, Bauer Thomsen) verhindert wurde.
Am 28. Nov. nachmittags gegen 16:00 Uhr war ein kurzes aber sehr heftiges Wintergewitter mit starkem Sturm. Das Gewitter war kaum vorüber, da gellte das Feuerhorn wieder durch das Dorf. Die zweite Scheune von Schneider brannte. Auch bei diesem Feuer war sehr viel Glück, erstens hatte der Sturm sich wieder völlig gelegt; dann war die Scheune mit Blechdach gedeckt, so daß keine hellen Flammen herausschlugen und auch keine brennenden Strohballen die Nachbargehöfte (die Post liegt 15 Meter von der Scheune entfernt) entzünden konnten. Als Brandursache wird Blitzschlag angenommen. Der Neubau der Scheune ist bereits begonnen.
Die Siedlungshäuser des neu erichteten Siedlungsdorfes Fresendorf (Auf der Feldmark des Gutes Neuhaus und früheren Gutes Klamp) wurden zum Herbst 1951 bezogen. Die Bauernstellen (30-40 Tonnen) werden zum größten Teil an Umsiedler aus den Gebieten der Oder-Neiße-Linie vergeben. Die Kleinsiedlerstellen erhielten ebenfalls Flüchtlinge, diese zum Teil aus der Gemeinde Klamp, so daß in Bezug auf Wohnraum in der Gemeinde eine fühlbare Entlastung eintrat. Da die politische Zugehörigkeit des neuen Dorfes Fresendorf nicht geklärt war, kamen die schulpflichtigen Kinder fast alle in die hiesige Schule. Die Schülersahl stieg auf 126 an. Jetzt soll das eigentliche Dorf Fresendorf der Gemeinde Giekau eingegliedert werden, während die Abbauten - Winterfeld und Teskamp - bei der Gemeinde Klamp verbleiben sollen. Eine endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen.
Am 22. Dezember fand die traditionelle Weihnachtfeier mit Weihnachtsliedern, Gedichten und kleinen Aufführungen statt. Diese Feier vereinigte wieder die ganze Gemeinde im Saal der Gastwirtschaft Beck.
Im Winter 1951/1952 fanden eine Reihe Sitzungen - einberufen vom Bürgermeister Dr. Günther der Stadt Lütjenburg - statt zum Zwecke der Gründung eines Mittelschulzweckverbandes. Die Gründung des Verbandes scheiterte in der Hauptsache an der Höhe der Kosten für einen Mittelschulneubau. Es ist sehr bedauerlich, daß auch in diesem Jahr die Errichtung einer Mittelschule in diesem toten Winkel gescheitert ist. Die Gemeinde Klamp war bereit gewesen, ihren Anteil sowohl an den laufenden Kosten als auch am Schulneubau zu tragen.
An den Ausleseprüfungen für Mittelschule, Oberschule und Aufbauzug nahmen teil.
Für Aufbauzug Lütjenburg: 2 Schüler aus dem 6. Jahrgang. Beide Schüler haben bestanden
Für Mittelschule Plön: 6 Schüler aus dem 4. und 5. Jahrgang. 4 Schüler haben bestanden
Für Oberschule Plön: 2 Schüler aus dem 4. und 5. Jahrgang. 1 Schüler hat nicht bestanden, 1 Schüler wurde an die Mittelschule überwiesen.
Das Schuljahr schloß am 29. März. Es wurden entlassen 8 Knaben und 10 Mädchen, das Ziel der Schule haben bezüglich Leistungen erreicht 8 Mädchen und 2 Knaben.
Schuljahr 1952/1953
Das Schuljahr begann am 16. April. Neu aufgenommen werden in die Schule Wentorf 5 Mädchen und 5 Knaben. Herr Pastor Gelhausen führte wieder den hier üblichen Schulanfängergottesdienst anschließend an den ersten Schultag durch. Die Schulkinder des neuen Siedlerdorfes Fresendorf werden in die Schule Gottesgabe überwiesen; damit sank die hiesige Schülerzahl auf 85 Kinder.
Am 10.5. fand eine Elternversammlung statt zwecks Wahl des neuen Elternbeirats. An der Versammlung waren 23 Eltern erschienen; damit war die Versammlung nicht beschlußfähig. Unter allgemeiner Zustimmung wurde die Versammlung 10 Minuten ausgesetzt und dann eine zweite Elternversammlung einberufen, den nicht erschienen Eltern sollte die Möglichkeit gegeben sein, bis der Wahl der Vorsitzenden des Elternbeirats in ca. 14 Tagen gegen die Wahl der Elternvertreter Einspruch zu erheben; von diesem Recht wurde nicht Gebrauch gemacht. Zu Beginn der Versammlung erläuterte der Schulleiter anhand der einschlägigen Bestimmungen die Aufgaben der Elternvertreter. Auschließend gab der bisherige Vorsitzende des Elternbeirats, Herr Rath (Vogelsdorf), einen Überblick über die in den vergangenen zwei Jahren geleistete Arbeit. Der Schulleiter erstelte einen Kassenbericht. Bei der nun folgenden Wahl wurden zu Elternvertretern gewählt:
1. Klasse (1. bis 4. Jahrgang): Hans Rath, Walter Lorenzen, Olga Mienack
2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang): Otto Gleßmann, Heinrich Giese, Rosa Lilientheal
Stellvertreter: Otto Neumann , Willi Ehlers, Anna Hellmann, Herbert Bock, Karl Hagedorn
Für den 23.5.1952 berief der Schulleiter eine Sitzung des Elternbeirates ein zur Wahl des Vorsitzenden. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rath (Vogelsdorf) einstimmig wiedergewählt. Auf dieser Sitzung wurde durch zwei Elternvertreter die Kasse geprüft und dem Kassenverwalter Entlastung erteilt. Von Seiten der Schule kann die Wahl des Herrn Rath nur begrüßt werden, denn Rath hat in den vergangenen Jahren gezeigt, daß er zu jeder Mitarbeit bereit ist, ohne seine Befugnisse zu überschreiten.
Das Vogelschießen wurde am 6. Juli 1952 durchgeführt. Der Elternbeirat hat wieder in verbildlicher Weise bei der Vorbereitung und Durchführung der Spiele mitgearbeitet. Die Wettkampfarten wurden in diesem Jahr fast vollständig geändert; die erforderlichen neuen Geräte wurden von den Elternvertretern in freiwilliger Arbeit erstellt und der Schule übergeben. Bei strahlenden Sonnenschein wurden die Spiele durchgeführt und in den drei Abteilungen die Könige und Königinnen ermittelt.
Gruppe 1: Eberhard Kay, Steckenpferdreiten und Inge Lorenzen, Ringfahren
Gruppe 2: Uwe Ehlers, Pfeilwerfen und Regine Drößler, Vogelpieken
Gruppe 3: Heinz Hugo Wulf, Schießen mit Luftbüchse und Hedwig Hempel, Ballwerfen in 3 m hohen Korb
Der Königs-Umtrunk (Saft u. Wasser) wurde bei Bauer Möller auf der Diele eingenommen; es soll versucht werden diesen Umtrunk in jedem Jahr bei einem andern Bauern durchzuführen, ohne Rücksicht darauf, ob diese Bauern Kinder in der Schule haben, um das Fest noch mehr in der Dorfgemeinschaft zu verankern.
Der Nachmittag begann, wie jedes Jahr, mit einer Polonaise und anschließenden Volkstänzen. Der Tanzabend für Erwachsene brachte wieder einen guten Gewinn für die Kasse.
Am 8. Juli 1952 fuhr die 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang und die Konfirmanden des Vorjahres) nach Hamburg. Auf der Hinfahrt sahen wir auf einem Abstecher Lübeck (Holstentor,Salzspeicher, Marienkirche, Rathaus). In Hamburg wurden unter anderen besichtigt: Elbtunnel, Hafenrundfahrt, Flugplatz (mit Flugzeugbesichtigung u. Vortrag durch Angestellten des Flugplatzes), Grindelhochhäuser und Tierpark.
Am 18. Juli 1952 fuhren die Bauernfrauen in einem Omnibus nach Elmshorn zu einer Besichtigung der Großgärtnerei von Horstmann u. Co. Anschließend wurde der Hamburger Park "Planten und Blomen“ besucht. Die Fahrt war von der Schule organisiert worden.
An Renovierungsarbeiten werden im Verlaufe des 1. Halbjahres 1952 ausgeführt:
1. Neubau des Pissoirs für Knaben
2. Bau einer abgedeckten, gemauerten Abfallgrube
3. Zwei Pforten für den Lehrergarten
4. Neudecken des Firstes
Die Beschaffung neuer Schulmöbel für die 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) wurde in Angriff genommen; die erforderlichen Darlehen wurden bei der Landesregierung beantragt. Eine Antwort ist bisher nicht eingegangen.
Am 19.8.1952 wurde eine Schulbücherei eröffnet. Die Gemeinde Klamp hatte 50.- DM zur Verfügung gestellt. Dafür wurden 21 Bücher beschafft; aus Beständen der Schule und durch Spenden von Schülern erhöhte sich die Zahl der Bücher auf 40. Bis zum 1. Oktober 1952 waren 150 Entleihungen vorgenommen.
Am 14. September 1952 fuhr die 1. Klasse (1. und 2. Jahrgang) nach Segeberg zu den Festspielen und zur Besichtigung der Kalksteinhöhlen.
Die 2. Klasse führte am 28. September 1952 einen erweiterten Wandertag an die Ostseeküste durch. Es werden besichtigt: Grab des Generalfeldmarschall Friedrich von Waldersee, Park von Waterneverstorf, Leuchtturm Neuland, Deich zwischen Neuland und Hohwacht.
Die Wettkämpfe konnten in diesem Jahr wegen des Auftretens der Kinderlähmung nicht durchgeführt werden.
In diesem Jahr wurde die hier in der Gemeinde zur Tradition gewordene Weihnachtsfeier als Elternabend nicht durchgeführt. Wir beiden Lehrer machten uns den von mancher Seite vertretenen Standpunkt zu eigen, daß um das Weihnachtsfest ein zu großer "Rummel“ gemacht wird und das Fest damit seiner eigentlichen Gestalt als christliches Familienfest entkleidet wird. Es ist uns aber wohl nicht gelungen, die Elternschaft umzustimmen; die öffentliche Weihnachtsfeier der Schule ist als eine der großen Gemeindefeste in der Gemeinde sehr stark verwurzelt. Beide Klassen führten getrennt für sich eine vorweihnachtliche Stunde zum Schulschluß durch.
Am 28. Februar veranstaltete die Schule einen öffentlichen Elternabend. Beide Klassen brachten an diesem Abend Ausschnitte aus der Schularbeit. Der Elternabend zeigte infolgedessen ein anderes Gesicht als die gewohnten, da seine Darbietungen nicht besonders "eingeübt“ waren, sondern aus der Arbeit in der Klasse gewachsen sind. Den Bericht über das verflossene Schuljahr gaben in einem freien Vortrag die Kinder Hilde Riechers und Alfred Bock.
Neu angeschafft wurden im Winterhalbjahr ein Episkop (Anm.: optisches Gerät zur Projektion von meist undurchsichtigen Medien z.B. Bücher) und eine Deutschlandkarte.
Das Schuljahr schloß am 27. März 1953. Entlassen wurden 7 Mädchen und 3 Jungen, davon haben 5 Mädchen das Ziel der Schule erreicht.
Zwei Bauern der Gemeinde haben ihren Rindviehstall auf rotes Angelitervieh umgestellt. Sie halten die Angeliterkühe für vorteilhafter, weil sie wirtschaftlicher im Futter sind (statt bisher z.B. 5 Kühe können nun 6 gehalten werden). Ihr geringere Milchleistung soll zum größten Teil durch den höheren Fettgehalt ausgeglichen sein. Bei manchen anderen Bauern ist anscheinenend auch große Bereitwilligkeit zu einer solchen Umstellung vorhanden, doch sollen offenbar erst die Erfahrungen dieser beiden Bauern abgewartet werden. Sollte sich das Angelitervieh allmählich durchsetzen, wäre hier in der Gemeinde zum zweiten Mal ein Wechsel von Rindvieh vorgenommen (Um 1918 von rot-buntenVieh auf schwarz-bunten).
In der freiwilligen Feuerwehr wechselte der Leiter, der Bauer Ruser schied wegen Krankheit aus, zum neuen Leiter wurde Hans Rath (Vogelsdorf) gewählt. Rath setzte sich mit großem Eifer für die Verbesserung des Feuerlöschwesens ein. Die große Motorspritze (bisher auf einem zweirädigen Anhänger) wurde auf dem Lastwagen fest montiert. Durch den Umbau, der von der Firma Schelpe (Lütjenburg) ausgeführt werde, hat die Feuerwehr ein einsatzfähiges Feuerlöschfahrzeug erhalten.
Die Arbeiten am Schießplatz Todendorf machten sich in der Gemeinde teils angenehm, teils unangenehm bemerkbar. Die umfangreichen Bauvorhaben dort schlucken alle Arbeitskräfte, so daß die Gemeinde zwar fast ohne Arbeitslose ist, aber auch die Bauern keine Arbeiter mehr haben.
Schuljahr 1953/1954
Das Schuljahr begann am 14. April 1953. Neu aufgenommen wurden 3 Mädchen und 2 Knaben. Die Schülerzahl beträgt jetzt 76.
Die Bundesjugendwettkämpfe wurden am 2. Juli 1953 durchgeführt; es sollte verhindert werden, daß die Jugendspiele im September eventuell wieder durch Kinderlähmung gefährdet wurde. Die für eine Urkunde des Bundespräsidenten erforderliche Punktzahl (55 Punkte) wurde nicht erreicht. 40 Punkte (Urkunde des Landesinnenministers) wurden von 9 Schülerinnen und 6 Schülern erreicht.
Das Vogelschießen wurde am 5. Juli 1953 in gewohnter Weise durchgeführt. Die Wettkämpfe waren dieselben wie im vorhergehenden Jahr. Als Sieger wurden ermittelt. König Egon Erensen und Königin Hedwig Hempel.
Der Königsumtrunk wurde bei Bauer Thomsen vorgenommen. Bei der Kaffeetafel wurden die Urkunden für die Sieger der Bundesjugendspiele ausgegeben. Die hier beigefügten Farbaufnahmen des Festzuges wurden von dem Jagdpächter Herrn Barth aufgenommen und für die Schulchronik gestiftet.
Am 7. Juli fand die nun schon zur Tradition gewordene Fahrt der Frauen der Gemeinde (von der Schule finanziert) statt. Ziel war diesmal die Gartenbauausstellung in "Planten und Blomen“ (Hamburg). Dieser "Urlaub“ der Frauen erfreut sich steigender Beliebtheit. Am Anfang der Sommerferien fuhren die Schulabgänger mit dem Schulleiter (und Frau) per Rad durch das südliche Holstein.
9.7.1953 Radfahrt Wentorf-Malente, Bahnfahrt Malente-Lübeck, Radfahrt Lübeck-Lauenburg. Unterwegs Besichtigung des Ratzeburger Doms. Im Standquartier Lanze bei Lauenburg Strohlager in der Scheune des Bauern H. Ehling
10.7. 1953 Ruhetag. Vormittags Besichtigung Zonengrenze, Elbbrücke, Lauenburg, nachmittags Baden in Hohnstorf (Niedersachsen)
11.7. 1953 Radfahrt Lauenburg-Friedrichsruh (Bismarckmuseum), Friedrichsruh-Bergedorf (Besichtigung der Sternwarte)
12.7. 1953 Bahnfahrt Lauenburg - Lübeck, Radfahrt Lübeck-Wentorf
Ziel des sogenannten großen Ausfluges am 27.9.1953 war Lübeck. Nach einem Abstecher über Segeberg (Tensfelder Moor, Zerstörungen durch Windhose in Tensfeld, Kalkhöhlen in Segeberg) fuhren wir zur Flender Werft nach Lübeck. Zwei Ingenieure führten uns durch die Werft (insbesondere Schiffbauhalle) Anschließend fand der Stapellauf des Hamburg-Südschiffes "Belgrano“ statt ( 10.000 Tonnen Tragfähigkeit). In Lübeck wurden eingehender besichtigt: Heiligen-Geist-Hospiz und Marienkirche.
In den Sommerferien verschwanden nun endlich die Ruinen der Umzäunung des Schulplatzes. Sie wurden ersetzt durch den einen Maschendraht mit Zementpfählen. Gleichzeitig wurde die verfallene Steinmauer am Lehrergarten entfernt und durch den gleichen Zaun ersetzt. Anstelle der alten Pumpe vor dem Schulhaus wurde eine neue aufgestellt.
Die Bundestagswahl, am 6.9.1953 verlief in der Gemeinde Klamp reibungslos. Die Wahlbeteiligung entspricht dem Bundesdurchschritt. Ich lasse das Ergebnis folgen.
Perönlichkeitswahl: Gerdes (CDU) 123 Stimmen, Dieckmann (SPD) 175, Dr. Beer (BHE) 30, Wittenburg (DP) 6, Schulze (FDP) 1
Verhältniswahl: CDU 120 Stimmen, SPD 168, BHE 35, DP 4, FDP 2
Der öffentliche Elternabend fand am 14.3.1953 im Saal der Gastwirtschaft Beck in Rönfeldholz statt. Volkslieder und Märchenvorführungen bildeten die Vortragsfolge. In freiem Vortrag berichtete Lotti Rönfeldt über das verflossene Schuljahr und Hildegard Gleßmann über die Radfahrt in den Süden Holsteins. Ich benutzte die Gelegenheit, um noch einmal öffentlich die Gründe "darzulegen“, warum von der sonst üblichen öffentlichen Schulweihnachtsfeier Abstand genommen werde.
Am 22. Januar berief ich die Eltern der Klasse 2 (5. bis 9. Jahrjang) zu einer Klasseneltern Zusammenkunft. Leider war die Beteiligung nicht sehr groß. Ich erläuterte interne Schulangelegenheiten - Zensuren, Hilfe bei Hausarbeiten u.s.w. - ferner führte ich die in der Zwischenheit neu beschafften Lehrmittel vor. (Episkop, Karte u.s.w.).
Nach den Herbstferien trafen die neuen Schulmöbel für die Klasse 2 (5. bis 9. Jahr) ein. Diese Möbel (Zweisitztische-Voß, Stühle-Knickmann) sind ohne irgendwelche Zuschüsse von der Gemeinde beschafft. Die über 50 Jahre alten Bank-Ungeheuer werden versteigert.
Auf Initiative des Bürgermeisters Paustian wird zur Zeit der Plan geprüft, ein neues Lehrerwohnhaus zu bauen. Die Pläne des Architekten Nebendahl (Selent) liegen vor, die Finanzierung wird noch geprüft. Die Gemeindevertretung hat einstimmig die Bereitstellung von 10.000 DM Eigenmittel bewilligt. Die Gesamtkosten sollen sich auf etwa 35.000 DM belaufen.
An der Ausleseprüfung für die Mittelschule Plön nahmen drei Schüler teil, zwei davon haben bestanden.
Nach dem Elternabend traten ein Reihe Schulentlassener an mich heran mit der Bitte, ein Zusammensein der alten Schüler der Schule Wentorf zu organisieren. Die erste Zusammenkunft - vorerst nur jüngere Schulentlassene – soll am 24.4.1953 stattfinden. Ich begrüße diese Einrichtung sehr, die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.
Entlassen wurden am Schluß des Schuljahres drei Mädchen (davon zwei aus dem 9. Jahrgang) und zwei Jungen (beide aus dem 7. Jahrgang).
Vogelschießen 1954 |
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Schuljahr 1954/1955
Das Schuljahr begann am (Anm.: kein Eintrag) Neu aufgenommen wurden 3 Mädchen und 3 Knaben. Die Schülerzahl beträgt damit 72.
Am 18.5.1954 fand der große Schulausflug der 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) statt. Bei Morgengrauen ging es mit dem Omnibus nach Rendsburg. Dort wurde das Hadag-Motorschiff "Jan Molsen“ besichtigt, mit dem bei herrlichem Wetter eine interessante und sehr lehrreiche Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal und die Elbemündung, bis in Sichtweite "Elbe 3“ unternommen wurde. Durch die geschickten Erläuterungen des Kapitänleutnants Schmieck (NWDR-Hamburg) wurde durch die Fahrt in allen Kindern Verständnis geweckt für Schiffahrt, Verkehr, Sicherheit der Schifffahrtswege u. s. w.
Das Vogelschießen wurde in üblicher Weise am 6.7.1954 durchgeführt. Durch reiche Spenden aus der Gemeinde war es wiedermöglich, jedes Kind zu bescheren. Der Königsumtrunk wurde bei Bauer Maaß (früher Scheel) eingenommen.
Die Bundesjugendspiele fanden am 11.9.1954 statt. Es wurden 10 Sieger mit über 40 Punkten ermittelt. Zwei Schulkinder (Elke Rath, Vogelsdorf und Peter Warczak, Rönfeldholz) erreichten über 55 Punkte und erhielten damit eine Urkunde des Bundespräsidenten.
Die turnusmäßige Neuwahl des Elternbeirates wurde am (Anm.: kein Eintrag) durchgeführt. In die Elternvertretung der 1. Klasse wurden gewählt: Walter Lorenzen, Hans Rath und Erna Lorenzen. Vertreter: Otto Böhnke, Willy Ehlers, Marie Ehrk.
2. Klasse: Karl Hagedorn, Helmut Kruse, Anneliese Ehlers. Vertreter: Erich Petter, Josef Makoben, Olga Mienack
Zum Vorsitzenden wurde Herr Walter Lorenzen (Wentorf) gewählt, nachdem Herr Rath wegen anderweitiger Belastung verzichtet hatte. Mit Herrn Lorenzen erhält der Elternbeirat einen aktiven Vorsitzenden, der zu jeder Mit- und Zusammenarbeit bereit ist.
Nachdem der Plan zum Bau eines gesonderten Lehrerwohnhauses infolge Finanzierungsschwierigkeiten fallen gelassen werden mußte, wurde von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, die 1. Lehrerwohnung gründlich zu erneuern. Mit einem Kostenaufwand von ca 14.000 DM wurde eine sehr gute Wohnung geschaffen. Im Einzelnen werden erstellt:
Wasserleitung mit WC und Badeeinrichtung
Zentralheizung
Zwischenwand auf den Flur, womit die Wohnung nun vom Verkehr zum Gemeindebüro abgeschlossen ist
Terrazzofußboden in Flur, Küche und WC
Fußboden im Kinderzimmer
2 Zimmer tapeziert und 1 Zimmer gestrichen (da neu verputzt)
Küche und Badezimmer gekachelt
6 neue Fenster (endlich ohne "Ruten“)???
1 neue Haustür
3 neue Stubentüren
Giebelwand neu verputzt
durch Herausnehmen der Wand zwischen den beiden Südzimmern wurde ein großer Wohnraum geschaffen
und andere kleinere Arbeiten
Die Gemeinde Klamp kann sich damit wohl rühmen, die modernste Lehrerwohnung in einen Altschulhaus im Kreis Plön zu besitzen.
Für die Freiwillige Feuerwehr Klamp wurde eine neue Feuerspritze angekauft (Magirus-Deutz mit Volkswagenmotor). Nach zweistündigem Probelauf im Beisein der Fabrikvertreter wurde die neue Spritze von der Feuerwehr mit Musik feierlich eingeholt.
Bei einem kurzen aber schweren Gewitter schlagen kurz nacheinander 4 Blitze in das Wohnhaus des Bauern Karl Kay. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, mit dem Neubau ist bereits begonnen.
Zur Ausleseprüfung für weiterführende Schulen meldeten sich nur zwei Kinder für den Aufbauzug Lütjenburg. Beide Kinder bestanden die Aufnahmeprüfung.
Der traditionelle öffentliche Elternabend konnte in diesem Jahr nicht stattfinden, da in dem Vierteljahr vor Weihnachten bis Ostern die Grippe-Epidemie auch unsere Gemeinde heimsuchte. Zeitweise wurde die Schule nur noch von 40 bis 50% der Kinder besucht.
Entlassen wurden zu Ostern 2 Mädchen und 2 Jungen. Von ihnen hatte kein Kind das Ziel der Schule (9. Jahrgang) erreicht.
Schuljahr 1955/1956
Das Schuljahr begann am 14. April 1955. Neu aufgenommen wurden 7 Kinder, 2 Mädchen und 5 Jungen. Die Schülerzahl beträgt damit 75 Kinder (einschl. 1 Mädchen zurück vom Aufbauzug). Herr Pastor Gelhausen hielt wieder den Schulanfänger-Gottesdienst ab.
Am 21. April 1955 fanden in Schleswig-Holstein Kreistags- und Gemeindewahlen statt. Ich war in der Gemeinde Wahlleiter, da der Bürgermeister bei der Gemeindewahl kandidierte. Für die Gemeindewahl wurden 2 Wahlvorschläge eingereicht und von Wahlausschuss genehmigt: 1. Sozialdemokratische Partei, 2.Wählervereinigung Klamp.
Es waren 6 unmittelbare Vertreter und 1 Vertreter aus den Listen zu wählen. Zu unmittelbaren Vertretern wurden gewählt:
| 1. Hermann Paustian sen. | 12 Stimmen |
| 2. Otto Gleßmann | 161 Stimmen |
| 3. Hans-Wilhelm Lange | 147 Stimmen |
| 4. Hans Rath | 146 Stimmen |
| 5. Kurt Porath | 141 Stimmen |
| 6. Walter Lorenzen | 135 Stimmen |
Alle 6 Vertreter gehören der Wählervereinigung an. Nach dem Verhältnisausgleich wurde unter Berücksichtigung der unmittelbar gewählten Vertreter folgende Sitzverteilung für die Gemeindevertretung ermittelt: Sozialdemokratische Partei 4 Sitze, Wählervereinigung 7 Sitze.
Das Vogelsschießen fand am 6.7.1955 statt. Der Wettergott meinte es besonders gut mit uns. Tage vorher hatte es geregnet, am Sonntag konnten die Spiele bei trocknem Wetter und Sonnenschein durchgeführt werden, am Montagmorgen regnete es bereits wieder. Der Königsumtrunk wurde bei Bauer Schneider eingenommen.
In den großen Ferien wurden die beiden Klassenräume neu ausgemalt; sie erhielten eine Zentralheizung - unabhängig von der Heizung der Lehrerwohnung. Die Heizung hat sich im Winter großartig bewährt. Auch bei größter Kälte (bis -20 Grad) waren die Klassenräume – vor allem auch an den Fenstern – warm; der Kohlenverbrauch entsprach etwa dem der beiden Öfen.
Die 2. Lehrerwohnung erhielt ein WC und ein Waschbecken; dazu wurde ein Teil der Küche abgeteilt.
Der große Ausflug führte die 2. Klasse nach Hamburg. Neben den bekannten Objekten wurde in diesem Jahr das Planetarium und der Park "Planten und Blomen“ besucht. Die Vorführung des Planetarium war besonders eindrucksvoll.
Der im Frühjahr ausgefallene öffentliche Elternabend wurde am 3.12.1955 nachgeholt. Bei vollem Saal (Waldschänke Beck) erlebten Eltern und Kinder zwei fröhliche Stunden.
An der diesjährigen Ausleseprüfung nahmen 4 Kinder teil; zwei Kinder haben sich für die Oberschule Plön gemeldet (Beide haben bestanden), zwei Kinder haben sich für den Aufbauzug Lütjenburg gemeldet (ein Kind hat bestanden).
Entlassen wurden zu Ostern 7 Mädchen und 3 Jungen; 4 Mädchen und 1 Junge hatten das Ziel der Schule erreicht.
Nach den Pfingstferien wurde der 2. Lehrer Horst Liedke auf eigenen Wunsch an die Schule Dannau (Kreis Plön) versetzt. Mit der Verwaltung der2. Schulstelle wurde Frl. Erika Wolff beauftragt.
Mein Lebenslauf
Ich wurde am 25.12.1932 alsTochter, des damaligen kaufmännischen Angestellten, Ernst Wolff und seiner Ehefrau Dorothea, geb. Arp, in Kiel geboren. Ich bin das fünfte von sechs Kindern. Von meinem 6. bis 10. Lebensjahr besuchte ich die Volksschule in Kiel, bezw. durch Kinderlandverschickung bedingt in Bayern und Niederdonau/Österreich. Während, meiner KLV-Lagerzeit, wurde ich in die Oberschule umgeschult. Als Quintanerin kam ich kurz nach dem Zusammenbruch 1945 nach Kiel zurück und besuchte bis 1953 die Käthe Kollwitz-Schule, wo ich Ostern 1953 mein Abitur ablegte.
Gleich nach dem Abitur begann ich mein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Kiel. Ostern 1950 bestand ich dort mein erstes Lehrerexamen.
Mit Schulbeginn 1955 bekam ich eine Vertretungsstelle in Dannau. Pfingsten wurde ich dann, mit der Planstelle in Wentorf beauftragt.
Ich konnte mich in Wentorf sehr gut einleben; das verdanke ich vor allem Frau und Herrn Baumgarten, die mich in jeder Beziehung, unterstützten.
Die Landschule hat ihre ganz besonderen Aufgaben, und ich wünsche nur,daß ich sie erfüllen kann.
Erika Wolff
Schuljahr 1956/1957
Das Schuljahr wurde am 6.4.1956 wieder mit einem Schulgottesdienst eröffnet. Aufgenommen wurden 2 Mädchen und 2 Jungen. Durch Zuzug, Fortzug und Rücküberweisung ergab sich eine Schülerzahl von 68 Kindern.
Das Vogelschießen wurde am 24.6.1957 durchgeführt. Der Königsumtrunk wurde bei Bauer Makoben vorgenommen.
Großer Ausflug 31.8. / 1.9.1957: Der große Ausflug führte die 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) nach Schleswig und Husum. In Schleswig wurden besichtigt: Haithabu, Dom, Landesmuseum in Schloß Gottorf. In Husum: Nissen-Haus und Ostenfelder Bauernhaus. Übernachtet wurde in der Theodor Storm - Jugendherberge in Husum.
Am 1.9.1957 machten wir eine Fußwanderung durch die Schobüller Berge zum Nordstrander Damm, zurück durch das Watt.
Die 1. Klasse (1. bis 4. Jahrgang) fuhr nach Kiel, Holtenau, mit dem Dampfer nach Laboe, von dort nach Probsteierhagen (Irrgarten).
Der Elternabend wurde am 24.11.1957 veranstaltet. Die Kinder sangen und spielten wieder bei vollem Saal vor Eltern und Freunden der Schule.
Die Gemeinde hat der Schule auf dem Bökenberg ein Stück Land für einen Schulwald zur Verfügung gestellt. Die Pflanzung wurde am 3.4.1957 unter Leitung des Revierförsters Elken (Hohenfelde) vorgenommen.Verbunden war die Pflanzung mit einer Feierstunde (Ansprache des Revierförster Elken) zum Tag des Baumes.
An den Ausleseprüfungen nahmen 2 Jungen für den Aufbauzug Lütjenburg teil; 1 Junge hat bestanden.
Am 1. April 1956 wurde der TSV-Wentorf gegründet. Allen Schwierigkeiten zum Trotz enwickelte sich der Verein gut, in erster Line durch die Initiative und Beharlichkeit des 1. Vorsitzenden Helmut Kruse (Vogelsdorf). Er hat zur Zeit etwa 120 Mitglieder. Betrieben werden Fußball (eine 1. Mannschaft, eine 2. Mannschaft, Jungteam Mannschaft und Schülermannschaft) und Tischtenns. Für die Tischtennis-Übungsabende habe ich (im Einverständnis mit der Gemeindevertretung) die Schule zur Verfügung gestellt.
Das Schuljahr schloß am 10.4.1957. Entlassen wurden 2 Mädchen und 4 Jungen; 1 Mädchen und 4 Jungen haben das Ziel der Schule erreicht.
Schuljahr 1957/1958
Nach dem Schulanfanggottesdienst durch Pastor Gelhausen (Lütjenbug) wurden in die Schule aufgenommen: 1 Mädchen und 4 Jungen. Die Schülerzahl betrug am 1.5.1957 65 Schulkinder
Das Vogelschießen fand am 30.6.1957 statt. Weltkämpfe, Umzug (Königsumtrunk bei Bauer Makoben) und Kindertanz fanden bei warmem, sonnigem Wetter statt. Der Abendtanz der Erwachsenen- dessen Einnahme noch in die Schulkasse fließt – war sehr schlecht besucht,da zu Beginn ein ziemlich schweres Gewitter aufkam. Die Schulkasse erlitt dadurch eine fühlbare Einbuße.
Die 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) führte ihren großen Ausflug am 6. und 7. September durch. Die Fahrt (Omnibus) führte über Eutin-Lübeck-Ratzeburg (Aufenthalt: Besichtigung des Doms) Schwarzenbek nach Geeshacht. Fußmarsch am Elbufer elbeaufwärts zum"Grünen Jäger“. Anschließend wurde das im Bau befindliche Pumpspeicherwerk Geeshacht - die damals größte Baustelle Europas - besichtigt. Zu Fuß gingen wir dann zum Totenhaus - bronzezeitliche Gräber - bei Tesperhude. Wie übernachteten in der Jugendherberge Geesthacht. Am nächten Morgen wanderten wir durch den Sachsenwald nach Friedrichruh (Besichtigung des Bismarckmuseums). Mit dem Bus fuhren wir dann nach Bergedorf. Hier besichtigten die alteren Schüler und Schülerinnen die Sternwarte, wahrend die jüngeren einen Abstecher nach Vierlande machten. Rückfahrt über Hamburg, Bad Oldesloe - Segeberg - Europastraße 3 - Kiel - Wentorf.
Die kleine Klasse (1. bis 4. Jahrgang) fuhr mit dem Schienenbus bis Malente, von dort mit dem Boot nach Fegetasche (Fünf Seenfahrt). Bei leichtem Wind – die Kinder sagten "Sturm“ und hatten sehr viel Spaß dabei – wurde dann mit einem Boot zur Prinzeninsel übergesetzt. Nach kleinem Fußmarsch erreichte die Klasse dann das Ziel des Ausfluges, das evangelische Landjugendheim Koppelsberg. Hier wurde gespielt und erzählt. Die Rückfahrt erfolgte mit dem Postbus von Plön.
Bei den Bundesjugendspielen erreichte leider kein Schüler die Heuss-Urkunde, wenn auch einige dem ersehnten Ziel (55 Punkte) ziemlich nahe kamen.
Der öffentliche Elternabend erfreute wieder viele Eltern und Freunde der Schule - der Saal war so besetzt, daß manche Zuschauer stehen mußten. Im freiem Vortrag berichteten vier Schülerinnen (Antje Schönfeld, Waltraut Steebeck, Inge Ehlers, Regine Drößler) über den großen Ausflug.
An den Ausleseprüfungen nahmen teil: 1 Kind (4. Jahrgang) für die Mittelschule Plön; die Schülerin hat bestanden.3 Kinder für den Aufbauzug Lütjenburg; 2 Kinder haben bestanden.
Für den Ortsteil Rönfeldholz wurde ein Feuerlöschteich gebaut (Kosten fast 6.000 DM). Der Teich ist eine Notwendigkeit gerade für Rönfeldholz, das besonders dicht geschlossen gebaut ist. Eingeweiht wurde der Teich mit einer Übung sämtlicher im Amt Giekau befindlichen Feuerwehren am diesjährigen Amtsfeuerwehrtag.
Am 5.3.1958 wurde vom Landtag ein Gesetz beschlossen, das die Besoldung aller Landesbeamten neu regelt – und damit die Besoldungsordnungvon 1927 ersetzt. Die Reform der Besoldung erfüllt jedoch nicht die Wünsche der Volksschullehrer, wenn sie auch Verbesserungen gebracht hat. Volksschullehrer (Klassenlehrer) Besoldungsgruppe A 10/10a: 488 DM - 850 DM, erste und einzige Lehrer Besoldungsgruppe A 106: 910 DM. Die letzteren erhalten jetzt, unabhängig von der Zahl der Klassen, die Amtsbezeichnung "Hauptlehrer“.
Das Schuljahr schloß am 26.3.1958. Entlassen wurden 6 Schülerinnen und 5 Schüler; davon hatten 4 Mädchen und 3 Jungen das Ziel der Schule erreicht.
Schuljahr 1958/1959
Nach dem Schulanfängergottesdienst wurden neu aufgenommen 10 Jungen und 5 Mädchen. Am 12.4.1958 beschloß die Gemeindevertretung einstimmig, auch die 1. Schulklasse mit neuen Schulmöbeln auszustatten. Die Klasse erhielt Zweisitztische und Stühle, sowie 3 niedrige Schränke. In der gleichen Sitzung wurde ein Schulfunkgerät bewilligt.
Am 19.4.1958 wurde in Anwesenheit des Kreisbeauftragten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit dem Revierförster Elken der Tag des Baumes gefeiert. Unter anderm wurden dabei längs des Schulhofes Jungkastanien gepflanzt.
In einer Elternversammlung am 8.5.1958 wurde der neue Elternbeirat gewählt. 1. Vorsitzender wurde wieder Helmut Kruse aus Vogelsdorf.
Das Vogelschießen wurde auf einstimmigen Beschluß des Elternbeirats auf einen Sonnabend verlegt. Es wurde sonst in gewohnter Weise am 5.7.1959 gefeiert.
Der große Ausflug der 2. Klasse führte in den Südosten unseres Landes. Wir fuhren mit dem Omnibus über die Bäderstraße- Travemünde (Aufenthalt) - Lübeck. In Lübeck wurde unter andern besichtigt: Ehrenfriedhof, Stadtrundfahrt mit Motorboot, Ausichtsturm St. Petri, Marienkirche, Heiligen-Geist-Hospital und Heimatmuseum im Holstentor. Wir übernachteten in der DJH-Lübeck. Am 2. Tag fuhren wir mit dem Motorboot von Lübeck nach Rothenhusen; von dort marschierten wir nach Groß Berkenthin, wo wir die Schleuse des Elbe-Trave Kanals besichtigten. Anschließend brachte uns der Omibus wieder zurück.
Die kleine Klasse fuhr mit dem Omnibus bis Rosenfeld. Von dort spazierten die Kleinen entlang der Schwentine bis zur Oppendorfer Mühle. Von der fuhren sie mit dem Motorboot bis Neumühlen und mit dem Dampfer bis Kiel. Hier kauften der 3. und 4. Jahrgang in einem Warenhaus groß ein, während der 1. und 2.Jahrgang in der Zeit im Schrevenpark spielten.
Die Landtagswahl ergab im Stimmbezirk Klamp folgendes Stimmenverhältnis:
SPD – 158 Stimmen (Sozialdemokratische Partei)
CDU – 91 Stimmen (Christlich Demokratische Partei)
GB/BHE – 17 Stimmen (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen)
BdD – 2 Stimmen (Bund der Deutschen)
DP – 1 Stimme (Deutsche Partei)
Der öffentliche Elternabend vereinte wieder die gesamte Schulgemeinde inder Waldschänke Rönfeldholz.
Für die Ausleseprüfung haben sich zwei Jungen gemeldet (einer für Oberschule Oldenburg, einer zum Aufbauzug Lütjenburg); beide Schüler haben bestanden.
Entlassen wurden am Schluß des Schuljahres 7 Jungen und 2 Mädchen; zwei Jungen hatten das Ziel der Schule nicht erreicht.
Schuljahr 1959/1960
Nach dem Schulanfängergottesdienst wurden am 8.4.1959 10 Jungen und 4 Mädchen aufgenommen.
Das Vogelschießen war wieder an einem Sonnabend, am 4.7.1959. Die Verlegung auf einen Sonnabend ist von Elternschaft und Gemeinde sehr schnell akzeptiert.
In den großen Ferien wurden die von der Gemeindvertretung beschlossenen baulichen Verbesserungen durchgeführt. Die 2.Klasse erhielt neue Fenster, eine neue Tür und neuen Anstrich. Der Schulflur erhielt ebenfalls eine neue Tür. In der 2. Lehrerwohnung wurden beide Zimmer neu tapeziert.
Die 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) fuhr in diesem Jahr in den Norden Schleswig-Holsteins. Am 4.9.1959 führte uns der Bus über Kiel, Eckernförde, Schleswig nach Flensburg. Dort führte uns ein Zollbeamter durch die Zollstation, am Nachmittag zeigte uns ein Mitglied der Europa-Jugend die Stadt Flensburg. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Boot nach Seebad Glücksburg, wanderten von dort nach Schloß Glücksburg – das wir natürlich besichtigten - und weiter nach Seebad "Drei“ und zur Nordspitze Holnis. Von dort holte uns der Bus wieder ab und heim gings über die Nordstraße.
Der 3./4. Jahrgang war mit bis Schleswig gefahren, hatte dort Dom und Schloß Gottorf besucht und hatte anschließend eine Schleifahrt unternommen.
Der 1./2. Jahrgang fuhr am 1.9.1959 nach Schönberger Strand und vergnügte sich dort bei Burgenbau und Spielen.
Eine außergewöhnliche Dürre ließ im Herbst und Winter viele Brunnen in der Gemeinde versiegen. Auch der Schulbrunnen, der noch nie versagt hat, ließ uns dieses Jahr im Stich. Der Tiefbrunnen der Zentralmolkerei Lütjenburg versorgte die weite Umgegend mit Trinkwasse; auch an Schule erhielt 14-täglich 3.000 Liter Wasser in den Brunnen gepumpt.
Am 25.9. wurde die neue Gemeindevetretung gewählt. Nach dem neuen Wahlgesetz durften nur politische Parteien Kandidaten aufstellen (aber nicht mehr Wählergemeinschaften). Die Wahl hatte folgendes Ergebnis:
Kandidaten der SPD – 315 Stimmen
Kandidaten der CDU – 198 Stimmen
Kandidaten der GB/BHE – 63 Stimmen
Nach dem D‘Hondschen Verfahren ergab folgende Sitzverteilung:
SPD – 4 Sitze
CDU– 3 Sitze
GB/BHE – 0 Sitze
Zum Bürgermeister wurde in der ersten Sitzung der Gemeindevertretung einstimmig wieder Hermann Paustian (SPD) gewählt.
Unsern öffentlichen Elternabend veranstalteten wir am 21.11.1959.
Größtes Bauvorhaben der Gemeinde Klamp seit Bestehen war der in diesem Jahr durchgeführte Bau der Straße Klamp-Vogelsdorf. Für etwa 280.000 DM erhielt die Straße nach veschiedenen Begradigungen eine Schwarzdecke. Der Bau war möglich geworden vor allem durch Zuschüsse und Darlehen aus dem sogenannten "Grünen Plan“ das sind Gelder, die vom Bund für Strukturverbesserungen der Landwirtschaft zu Verfügung gestellt werden. Seit Fertigstellung der Straße hat die Gemeinde nun auch Busverbindung nach Lütjenburg.
Entlassen wurden zum Schluß des Schuljahres (7.4.1960) 1 Mädchen und 3 Jungen.
Mit Schluß des Schuljahres scheidet Frl. Wolff. Sie wird auf eigenen Wunsch nach Glashütte Kreis Stormarn versetzt. Kinder und Eltern bedauern sehr den Weggang. Meine Familie verliert in ihr eine sehr angenehme und stets hilfsbereite Hausgenossin, ich verliere eine Kollegin, mit der ich gern zusammengearbeitet habe.
Lebenslauf
Am 6.5.1936 wurde ich, Heidrun Ida Margarethe Schäfer, als erstes Kind meiner Eltern Ewald Schäfer und Dora Schäfer, geborene Wehle, in Danzig-Langfuhr geboren. Mein Vater war Musikdozent an der Hochschule für Lehrerbildung. Ich habe noch drei jüngere Geschwister.
Die erste Schulzeit verbrachte ich an der Mädchen-Volksschule in Danzig-Langfuhr. Nach unserer Flucht nach Kasseedorf, Kreis Oldenburg, im Januar 1945 besuchte ich noch kurz die dortige Dorfschule, um 1947 auf die Mädchen-Oberschule nach Eutin zu gehen. 1954 verließ ich mit Obersekundareife diese Schule und ging nach Lübeck auf die Frauenfachschule. Dort bestand ich 1958 (nach einem Jahr praktischerArbeit) meine Abschlußprüfung. Von1958 bis 1960 studierte ich an der Pädagogischen Hochschule in Kiel mit dem Ziel, Volksschullehrerin zu werden.
Zu Beginn des Schuljahres 1960/1961 wurde ich mit der Planstelle in Wentorf beauftragt.
Herrn und Frau Baumgarten danke ich sehr für ihr hilfsbereites und freundliches Entgegenkommen, mich in Arbeit und Umwelt bekanntzumachen.
Aber auch meiner Vorgängerin, FrauThomsen, geb. Wolff, bin ich sehr zu Dank verpflichtet, weil ich eine frische und lebendige Klasse übernehmen konnte. Ich freue mich sehr auf meine Arbeit an der hiesigen Landschule und hoffe, sie gut zu erfüllen.
Heidrun Schäfer
Schuljahr 1960/1961
Das Schuljahr begann am 22.4.1960. Nach dem Schulanfänger-Gottesdienst wurden neu aufgenommen 4 Jungen und 1 Mädchen. Mit Beginn des Schuljahres trat auch Frl.Schäfer als neue Kollegin ihren Dienst an.
In der Elternversammlung am 6.5.1960 wurde der neue Elternbeirat gewählt, sein Vorsitzender wurde Herr Willi Burat, Rönfeldholz.
In der Gemeinderatssitzung am 2.5.1960 wurden neue Schränke für die 2. Klasse bewilligt.Die Schränke wurden von Reese, Kiel, bezogen.
Das Vogelschießen fand am 2.7.1960 statt. Es war buchstäblich bis zum letzten Tag in Frage gestellt, da die bestellte Musik plötzlich absagte und eine neue Kapelle erst in letzter Minute angenommen werden konnte. Als Besonderheit ist zu erwähnen, daß diesmal eine Familie, Jebe-Rönfeldholz, drei Majestäten stellte.
Der große Ausflug führte uns nach Hamburg. Erstmalig fuhren wir 2 Tage nach Hamburg und nahmen uns außerdem nur eine kleine Auswahl vor, um den Ausflug nicht zu einer Hetze werden zu lassen. Übernachtet wurde in der Jugendherberge auf dem Stintfang. Die Großartigkeit dieser Anlage, die Internationalität der Besucher und die freiwillige Disziplin der Wanderer machte einen großen Eindruck auf die Kinder.
Den 3. und 4. Jahrgang, hatten wir bis Neumünster mitgenommen. Er hat hier unter Führung von Frl. Schäfer den Heimattiergarten besichtigt. Der 1. und 2. Jahrgang fuhr wenige Tage später nach Behrendorf, spielte dort den Tag über am Strand und bewunderte den Leuchtturm Neuland.
Die Bundesjugendspiele wurden am 12.9.1960 in Rantzau durchgeführt. Erstmalig nach dem Kriege wurden die Spiele wieder von mehreren Landschulen gemeinsam veranstaltet. Leider war es im ganzen Umkreis nur Lütjenburg nicht möglich, einen geeignetenSportplatz zufinden.
Am 2.8.1960 begannen die Pioniere Plön mit dem Bau des Sportplatzes Wentorf. Die Gemeinde hat für diesen Bau einen Vertrag mit dem Wehrbereichskommando Kiel abgeschlossen. Die Arbeiten sind nun im Herbst wegen der feuchten Witterung unterbrochen, sie sollen im Frühjahr wieder aufgenommen werden. Mein Bestreben ist dabei, daß aus dem Platz nicht ein reiner Fußballplatz wird, sondern daß auch 100 Meter Bahn und Sprunggrube mitgebaut werden. Beides ist wohl zugesagt, da aber mit verhaltnismäßig hohen Kosten verknüpft, ist die Durchführung immer noch ungewiß.
Der öffentliche Elternabend vereinte am 26.11.1960 wieder die ganze Gemeinde in der Waldschänke Rönfeldholz.
Am 14.2.1961 erschien die Polizei bei uns und brachte uns Kurzfilme zur Verkehrserziehung.
Die Sonnenfinsternis am 15.2.1961 (hier etwa 85%) konnte gut beobachtet werden bei wolkenlosem Himmel. Bemerkenswert war, daß durch gleichzeitige Sendung des Fernsehens aus Südfrankreich, Italien und Jugoslawien die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte; bemerkenswert ist vielleicht auch, daß es leicht möglich war, die Kinder der Oberstufe auf Fernsehapparate in der Gemeinde zu verteilen.
Am 23.2.1961 tagte die Junglehrer-Arbeitsgemeinschaft in Wentorf.
Am 23.3.1961 wurden in einer kurzen Feierstunde 5 Mädchen und 5 Jungen entlassen.
Bundesjugendspiele 1960 | |
![]() Die Siegerstaffel 10x50m | ![]() Völkerballspiel der Mädchen |
![]() Nach dem Völkerballsieg über Schule Hohwacht | ![]() Siegerehrung durch Kollegen Steineke (Kühren) |
![]() Heike Mienack erhält das Abzeichen (56 Punkte) | ![]() Jochen Makoben erhält das Abzeichen (65 Punkte) |
Schuljahr 1961/1962
Das Schuljahr begann am 6.4.1961 mit dem Schulanfängergottesdienst. Neu aufgenommen wurden 5 Mädchen und 6 Jungen. Die Schülerzahl beträgt nun 58.
Die Bundeswehr arbeitete ab 17.4.1961 wieder am Sportplatz und stellte die Fußballfläche her. Bearbeitung, Düngung und Graseinsaat wurde von der Gemeinde vorgenommen. Die Schule sammelte einen Vormittag Steine vom Platz.
Am 27.4.1961 brachte der Verkehrskasper der Verkehrspolizei Neumünster ein tadellos gespieltes Belehrungsspiel über Gefahren im Straßenverkehr.
Ab 5.6.1961 ist der 4. Jahrgang in der 2. Klasse.
Volkszählung 6.6.1961: Wie in der gesamten Bundesrepublik wurde auch in der Geimeinde Klamp gezählt. Beide Lehrkräfte waren dabei mit eingespannt.
In den Sommerferien fuhren wir, wie schon vor 2 Jahren bei gutem Wetter mit Freiwilligen nach Hohwacht Schwimmen lernen. Kollege Mirscheitz, Lütjenburg und Kollege Stern, Raisdorf von der DLRG stellten sich unentgeltlich zur Verfügung. Der Erfolg waren wieder einige Frei- und Fahrtenschwimmerzeugnisse.
In den Sommerferien erhielten beide Klassen und der Flur neue Fußböden. Für die Klassenräume wurden Holmsundplatten (dänische Kunststoffplatten) genommen; der Flur erhielt Terrazzoplatten.
Am 21.8.1961 fuhr der 3. und 4. Jahrgang zu den Karl-May-Festspielen nach Segeberg. Der 1. und 2. Jahrgang spielte am Strand in Weißenhaus. Der große Ausflug des 5. bis 9. Jahrgangs führte uns an die Westküste.
1. Tag: Wentorf – Rendsburg (Hochbrücke, Tunnel) – Friedrichstadt (Stadtbesichtigung) – Husum – Nordstrand (Fußwanderung auf dem Deich zurück)
2. Tag: Motobootfahrt nach Hallig Süderoog. Stadtbesichtigung Husum.
3. Tag: Ludwig-Nissen-Haus, Ostenfelder Bauernhaus. Rückfahrt über Schleswig (Haithabu) nach Wentorf.
Wir hatten, um die Busfahrt zu verbilligen, die Schule Engelau mitgenommen. An Kollege Kirschuck hatte ich viel Hilfe.
Die Bundesjugendspiele wurden wieder von den Landschulen der Landlehrerkonferenz Lütjenburg gemeinsam in Rantzau durchgeführt.
Am 17.9.1961 war Bundestagswahl. Sie hatte in der Gemeinde Klamp folgendes Ergebnis:
Partei / Erststimmen / Zweitstimmen
CDU / 84 / 83
SPD / 155 / 146
FDP 17 / /23
GDP 20 / 17
DFU 3 / 0
Wahlberechtigte: 325
Abgegebene Stimmen: 289
Die Flutkatastrophe an der Nordseeküste am 17.2.1962 wirkte sich auch in unserer Gemeinde aus. Dem Auftrag der Landesregierung folgend, fertigten die erwachsenen Einwohner der Gemeinde Faschinen* für die Deiche der Nordseeküste.
Die Übergangsprüfung bestanden: 2 Mädchen für die M7, 1 Mädchen für die M5, 1 Junge für die M5
Am 11.3.1962 wurden die Gemeindewahlen durchgeführt, da die Gemeindewahlen vom 25.9.1959 für ungültig erklärt worden waren. Es wurden abgegeben: Für die CDU 389 Stimmen, für die SPD 624 Stimmen*. Damit erhält die CDU im Gemeindeparlament 3 Sitze, die SPD 6 Sitze.
Das Schuljahr schloß am 17.3.1962. Entlassen wurden 2 Mädchen, ein Mädchen hatte das Ziel der Schule nicht erreicht.
Schuljahr 1962/1963
Nach dem Schulanfangsgottesdienst, diesmal erstmals durch Herrn Pastor Knoke, wurden neu in die Schule aufgenommen: 2 Mädchen und 4 Jungen.
In der Gemeinderatssitzung wurde zum Bürgermeister der Landwirt Hermann Paustian wiedergewählt, zum ersten Stellvertreter der Bauer Viktor Rönfeld, zum 2. Stellvertreter der Bauer Kurt Möller.
Am 22.4.1962, den 1. Ostertag, wurde der Sportplatz eingeweiht; leider noch ohne 100 Meter Bahn.
In der Elterversammlung, am 9.05.1962 wurde der neue Elternbeirat gewählt, sein 1. Vorsitzender wurde Walter Lorenzen.
Das Vogelschießen musste in diesem Jahr wieder an einem Sonntag, dem 1.07.1962, stattfinden, weil uns die Musik im Stich ließ.
Der große Ausflug der 2. Klasse (5. bis 9. Jahrgang) zeigte uns den Südwesten unseres Landes.
30.08 - 1. Tag: Einhaus (Ansveruskreuz) – Ratzeburg (Dom, Aussichtsturm), Mölln (Eulenspiegel), Lauenburg (Unterstadt, Burg), Schnakenbek (Ertheneburg)
31.08. – 2. Tag: Geesthacht (Seeräuberschiff, Schleuse, Staustufe, Speicherbecken, Kraftwerk)
1.09. – 3. Tag: Sachsenwald (Riesenbett), Friedrichsruh
Der 3. und 4. Jahrgang besah sich Lübeck am 30.04.; der 1. und 2. Jahrgang fuhr nach Schönberg, leider bei schlechtem Wetter.
Die Bundesjugendspiele wurden wieder gemeinsam mit den Landschulen der Landlehrerkonferenz am 20.09., diesmal auf dem neuen Sportplatz in Lütjenburg, durchgeführt.
Die Übergangsprüfung bestanden: 1 Junge zur Sexta des Gymnasiums, 2 Mädchen für Mittelschule, 2 Jungen für Mittelschule.
Das Schuljahr schloß am 31.03.1963. Entlassen wurden 4 Jungen und 1 Mädchen. 1 Junge und 1 Mädchen hatten das Ziel der Volksschule nicht erreicht.
Schuljahr 1963/1964
Das Schuljahr begann am 17.04.1963. Nach dem Schulanfängergottesdienst wurden neu aufgenommen 2 Mädchen und 4 Jungen. Die Schülerzahl beträgt nun 64.
Das Vogelschießen fand am 30.06.1963 statt. Es erhielt eine besonders feierliche Note durch den Königswagen, der diesmal von Hugo Osbahr, Emkendorf, gestellt wurde. Erstmalig trugen die Königspaare die Königsschleifen, auf denen nun die Namen eingestickt werden.
Bei den Bundesjugendspielen hatten wir am 2.07.1963 alle Schulen der Landlehrerkonferenz auf unserem Sportplatz zu Gast.
Der große Ausflug führte uns (5. bis 9. Jahrgang) dieses Jahr nach Südost Schleswig-Holstein. Wir besuchten Altenkrempe (Kirche), Neustadt (Speicher, Hafen, Kloster), Hermannshöhe (Spaziergang nach Travemünde), Travemünde, Pöppendorfer Ringwall, Steingrab bei Waldhusen, Ratekau (Kirche, Blüchereiche), Lübeck (Holstentormuseum, Marienkirche, Katharinenkirche, Boot der Pamir, Rathaus, Motorboot nach Bad Schwartau, Alt-Lübeck, Eichholz-Zonengrenze), Rothenhusen.
der 3. und 4. Jahrgang fur nach Eutin, der 1. und 2. Jahrgang spielte am Schönberger Strand und verlief sich im Irrgarten Probsteierhagen.
Am 11.09.1963 bestand Frau Stark die 2. Lehrerprüfung mit "Gut.“
Erstmalig fand in diesem Jahr ein Kreissportfest statt. Am 17.09.1963 trafen sich die Besten aller Bezirke in Schönberg. Aus Wentorf waren 5 Schüler dabei. Die Schülerin Hannelore Johannsen konnte als einzige von ihnen sich einen Platz unter den besten Sportlern der Schulen des Kreises erringen; sie wurde 12. in ihrer Altersklasse.
Mit Beginn der Herbstferien verließ und Frl. Stark. Sie folgte ihrem Mann nach Wolfsburg, wo dieser als Ingenieur eine Stelle beim VW-Werk antrat. An ihre Stelle trat Frl. Hoheisel.
Eigentlich wollte ich ja Schauspielerin werden. Aber Krieg und Nachkriegszeit haben so manche Hoffnung zerschlagen! Mich brachten die Kriegsverhältnisse im Herbst 1944 in diese Gegend,nach Högsdorf, als Laienlehrkraft. Dort lernte ich die Arbeit des Lehrers kennen. Es folgten nach dem Kriege die Studienjahre an der Pädagogischen Hochschule in Kiel und die erste Dienstzeit an einer Kieler Volksschule. Dann ging ich wieder an eine Dorfschule, nach Schülldorf, bei Rendsburg. Ich hatte das Land und seine Weite lieben gelernt. Krankheiten meiner Eltern zwangen mich dann leider wieder nach Kie zurückzukehren. Aber fünf Jahre Stadt und Stadtschuldienst genügten, den Wunsch reifen zu lassen, wieder auf dem Lande zu leben und dort tätig zu sein. Der Zufall brachte mich in die Nähe meines ersten pädagogischen Wirkens zurück: Wentorf! Schließt sich hier ein Ring? Oder beginnt ein neuer sich zu formen?
Ursula Hoheisel, geboren am 15. April 1919 in Kiel
Ein Junge (4. Schuljahr) nahm an der Ausleseprüfung teil und bestand sie.
Der Winter schien ziemlich milde zu verlaufen, brachte dann aber in der 2. Hälfte einige unangenehme Überraschungen. Am 17.02.1964 herrschte starkes Schneetreiben, so daß Teile der Gemeinde von der Umwelt abgeschnitten waren. Daß die Hauptstraße freigehalten werden konnte, verdanken wir dem am Tage vorher montierten neuen Schneepflug (Schild am Unimog des Bauern Ernst Möller) der hier seine Bewährungsprobe bestand.
Am 13.03.1964 wurden 2 Mädchen und 3 Jungen entlassen, ein Junge hatte das Ziel der Schule nicht erreicht.
Schuljahr 1964/1965
Nach dem traditionellen Schulanfängergottesdienst wurden aufgenommen 5 Mädchen und 5 Jungen; die Schülerzahl ist damit auf 69 gestiegen.
Beim Vogelschießen am 20.06.1964 mußten wir erstmalig auf einen von Pferden gezogenen Königswagen verzichten. Die Majestäten werden mit einem Personenkraftwagen nach Rönfeldholz gefahren.
Bei der goldenen Hochzeit des Bürgermeisters, der Jahrzehnte die Geschichte der Gemeinde mit beeinflußt, gratulierte die Schule mit Lied, Blumen und kurzer Ansprache.
In der Elternversammlung am 13.05.1964 wurde der neue Elternbeirat gewählt; Vorsitzender wurde Herr Manfred Kunz.
Der große Ausflug der Klasse 2 führte in den Norden: Haithabu, Schleswig, Flensburg, Glücksburg, Seebad Drei, Holnis.
Das Schuljahr schloß am 20.03.1965. Entlassen werden 3 Mädchen; alle drei haben das Ziel der Schule erreicht.
Mit dem Ende des Schuljahres scheidet Frl. Hoheisel; sie geht auf eigenen Wunsch als Schulleiterin nach Treufeld, Kreis Plön.
Schuljahr 1965/66
Mit Schulbeginn werden in der Schule neu aufgenommen: 2 Jungen und 7 Mädchen.
Das Vogelschießen fand am 29.05.1965 statt; die Bäume hatten größtenteils noch kein Laub, so daß das Schmücken der Schule mit Girlanden schwierig war. Das Fest mußte so früh gelegt werden, weil die bestellte Musik uns im Stich ließ und die neuangenommene Kapelle sonst keinen Termin frei hatte. Das Wetter aber begünstigte die Spiele; es war trocken und warm.
Der große Ausflug führte uns nach Hamburg. Zusätzlich zu den sonst besuchten Sehenswürdigkeiten sahen wir uns den Park "Planten und Blomen“ an. Für Wanderlustige war eine besondere Freude der Spaziergang von Altona nach Blankenese auf dem Elbuferweg – es waren aber nicht alle wanderlustig. Die Rückfahrt auf der Elbe fand dann wieder ungeteilten Beifall.
Der 3./4. Jahrgang begleitete die große Klasse bis Neumünster.
Am 8., 9. und 10.03.1966 fand in der Schule ein Grundlehrgang, durchgeführt vom Bundesluftschutzbund, statt; es werden 13 Bescheinigungen zur erfolgreichen Grundausbildung ausgegeben.
Am 13.03.1966 waren Gemeindewahlen in Schleswig-Holstein. In der Gemeinde Klamp wurde wie folgt gewählt:
Wahlberechtigte: 379
Gültige Stimmen: 276
Ungültige Stimmen: 12
CDU: 436 Stimmen
SPD: 641 Stimmen
Damit wurden in der Gemeinde gewählt: 5 Vertreter der SPD, 4 Vertreter der CDU.
In der ersten Gemeinderatssitzung wurde Bürgermeister Hermann Paustian wieder gewählt.
Vorangegangen war am 19.09.1965 die Bundestagswahl. Sie hatte in der Gemeinde folgendes Ergebnis:
CDU: 111 Stimmen
SPD: 169 Stimmen
FDP: 16 Stimmen
AUD: 1 Stimme
DFU: -
NPD: 6 Stimmen
Das Schuljahr schloß am 26.03.1966. Entlassen wurden: 3 Jungen, 3 Mädchen.
Kurzschuljahr 1966
Durch Beschluß der Länderparlamente wurde das Schuljahr umgestellt: Beginn nach den Sommerferien, Ende am letzten Schultag vor den Sommerferien. Für den Übergang beschloß der Schleswig-Holsteinische Landtag zwei Schuljahre als Kurzschuljahre durchzuführen. Das erste Kurzschuljahr läuft von Ostern 1966 bis 30.11.1966, das zweite vom 01.12.1966 bis zum Beginn der Sommerferien 1967. Für die Schule brachte die Umstellung auf Herbstbeginn und die in Schleswig-Holstein gefundene Übergangslösung der beiden Kurzschuljahre viel Unruhe und manche Einschränkung.
In den Osterferien 1966 wurde die im Frühjahr 1966 vom Gemeinderat beschlossene Umstellung der Zentralheizung auf Ölfeuerung durchgeführt. Dabei wurde gleichzeitig die 1. Lehrerwohnung – die bisher getrennte Zentralheizung hatte – an die Schulheizung angeschlossen; vor allen wurde nun auch in die 2. Lehrerwohnung Zentralheizung gelegt.
Der Winter, der uns bereits am 12. November 1965 mit Schneeverwehungen überrascht hatte (der Schnee blieb fast durchgehend liegen), verließ uns auch im Frühjahr 1966 so bald nicht. Den letzten Schneesturm erlebten wir am 14. April 1966; die Gemeinde war wieder einmal für Stunden von der Außenwelt abgeschnitten.
Am 12.05.1966 faßte die Gemeindevertretung der Gemeinde Klamp einen für die Schule Wentorf bedeutsamen Beschluß; die Vertretung entschloß sich, sich an der evtl. Planung für eine Dörfer-Gemeinschaftsschule am Stadtrand von Lütjenburg zu beteiligen. Es scheint, die Geschichte der Schule Wentorf wird in absehbarer Zeit zu Ende geschrieben sein.
In der Elternversammlung am 20.05.1966 wurde der bisherige Elterbeiratsvorsitzende Manfred Kunz wiedergewählt. Die Schule kann diese Wahl nur begrüßen; Herr Kunz hat sich immer besonders einsatzbereit und verantwortungsfreudig gezeigt.
Am 22.06.1966 fanden die Bundesjugendspiele wieder gemeinsam für alle Schulen der Landlehrerkonferenz Lütjenburg statt; die Schule Wentorf wurde als Schule mit dem besten Punktedurchschnitt (43,1) ausgezeichnet.
Das Vogelschießen feierten wir am 26.06.1966; es war auch finanziell ein Erfolg, so daß der Elternbeirat in seiner Sitzung am 17.08.1966 250,00 DM als Zuschuss für die Ausflüge bewilligen konnte.
Der große Ausflug führte die Klasse 2 nach Husum; hier beeindruckte besonders die Bootsfahrt nach der Hallig Nordstrand. Die Klasse 1 (3./4. Jahrgang) war bis Kiel mitgefahren und hatte dort die Landeshauptstadt besehen.
In der Zeit vom 1.10. bis 04.10.1966 führten Freiwillige der Schule Wentorf eine Grabung auf der Flur Ellert – Besitzer Otto Gleßman hatte freundlicherweise die Genehmigung dazu erteilt – durch. Dort waren bei Anlage von Rübenmieten mehrfach Urnenstücke ausgepflügt worden. Bei der Grabung wurde eine Urne freigelegt. Der Kreiskonservator schätzte die Zeit der Anlage dieses neu entdeckten Urnenfriehofes auf etwa 50 v. Chr.Geb. Im Frühjahr 1967 soll ein weiterer Suchgraben gezogen werden.
Entlassen werden am 26.11.1966 sechs Mädchen ( zwei ohne Abschluß) und zwei Jungen (beide ohne Abschluß). das Schuljahr schloß am 30.11.1966.
Schuljahr 1967
Das zweite Kurzschuljahr begann am 05.12.1966. Eingeschult wurden 4 Jungen und 4 Mädchen, die Gesamtschülerzahl betrug 67.
Am 9., 10. und 20 März 1967 gruben Freiwillige auf dem Urnenfriehof am Ellert. Auf der Flur Ellert – Besitzer O. Gleßmann) wurde eine Urne geborgen. Die Urne enthielt neben dem Leichenbrand folgende Beigaben: 1 eisernes Messer, 1 geschweifte Fibel, 1 dreieckiger Polierstein. Das Messer und die geschweifte Fibel – in Schleswig-Holstein verhältnismäßig selten – wurden in Schleswig konserviert und befinden sich jetzt im Kreismuseum Plön. Die Grabung auf der Flur Mooskrog – Besitzer Wilhelm Makoben – ergab keine Funde; im Suchgraben zeigten sich wohl in ziemlich regelmäßigen Abständen unregelmäßige Steinhäufungen – ist dort früher schon gegraben worden?
Die Landtagswahl am 23.04.1967 hatte folgendes Ergebnis:
CDU: 83 Stimmen
SPD: 162 Stimmen
FDP: 13 Stimmen
DVU: -
NPD: 23 Stimmen
Die NDP, die wohl überwiegend aus Protesthaltung heraus gewählt wurde, erreichte damit hier 8,2%
Bei den Bundesjugendspielen am 04.07.1967 war die Schule Wentorf erfolgreich: 1. Platz im Fangballspiel, 3. Platz im Korbballspiel.
Der große Ausflug führte die 2. Klasse in den Südwesten Schleswig-Holsteins: Ratzeburg, Mölln, Lauenburg, Geesthacht, Friedrichsruh.
Das Schuljahr schloss am 18.07.1967. Entlassen wurden 7 Jungen und 2 Mädchen.
Schuljahr 1967/1968
Das Schuljahr begann am 30.08.1967. Neu eingeschult wurden 6 Mädchen und 4 Jungen; die Gesamtschülerzahl betrug damit 63.
Zum Kreissportfest am 21.09.1967 entsandte die Schule Wentorf 6 Teilnehmer.
Das neue Jahr begann mit heftigen Schneestürmen. Am 11., 12., und 13.01.1968 schaufelten die Einwohner der Gemeinde die Wege zu den einzelnen Ortsteilen und Ausbauten frei. Am 15.1. deckte ein orkanartiger Sturm einen Teil des Schuldaches ab. Die freiwillige Feuerwehr befestigte wärend des Sturmes bis in die Nacht in vorbildlichem Einsatz das Reetdach der Schule mit Eggen und Leitern.
Am 13.05.1968 ging Frau Barsch in Zwangsurlaub. In der Gemeinde waren die Röteln ausgebrochen. Da Frau Barsch ein Baby erwartete, mußte sie auf Anordnung des Kreisgesundheitamtes Plön den Unterricht einstellen; für fast 8 Wochen wurden beide Klassen vom Schulleiter unterrichtet.
Das Vogelschießen wurde am 29.05.1968 gefeiert – das war er bisher früheste Termin seit meiner Zeit. Zwar hatten wir Sorge mit Eichenlaub und Blumen, der Tag selbst bescherte uns schönes, warmes Wetter.
Am 05.06.1968 fuhr fast die ganze Schule nach Molfsee – Besichtigung des Freiluftmuseums – und nach Kiel – Hindenburgufer, Holtenauer Hochbrücke.
Die Bundesjugendspiele brachten der Schule erfreuliche Erfolge: 1. Platz in der Mannschaftenwertung (44,1 Punkte), 2. Platz im Korbballspiel, 2. Platz im Fangballspiel
Am 10.07.1968 wurden entlassen: 1 Mädchen, 3 Jungen. Zwei Schüler gingen auf das Gymnasium, 5 auf die Realschule Lütjenburg über.
Der große Ausflug führte die 2. Klasse nach Lübeck – Altenkrempe, Neustadt, Hermannshöhe, Travemünde. Priwall, Pöppendorf, Lübeck, Rothenhusen.
Das Schuljahr schloß am 16.07.1968
Schuljahr 1968/1969
Das Schuljahr begann am 28.08.1968. Neu aufgenomen wurden 6 Mädchen und 4 Jungen; die Gesamtschülerzahl betrug damit 63.
Am 19.09.1968 fand eine bedeutungsvolle Elternversammlung statt. Die Stadt Lütjenburg hatte sofortige Übernahme der Schüler der umliegenden Volksschulen angeboten, ohne das vorher bauliche Vergrößerungen in Lütjenburg durchgeführt wurden. Nach lebhafter Diskussion entschied die Elternversammlung:
1.) Sind Sie für einen Anschluß an Lütjenburg? Ja: 46 - Nein: 0
2.) Sind Sie für sofortige Umschulung nach Lütjenburg? Ja: 6 - Nein: 40
Eine Umschulung nur der Hauptschüler, bei belassen der Grundschule in Wentorf, wurde einstimmig abgelehnt.
Vom 11.11.1968 bis zum 15.02.1969 übernahm Frl. Pickerodt, Lütjenburg, die Vertretung für Frau Barsch während deren Mutterschaftsurlaub. Frl. Pickerodt hat, obwohl bereits 70 Jahre alt, sich mit bewunderungswürdiger Frische dieser Vertretung unterzogen.
Nachdem der alte Bürgermeister Hermann Paustian aus Altersgründen sein Amt im Dezember 1968 niedergelegt hatte, wurde am 03.01.1969 von der Gemeindevertretung der bisherige Stellvertreter Kurt Möller zum Bürgermeister gewählt. Hermann Paustian, der mehr als 22 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Klamp gewesen ist, wurde mit Verleihung des Titels "Ehrenbürgermeister“ geehrt.
Besonders schwere Schneeverwehungen brachten in ganz Schleswig-Holstein den Verkehr zum Erliegen. Das Kultusministerium ordnete für den 15.03. und 17.03.1969 Schließung aller Schulen in Schleswig-Holstein an.
Das Vogelschießen wurde in gewohnter Weise am 21.06.1969 durchgeführt.
Der große Ausflug brachte die 2. Klasse in den Norden Schleswig-Holsteis: Flensburg, Glücksburg, Holnis, Schleswig, Haithabu, Kappeln.
Am 21.06.1969 wurden 3 Mädchen und 4 Jungen entlassen; an die Realschule wurden 2 Mädchen und 1 Junge überwiesen. Das Schuljahr schloß am 27.06.1969.
Schuljahr 1969/1970
Mit Schulbeginn am 11.08.1969 wurden 18 Kinder neu in die Schule aufgenommen- das ist die höchste Zahl an Schulanfängern seit 1929 (1929 ebenfalls 18 Anfänger, 1928 sogar 21, sonst immer weniger)
Am 09.09.1969 legte Frau Barsch die 2. Lehrerprüfung ab.
Am 18. und 19.09.1969 wurde unter Leitung des Museumsdirektors Dr. Hucke in Fresendorf gegraben. Bauern hatten dort auf dem Acker auffallende kreisrunde Brandstellen entdeckt. Die Ausgrabungen ergaben Hinweise über die Entstehung dieser Stellen – Dr. Hucke hatte Brennöfen der Eisenzeit vermutet.
Am 26.09.1969 besuchte die Klasse 2 die Sonderausstellung "Hand und Meer“ in Plön. Gleichzeitig holte das 3./4. Schuljahr den durch den Ausfall von Frau Barsch versäumten Ausflug (5-Seenfahrt) nach.
Am 30.09.1969 schied Frau Barsch auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst. Vertretungsweise übernahm wieder Frl. Pickerodt, Lütjenburg, die 1. Klasse. Es ist erstaunlich, mit welcher geistigen Frische und Einsatzbereitschaft diese alte Dame (71 Jahre) sich der Schularbeit unterzog.
Am 01.11.1969 wurde im Beisein des Schulrates Selmer, des Bürgermeisters der Gemeinde Klamp und Vertretern des Elternbeirates das 50. Dienstjubiläum von Frl. Pickerodt gefeiert. Dieses seltene Jubiläum ist damit zum zweitenmal in der Schule Wentorf begangen.
Die Weihnachtsferien wurden für ganz Schleswig-Holstein bis zum 10.01.1970 verlängert wegen einer Häufung von Grippeerkrankungen. In der Schule Wentorf hielten sich die Krankheitsfälle in verhältnismäßig kleinem Rahmen.
Im Frühjahr 1979 fanden mehrere Versammlungen für Eltern und Lehrer des Umlandes Lütjenburg statt, auf denen diese mit den Planungen des Schulzentrum Lütjenburgs bekannt gemacht werden sollten.
Die Gemeindewahl am 26.04.1970 hatte folgendes Ergebnis:
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Ernst Möller Hans W. Lange Heinz Maas Walter Rönfeldt Carl A. Busch Viktor Rönfeldt Otto Hinrichsen Helmut Kruse Erich Franske Manfred Kunz |
197 Stimmen direkt gewählt 138 Stimmen direkt gewählt 113 Stimmen über Liste 122 Stimmen direkt gewählt 106 Stimmen über Liste 90 Stimmen über Liste 114 Stimmen direkt gewählt 111 Stimmen über Liste 93 Stimmen nicht im Gemeinderat 130 Stimmen direkt gewählt |
CDU CDU CDU CDU CDU SPD SPD SPD SPD SPD |
Brand bei Schröder. Am 29.04.1970 brannte die Baracke, früher Schweinestall der früheren (???)Rebergschen Villa(???), nieder. An ihrer Stelle entstehen jetzt Appartmentwohnungen für Sommergäste.
Der große Ausflug führte die 2. Klasse nach Hamburg für 3 Tage. Übernachtet wurde in der DJH Horner Rennbahn; Disziplinlosigkeiten anderer Gruppen in der Jugendherberge störten den noch harmonischen Verlauf des Ausflugs.
Übergangsprüfung. Alle für den Übergang auf weiterführende Schulen gemeldeten 8 Schüler (6 für Realschule, 2 für Gymnasium) bestanden die Prüfung. Diese Zahl stellt ebenfalls einen Rekord da. Das Schuljahr schloß am 09.07.1970. Entlassen wurden 3 Mädchen und 4 Jungen.
Am 01.04.1970 trat Frau Bärbel Neumann ihren Dienst in Wentorf an. Frl. Pickerodt schied damit – schweren Herzens – wieder aus dem Schuldienst.
Dienstjubiläum von Frl. Pickerodt 1.11.1969 |
![]() Erich Möller (Bürgermeister) + Otto Hinrichsen (stv. Bürgermeister) |
Schuljahr 1970/1971
Mit Beginn des Schuljahres am 21.08.1970 werden neu aufgenommen 4 Mädchen und 7 Jungen.
Beim Kreissportfest am 16.09.1970 errang der Bezirk Lütjenburg/Land die höchste Punktzahl unter den teilnehmenden Landbezirken. An diesem Erfolg war die Schule Wentorf mit 4 Mädchen und 2 Jungen (von insgesamt 18 Teilnehmern der Landschulen des Bezirkes) maßgebend beteiligt. Als Anerkennung lud die Bäckerinnung die Teilnehmer zu einem Kaffeetrinken am 25.09.1970 in das Kossautal Lütjenburg ein.
Gesamtschule Bürgerversammlung am 18.02.1971. Die Gemeindevertretung lud zu einer Bürgerversammlung in die Waldschänke Rönfeldholz zu einer Information über die Planungen der kooperativen Gesamtschule Lütjenburg ein. Dabei berichtete Realschullehrer Oehlerich über die pädagogische Konzeption, Amtmann Niemann über die finanziellen Aspekte dieses Projektes.
Die Landtagswahl am 25.04.1971 zeigte im Stimmbezirk Klamp folgende Stimmenverteilung:
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Wähler: abgegebene Stimmen: ungültige Stimmen: CDU: SPD: FDP: NPD: DKP: |
426 305 1 130 Stimmen 160 Stimmen 1 Stimme 10 Stimmen - |
Der große Ausflug des Jahres führte die Klasse 2 (4. bis 9. Jahrgang) nach Friedrichsstadt und Husum (Süderstapel, Fahrt zu den Seehundbänken, Treenefahrt nach Schwabstedt)
Das Vogelschießen fand in gewohnter Weise am 26.07.1971 statt.
Die Totengilde begann den Bau eines K.+K.- und Luftbüchsenstandes auf dem Spielplatz der Schule. Der Bau war in reiner Eigenarbeit im Juli soweit gediehen, daß am 11.07.1971 das erste Wanderpokalschießen – ausgetragen zwischen Totengilde Wentorf, Gemeindevertretung, Freiwillige Feuerwehr Klamp und TSV Wentorf – durchgeführt werden konnte.
Die Freiwillige Feuerwehr Klamp beging ihr 40-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grunde fanden eine Reihe von Festveranstaltungen statt; auf dem Kameradschaftsabend am 16.07.1971 berichtete Hauptlehrer Baumgarten über die Geschichte des Feuerschutzes in den Ortschaften der Gemeinde Klamp, sowie über Brände in unseren Ortschaften seit 1807.
Erstmalig gab es keine Übergangsprüfung für den Übergang auf weiterführende Schulen mehr. Die Wahl der Schulart war – nach Beratung durch den Haupschullehrer – alleine von der Entscheidung der Eltern abhängig. Infolgedessen verließ fast der gesamte 4. Jahrgang die Schule Wentorf.
In dem von der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Kreis Plön herausgegebenen Jahrbuch Nr. 1-1971 ist auch die Gemeinde Klamp mit einem Aufsatz von mir über die landwirtschaftlichen Reformen in Wentorf vertreten.
Schuljahr 1971/1972
Mit Schulbeginn wurden neu aufgenommen Mädchen und Jungen. (Anm.: kein Eintrag)
Um die Grundschule zu entlasten wurde folgende Klasseneinteilung eingeführt:
| 1. Klasse | 1./2. Schuljahr | |
| 3. Schuljahr | alle Unterrichtsstunden außer Rechnen | |
| 4. Schuljahr | Heimatkunde, Religion | |
| 2. Klasse | 5. - 9. Schuljahr | |
| 4. Schuljahr | alle Unterrichtsfächer ohne Heimatkunde und Religion | |
| 3. Schuljahr | Mathematik |
Am 01.09.1971 war ich 20 Jahre Lehrer in Wentorf; ich erlebte die Freude, von Elternbeirat und Gemeindevertretung Zeichen der Anerkennung zu erfahren. Unerwartet – durch neue Art der Berechnung – konnte ich am 08.10.1971 mein 40 jähriges Diestjubiläum feiern. Dankbar denke an diesen Tag zurück, den Schulrat Sellmer, Elternschaft, Gemeindevertretung und Kollegenschaft ausgestalteten.
Am 04.09.1971 haben wir Kurt Trinks, unsern langjährigen Heizer und Schulreiniger zu Grabe getragen. Er hatte 1945 hierher verschlagen, mit Schulspeisen angefangen, dann die alten Schulöfen bis zum Einbau der Zentralheizung, mehrere Jahre auch noch diese bis zum Einbau des Ölbrenners, treu und gewissenhaft versorgt. Die Schulreinigung war nicht so ganz sein Fach, größten Teils wohl bedingt durch seine stark abnehmende Sehkraft. Die Schule, die ihn auf einem Vogelschießen durch Dankworte und großen Blumenstrauß geehrt hatte, verlor einen langjährigen Mitarbeiter – und einen der leider immer selten werdenden Originale.
Auf dem Kreissportfest am 16.09.1971 erkämpften sich Asta Voles einen 5. Platz und Sabine Schumann einen 10. Platz in ihrer Altersstufe.
Am 17.09.1971 wurde satzungsgemäß ein neuer Elternbeirat gewählt; sein Vorsitzender wurde Hermann Zisukraut (???), stellvertretende Vorsitzende Hannelore Neumann, Vogelsdorf.
Mit Wirkung vom 01.04.1972 wurde Frau Bärbel Benning auf eigenen Wunsch nach Erlangen, Bayern, versetzt. Als Ersatz wurde Frau Ute Oldewurtel der Schule zugewiesen. Die ersten 4 Wochen nach den Osterferien war Frau Oldewurtel krank, beide Klassen wurden von mir versorgt (37 Wochenstunden), mit Ausnahme der 1. Woche, wo sich Wolfgang Seidel, Student der P.H.-Kiel, für das 1. und 2. Schuljahr zur Vefügung stellte.
Der große Ausflug führte die Klasse 1 in den Harz
6.5. DB-Sonderzug Kiel-Goslar, Unterkunft in der DJH Altenau
7.5. Fußwanderung zu den Schuster Klippen
8.5. Vormittags Holzmuseum Altenau, Fußwanderung, Schwefelquelle, Horkenberg
Nachmittags Fußwanderung Dammhaus, Sperberhaier Damm, Hüttensee
9.5. Busfahrt Torfhaus, Königsberg (Fußwanderung auf den Achtermann), Braunlage (Seibahn Wurmberg, Abstieg über Hexentreppe), Busfahrt Hohegeiß.
10.5. Busfahrt nach St. Andreasberg, Besichtigung Bergwerk, Sessellift Matthias-Schmidt-Berg, Fußwanderung Rosstrappe, Glockenberg.
11.5. Bus Okertalsperre, Fußwanderung zu den Kästeklippen
12.5. Rückfahrt, dabei Besichtigung des Kerns von Goslar
Am 7./8. Juli fuhr das 4. Schuljahr mit einem Kleinbus nach Mölln (Rathhaus, Kirche, Eulenspiegel), Ratzeburg (Dom, Heinrichstein, Aussichtsturm), Lauenburg (Burg, Altstadt), Groß Berkenthin (Schleuse).
Auflösung der Schule? Ausgelöst durch die lange Krankheit von Frau Oldewurtel fanden eine Reihe Beratungen statt, über eine Einschulung des 4. bis 9. Jahrganges in die Volksschule Lütjenburg bei Belassung des 1. bis 3. Jahrganges in Wentorf.
Am 18.05.1972 Sitzung des Elternbeirates:
Für Überleitung des 4. bis 9. Schuljahres nach Lütjenburg: 8 Stimmen
Für Verbleiben der gesamten Schule: 3 Stimmen
Am 24.05.1972 Elternversammlung:
Für Überleitung des 4. bis 9. Schuljahres: 19 Stimmen
Für Verbleiben: 17 Stimmen
Die Gemeindevertretung beschloß dann am 29.06.1972 die Aufrechterhaltung der Schule. Maßgeben für diese Entscheidung war:
1. Der Elternwille ist bei dem Stimmenverhältnis am 24.5. nicht eindeutig.
2. Die finanziellen und rechtlichen Verhältnisse eines Fastschulverhältnisses sind nicht geklärt.
3. In absehbarer Zeit wird der Schulversuch Lütjenburg, zu dem die Gemeinde Klamp sich durch Zustimmung zur Satzung bekannt hat, auslaufen; dann erfolgt automatisch Überführung der Schüler nach Lütjenburg
Das Vogelschießen wurde am 01.07.1972 gefeiert.
Mit Beginn des Schuljahres 1972/73 läuft die Orientierungsstufe (5./6. Schuljahr) in ganz Schleswig-Holstein an. Auch in Wentorf verließ damit das 4. Schuljahr am Ende des Schuljahres geschlossen die Schule Wentorf.
Schuljahr 1972/1973
Mit Beginn des Schuljahres werden neu aufgenommen 1 Mädchen, 3 Jungen.
Die wegen Auflösung des Bundestages erforderlich gewordene Neuwahl brachte in der Gemeinde Klamp folgendes Ergebnis:
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1. Stimme |
2. Stimme |
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Carstensen (CDU) Lauritzen (SPD) Krömmerelbe (FDP) Pauli (DKP) Krahl (EFP) Jüttner (NPD) |
129 206 11 - - 2 |
128 203 15 - - 2 |
Ziel des großen Ausfluges (22.06. bis 26.06.1972) war die Wingst, ein Erholungsgebiet in der Nähe von Otterndorf. Höhepunkte waren, neben dem Leben in der Jugendherberge, die Tagesfahrt nach Helgoland, Besuch von Otterndorf (Elbdeiche) und Stade.
Das Vogelschießen fand in gewohnter Weise am 02.06.1973 statt. Es war, das wußten wir damals allerdings noch nicht, das letzte Vogelschießen der ganzen Volksschule Wentorf.
Das 4. Schuljahr fuhr am 14./15.06.1973 nach Schleswig – Haithabu.
Am 03.07.1973 besuchte das 3. Schuljahr die Karl-May Festspiele in Segeberg.
Auflösung der Oberstufe. Am 20.07.1973 fand die für die Volksschule Wentorf entscheidende Sitzung statt. Das Schulamt hatte auf Umschulung der Oberstufe nach Lütjenburg gedrängt. Der Bürgermeister hatte zu die Sitzung die Eltern eingeladen, die leider nicht sehr zahlreich erschienen waren. Vor der Entscheidung der Gemeindevertretung, ließ der Bürgermeister die anwesenden Eltern abstimmen; dabei ergab sich folgendes Bild:
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Für Umschulung der Oberstufe (7.-9.) Dagegen Für Umschulung des 4. Schuljahres Dagegen |
15 Stimmen 3 Stimmen 5 Stimmen 13 Stimmen |
Die entscheidende Abstimmung der Gemeindevertretung hatte folgendes Ergebnis:
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Für Umschulung der Oberstufe (7.-9.) Dagegen Für Umschulung des 4. Schuljahres Dagegen Enthaltungen |
7 Stimmen 0 Stimmen 3 Stimmen 2 Stimmen 2 Stimmen |
Damit verläßt nun mit Ende dieses Schuljahres die Oberstufe (7. bis 9. Schuljahr) die Schule Wentorf, außerdem das neu versetzte 4. Schuljahr. Ich persönlich hätte sehr gerne die Schülerinnen und Schüler, die so viele Jahre schon mit mir zusammen gearbeitet hatten, auch aus der Schule entlassen – das hätte ein allmähliches Auslafen der Oberstufe bedeutet. Bei der jetzigen kleinen Zahl hatte sich ein so gutes Verhältnis eingestellt, daß wirklich von Partnerschaft gesprochen werden konnte. Der unbestreitbare Vorteil der wenig gegliederten Schule – enger Kontakt zwischen Schüler, Eltern und Lehrer – war besonders in den letzten Jahren stark in Erscheinung getreten und hatte die Schularbeit besonders erfreulich sein lassen.
Schuljahr 1973/1974
Zu Beginn des Schuljahres wurden neu aufgenommen 6 Mädchen und 4 Jungen. Die einklassige Schule Wentorf – Frau Oldewurtel ist nach Lütjenburg versetzt – wird nun im 1. bis 3. Jahrgang von 31 Kindern besucht.
Auf Wunsch der Eltern habe ich an zwei Abenden bis Weihnachten die neue Mathematik-Mengenlehre den interessierten Eltern erläutert. Ich habe mich dabei nicht auf das 1. Schuljahr beschränkt, sondern die Eltern aller Jahrgänge angesprochen. Die Resonanz war ungewöhlich groß.
Nach Schulbeginn lief das Verfahren zur Beantragung der 5-Tage Unterrichtswoche an. Die entscheidende schriftliche Abstimmung der Eltern ergab 48 Stimmen für Einführung der 5-Tage Woche, 12 Stimmen dagegen. Nach Genehmigung durch das Landesschulamt hatten wir dann unseren ersten freien Sonnabend 24.11.1973.
Am 28.11.1973 hielt ich in der Volkshochschule Lütjenburg einen Vortrag über die Geschichte der Schule Wentorf.
Zu meiner großen Freude meldeten sich im November 1973 die Mädchen der früheren Oberstufe der Schule Wentorf und boten sich an, bei der Ausgestaltung des Adventskaffees der über 70 jährigen Gemeindemitglieder durch Basteln (Tischschmuck), Singen und Aufsagen von Gedichten mitzuhelfen. Ich meine diese feinsinnigkeit der Mädchen (Marianne Burat, Anke Voss, Gabi Laskowsky, Antje Voss, Sabine Schumann – Marion Schumann beruflich verhindert – Ute Drückhammer, Brigitte Burat) ist hoch anzuerkennen.
Am 10.12.1973 besuchten wir die Märchenvorstellung (Schneewitchen) der Niederdeutschen Bühne Kiel im Soldatenheim Lütjenburg. Am 2. Januar 1974 ging ich zu einer Operation (Ganglion linkes Knie) in das LVA Krankenhaus Malente-Gremsmühlen. Nach der Operation wurde Knochentuberkulose festgestellt) Ich bin damit für mindestens ein Viertejahr im Krankenhaus festgenagelt. Diesen meinen Ausfall nahm das Kreisschulamt Plön zum Anlaß, Eltern und Gemeindevertretung zur Auflösung der Schule zu bewegen. In einer Sitzung am 24.01.1974 beschloß der Gemeinderat einstimmig die Umschulung der Schüler der Schule Wentorf in die Grundschule Lütjenburg zu beantragen. Das Kreisschulamt gab dem Antrag statt; seit 04.02.1974 besuchen die Kinder die Grundschule Lütjenburg.
Es gibt keine Schule Wentorf mehr.
Inhalt Anhang: Kontext zur Schulchronik I
Zeitleiste nationaler Ereignisse 1923 bis 1971
Schule und Jugend im "Dritten Reich“ 1933 bis 1945
Zusammenstellung: Heinz-Dietrich Heinsohn, Vogelsdorf (Quelle: www)
Bevor noch das "Dritte Reich“ im Januar 1933 errichtet worden war, beherrschte eine von der Weimarer Demokratie wegführende Aufbruchsstimmung, die weite Teile der deutschen Bevölkerung ergriffen hatte, auch viele Schülerinnen und große Teile der Lehrerinnen und Lehrer der Schule. In den ersten Jahren nach der Machtübergabe an den Diktator wuchs die freudige Stimmung zu gewaltiger Begeisterung für das NS-Regime an. Die Errichtung der NS-Diktatur in Deutschland brachte politisch einen gewaltigen, alles verändernden Einbruch mit sich. Die angestrebte Durchdringung aller Lebensbereiche und der politischen Sozialisierung und Ideologisierung der Jugend war die Rolle der Hitler-Jugend (HJ).
Die erste Phase der NS-Schulpolitik von 1933 bis 1936 galt vorrangig der Machtkonsolidierung und der "Gleichschaltung“ des Lehrkörpers. Mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 schufen sich die Nationalsozialisten eine formale Rechtsgrundlage zur Entlassung von jüdischen, sozialistischen und pazifistischen Lehrern und Schulleitern. Wenig später wurde mit dem am 25. April 1933 erlassenen "Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ die "Rassenzugehörigkeit“ als Kriterium für den Zugang zu höheren Schulen und zum Hochschulstudium eingeführt.
Ab 1936/37 intensivierte das nationalsozialistische Regime die ideologische Umgestaltung des Schulunterrichts. Zur selben Zeit wie der "Kirchenkampf“ (Kampf des NS-Staates gegen die evangelische und die katholische Kirche sowie ihre herkömmlichen Organisationsstrukturen, mit dem Ziel der Gleichschaltung) richtete sich der Einfluss des Nationalsozialismus insbesondere auf die "gesinnungsbildenden“ Fächer wie Deutsch und Geschichte, mit dem Ziel, "vaterländische Größe“ und Heroismus zu vermitteln. Der Geschichtsunterricht sollte sich auf die deutsche Geschichte und die der "nordischen Rasse“ konzentrieren. Im Biologieunterricht wurden die Themen "Vererbungslehre“ und "Rassenkunde“ eingeführt. Der Sportunterricht wurde aufgestockt, um dem nationalsozialistischen Ideal der "körperlichen Ertüchtigung“ im Vergleich zur geistig-intellektuellen Erziehung gerecht zu werden. Die früheren Ideale einer klassisch-humanistischen Bildung wurden als "undeutsch“ zurückgewiesen. Rituale und NS-Symbole wie Hakenkreuze, Fahnen, Fahnenappelle, Hitlerporträts und der Hitlergruß prägten neben den neuen ideologischen Inhalten immer deutlicher den Schulalltag.
Trotz aller Maßnahmen des NS-Staats blieb die Schule in ihren Grundzügen eine weitgehend traditionelle Bildungseinrichtung, die dem revolutionären Anspruch des NS-Regimes kaum gerecht wurde. Deshalb setzten die Nationalsozialisten den herkömmlichen Schulen "Eliteschulen“ wie die Adolf-Hitler-Schulen (AHS), die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napola) und die sogenannten Ordensburgen gegenüber.
1926 gründete die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die Hitlerjugend (HJ) als Jugendorganisation der Nationalsozialisten, vier Jahre später den Bund Deutscher Mädel (BDM). Mit der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden andere Jugendverbände verboten und die Jugendorganisation der Nationalsozialisten wurde zu einer Massenorganisation. Der Beitritt zur HJ beziehungsweise zum BDM wurde zur Pflicht, aber nicht jeder durfte Mitglied werden. Die Kranken und Schwachen wurden zurückgewiesen und die Juden waren von der Zugehörigkeit zur Hitlerjugend ausgeschlossen. Auch wenn einige Eltern es nicht gerne sahen, wenn ihre Kinder in die HJ gehen wollten, sie davon abzuhalten war nicht leicht. Wer dies dennoch versuchte, dem drohten Geld- und Gefängnisstrafen. Verweigerern drohte das "Jugendschutzlager“, ein Konzentrationslager zur Internierung widerständiger, "schwer erziehbarer“, "arbeitsscheuer“ und nonkonformistischer Kinder und Jugendlicher. 1939 hatte die Hitlerjugend deshalb fast neun Millionen Mitglieder. Die 10- bis 14-Jährigen dienten im Deutschen Jungvolk oder beim Jungmädelbund, die 14- bis 18-Jährigen in der HJ oder im BDM.
"Pimpfe“ nannte man die Kinder im Deutschen Jungvolk. Jeder Junge und jedes Mädchen sollte von zu Hause eine Uniform, bekommen und wurde feierlich in den neuen Verband eingeführt. Manche Kinder hatten schon lange darauf gewartet, endlich "das Braun“ tragen zu dürfen. Man traf sich an Wochenenden und an Heimabenden, um gemeinsam Sport zu treiben, Mutproben zu bestehen und im nationalsozialistischen Denken geschult zu werden. "Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder“ sollten die Kinder werden und viele wollten es auch. Das Erlernen kriegstauglicher Übungen ging spielerisch vor sich, aber unter strenger, militärischer Disziplin. Die meisten Kinder merkten nicht, wie ihr Wille und Charakter im Sinne der Nationalsozialisten geformt werden sollte. "Deutschland, sieh uns, wir weihen dir den Tod als kleinste Tat. Grüßt er einst unsre Reihen, werden wir die große Saat. Drum lasst die Fahnen fliegen in das große Morgenrot, das uns zu neuen Siegen leuchtet oder brennt zum Tod.“ Solche Lieder sangen sie und als der Krieg ausbrach, sangen viele mit noch mehr Inbrunst, denn sie fühlten sich wichtig. Sie wurden gebraucht, um Deutschland zu retten.
Heldenhaft zu werden, ein Teil des kämpfenden Volkes, das wurde das Ziel vieler Kinder in der Hitlerjugend. Für sie war es ein gutes Ziel: gemeinsam für das Volk kämpfen oder als Mädchen jederzeit hilfreich bereitzustehen, um den Soldaten unter die Arme zu greifen. Krieg war etwas, wo man seinen Mut beweisen und ein "ganzer Mann“ sein konnte. Schließlich hatte man ja auch gelernt, dass der Feind böse war und den guten Deutschen Schaden zufügen wollte. Schon in Kinderbüchern wurde diese Ideologie weitergegeben – genauso wie die von dem bösen Juden, der auf den Kinderzeichnungen immer grimmig, bösartig und finster aussah. Gefahren, denen sie trotzen wollten. Viele Kinder freuten sich deshalb sehr, als sie mit zunehmendem Alter immer mehr von dem lernten, was sie als Erwachsene auszeichnete – sie lernten das Kriegshandwerk kennen. Zunächst wurden sie bei Ernteeinsätzen eingesetzt, bei Sammelaktionen für das Winterhilfswerk oder als Luftwaffenhelfer. Der spielerische Umgang mit Geländeübungen wurde allmählich ernst, der Umgang mit der Waffe gehörte zum Lernprogramm dazu.
Schon Zwölfjährige lernten damals das Schießen mit Karabinern und später auch den Umgang mit der Panzerfaust. 1943 waren die meisten Flakgeschütze mit Hitlerjungen besetzt. Mit der Ausrufung des "Totalen Krieges“ Anfang 1943 führten die Nationalsozialisten das Notabitur ein, das es ermöglichte, dass nun auch Halbwüchsige in den Krieg ziehen konnten.
Als der Zweite Weltkrieg sich schließlich dem Ende zuneigte, verstanden die Jungen und jungen Männer die Welt nicht mehr. Sie waren groß geworden in dem festen Glauben, dass alle bis zum letzten Mann kämpfen würden, um Deutschland zum Sieg zu verhelfen. Und auch der Sieg stand für sie nicht in Frage. Doch nun mussten sie erleben, dass Erwachsene kniffen, dass die Soldaten sich ergaben, anstatt – "hart wie Kruppstahl“ – bis zum letzten Mann zu kämpfen. Und sie griffen selbst zur Waffe, um endlich ihrer Bestimmung nachzugehen. In einer Verordnung aus dem Jahre 1934 hieß es: "Diese charakteristische Schulung des jungen Deutschen findet in der HJ ihren äußeren Ausdruck in seiner freiwilligen Unterordnung, seinem Gehorsam gegenüber seinen Führern, in seinem Pflichtbewusstsein, seiner Kameradschaftlichkeit, seiner Liebe zu seinem Führer, seinen Volksgenossen und seinem Vaterland, in dem jederzeit freiwilligen Einsatz des eigenen Lebens für die Idee des Nationalsozialismus.“
Im September 1944 wurde der Volkssturm gebildet, der zumeist an der Heimatfront bis zum so genannten Endsieg kämpfen sollte. Vor allem Jugendliche und alte Männer wurden nun in Schnellkursen ausgebildet, um über die anstehende Niederlage hinwegzutäuschen. Zehntausende von Soldaten starben in diesen letzten Gefechten, viele von ihnen waren erst 16 Jahre alt oder noch jünger. Einige überlebten. Das größte alliierte Gefangenenlager für minderjährige Soldaten beherbergte zehntausend Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren.