Liste der Schulleiter und zweite Lehrerstelle in Wentorf 1724 bis 1924
Adolf Baumgarten, 1. Lehrer und Schulleiter in Wentorf von 1951 bis 1974
Heinz-Dietrich Heinsohn, Gemeindearchiv Klamp
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Chronik I der Schule zu Wentorf
Transkription:
- Jutta Tretow, Stadtarchiv Lütjenburg
- Heinz-Dietrich Heinsohn, Gemeindearchiv Klamp
Originaldokument: Chronik I der Schule zu Wentorf 1878 bis 1928, Gemeindearchiv Klamp
Seit dem 15. Oktober 1878 bin ich Lehrer an der hiesigen Schule. Was ich durch Herrn Krützfeldt, Lehrer ehm., der vor mir Inhaber dieser Stelle war, erfahren habe, möge hier zunächst eine Stelle finden.
Bevor das jetzige Schulhaus gebaut würde, war die Schule in einer Kathe am Westende des Dorfes untergebracht. Der damalige Lehrer hieß Doormann. Er war Lehrer und Weber, webte im Schulzimmer und unterrichtete dabei die Kinder. Manche Kinder kamen gar nicht in die Schule, einige besuchten die Stadtschule, andere gingen in besser gestellte Dorfschulen. Das Schulland lag möglichst weit entfernt vom Dorfe, an der Gottesgaber Grenze. Im Jahre 1818 ward das jetzige Schulhaus erbaut. Ein Hufenpächter in Wentdorf mußte das Land zum Bauplatz und das jetzige Schulland abtreten, wofür er das entfent liegende frühere Schulland wieder erhielt. Zum Lehrer wurde der seminaristisch gebildete Lehrer Detlefsen, der damals eine Privatschule auf Panker verwaltete, vom Patronat ernannt. Derselbe hat bis zum Jahre 1828 in dieser Schule gewirkt. Er wurde zum Lehrer in Stampe, Gut Quarnbek, ernannt.
In demselben Jahre wurde als Lehrer an diese Schule berufen Johann Krützfeldt. Er ist im Schullehrer-Seminar zu Kiel zum Lehrer ausgebildet, und war dann mehrere Jahre Hauslehrer. Zum Schuldistrikt gehörten schon damals die drei Ortschaften Vogelsdorf, Rönfeldholz und Wentorf.
Es mögen nun die Mittheilungen Krützfeldts hier wörtlich folgen. Er berichtet:
Als ich nach Wentorf kam, war der Schulplatz mit Pappeln umgepflanzt, welche nach einigen Jahren Größenteils vom Winde ungeworfen wurden. Das noch stand, nahm ich weg und pflanzte die Linden, die in den Jahren zu so herrlichen Bäumen herangewachsen sind und jetzt eine Zierde des Schulplatzes bilden. In den ersten Jahren geschah für die Ausbildung der Mädchen in Handarbeiten von Seite der Schule nichts. Die vermögenden Eltern schickten ihre Kinder zur Stadt. Die Kinder der unvermögenden Eltern wuchsen ohne Unterweisung auf, die Eltern hatten so wenig Zeit als Geschick ihre Kinder in Handarbeiten zu unterweisen. Ich versuchte mehrmals, den damaligen Oberinspektor dahin zu wirken, daß für Rechnung der Herrschaft mit der Lehrschule eine Arbeitschule verbunden werde, wurde aber abschlägig beschieden. Zu dem folgenden Oberinspektor trat ich mehrmals mit meiner Bitte heran, diesmal mit Erfolg. Es ward bestimmt, daß in hiesiger Schule eine Probe mit dem Unterricht ein Jahr gemacht werden solle, beim Günstigen Ausfall derselben sollte in allen Schulen der Herrschaft Hessenstein die Arbeitsschule eingerichtet werden. Als Vergütung für die Erteilung des Unterrichts in dieser Schule würden 90 alte Mark = 108 M, ausgesetzt.
In den ersten Jahren meiner Anstellung mußte ich für das Reinigen der Schornsteine bezahlen. Ich bekam nicht das gesetzlich bestimmte Schulgeld, 3 Mark 12 Schilling, für jedes Kind, das vom Armenwesen aus einem anderen Schuldistrikt hier in Kost gegeben war, ich hatte nicht die freien Handdienste zur Bearbeitung des Schullandes, das gelieferte Deputatholz hatte nicht die gesetzliche Länge. Nach einem Gesetz vom Jahre 1786 soll der Fuder Deputatholz im ganzen Lande von gleicher Größe sein, 6 Fuß weit, 6 Fuß hoch und jedes Stück 2 ½ Fuß lang = 90 Kubikfuß, das gelieferte Holz hatte nur eine Länge von 2 Fuß 2 Zoll.
Wir 7 Lehrer der Herrschaft Hessenstein vereinigten uns und reichten gemeinschaftlich ein Gesuch an die Regierung ein und hatten um Befreiung von der Bezahlung für Reinigung der Schornsteine, 2tens um Bezahlung für fremde Kinder, die für Rechnung des Armenwesens in unserem Schuldistrikt in Kost gegeben wurden, 3tens um die freien Handdienste zur Bearbeitung des Schullandes, 4tens darum, daß das uns gelieferte Deputatholz die gesetzliche Größe habe. Die 3 ersten Punkte wurden bewilligt, der Bescheid auf den vierten lautete: „Soll in der bisherigen Weise geliefert werden.“ Die Folge der Genehmigung unserer 2ten Bitte war, daß fortan die Kinder in ihrem Schuldistrikt in Kost gegeben wurden, Obgleich außer den Hufenpächtern, die kontraktlich ein bestimmtes Schulgeld an die Gutskasse leisten mußten, kein Schulinteressent Schulgeld zu bezahlen hatte, so wurden doch den Hufenpächtern die freien Handdienste zur Bearbeitung des Schullandes aufgelegt. Ich übernahm nach einer Vereinbarung mit den Bauern die Handdienste gegen eine Vegütung von 10 Mark jährlich selbst. Jeder Bauer zahlte 1 Mark. Nach einigen Jahren, als die Arbeitskraft theuer wurde, trug ich auf Erhöhung der Vergütung an, wir einigten uns auf 15 Mark und dabei ist es bis zu meinem Abgange geblieben.
Als ich im Jahre 1828 die Schule übernahm, waren 112 schulpflichtige Kinder im Schuldistrikt. Nur wenige besuchten im Sommer die Schule, die meisten Kinder verließen Ostern die Schule und kamen ist im November wieder. In Folge dessen brauchte nur im Winter für die Elementarklasse ein Gehülfe gehalten zu werden, im Sommer unterrichtete ich beide Klassen kombiniert. Ich mußte für jeden Winter einen neuen Gehülfen annehmen. Für Stationierung und Besoldung derselben wurden mir 120 Mark vergütet. Einmal hatte ich das Glück, denselben Gehülfen 3 Winter nach einander zu erhalten. Das ging einige Jahrt so fort bis die Schülerzahl auf 160 stieg. Da fing der damalige Schulinspektor, Herr Pastor Groth, beim Visitatorium darauf an, es möge fortan ein seminaristisch gebildeter Lehrer für die Elementarklasse fürs ganze Jahr angestellt werden. Das Visitatorium verfügte im Sinne des Antragstellers. Das Oberinspektorat wollte nicht darauf eingehen und suchte auszuführen, daß die angegebene Schülerzahl nie vollzählig die Schule besuche. Das Visitatorium entschied, daß für die Elemetarklasse ein Seminarist für das ganze Jahr anzustellen sei, und daß das Patronat denselben zu besolden habe. Als Gehalt wurden 70 alte Thaler festgesetzt. Ich mußte für 40 alte Thaler dem anzustellenden Lehrer völlig freie Station gewähren. Vergebens protestierte ich dagegen. Der erste Seminarist war 1 ½ Jahr hier, er ging fort, weil er eine feste Anstellung erhielt. Der folgende ging nach einem halben Jahre heimlich davon. Da sich kein Seminarist wieder meldete, würde ich beauftragt Wieder einen Präparanden einzustellen. Diesem gab ich als Gehalt die 40 Thaler und nahm die 70 Thaler für freie Stationierung desselben. Dafür habe ich stets tüchtige junge Leute gehabt, die fast immer 3 Jahre bei mir blieben und dann auf ein Seminar gingen.
Ich bin von 1828 bis 1878 Lehrer in Wentorf gewesen, habe dort am 8. Mai 1878 meine goldene Hochzeit und am 1. Juli desselben Jahres mein 50 jähriges Amtsjubiläum gefeiert und bin schließlich mit 1200 Mark im Oktober 1878 emeritiert. Soweit die Mitteilungen H. Krützfelds.
Wie schon zu Anfang erwähnt, trat ich gleich nach meines Vergängers Abgang dessen Stelle an.
Ich, Claus Heinrich Heeschen bin am 3. Februar 1853 in Willenscharen, einem freundlichen Dorfe an der Stör, 3 Stunden von Neumünster, geboren. Bis zu meinem 12ten Jahre besuchte ich die Schule meines Heimatortes und von da ab die Distriktschule unseres Nachbardorfes Sarlhusen ,Palmarum 1869 konfirmiert, blieb ich noch den nächsten Sommer bei meinem bisherigen Lehrer, um mich auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Zum Herbst desselben Jahres erhielt ich eine Stelle als Lehrer an der Nebenschile zu Störkathen bei Kellinghusen. Bei allem Fleiß bin doch wohl hier nicht recht vorwärts gekommen, da es mir an Unterricht, ja sogar an Anleitung zu meiner Fortbildung fehlte. Besser wurde ich in dieser Beziehung gestellt, als ich zu Ostern 1870 als Gehülfe an der getrennten Elementarklasse in Diekhusen b. Marne angestellt wurde. In dem Inspektionsbezirk meines dortigen Schulinspektors, des Herrn Hauptpastors Paulsen in Marne, blieb ich 4 Jahre, nämlich 1 ½ Jahre in Diekhusen, ½ Jahr als Substitut Schmedeswurth und 2 Jahre als Gehülfe an der Elementarklasse des Mittel-Kronprinzenkroogs. Von letzterer Stelle aus bezog ich Michaelis 1874 das Seminar in Segeberg vor welchem ich Michalis 1877 die erste Lehrerprüfung bestand. 1 Jahr arbeitete ich jetzt an einer Privaten Realschule in Blankenese, welche mit einem Pensionat für Knaben verbunden war. Nach einer am 11. September 1878 in der Schule zu Darry in Gegenwart seiner Königlichen Hoheit, der Landgräfin Anna von Hessen abgehaltenen Unterrichtsprobe ward ich zum Lehrer in Wentorf ernannt. Am 16. Oktober desselben Jahres führte mich der Inspekter der Schule, Herr Hauptpastor Chr. Schütt, in mein Amt ein. Michalis 1880 bestand ich die zweite Lehrerprüfung am Seminar zu Segeberg und ward nun definitiv eingestellt.
Als ich die Schule übernahm, zählte dieselbe 118 Kinder, wovon 65 der Oberklasse angehörten. Der damalige Lehrer der 2ten Klasse, der Präparand Schluche, gab seine Stelle auf und wurde dieselbe mit dem Präparanden Christian Dose aus Segeberg besetzt, welcher 1 Jahr blieb. Sein Nachfolger wurde Wax Peters aus Breiholz, der nach einem Jahr auf die Präparandenschule in Eckernförde ging. An seine Stelle trat Michaelis 1881 der Präparand Johann Willbrodt aus Ellerbeck.
Der Schulbesuch war mangelhaft, läßt auch jetzt noch manches zu wünschen übrig, doch scheint auch hier mit der Zeit eine Änderung zum Besseren einzuhalten.
Infolge freundlichen Endgegenkommens des Herrn Oberinspektors W. Martens zu Panker sind an der hiesigen Schule in den letzten Jahren nicht unerhebliche Verbesserungen zur Ausführung gekommen: sämtliche Zimmer meiner Wohnung hatten noch weiße Fußböden, nur eine Stube war tapeziert, die übrigen waren bis dahin geweißt. Auf der Süderstube stand ein alter Ofen aus Kacheln, der nicht mehr brauchbar war, beide Schulstuben hatten Öfen, deren Mäntel von Ziegelsteinen waren und die daher nur schwer auf höhere Wärmegraden zu bringen waren.
Zum Herbst 1879 wurden sämtliche Fußböden geölt und die beiden Norder- und das Süder-Zimmer tapeziert. Die Stube an der Elementarklasse und die beiden Schulzimmer erhielten neue Öfen, der kleinere eiserne Ofen des unteren Zimmers kam nach der Süderstübe. Das rechte und linke Drittel des nach Süd gerichteten Hausdaches wurde erneurt.
Angeschafft für die Schule wurde in diesem Jahre: 1 Karte der Heimatprovinz, 1 Karte von Schleswig-Holstein, ein Gestell für die Schultafel der Oberklasse und ein Schrank zum Aufbewahren der Handarbeiten der Mädchen.
In dem zur Schüle gehörenden Nebengebäude wurden sämtliche Aborte abgebrochen und durch neue ersetzt, dabei wurde das hintere rechte Grundfach der Scheune mit in Anspruch genommen, der noch übrig bleibende kleinere Teil desselben in einen Stall ungewandelt. Der Boden dieses Gebäudes erhielt neues Bodenholz. Der Brunnen wurde mit einer neuen Einfriedigung versehen.
Schuljahr vom 1. Mai 1880 bis zum 1. Mai 1881
Im Frühjahr dieses Jahres erhielt der Spielplatz einen Turn-Apparat, bestehend aus einem Reck mit Reckstange und Kuerbaum, einem Sprunggestell mit Sprungbrett und aus zwei Barren. 2 Bücher, bestimmt zur Schulchronik und zum Schülerverzeichnis wurden für die Schule angeschafft. Die Wandtafeln beider Klassen wurden von einem Maler Eder aus Bremen mit einem von ihm eigens zu diesem Zweck präparierten Lack überzogen, mit beiden und die neue Tafel mit einem Punktenetz versehen. Die Norder- Ost- und Westseite des Schulhauses erhielten ein neues Steinpflaster an Stelle des alten, welches die Feuchtigkeit nicht genügund vom Hause ableitete. Die Vorderseite des Hauses wurde ebenfalls abgepflastert welches bis dahin noch nicht geschehen war. Dasselbe geschah mit den 3 Seiten des Nebengebäudes. Der Platz zwischen Haus und Scheune wurde mit Sand ausgefahren, geebnet und mit einem Kreuzsteig (???) versehen. Der Turnplatz mußte infolge der Legung des Steinpflasters ebenfalls bedeutend erhöht werden.
Zufolge höherer Verfügung wurde eingeführt und zur Anschaffung befohlen: „Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch an den preußischen Schulen“. Herausgegeben im Auftrage des Königl. Minesteriums der geistlichen Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten (v. Puttkamer).
Die Ernte wurde in diesem Jahre in 3 Wochen, ohne durch ungünstiges Wetzer unterbrochen zu werden, beendet. Von Ende Juni bis zum 20. Juli hatten wir hier 10 Gewitter, worunter das am 17. Juli von außerordeutlicher Heftigkeit. Der Unterricht erlitt dadurch mehrfache Unterbrechungen.
Schuljahr vom 1.Mai 1881 bis zum 1. Mai 1882
Bauliche Veränderungen und Reparaturen sind in diesem Jahre nicht vorgenommen. In Beziehung auf die Bibliothek der Schule wurde die Bestimmung getroffen, daß fortan nicht mehr die Bücher derselben in den einzelnen Schuldistrikten gewechselt werden sollen, sondern gleichzeitig für alle neue Exemplare angeschafft werden sollen.
Durch das Oberinspektorat erhielt die Schule das Postheft der Schreibschule von H. Otto
Am 20. Juli fand eine General-Kirchen und Schulvisitation durch Herrn Generalsuperintendenten Jensen statt, wozu sich speziell auch die hiesige Schule im Schulhause zu Lütjenburg zu stellen hatte.
Im Mai und Juni erlitt der Unterricht eine längere Störung durch ziemlich heftig auftretende Kinderkrankheiten, worunter besonders Scharlach, Masern und …(???).
Am 1. Juli wurde für das Gut Klamp eine Krankenkasse errichtet. Es steht zu hoffen, daß durch dieselbe in manchem Hause drückende Not ferngehalten und dadurch auch ein günstiger Einfluß auf der Schulbesuch ausgeübt werden wird.
Die diesjährige Schulprüfung wurde am 25. März von Herrn Kirchen…(???) Chr. Schütt in Lütjenburg abgehalten. Es wurden nach nach Beendigung desselben 13 Kinder dispensiert, nämlich 3 für den ganzen Sommer und 10 auf 4-8 Wochen. Nachträglich wurde noch im Laufe des Sommers 7 Kindern Dispensation von Schulbesuch bewilligt auf eine Zeit von 8 Tagen bis 4 Wochen.
7 Kinder wurden Palmarum konfirmiert, 14 schulpflichtige Kinder Ostern neu aufgenommen.
Schuljahr vom 1. Mai 1882 bis dahin 1883
Bauliche Veränderungen und Reparaturen sind auch in diesem Jahr nicht vorgenommen. Die Bibliothek der hiesigen Schule wurde um 15 Exemplare vermehrt, nämlich um die No 202- 216 incl. (Erzählungen von Ziethe und Friese).Die Sommerferien fielen in die Zeit v. 5 August - 4. Sept. Am 25. Juni wurde das Kinder-Vogelschießen abgehalten. Unterbrechungen des Unterrichts fanden statt außer an den Markttagen, am 5. Juni (Aufnahme der Berufsstatistik) und am 10. Januar (Allgemeine Viehzählung)
Seit einer langen Reihe von Jahren war das nach Süd gelegene Schulzimmer Klassenzimmer für die Oberklasse, die stetig wachsende Schülerzahl, die im kleineren Schulzimmer nicht mehr hinreichend Raum hatte, und die Bestimmung, daß in einer Unterklasse von einem Präparanden nicht mehr als 50 Kinder unterrichtet werden dürfen, gaben Veranlassung, daß mit den Klassenzimmern gewechselt werder mußte. Seit dem 4. September wird die Oberklasse wieder im größeren Klassenzimmer unterrichtet.
Bei der sehr verschiedenen Schreibweise der Namen der zum Schuldistrikt gehörenden Ortschaften, namentlich der Dorfschaft Wendtorf, dürfte erwähnenswert sein, daß die jetzt amtlich festgestellte Schreibwaise folgende ist. Dorf Wendtorf, Dorf Rönnfeldtholz, Dorf Vogelsdorf.
Als Herr Krützfeldt hier 1828 ins Amt trat, fand er die Schreibweise „Wenndtorf“ hier vor und behielt dieselbe bei. Später wurde geschrieben Wentdorf.
Die öffentl. Schulprüfung würde am 6. März abgehalten. Für den ganzen Sommer wurde nur 1 Knabe dispensiert, 3 bis nach den Sommerferien und eine größere Anzahl auf 14 Tage bis 4 Wochen.
Schuljahre vom 1. Mai 1883 bis dahin 1884
Infolge Verfügung der Königl. Regierung wurde im Oktober 1883 der Eingang für die Schulkinder mit einem feuersicheren Vorbau versehen.
Der Herbst dieses Jahres zeichnete sich durch seine vielen heftigen Luftbewegungen aus. Am 18. Oktober riß der Sturm einen Teil des nach Nord gelegenen Schuldaches fort, weshalb dieser Neubedachung erhielt. Die Mädchenkammer wurde mit neuen Fußbodensteinen versehen, auch ein Teil der Küche neu gepflastert.
Im Frühjahr trat die Diphtheritis in hiesiger Schule auf. 2 Kinder (Brüder) wurden vor derselben befallen und fielen ihr zum Opfer. Am 5. Juni würde die Impfung in hiesiger Schule von Dr. Heseler (???) vorgenommen, am 17. Juni das Kindervergungen in übl. Weise abgehalten.
Die Sommerferm fielen in die Zeit vom 4. August - 3. September. Am 10. November wurde eine Gedenkfeier zur 400jährigen Wiederkehr des Geburtstages Luthers in allen evangelischen Schulen und Kirchen abgehalten. Der eigentliche Festgottesdienst fand am Sonntag den 11. Nov. statt, nachdem am Abend des 10. Nov. bei festlich erleuchteter Kirche ein liturgiarischer Gottesdienst abgehalten war. Sämtliche Haushaltungsvorstände erhielten zur Erinnerung an diese Feier ein „Lutherbuch“ (Verfasser: N. Fries, Pastor in Heiligenstedten), sowie nachträglich auch die gedruckte Festpredigt (gehalten v. Propst Schütt) frei ins Haus. Den einzelnen Schulen wurde ferner zur Erinnerung an der 10. November 1883 vom Kaiser ein Lutherbild, Luther ein Kreise seiner Mitarbeiter, die hl. Schrift verdeutschend darstellend, überwiesen.
Infolge der höheren Orts erlassenen „Bestimmungen für die Volksschule inbetreff der in derselben zu erlernenden volkestümlichen Lieder“, in welchen zwinglich die betreffenden Lieder namentlich aufgeführt sind, ist auf diesem Gebiet der Stoff für alle Schulen festgelegt.
Die Schulprüfung würde am 17. März abgehalten. Konfirmiert wurden am Sonntag Judica 9 Kinder, neu aufgenommen wurden Ostern 17 Kinder, Dispensiert für den ganzen Sommer wurden 3 Kinder, auf 4 - 8 Wochen 10.
Vom 1. September 1881 bis Ostern 1884 war der Schulpräparand Johann Willrodt aus Ellerbeck an der Elementarklasse der hiesigen Schule als Lehrer tätig. Derselbe ging zur Aufnahmeprüfung nach Eckernförde, und trat an seine Stelle der Präparand Heinrich Wöhlke aus Neugüster, Kreis Lauenburg.
Schuljahr vom 1. Mai 1884 bis zum 1. April 1885
Infolge Verfügung der Königl. Regierung soll fortan an jedem Morgen der Unterricht mit Religion beginnen und sind demgemäß erforderlichenfalls die Religionsstunden zu teilen.
Die Bibliethek der hiesigen Schule wurde auch in diesem Jahr wieder um einige neue Exemplare vermehrt. Am 24. Mai fand die Impfung durch Dr. Heseler statt.
Am 2. Juni wurde das Kindervergnügen in üblicher Weise abgehalten.
Die Sommerferien fielen in die Zeit vom 2. August bis 1. September.
Unterbrechungen des Unterricht fanden statt am 28. Oktober (Reichstagswahl) und am 14. Juni (General-Kirchen- und Schulvisitation). Am 14. Oktober starb nach längerer Krankheit der Patron der Schule, Seine Königl. Hoheit, der Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen.
Am 7. November, abends ½ 11 Uhr, brach hier in Wendtorf ein nicht unbedeutendes Schadenfeuer aus. Dasselbe entstand in der Wohnung des Nachtwächters Biegemann und erfaßte rasch auch die in unmittelbarer Nähe gelgenen kleinen Gebäude. Das Haus des Arbeiters Lilienthal und die Wohnung des Holzvogtes wurden mit genauer Not gerettet. 4 Gebäude mit 12 Wohnungen sind eingeäschert, 9 Familien wurden obdachlos.
Die Zahl der diejährigen Konfirmanden beträgt 24, nämlich 11 Knaben und 13 Mädchen. Verzogen sind 10 Kinder, gestorben sind 2 ein stummer und ewas schwachsinniger Knabe verließ außerdem die Schule, von auswährts zugezogen sind keine Kinder.
Am Sonntage Sexagesima (Anm.: der sechzigste Tag vor Ostern) ist die neue Liturgie hier eingeführt. Von diesem Tag an bis Ostern nächsten Jahres werden auch die Kirchenlieder für den Gottesdienst so ausgewählt, daß das neue Gesangbuch neben dem alten gebraucht werden kann. Von Ostern 1886 ab gilt jedoch nur noch das neue Gesangbuch als Kirchen- und Schulgesangbuch der hiesigen Gemeinde.
Was bauliche Veränderungen und Reparaturen anbetrifft, so ist folgendes zu merken:
Der größere Teil des Norddaches und die Hälfte des Süddaches der Scheune, die bereits jahrelang nicht mehr hinreichenden Schutz gegen die Witterung gewährten, wurden erneuert, der Rest ausgebessert. Die Dienstwohnung des Lehrers wurde durch Vergrößerung des Schlafzimmers wesentlich verbessert. Die Wand a b zwischen Schlafstube und Speisekammer wurde weggenommen und so in der Mädchenkammer in a‘ b‘ wieder aufgeführt, daß dadurch ein Raum von derselben für wie neue Speisekammer abgetrennt wurde.
Schuljahr von Ostem 1885 bis Ostem 1886
Die Zahl der Ostern aufgenommenen schulpflichtigen Kinder betrug 17, darunter 10 Knaben. Konfirmiert wurden 4 Knaben und 4 Mädchen, verzogen sind 3 Kinder, gestorben ist 1 (Schwindsucht). Von Kinderkrankheiten blieb die hiesige Schule im letzten Jahre verschont, obgleich die Diphtheritis in der ganzen Umgebung, namentlich in Darry, Behrensdorf und Giekau, sehr stark auftrat und zahlreiche Opfer forderte. Dispensiert wurden für den ganzen Sommer 3 Kinder, auf 4-8 Wochen 10 Kinder. Die Impfung fand statt am 3. Juni. Das Kindervergnügen fiel der in der Umgebung herrscheiden Diphtheritis wegen aus.
Der Unterricht fiel aus am 29. Oktober (Wahl der Wahlmänner zum Abgeordnetenhause) und am 1. Dezember. Die am letzteren Tage vorgenommene Volkszählung ergab für den hiesigen Schuldistrikt folgendes Resultat:
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Rönfeldholz mit Klamp |
Wentorf mit Chausseehaus |
Vogelsdorf |
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Summe der zur Wohnung dienenden oder bestimmten Baulichkeiten bewohnte |
44 |
27 |
14 |
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Haushaltungen - von 2 und mehr Personen |
53 |
31 |
20 |
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- einzeln lebend selbständige Personen |
5 |
10 |
6 |
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Summe der Haushaltungen |
58 |
41 |
26 |
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gesamt |
125 |
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Bevölkerung |
m. / w. |
m. / w. |
m. / w. |
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Ortsanwesende |
126 / 122 |
88 / 88 |
49 / 60 |
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Wohnbevölkerung |
125 / 125 |
87 / 88 |
51 / 61 |
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gesamt |
250 |
175 |
112 |
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Summe der Wohnbevölkerung |
537 |
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Im Laufe des Jahres sind 2 neue Gebäude errichtet, nämlich eine Kathe eben außerhalb Wendtorfs und eine solche beim Haupthofe Klamp
Die Bibliothek wurde um 20 Exemplare vermehrt (No 893 incl. - 912)
Seit Ostern 1885 wird das neue Gesangbuch in der hiesigen Schule gebraucht. Die Einführung desselben wurde dadurch wesentlich erleichtert, daß jede bedürftige Familie von Seiner Königl. Hoheit dem Landgrafen 1 Exemplar geschenkt erhielt.
Bereits im Jahre 1881 wurde vom Landesdirektorat in Kiel (???) Blitzableiteranlagen an Schulhäusern eine Reihe diesbezügl. Erkundigungen vorgenommen, sowie auch ein Situationsplan der Lage und Umgebung des Schulhauses eingefordert. Nachdem dann noch im Juni 1885 eine Ergänzung dieses Berichtes eingereicht war, wurde am 17. Dezember 1885 die Anlage hier nach Vorschift des Landesdirektorats, welches auch das Material geliefert hatte, von dem Klempner Bleß in Lütjenburg ausgeführt. Der unterirdische Leitungsdraht geht in gerader Linie von der Einsenkungs-Stelle den Garten nach dem Brunnen und ist nur an einer Stelle, ca 4 m vom Brunnen, zusammengesetzt.
Thüren und Fenster des Schulhauses sind im vorigen Heibst ausgebessert und, soweit nötig, gestrichen.
Schuljahr von Ostern 1886 bis Ostern 1887
Die Zahl der Ostern aufgenommenen schulpflichtigen Kinder betrug 15, nämlich 11 Knaben und 4 Mädchen. Korfirmiert wurden am Sonntage Judica 3 Knaben und 4 Mädchen. Verzogen sind 8 Kinder, zugezogen 4 Kinder, gestorben ist 1 elfjähriger Knabe an Diphtheritis.
Bemerkenswert ist eine Verfügung der Königl. Regierung, welche genau die Reinigung der Schulzimmer und Aborte regelt. Vom 1.Mai ab wird nach diesen Vorschriften an hiesiger Schule verfahren. Die Reinigungsarbeiten werden, soweit sie nicht von den Schulkindern ausgeführt werden dürfen, von 2 vom Patronat besoldeten Frauen besorgt. Namentlich infolge des Feudelns und Scheuerns machte sich durch Unterdrückung des Schulstaubes seitdem eine bedeutend reinere Luft in den Schulräumen bemerkbar.
Der Präparant H. Wöhlke, seit 2 Jahren an der Elementarklasse thätig, ging Ostern auf ein Präparandum in Lüneburg, an seine Stelle trat der Präparand Detlef Petersen aus Lütjenburg.
Am 15. Mai waren sämtliche Lehrer der Herrschaft nach Panker berufen zwecks Feststellung des pensionausrechnungsfähigen Diensteinkommens der einzelnen Schulstellen. Das Ergebnis für die hiesige Stelle war folgendes:
a) Lehrergehalt ... 474 M 83 Pf.
b) freie Wohnung ... 90 M
c) freie Gartennutzung ... 15 M
d) freie Feuerung ... 148 M
e) Naturalien 6,96 hl. Roggen ... 75 M
f) Ertrag des Dienstlandes ... 470 M 17 Pf
Summe ... 1.273 M
Vor Unterschrift dieser Feststellung gab ich die Erklärung ab, daß ich mich mit Punkt b, und c nicht einverstanden erklären könne und erlaubte mir den Vorschlag, für die geräumige Wohnung mindestens 120 M und für den großen Garten wenigstens 90 M in Anrechnung bringen zu wollen. Die definitive Entscheidung steht zur Zeit noch aus.
Am 22. Mai fand die Wiederimpfung der Schüler durch Sanitätsrat Dr. Heseler statt.
Am 16. Juli wurde das Kindervergnügen in üblicher Weise abgehalten. Mit dem 14. desselben Monats brach eine schwere Zeit für die hiesige Schule herein. An diesem Tage würde nämlich der erste Diphteritisfall in derselben festgestellt. Die Krankheit trat sehr heftig auf und griff so rasch um sich, daß schon am 18. Juli die Schule amtlich geschlossen wurde. Glücklicherweise nahm die Krankheit einen nicht bösartigen Verlauf, so daß alle in dieser Zeit Erkrankten genesen. Gestorben sind nur ein noch nicht schulpflichtiges Kind und im September in einem Einzel-Erkrankungsfall ein elfjährger Knabe.
Am 26. Juli wurde vom Kreisphysikus Dr. Goos in Plön in Vertretung des Kreisphysikus Dr. Heseler die Schule einer Revision unterzogen, welche im allgemeinen ein günstiges Resultat ergab. Als besonders mangelhaft wurde die Licht-Verteilung und die Lichtmenge der nach Nord gelegenen Schulzimmer bezeichnet. Kleine Mängel (fehlen eines Ofenschirmes, fehlen einer Schutzvorrichtung für den Ableitungsdraht der Blitzableitung, Änderung des weißen Kalkanstrichs in einen hellgrauen … (???) sind vom Patronate noch im Laufe des Sommers behoben. Ein Teil der Süddaches der Schule (der mittlere) und ein Teil des nach Nord gelegenen Daches (der untere) sind in der Weise erneuert, daß das alte Dach liegen geblieben und die Neubedachung mittels Zinkdraht über demselben befestigt ist. Beim Erweiterungsbau der Schlafstube erhielt dieselbe den kleinen eisernen Ofen aus der Süderstube, die also jetzt nicht mehr heizbar war. Im Herbst des Jahres wurde derselbe wieder an seiner alten Stelle aufgesetzt und das Schlafzimmer mit einem schönen neuen Kachelofen versehen. Die alte, unbrauchbar gewordene Gartenpforte wurde durch eine neue dichte ersetzt, die Düngerstätte, welche bis dahin noch durchlaßenden Boden hatte, wurde vollständig abgepflastert.
Unterbrechungen des Unterrichts fanden statt am 4.,5. und 6. Mai (Teilnahme des Lehrers an der Feier des 25jähr. Amtsjubiläums des Seminardirektors, Schulrat Lange in Segeberg), und am 21. Februar (Reichstagswahl. Der Reichstag war wegen Ablehnung der Heeresvorlage der Regierung aufgelöst).
Ergebnis der Wahl im hiesigen Wahlbezirk: 70 Stimmen für Graf v. Holstein auf Waterneverstorf (konservativ) und 5 Stimmen für Hofbesitzer Behr-Stockseehof (freisinnig). Außerdem war die Schule vor dem Beginn der Sommerferien wegen Diphtheritis14 Tage geschlossen. Die Folge dieser Krankheit, die auch noch nach den Ferien immer wieder auftrat, war ein sehr unregelmäßiger Schulbesuch bis in die Wintermonate hinein.
Schuljahr von Ostern 1887 bis Ostern 1888
Die Zahl der Ostern aufgenommenen schulpflichtigen Kinder betrug 12, nämlich 5 Knaben und 7 Mädchen. Konfirmiert wurden am Sonntage Palmarum 1887 5 Knaben und 5 Mädchen. Verzogen sind 3 Kinder, zugezogen sind 6, gestorben ist ein zwölfjähriger Knabe an Gehirnentzündung, dispensiert wurden für den ganzen Sommer 2 Kinder, auf 4 - 12 Wochen zehn.
Das Kindervergungen fiel aus. Am 22. März feierten wir den 90. Geburtstag unseres Kaisers. Die Schulprüfung würde am 28. März abgehalten. Die Inspektion der Schule durch den neu ernannten Kreis-Schulinspektor, Pastor Nishen in Giekau, fand am 4. August statt. Der bisherige Kreisschulinspektor, Propst Schütt in Lütjenbürg, hatte aus Gesundheitsrücksichten das Amt eines Kreisschulinspektors niedergelegt. Die General Schulinspektion, welche sich jedoch nicht speziell auf die hiesige Schule erstreckte, wurde am 7. August im Lütjenburger Knaben-Schulhause von Generalsuperint. Jensen abgehalten.
Seit Weihnacht 1887 haben wir Küchenheizung.
Die Ernte wurde in den Sommerferien (6. Aug.- 6. Sept.), ohne vom Regen unterbrochen zu werden, beendet. Die Trockenheit war so groß, daß der Schulbrunnen kaum das nötige Trinkwasser lieferte, der Teich bei demselben gänzlich ausgetrocknet war. Fast die ganze Dorfschaft mußte ihr Wasser aus dem Brunnen bei der Schmiede, oder bei größerem Bedarf aus der Kossau holen. Da im Vorsommer ausreichend Regen gefallen war, so war die Ernte durchweg sehr gut.
Wegen Krankheit des Lehrers war der Unterricht vom 11. - 21. Juni unterbrochen.
Das Schulhaus erhielt neue hölzerne Giebel. Es war bis dahin ganz ohne solche und das Dach daher fast jährlich an den Giebelenden reparaturbedürftig. Außerdem erhielt die Ostseite und ein Teil der Nordseite des Schulhauses Neubedachung.
Wendtorf, den 9. März 1888
Heute nachmmittag durcheilte unser Dorf die Trauerbotschaft: „Unser alter Kaiser ist tot.“ Bestätigt wird diese bange Kunde durch folgendes Telegramm: Berlin, den 9. März, 9 Uhr 40 Minuten vormittags. Unser teurer Kaiser ist 1/2 9 Uhr verschieden.
So ist nun dieses, der ganzen deutschen Nation so teure Leben erloschen. Kaiser Wilhelm I. der Siegreiche, ist bei seinen Vätern versammelt.
Wendtorf, den 16. Juni 1888
Heute morgen bringt uns die Post eine neue Trauerkunde: Unser vielgeliebter Kaiser und König Friedrich III. ist bereits gestern gestorben. Die amtliche Bekanntmachung des Königl. Staatsministeriums lautet: „Der königliche Dulder hat vollendet! Nach Gottes Rathschluß ist Se. Majestät der Kaiser und König Friedrich, unser Allergnädigster Herr, nach langem, schwerem, mit bewunderungswürdiger Standhaftigkeit und Ergebung in den göttlichen Willen getragenem Leiden heute kurz nach 11 Uhr Vormittags zur ewigen Ruhe eingegangen. Tief betrauern das Königliche Haus und unser in so kurzer Zeit zum zweiten Male verwaistes Volk den allzufrühen Hintritt des vielgeliebten Herrschers.“
Berlin, den 15. Juni 1888, Das Staatsministerium
Unter dem 11. Oktober 1888 ging mir durch meinen Herrn Schulinspektor nachfolgendes Schreiben zu: Königl. Schulvisitatosium I No. 1416 L. Plön, den 28. September 1888 unter Bezugnahme auf das Gesetz vom 6. Juli 1885 Preuß. Ges, S. S. 298 betreffend die Pensionierung der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen benachrichtigen wir Sie hierdurch, daß die Königl. Regierung mittelst Verfügung vom 28. August d. Jhr. II 9493 das pensionsanrechungsfähige Diensteinkommen d. z.Z. von Ihnen verwalteten dortigen Lehrerstelle wie folgt fetgestellt hat:
1. Werth der Dienstwohnung ... 120 M
2. Werth des Gartens ... 15 M
3. Werth der Feuerung für den Hausbedarf ... 148 M
4. Ertrag des Dienstlandes ... 470 M 17 Pf
5. Werth der Naturallieferungen ... 75 M
6. Feste Geldbezüge ... 474 M 83 Pf
7. Sonstige Einkünfte --
zusammen 1.303 M
Königl. Schulvisitatorium I Namens desselben Brackel
An den Lehrer
Herrn Heeschen zu Wentdorf (durch Vermittlung des Herrn Schulinspektors)
Wendtorf, 19 Oktober 1888
Vom Oberinspektorat zu Panker ging mir heute folgende Nachricht zu: „Nach Mitteilung des Land Gräflichen Hofmarschallamtes zu Philippsruhe ist nach einer derselben aus Singapore zugegangenen Depesche Seine Königl. Hoheit der Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen auf der Reise von Batavia nach Singapore verunglückt.“
Der Präparand D. Petersen geht mit dem 1. Oktober auf das Seminar in Segeberg, an seine Stelle tritt der Präparand W. Runge, bis dahin in Stampe b. Kiel.
Die Zahl der Ostern aufgenommenen schulpflichtigen Kinder betrug 18. Dispensiert wurden für den ganzen Sommer 3 Kinder, auf 4.- 8. Wochen 12 Kinder. Die Schulprüfung fand am 12. März statt. Geprüft würde in Religion, Rechnen, Deutsch, in den Realien und im Singen. Der Herr Kreisschulinspektor besuchte die Schule am 9. Juli. Der allgemeinen Landestrauer wegen würde das Kindervergnügen erst am 19. August abgehalten. Zur Verschönerung dieses Festes erhielten die Kinder von Herrn Martens-Vogelsdorf eine Fahne mit Inschrift geschenkt. Der sehr späten Ernte wegen fielen die Ferien erst in die Zeit vom 20. August bis zum 17. Sept. Mit Genehmigung der Regierung wurden dieselben noch um 1 Woche verlängert. Der ganze Sommer war kalt und naß, so daß stellenweise das Korn kaum ausreifte. Die Wiesen an der Kossau standen fast den ganzen Sommer so tief unter Wasser, daß sie stellenweise nicht gemäht werden konnten.
Am 25. September bewarb ich mich um die mit 1584 M pensionsrechnungsf. Diensteinkommen ausgeschriebene 1. Lehrerstelle in Dannau, gut Rantzau. Schon am 1. Oktober erhielt ich mein Ernennungsschreiben für dieselbe. Vom königl. Schulvisitatorium I zu Plön bin ich mit dem 30. November aus dem Dienst der hiesigen Schule entlassen. Ein Dezennium habe ich an derselben gewirkt. Ich werde mich gern an diese Zeit erinnern. Meine Gedanken werden noch oft im friedlich stillen, lindenumrauschten Wendtorfer Schulhause weilen, in welchem mir unter Gottes Segen ein schönes häusliches Glück erblüht ist.
Wendtorf, den 29. Oktober 1888 Heeschen
Ich, Ernst Heinrich Friedrich Klahn, bin am 20. Oktober 1856 in Darry, Kirchspiel Lütjenburg geboren. Bis zu meiner Konfirmation habe ich die dortige Schule besucht. Nachdem ich Ostern 1872 konfirmiert, blieb ich noch zu Hause, um mich für den Lehrerberuf vorzubereiten. Unterricht erhielt ich von nun an bei dem Herrn Lehrer Mensing in Lütjenburg, und bei dem Herrn Elementarlehrer Harbeck erhielt ich im Sommer 1873 Anleitung für den Unterricht in der Elementarklasse. Michaelis 1873 würde ich als Gehülfe an der hiesigen Elementarklasse angestellt und blieb hier bis Michaelis 1876. Nachdem ich darauf noch ein Jahr als Gehülfe in Damlos, Kirchspiel Lensahn, gewirkt, bezog ich Michallis 1877 das Seminar in Segeberg, wo ich im Jahre 1880 die erste Lehrerprüfung bestand. Darauf war ich 1/2 Jahr als zweiter Lehrer in Strenglin, Kirchspiel Pronstorf angestellt und wurde im April 1881 als Lehrer an der einklassigen Distriktschule zu Matzwitz angestellt. Als nun im Oktober 1888 die hiesige Lehrerstelle vakant wurde, meldete ich mich zu derselben und erhielt am 2. November von dem Verteter des Patrons, dem Herrn Oberinspektor Martens zu Panker, meine Ernennung. Am 27. Dezember 1888 zog ich hier her und am 3. Januar wurde ich durch den Herrn Propsten Schütt in mein Amt eingeführt. Am 4. Febuar erhielt ich von dem Herrn Oberinspektor Martens zu Panker die Mitteilung, daß der Herr Patron dieser Schule, seine Königliche Hoheit der Landgraf von Hessen, mir bis auf weiteres unter Vorbehalt eines jederzeitigen Widerrufs vom 1. Januar diese Jahres an eine persönliche Zulage von 100 M – wörtlich Ein Hundert Mark – gnädigst fest zukommen lassen. Diese wird mir in vierteljährlichen Raten postnumerando ausgezahlt.
Nachdem die Masern schon längere Zeit in Lütjenburg, einigen umliegenden Dörfern aufgetreten waren, zogen dieselben auch Ende März in den hiesigen Schuldistrikt ein, und zwar breiteten sie sich schnell so stark aus, daß die Schule schon Anfang April amtlich geschlossen wurde. Fast sämtliche Kinder wurden von der Krankheit befallen und zwei Kinder, ein Schüler von nahezu 15 Jahren und ein noch nicht schulpflichtiges Kind von nahezu fünf Jahren, starben an derselben. Erst am 29. April konnte die Schule wieder anfangen. Zu Folge dieser Krankheit mußte auch die diesjährige Schulprüfung ausfallen
Schuljahr von Ostern 1889 bis Ostern 1890
Die Zahl der in diesem Jahre aufgenommenen Schulkinder beträgt 10, und zwar 6 Knaben und 4 Mädchen. Am Sonntage Judica sind aus hiesiger Schule 7 Knaben und 4 Mädchen konfirmiert. Zugezogen sind 3 Knaben, fortgezogen 1 Mädchen, gestorben ein fünfzehnjähriger Knabe. Dispensiert sind für drei Morate 3 Knaben, auf 4-8 Wochen 5 Knaben und zwei Mädchen.
Am 25.Mai fand die Wiederimpfung durch den Herrn Sanitätsrat Dr. Heseler statt, am 16. Juli wurde das Kindervergnügen abgehalten, und beteildigten sich 101 Schüler an demselben. Der Herr Kreisschulinspektor besuchte die Schule am 25. Juli. Ende August überbrachte der Herr Oberinspektor Martens mir folgendes Schreiben:
Panker, den 27. August 1889
Seitens des Landgräflichen Hofmarschallamtes ist entsprechend meinem Antrage genehmigt worden, daß die Ihnen unterm 24. November d. Jrs. Bewilligte persönliche jederzeit widerrufliche Zulage von jährlich 100 M auf 150 M erhöht werde.
Der Oberinspektor W. Martens
An
Herrn Lehrer Klahn in Wentorf
Mit diesem Schreiben erhielt ich zugleich 1/4 der Erhöhung dieser Zulage für die Zeit vom 1. April bis Ende Juli nachgezahlt.
Ende August wurde der hiesigen Schule das Bild des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. überliefert und im I. Klassenzimmer aufgehängt.
Der Präparand W. Runge ging Ende September fort, und an seine Stelle trat der Präparand W. Trieloff aus Münster, Provinz Hannover.
Im Monat Januar 1890 würde die hiesige Gegend von der Grippe heimgesucht und war der Schulbesuch deshalb in dem genannten Monat ein sehr unregelmäßiger. Am Sonntage Judica sind aus hiesiger Schule 4 Mädchen und ein Knabe konfirmiert. Die Schulprüfung wurde am 17. März abgehalten. Dispensiert sind für 2 Monate 3 Knaben und 2 Mädchen.
Schuljahr von Ostern 1890 bis Ostern 1891
Der Präparand Frieloff ist zu Ostern auf das Seminar in Bromberg, Provinz Posen gegangen. An seine Stelle trat gleich nach Ostern der Präparand H. Schlüter ausSegeberg. Die Zahl der in diesem Jahr aufgenommenen Schüler beträgt 18, und zwar 10 Knaben und 8 Mädchen. Fortgegangen sind 3 Kinder. Am 28. Mai fand die Wiederimpfung durch den Herrn Sanitätsrat Dr. Heseler statt.
Am 10. Juni wurde mir von Herrn Schulinspektor folgende Verfügung des Herrn Ministers übersandt:
Das Laufen. Der Lauf gehört zu den wirksamsten Übungen des Turnens. Durch allmählig gesteigerte Laufübungen wird die Thätigkeit der Lungen und des Herzens vermehrt, der Stoffwechsel befördert, die Körperwärme erhöht und eine Kräftigung der Rumpf- und Baumuskulatur, vornehmlich der Brust- und Athmungsmuskeln bewirkt. Auch für Verhältnisse des Lebens ist die Fähigkeit, ansdauernd oder schnell zu laufen, häufig von großer Bedeutung. Laufübungen sollen daher oft vorgenommen werden. Am besten geschieht dies im Freien, auf festem staubfreien Kiesboden oder kurz gehaltenem Rasen an kühlen, windstillen Tagen. Mäßige Winterkälte schadet nicht, bei rauhen Ost- und Nordwinden soll nicht gelaufen werden, in keinem Falle gegen den Wind. Auch in einer staubfreien Turnhalle, bei leicht gefeuchtetem Fußboden und geöffneten Fenstern ist Vornehmen von Laufübungen nicht unbedenklich. Dagegen erschienen Laufübungen in künstlich erwärmten und durch Gas oder durch sich erhitzende Lampen beleuchteten Hallen nicht rathsam. Beim Lauf ist auf eine natürliche, gute Körperhaltung und auf eine elastische Bewegung zu achten: Der Körper mäßig vorgeneigt, der Kopf aufrecht, die Schultern zurückgenommen. Um eine gute Körperhaltung zu erzielen, empfiehlt es sich, bei mäßigem Tempo mit „Hüften fest“ oder mit aufgehobenen, die Brust berührenden Unterarmen und mit geschlossenen Fäusten oder mit Stabhaltung rücklings, so daß der Stab in den Ellenbegen liegt, zu laufen. Bei starkem Tempo bewegen sich die Unterarme für gewöhnlich bis zur wagerechten Haltung vorgehoben während der Laufens ungezwungen vor und zurück. Das seitliche Schlenkern der Arme ist zu vermeiden. Nur der Ballen des Fußes und die Zehen dürfen im Lauf den Boden berühren. Bei jedem Niedertritt beugt sich das Knie ein wenig und streckt sich beim Abstoß vom Boden für einen Augenblick. Während des Laufens soll ruhig und langsam in der Regel mit geschlossenem Munde durch die Nase geathmet werden; die Kleidung soll leicht und bequem sein, sie darf Hals und Brust nicht beengen. Der Kopf sei unbedeckt. Nach Beendigung des Laufens dürfen die Übenden nicht stille stehen, oder gar sich niederlegen, sie werden vielmehr eine Zeitlang mit ruhigen Schritten umherzugehen oder einige ruhige leichte Freiübungen auszuführen, bei kühler oder bewegter Luft auch die Überkleider anzulegen haben. Von den Laufübungen sind herzkranke Schüler fern zu halten, mit Katarrhen der Athmungsorgane behaftete und Schüler mit behinderter Nasenathmung sind zeitweilig auszuschließen. Schwachbrüstige, Bleichsüchtige und solche, die häufig an Blutandrang nach dem Kopfe, Kopfschmerzen, Nasenbluten oder an Seitenstichen leiden dürfen nur bei vorsichtiger Beobachtung zu mäßiger Laufübung zugelassen werden. Überanstrengung ist auch bei gesunden Schülern durchaus zu vermeiden. Auf Schüler mit behinderter Nasenathmung ist zu achten und ihnen bzw. ihren Eltern und Pflegern zu empfehlen, eine ärztliche Untersuchung der Athmungsorgane vornehmen zu lassen. Die am meisten zu übende Form des Laufens ist der Dauerlauf. Er darf anfänglich nur für kurze Zeit (bis 2 höchstens 3 Minuten) geübt werden, ist aber allmählich immer mehr auszudehnen auf 5, 10 bis 15 Minuten auch in Formen des Kunstlaufes im Kreise, in der Achte, in der Spirale. Im Freien ist auch der Schnelllauf (als Wettlauf) vorzunehmen, zuest nur für kurze Entfernungen (in den ersten Turnjahren auf 35 bis 70 Schritt, später bis 150 Schritt) in gerader Richtung, mit Umkehren im Kreise. (Der Wettlauf im Kreise läßt sich am zweckmäßigsten im sandigen Boden ausführen.
Beisiel: Die Periphenie eines Kreises von 5m beträgt 16 m. Mit ca. 4m od. 5m, Abstand werden 4 oder 3 Läufer aufgestellt. Jeder Läufer, welcher von seinem Hintermann berührt ist, oder nach Innen ausbricht, scheidet aus und entfernt sich sofort aus der Bahn. Je kleiner der Keis, desto schwieriger das Laufen. Gelegentlich sind auch Abwechselungen in den Laufformen zu üben, wie Springlauf, Lauf mit Knieheben oder Unterschenkelheben, Galopplauf und (???), oder der Lauf ist mit Belastung auszuführen mit Armthätigkeiten zu verbinden oder über Hindernisse (in Verbindung mit Springen, voltigieren, klettern) zu leiten. An die eigentlichen Laufübungen schließen sich die Lustspiele an, Häschen oder Geck), Schwarzer Mann, Bärenschlag, Jagd, Schlaglaufen, den Dritten überschlagen, Leerlauf und ähnliche sind Spielformen, welche in angemessener Auswahl für verschiedene Altersstufen immer anregenden und wirksamen Beschäftigungsstoff darbieten werden.
Am 23. Juni revidierte der Kommissarius der königlichen Regierung, Herr Dr. Prasche die hiesige Schule. Geprüft wurden die Kinder in Naturkunde, Lesen, Geschichte, Rechnen, Singen und Turnen. Auf Veranlassung des Herrn Kommissarius wurde der Präparand Schlüter nach den Sommerferien entlassen, weil er das vorschriftsmäßige Alter noch nicht erreicht hatte. Die Stelle wurde darauf vom Patronat um 60 M erhöht. Die Ausschreibung derselben führte jedoch nicht zur Besetzung, denn es hatte sich nur ein Bewerber gefunden und dessen Kenntnisse waren so mangelhaft, daß er die Prüfung beim Herrn Kreisschulinspektor nicht bestand. Ich muß also beide Klassen weiter verwalten und da eine Vereinigung von zwei Abteilungen wegen der großen Schülerzahl nicht möglich ist, erhält die erste Klasse jeden Vormittag 4 Stunden (von 8- 12 Uhr) und die zweite Klasse jeden Nachmittag 3 Stunden, nur am Sonnabend 2 Stunden, damit die Schulstuben noch gereinigt werden können. Dies macht für mich wöchentlich 41 Stunden. Ferner wurden die Schulstubenthüren so befertigt, daß sie nach außen aufschlagen, und die zwei Fach Fenster der Ersten Klasse, welche sich an der Ostseite befinden, wurden mit Bretterluken zugestellt, um in dem Zimmer eine bessere Lichtverteilung herzustellen. Die Tische wurden deshalb auch so herumgestellt, daß das Licht nur von der linken Seite kommt, während die Kinder es sonst von hinten und von links hatten. An Lehrmitteln wurden die beiden (???)…globen neu angeschafft. - Am 20. Oktober besuchte der Herr Kreisschulinspektor die Schule und prüfte die Kinder in Relgion, im Deutchen, in Geschichte, im Rechnen und Singen.
Ende Oktober erhielt ich vom Herrn Schulinspektor die Mitteilung, daß mir von der Königlichen Regierung die erste Stufe der Dienstalterzulage bewilligt sei, weil ich Michaelis dieses Jahres 10 Jahre im Amte gewesen bin.
Die am 1. Dezember ds. Js. vorgenommene Volkszählung ergab für den hiesigen Schuldistrikt folgendes Resultat:
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|
Rönfeldholz Hof Klamp |
Wentorf und Chausseehaus |
Vogelsdorf |
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Summe der zur Wohnung dienenden oder bestimmten Baulichkeiten bewohnte |
32 |
27 |
14 |
|
Haushaltungen - von 2 und mehr Personen |
49 |
33 |
20 |
|
- einzeln lebend selbständige Personen |
9 |
11 |
4 |
|
Summe der Haushaltungen |
58 |
44 |
24 |
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gesamt |
126 |
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Bevölkerung |
m. / w. |
m. / w. |
m. / w. |
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Ortsanwesende |
109 / 106 |
101 / 96 |
52 / 62 |
|
Wohnbevölkerung |
110 / 106 |
101 / 93 |
51 / 63 |
|
gesamt |
216 |
194 |
114 |
|
Summe der Wohnbevölkerung |
524 |
||
Zu Neujahr ist der Präparand J. Meier aus Gröhnwold bei Trittau für die Elementarklasse aufgenommen. Der trat, nachdem er die Prüfung beim Herrn Kreisschulinspektor bestanden hatte, am 2. Januar die Stelle an. In der ersten Hälfte des Januars war der Schulbesuch wegen des öfteren Schneegestöbers ein sehr unregelmäßiger. Am Sonntage Palmarum sind aus dieser Schule 12 Knaben und 5 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr Ostern 1891 bis Ostern 1892
Die Zahl der in diesen Jahr aufgenommenen Schüler beträgt 14, und zwar 10 Knaben und 4 Mädchen. Dispensiert sind für 4 Monate 2 Knaben, für 2 Monate 3 Knaben und 3 Mädchen und für 1 Monat 2 Knaben.
Am 6. Juni fand die Wiederimpfung durch Herrn Santätsrat Dr. Heseler statt. Anfang Oktober besuchte der Herr Kreisschulinspektor die Schule. Am 15. Dezember ging der Präparand Meier nach Ütersen zur Aufnahmeprüfung und bestand dieselbe. Schon im November war die Elementarklasse als vakant angezeigt, aber es hatte sich kein anstellungsfähiger Bewerber gefunden. Deshalb mußte ich vorläufig wieder beide Klassen verwalten. Ende Januar wurde der Präparand Zabel aus Lütjenburg für die 2. Klasse ernannt. Nachdem derselbe am 25. die Prüfung bei dem Herrn Kreisschulinspektor bestanden hatte, trat er an demselben Tage die Stelle an. Am 27. Januar wurden für die Schule vom Patronat geliefert: 2 Thermometer, 1 Bibel, 2 Gesangbücher, 2 bibl. Geschichtsbücher, 2 Liederhefte, 4 Rechenhefte von Löhmann (I., II., IV., IV. Heft) und 1 Fibel. Einige Zeit vorher war auch schon für jede Klasse 1 Spucknapf geliefert. Später wurde noch ein Lesebuch für die Oberklasse nachgeliefert. Am 26. März wurde die hiesige Schulprüfung abgehalten.
Bei derselben wurden dispensiert: 1 Knabe auf 4 Monate, 7 auf 2 Monate und 5 auf einen Monat.
Am Sonntage Judica wurden aus der hiesigen Schule 3 Knaben und 9 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr Ostern 1892 bis Ostern 1893
Die Zahl der in diesem Jahre aufgenommenen Kinder beträgt 20, und zwar 11 Knaben und 9 Mädchen. In der 1. Klasse sind zu Anfang des Schuljahrs 65 und in der 2. Klasse 53 Schüler.
Am 2. Juni fand in der hiesigen Schule die Prüfung und Wiederimpfung der Kinder durch Herrn Sanitätsrat Dr. Heseler statt. Am 1. Juli besuchte der Herr Kreisschulinspektor die hiesige Schule. Am 10. Juli fand das Kindervergungen statt, wozu auch Seine Königliche Hoheit unser Landgraf uns durch seinen Besuch beehrte.
Zu Weihnacht ging der Präparand Zabel fort, um das Seminar in Lübeck zu besuchen. Für seine Stelle wurde der Präparand Hundt aus Warder bei Segeberg ernannt. Nachdem derselbe am 5. Januar die Prüfung bei dem Herrn Keisschulinspektor bestanden hatte, trat er an demselben Tage die Stelle an. Am 22. Februar trat ein solches Schneegestöber ein, daß die meisten Kinder an dem Tage und auch am folgenden Tage die Schule versäumen mußten. Am 13. März wurde die hiesige Schulprüfung abgehalten. Bei derselben wurden dispensiert: 2 Kinder auf 4 Monate, 4 auf 2 Monate und 6 auf einen Monat. Am Sonntage Judica wurden aus der hiesigen Schule 5 Knaben und 4 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr von Ostern 1893 bis Ostern 1894
Die Zahl der in diesem Jahr aufgenommenen Kinder beträgt 6, und zwar 4 Knaben und 2 Mädchen.In der 1. Klasse sind zu Anfang des Schuljahres 60 und in der 2. Klasse 46 Schüler. Am 30.Mai fand in der hiesigen Schule die Impfung und die Wiederimpfung der Kinder durch den Herrn Sanitätsrat Dr. Heseler statt. Am 14. Juni besuchte der Herr Kreisschulinspektor die hiesige Schule. Da der Reichstag wegen Ablehnung einer neuen Mititärvorlage (Vermehrung der stehenden Truppen) aufgelöst war, fand am 15. Juni die Neuwahl für denselben statt. Im Gute Klamp wurden 90 Stimmen abgegeben. Und zwar erhielt Graf v. Holstein – Waterneversdorf 48 Stimmen, Rentier Harbeck - Plön (freisinnig) 39 Stimmen und der Sozialdemokrat Redakteur Theiß - Altona 3 Stimmen. Graf von Holstein mit bedeutender Majorität wiedergewählt.
Ende April wurde ich von der Direktion der Allgemeinen Versorgungs-Anstalt im Großherzogtum Baden zu Karlsruhe aufgefordert, bei derselben die Stelle eines Außenbeamten für Mecklenburg zu übernehmen, konnte mich jedoch noch nicht zu diesem Berufswechsel entschließen. Nachdem ich bald darauf noch eine zweite und dritte Aufforderung erhalten, erkündigte ich mich genauer nach den Verhältnissen bei anderen Beamten, die schon vor mir denselben Wechsel gemacht hatten, und nahm auf deren Anraten für Oldenburg und einen Teil der Provinz Hannover an. Mitte Oktober erhielt ich von der Königlichen Regierung zu Schleswig auf mein Ersuchen meine Entlassung zum letzten Dezember, und am 3. Januar 1894 verlasse ich Wentorf um nach der Hauptstadt Oldenburg im Großherzogtum überzusiedeln.
Ich, Friedrich Heinrich Lembke wurde am 22. November 1869 zu Pinneberg geboren. Im folgenden Jahr zog mein Vater nach Hemme, Kreis Norderdithmarschen, seiner Heimat. Anfangs wohnte er in Hemmerwarth dann in Hemme selbt. In diesem Orte habe ich meine ganze Jugendzeit verlebt. Dort besuchte ich die Volksschule, dort fand ich auch Gelegenheit, mit lieben Freunden mich auf meinen Beruf vorzubereiten. So konnte ich bis zu meinem 17. Lebensjahr im Elternhause verweilen. Im letzten Jahr wurde ich Hilfslehrer an der Unterklasse zu Hohenfelde, hies. Herrschaft. Nach einem Jahr ging ich zu meiner Ausbildung auf das Seminar zu Segeberg. Daselbst bestand ich Michaelis 1890 die este Lehrerprüfung. Zum 10. Okt. des s. J. würde ich an der Unterklasse der zweiklässigen Schule zu St. Annen, Kreis Norderdithmarschen angestellt. Von dort aus machte ich Herbst 1892 zu Segeberg mein zweites Examen. Unter dem 4. Dez. 1893 wurde ich von Vertreter des Patrons, Herrn Obeinspekter v. Temgeln zum 1. Lehrer in Wentorf ernannt. Am 1. Februar 1994 wurde ich durch Herrn Past. vic. Jensen in mein Amt eingeführt.
Am Sonntag Palmarum, den 17. März, wurden aus hiesiger Schule konfirmiert: 12 Kinder, nämlich 9 Knaben und 3 Mädchen.
Schuljahr von Ostern 1894 bis dahin 1895
Zum Anfang des Schuljahres wurden in die Schule aufgenommen: 16 Kinder, 7 Knaben und 9 Mädchen, so daß die Schülerzahl 110 (63 Knaben und 47 Mädchen) betrug.
Zum 1. Mai ging der bisherige Präparand fort. Er beabsichtigt zum Militär zu gehen. Sein Nachfolger Hubert Hümpel ist am 12. März 1870 geboren in Borsdorf in Lauenburg. Derselbe besuchte 3 Jahre das Predigerseminar zu Kropp, war dann 2 Jahre Soldat und beabsichtigt jetzt, das Autodidaktenexamen zu machen.
12.0tober 1894 - Heute haben wir Frau Krützfeldt zur letzten Ruhe begleitet. Sie hat ein Alter vom 97 Jahren erreicht. Ihr Gemahl war ihr am 31. August 1893 vorrausgegangen.
16. Oktober 1094 - Gestern beehrte mich Ihre Königliche Hoheit die Frau Landgräfin mit ihrem Besuch, Prinzessin Sybille begleitete sie.
Von Herrn Propst Schütt erhielt ich 59 neue Bücher für die Schulbibliothek.
Auf Anordnung der Königlichen Regierung soll die Präparandenstelle zum 1. April d. J. in eine feste Lehrerstelle umgewandelt werden. Über bauliche Veränderung ist noch nicht entschieden.
9. Dezember 1894 - Dienstag, den 4. des Monats haben wir unsern Hauptpastor Propst Schütt zu Grabe getragen. Derbelbe war am 14. April 1824 zu Satrup in Angeln geboren, 1856 Diakonus in Oldenburg, 1859 Diakonus in Lütjenburg und seit 1867 Hauptpastor. Später wurde er auch Propst und bei Neuordnung der Schulinspektion Kreisschulinspektor. Dies Amt legte er 1887 nieder. Zum 1. April d. J. nahm er infolge anhaltender Krankheit auch als Propst seinen Abschied. Auch der Sommer brachte die erhoffte Gesundheit nicht. Nur noch eine Amtshandlung durfte er vornehmen, die Einsegnung der Prnzessin Sybille auf Schloß Panker (August dieses Jahres). Am 1. Nov. trat er in den Ruhestand, dessen er sich nicht lange erfreuen durfte, am 28. v. M. erlöste ihn ein sanfter Tod. Welche Bedeutung der Verstorbene hatte, zeigte das Leichenbegängnis, an dem sich viele aus nah und fern beteiligten. Herr Propt Beckmann hielt die Trauerrede über das Wort: „Ein treuer Mann wird eingesegnet“.
Sonntag Judica 1895 - Heute wurde Herr Hauptpastor Möding in sein Amt eingeführt. Derselbe war am 4. Epiphanias Sonntag mit überwiegender Majorität gewahlt worden.
Die diesjähige Schulprüfung fand am 7. März statt. Es wurden 5 Kinder für 1, 1 für 2 Monate dispensiert.
Schuljahr Ostern 1895 bis dahin 1896
Es wurden 12 Schüler neu aufgenommen. (Zahl der Konfirmanden vom Vorjahr: 14). Zu Anfang des laufenden Schuljahres wurde an der 2ten Klasse ein examinierter Lehrer angestellt.
Nachtrag für 1894/95
Ende Februar erklärte Herr Martens von Vogelsdorf sich bereit, täglich Milch für die Kinder, die Mittags nicht nach Hause gehen konnten, zu liefern, falls wir bereit wären, die Milch zu kochen. Dieser Bedingung unterzogen wir uns gerne. So bekommen täglich ca. 20 Kinder warme Milch zu ihrem Brot, was bei dem äußerst lange anhaltenden strengen Winter jedenfalls eine nicht zu unterschätzende Erquickung war.
Schuljahr 1895/96 Fortsetzung
Mit dem neuen Schuljahr begann der neu angestellte zweite Lehrer seine Wirksamkeit. Er war von der königlichen Regierung für die Stelle bestimmt worden.
Heinrich Peters, derselbe ist am 25. September 1874 zu Hütten, Kreis Eckernförde geboren. Bis Ostern 1890 besuchte er die einklässige Schule seines Heimatortes. Von Ostern 1890 bis dahin 1892 bereitete er sich in der Privatpräparandenanstalt zu Eckernförde auf die Aufnahmeprüfung vor. Ostern 1892 bestand er dieselbe am Seminar zu Eckernförde. Nach Besuch letztgenannter Anstalt bestand er Ostern 1895 die erste Lehrerprüfung. Das Einkommen der neu errichteten Stelle beträgt:
Bargehalt ... 900 M
4 rm Buchenkluftholz ... 30 M
Einzelwohnung ... 60 M
Also pensionsber. Einkommen ... 990 M
Außerdem wird eine persönliche, jederzeit widerrufliche Zulage von 100 M, gewährt. Als Wohnung wurde dem 2. Lehrer die Kellerstube und die bisherige Stube des Gehülfen angewiesen. Als Ersatz für den Verlust der Kellerstube, der einzigen nach Süden liegenden Stube, wurde dem 1. Lehrer folgende Wohnungsveränderung bewilligt: Das an dem nach Norden gelegene Schulzimmer liegende Zimmer wird zur Küche, Speisekammer u. Mädchenkammer zurecht gebaut. Von der Küche aus wird eineThür nach dem hinterem Hofe führen. Die frühere Küche, Speisekammer und Mädchenkammer wird zu 2 Stuben umgebaut.
Mit Hilfe einer Unterstützung seitens des Patronats war es mir möglich, an einem Kursus zur Ausbildung von Leitern der Volks- und Jugendspiele teilzunehmen. Der Kursus würde vom 10. – 14. Juni in Kiel abgehalten.
Am 9. Juli feierten wir unser Vogelschießen. Seine Königl. Hoheit der Landgraf beehrte uns mit seinem Besuch. Ihre Kgl. Hoheit die Frau Landgräfin hatte uns einen Adler geschenkt.
In diesem Winter wurde hier auch ein Versuch mit einem Volksunterhaltungsabend gemacht. Es wurde nach einer einleitenden Ansprache in buntem Wechsel geboten: Gesang eines gemischten Chors, Vortrag, Vorlesungen, Sologesang und Aufführung. Der Ausfall (???) ermutigt zu einem neuen Versuch in nächsten Winter.
Auch indiesem Winter lieferte Herr Martens-Vogelsdorf wieder Milch für die Kinder.
Der Winter war andauernd milde, die Luft meist feucht und ungesund, so daß es viele Krankheitsfälle gab. Die Zahl der diesjährigen Konfirmanden beträgt 12 (4 Knaben und 8 Mädchen).
Schuljahr 1896/97
Die Volkszählung vom 2. Dezember 1895 brachte hier folgende Resultate:
| Wentorf mit Chausseehaus | 169 Einw. in 37 Haushaltungen |
| Rönfeldholz mit Klamp | 219 Einw. in 57 Haushaltungen |
| Vogelsdorf | 104 Einw. in 24 Haushaltungen |
| Gut Klamp | 492 Einw. in 118 Haushaltungen |
| Herrschaft Hessenstein | 2.862 Einw. (öffentl. Anzeiger Kreis Plön) |
Am 31. Juli und 1. August würden auf dem Bökenberg Ausgrabungen vorgenommen und im Gehege „Pennkiss“ (???) ein Hünengrab geöffnet. (Genauere Nachrichten darüber wie über ähnliches finden sich am Schluss der Bücher) [Anm. Fehlt!]
Unser zweiter Lehrer war im Nachsommer 10 Wochen zum Militär eingezogen. Die Vertretung hatte ich allein. Durch 8 Überstunden und Kombination zweier Stufen war es möglich, alle Stunden mit Ausnahme der Turnstunden zu geben.
Freitag, den 10. Juli führte ich gelegentlich der General-Kirchenvisitation meine Schüler vor.
Unser Vogelschießen konnten wir infolge mannigfacher Hindernisse erst am 11. September feiern.
Am 16. Dezember wurde hier der erste Unterhaltungsabend in diesem Winter abgehalten. Das Programm war in ähnlicher Weise zusammengestellt, wie vorigen Winter. Anstatt der Aufführung wurden einige lebende Bilder gestellt. Der Besuch war gut.
Dasselbe läßt sich durchgehends nicht vor den Bibelstunden, die Herr Pastor Peters dieser Winter (wie auch im Jahre vorher) hier abhielt. Meist waren nur 25 - 40 Erwachsene erschienen.
Unsere Volksbibliothek ist in diesem Jahre wieder um 8 Bände vermehrt worden. Die Lehrmittelsammlung ist auch in diesem Jahre gewachsen. Wir haben 15 Tierbilder, Zeichentabellen, Apparate zur Lehre vom Gleichgewicht der Körper angeschafft. Die Tische in der vorderen Klasse sind so eingerichtet, daß die Distanz sich verändern läßt. Außerdem sind für dieselbe Klasse einige neue Subsellien (Anm. Sitzbänke) geliefert worden.
Eine Gefahr für unsere Jugend bilden immer mehr unsere Dienstbotenverhältnisse. Ein Ostern 1895 konfirmierter Knabe versündigte sich in grobster Weise gegen das sechste Gebot (noch in seinem Konfirmationsjahr), ein 1896 konfirmiertes Mädchen gibt sich jetzt schon preis. Dies nur einige Beispiele zur Charakteristik, sie sind durchaus keine Ausnahmen, es ist sonst kein ordentlicher Dienstbote im Dorf. Dabei sind die Knechte und Mägde faul und widerspenstig. Meine beste Schülerin vom vorigen Jahr – flink und anstellig, ordentlich und arbeitssam – soll sich jetzt kaum mehr von den anderen unterscheiden. Es ist den ordentlichen Eltern kaum zu verdenken, wenn sie sich sträuben, ihre Kinder zum Bauern zu senden, d.h. ihm in Dienste zu geben. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, die sich von den andern nicht verführen lassen; es muß etwas gründliches geschehen, die Gefahr ist zu groß. Sie wird aber durch die Zurückhaltung der besseren Elemente entschieden von Jahr zu Jahr größer. Hoffen wir, daß bald etwas geschieht.
Die Spar- und Darlehnskasse zu Panker errichtete kurz vor Weihnacht hier eine Sparmarken-Verkaufsstelle. Bis jetzt (Anfang März) kann man mit dem Erfolge zufrieden sein. Von ca. 40 Kindern sind 90-100 M gespart. Einige haben schon bis zu 5 M belegt.
Schuljahr 1897/99
Die Zahl der Konfirmanden Ostern 1897 betrug 10. Neu aufgenommen wurden 15 Kinder. Somit stieg die Schulerzahl wieder um 5.
Die Dispensationen sind jetzt fast gänzlich verschwunden. Nur 1 Knabe wurde für einen Monat dispensiert. Hier möge auch gleich die Kinderarbeit kurz erwähnt werden. Am 28. Februar 1898 wurde eine Statistik über die gewerbliche Nebenbeschäftigung der Schulkinder aufgenommen. Zu dieser Zeit sind unsere Kinder wenig beschäftigt. Ich mußte 8 Kinder zählen. Bei allen ist aber die Beschäftigung fast belanglos.Anders steht es bei der landwirtschaftlichen Nebenbeschäftigung. Bei einer Zählung für 1896 fanden sich hier 34 Nebenbeschäftigte, d. h. 31,50 % aller Schulkinder. In der Regel war die Beschäftigung weder in ihrer Art, noch in ihrer Dauer für die Kinder zu anstrengend. Der Veroenst war gut - bis 50 M. und darüber, und das ist bei der Vermögenslage nicht genug zu veranschlagen. In einem Punkte ist aber eine Änderung entschieden anzustreben. Es geht nicht an daß Knaben und Mädchen in der Zeit, da ihr Geschlechtstrieb sich regt zusammenarbeiten. Die Geschlechter müssen getrennt sein, weil der Aufseher selten die Fähigkeit hat, die Kinder vorsichtig genug zu behandeln. Notwendig ist auch, daß das Zusammenarbeiten mit Knechten und Mägden vermieden wird. Man muß die Kinder beobachtet haben vor und nach ihrer Nebenbeschäftigung, dann wird man den Schaden ermessen können. Ein Knabe, der allerdings unter besonders ungünstigen Verhältnissen lebte, hat nir besonders leid gethan, ich fürchte, er ist verloren. – Ein zweiter Knabe, der nun schon bald drei Jahre den täglichen Umgang mit Knechten und Mägden hat, ist nur schwer zu retten. Hoffentlich gelingt es, eine Änderung herbei zu führen. Ich bemerke noch, daß die größte Schwierigkeit nicht auf den Höfen, sondern bei den Bauern zu überwinden sind.
Unser Kinderfest feierten wir am 28. Juni. Am Tage darauf wurde unsere Schule von dem Herrn Kreischulinspektor revidiert.
Dies Jahr hat uns ja auch die neue Gehaltsordnung gebracht. Mir besonders würde zunächst das Dienstland zum Taxationspreise abgenommen. Unser neues Gehalt wird wahrscheinlich (die Genehmigung steht noch aus) sich folgendermaßen zusmmensetzen:
Gundgehalt ... 1.200 M
Wohnung nebst Garten ... 135 M
Alterszulagen ... 140 M
Das Höchstgehalt wird also 2.460 M, resp. 2.595 M betragen. Demnach würde der Höchstbetrag der Pension 1.946,25 M betragen. Früher war das Höchstgehalt hier 1.953 M. Höhstbetrag der Pension 1.350 M. Jedenfalls eine nette Verbesserung, zu deren Erlangung die Herren Schulinspektoren gethan haben, was in ihren Kräffen stand.
Unsere Lehrmittelsammlung haben wir auch in diesem Jahre vermehren können. Besonders sind 20 Bilder für den ersten Unterricht in der biblischen Geschichte zu nennen. Unsere Volksbibliothek hat endlich einen eigenen Schrank erhalten. (über Altertümer etc. siehe Anhang)
Schuljahr 1898/99
Da Ostern 1898 11 Kinder konfirmiert wurden, dagegen 20 Schüler neu aufgenommen wurden, so stieg unsere Schülerzahl über 120. Es müßte sonach den allgemeinen Bestimmungen Gemäß die dreiklässige Schule mit zwei Lehrern eingeführt werden. Die Unterstufe erhielt vorläufig 16, die Mittelstufe 24 und die Oberstufe 26 Unterrichtstunden wöchentlich.
Am 21. April revidierte der Regierungs- und Schulrat Dr. Kotzki die hiesige Schule.
Im Mai bestand der zweite Lehrer an hiesiger Schule die zweite Lehrerprüfung in Eckernförde.
Die Besoldungsordnung ist so genehmigt, wie im vor Jahr mitgeteilt ist. Für einstweilig angestellte Lehrer oder solche mit weniger als 4 Dienstjahren beträgt das Grundgehalt 960 M. Die genaue Zusammentellung über die Besoldung befindet sich in der Matrikel.
Unser Kinderfest feierten wir am 29. September.
Am 4. Oktober fand unsere erste amtliche Kreiskonferenz in Lütjenburg statt.
Inbezug der Dienstverhältnisse der Schulkinder ist insofern eine Änderung eingetreten als der bekannte Revers (Anm.: Schein, Rückschein, Schuldschein lt. wiki) auch für die Kinder ausgestellt werden muß, die nicht vom Schulbesuch dispensiert sind. Es ist damit einerseits das Halten von „Kostkindern“ erschwert, andererseits der Verkehr dieser mit den erwachsenen Dienstboten ein wenig vermindert. Viel wäre gewonnen, wenn die Dienstherren die Bestimmung, daß sie die Kinder unter ihre väterliche Obhut nehmen sollen, wirklich ernst nehmen würden, Sorgen würden vor allem Dingen auch für die Seele der Kinder. Im übrigen liegt die größte Gefahr nach wie vor in der ersten Zeit nach der Konfirmation. So mußte ich es erleben, daß ein Mädchen, daß ich vor noch nicht zwei Jahren aus der Schule entließ, mit guten Hoffnungen entließ, jetzt schon Mutter ist. Die persönliche Einwirkung nach der Schulzeit ist ja freilich viel wert aber sobald das Kind sich nicht mehr eins weiß mit seinem früheren Lehrer, weiß es jeder Begegnung so geschickt aus dem Wege zu gehen, daß der Verkehr gleich Null wird.
Erfreulich ist, daß der Besuch der Bibelstunden sich in diesem Winter gehoben hat.
Auch unsere Schulsparkasse hat Fortschritte gemacht, das Kapital betrug am 11. Juni 1899 gegen 250 M. Einzelne Kinder haben berets über 20 M gespart.
Auch unsere Lehrmittelsammlung hat ergänzt und erweitert werden können.
Meinen Wunsch, ein Schulharmonium zu bekommen, habe ich leider begraben müssen, die Realisierung desselben scheiterte an der thörichten Vorstellung, daß das Schulpatronat alles für die Schule thun müsse.
Am 28. Februar war ich zur Wahl für die Lehrer- und Organistenstelle in Delve (Norder-Dithmarschen). Die Wahl fiel auf mich, die Bestätigung steht noch aus.
Schuljahr 1899
Aufgenommen 14 Schüler während nur 12 konfirmiert wurden. So mußte die dreiklässige Schule bleiben.
Am 13. April fand eine ärztliche Untersuchung der neu aufgenommenen Schüler statt. Eine Untersuchung sämtlicher Schüler der Oberklasse soll später erfolgen.
Am 30. April trat hier die Bestätigung meiner Wahl in Delve ein. Der Antritt soll schon zum 1. Mai erfolgen. So muß ich denn jetzt aus Wentorf scheiden, daß mir fünf Jahre lang ein Feld reicher Arbeit gewährt hat. Möge der Segen nicht ausbleiben.
am 3. Mai 1899 Fr. Lembke, Lehrer
Ich Heinrich Peters, seit den 15. April als 2. Lehrer an hiesiger Schule thätig, bin nach voran gegangener Ernennung vonseiten des Patronats seit dem 15. Juni 1899 von der Königlichen Regierung offiziell als erster Lehrer bestätigt. Eine öffentliche Einführung war nicht vorgesehen. Vom 1. Mai an verwalte ich die ganze Schule. Die Vertretung eines 2. Lehrers wird mir solange verbleiben, bis ein solcher ernannt und bestätigt ist, was veraussichtlich nicht vor den Sommerferien geschehen wird.
Infolge der öffentlichen Vakanzanzeige sind 4 Bewerbungen eingetroffen. Einer von diesen war bereits definitiv angestellt. Die Ernennung fiel auf den Schulamtskandidaten Drews aus Landkirchen/Fehmarn. Da derselbe Anfang August zur ersten milit. Übung einberufen wird, wird seine Einführung kaum vor Mitte Oktober erfolgen. Bis dahin verbleibt mir die Vertretung. Die 2. Lehrerstelle war ausgeschrieben mit 960 M Grundgehalt nebst freier Einzelwohnung. Die gezahlte persönliche Zulage kommt in Wegfall. Der Handarbeitsunterricht hiesiger Schule wird Vertretungweise von meiner Schwägerin Fräulein Beyer in wöchentlich 2 Stunden für eine jedesmalige Vergütung von 3 M erteilt.
Am 9. Mai fand die oben angekündigte ärztliche Untersuchung der Oberklassenkinder statt. Das Ergebnis war nicht so günstig wie das der ersten Untersuchung neu aufgenommener Schüler. Ob die Schule einen schädigenden Einfluß ausgeübt hat, vermag ich nicht zu entscheiden.
Am 16. Juni hielt ich das öffentliche Kindervergnügen ab. Schönes Wetter trug wesentlich zur Hebung der Feier bei. Das eigentliche Vogelschießen etc. wurde auf dem freien Dorfplatz abgehalten. So trug die Feier mehr den Charakter eines Volksfestes.
Aus unserer Schülerbibliothek sind 20 Bände nebst Geflügelzeitung neu eingebunden.
Durch mehrfach persönliche Vorstellung gelang es mir, das Patronat für eine gründliche Instandsetzung der ersten Lehrerwohnung zu gewinnen. Die Arbeit wurde bald in Angriff genommen und nahm mehrere Wochen in Anpruch. Zunächst wurde mit der Renovierung des Dachs begonnen. Zwei Drittel der Rückseite wurde neu übergedeckt. So mußte das Regenwasser seine alte Straße wieder aufsuchen, nachdem es seit reichlich 2 Jahren den geraden Weg nach der Vordiele eingeschlagen hatte. Infolgedessen hatten Decke nebst Treppe bedecklich gelitten. Im Januar wurde folgende Verbesserung vorgenommen:
Die beiden nach Norden gelegenen Stuben würden völlig neu austapeziert. Auf meinen besonderen Wunsch wurde die Thür, die von hier direkt nach der jetzigen Speisekammer führte, unsichtbar gemacht, da sie ihren Zweck vollkommen verfehlte. Auf dem Flur verschwanden die roten, zum Teil sehr stark abgetretenen Ziegelsteine und wurden durch eine Zementdiele ersetzt. Die Austapezierung der Vordiele mußte ich auf eigene Rechung übernehmen. Meine Bitte, die Vordiele mit einer neuen Decke zu versehen und die alten Bretter als Unterlage für eine Gypsdecke zu verwenden, wurde einstweilen abschlägig beschieden. In dem Keller wurde die verfallene Treppe wieder aufgemauert, die Diele zum Teil mit neuen Ziegeln ausgelegt, die Kellerfenster ausgebessert und nach außen mit Luken versehen. Sämtliche Thüren und Fenster wurden nach innen und außen neu unter Farbe gesetzt, abgesehen von denen, die 1895 bestrichen waren. Nur die Fenster und die beiden Thüren in der 2. Lehrerwohnung gingen von innen leer aus. Der Fußbden hierselbst war zu Anfang der Arbeiten neu ausgelegt. Die Küche erhielt dadurch ein viel freundlicheres Aussehen, daß die Wände weiß getüncht wurden und der Bretterbeschlag nach 4 Jahren die erste Deckfarbe erhielt. Sämtliche Thüren in den Lehrerwohnungen würden mit neuen Drückern versehen und sämtliche Schlösser verschließbar eingerichtet. Die meisten der letzteren hatten bedenklich gelitten, so daß seit Mitte Juli im ganzen Schulhause nur die eine Stubenthür und die Kuchenthür mit einem brauchbaren Schloß ausgestattet waren. Gegen Mitte September waren die Arbeiten beendet. So hatte das Haus nach innen und außen ein freundliches Ansehen erhalten, daß es solange hatte entbehren müssen. Dem Herrn Oberinspektor als Vertreter des Patronats sei auch an dieser Stelle für seine Bereitwilligkeit mein besonderer Dank ausgesprochen.
Am 2. Oktober durfte ich als junger Ehemann meine Frau, eine Fehmaranerin, in das hiesige Schulhaus einführen. Die herzliche Teilnahme der Bevölkerung an diesem für uns so bedeutsamen Tage war über Erwarten groß. Darum sei allen lieben Schulkindern und allen teilnehmenden Schulinteressenten, besonders denen die zur Errichtung der Ehrenpforten in Vogelsdorf und Wentorf sowie zur inneren und äußeren Ausschmückung des Schulhauses beigetragen hatten, ganz besonders aber den beiden Herren Hofpächtern für ihre diesbezügliche Mühe und Arbeit unser innigster Dank auch an dieser Stelle abgestattet.
Am 17. Oktober wurde Herr Drews als 2. Lehrer durch Herm Pastor Peters in sein Amt eingeführt.
Richard Drews, Sohn eines Lehrers, ist geboren den 7. Dezember 1826 in Denschendorf auf Fehmarn. Dort genoß er den ersten Unterricht. Darauf besuchte er die dreiklässige Volksschule indem nahe gelegenen Landkirchen, woselbst sein Vater inzwischen als 1. Lehrer ernannt war. Von 1894 – 96 besuchte er die Kgl. Präparandenanstalt in Apenrade, trat dann in das Ütersener Seminar, das er nach bestandenem Examen Ostern 1899 verließ. Bis zum 17. Oktober war er ohne Stelle geblieben. Inzwischen genügte er seiner Militärpflicht in Neumünster.
Zur Berichtigung: daß der Herr Oberinspektor die Austapezierung der Vordiele auf Rechnung der herrschaftlichen Kasse gütigst übernommen hat.
Unsere Schülerbibliothek wurde durch Aufnahme von 10 neuen Büchern vermehrt. Manche Bücher werden gern gelesen, besonders diejenigen, die volkstümlich geschrieben sind und durch ihren interessanten, tiefer gehenden Inhalt anregend und belehrend wirken. Dieser Gesichtspunkt dürfte darum bei der Auswahl ausschließlich bestimmend sein.
Die diesjährgen Bibelstunden waren im ganzen Gut besucht.
Infolge der anhaltenden, oft wiederkehrenden nebeligen Witterung trat die Influenza epidemisch auf, warf viele aufs Krankenbett und raffte manches alte Mitglied unserer Schulgemeinde dahin. Der Schulbesuch ließ infolgedessen oft zu wünschen übrig.
Schuljahr 1900
Aufgenommen wurden 14, entlassen 14. Durch den Fortgang einer Familie mit 2 schulpflichtigen Kindern ging die Zahl der Schulkinder auf 119 herunder. Doch blieb die dreiklässige Schule erhalten, da genannte Zahl durch Besetzung der leeren Wohnungen jederzeit steigen kann. Die diesjährige Aufnahme der neu eintretenden Schüler erfolgte schon 8 Tage vor Palmsonntag. Es nachdem vom Kgl. Schulvisitatorium zu Plön angeordnet war, daß künftighin das Sommerhalbjahr zwecks einheitlicher Regulierung mit dem 1. April zu beginnen sei. Die Neuaufnahme wird später erst nach Ostern erfolgen.
Am 19. Juni feierten wir unser diesjähriges Kindervergnügen. Da die Einwohner unseres Schulbezirks einige Tage zuvor ihre Gilde in einem Zelt eben außerhalb Wentorfs abgehalten hatten, wurde uns gestattet, daselbst unsere Feier zu beschließen. Bei herrlichem Wetter verlief das Fest in schönster Weise.
Im Juli wurde die Südseite des Schulhauses gedeckt und im Oktober die 2. Lehrerwohnung mit einer Gipsdecke ausgestattet und neu austapeziert.
In die hiesige Schulbibliothek wurden 12 neue Bücher eingestellt. Außerden gestattete Herr Pastor Nißen die Aufnahme von 2 Abstinenzschriften, welche über das Wesen des Alkohols Aufschluß geben und die verheerenden Folgen desselben in anthropologischer und wirtschaftlicher Beziehung anschaulich beleuchten. Möchte das Lesen derselben reiche Früchte tragen!
Während der sechswöchentlichen Übung des zweiten Lehrers hatte ich die Vertretung zu übernehmen.
Der wilderholte Wildschaden im hiesigen Schulgarten veranlaßte mich, den Herrn Oberinspektor um Einfriedigung meines Gartens zu bitten, welche mir auch im November 1899 für die nächste Zeit zugesagt wurde. Der Garten wurde darauf besichtigt, aber alles blieb beim alten. Im Laufe des Winters wurden einige Zwergbäume total vernichtet und mehrere erheblich beschädigt. Da ich mich für den Garten interessiere und so den Lohn und die Freude meiner Arbeit auf Jahre in dieser Weise zeitört sah, war es erklärlich daß es so zwischen den Herrn Oberinspektor und mir zu Auseinandersetzungen kommen mußte, wovon auch die Kgl. Regierung aus meinen an den Herrn Oberinspektor gerichteten Briefen Kenntnis erhielt. Daraufhin wurde von der Verwaltungsbehörde die Einfriedung angeordnet und im November 1900 fertiggestellt, (6 Reihen Telegraphendrähte) doch erwies sich dieselbe als völlig unzureichend.
Der diesjährige Winter zeigte sich in seiner anhaltenden Kälte als ein gestrenger Herr und raffte in kurzer Zeit 3 ältere Mitglieder unserer Gemeinde dahin, davon 2 mit dem stattlichen Alter von 85 und 92 Jahren.
Der wiederholte Wildschaden in diesem Winter zeigte, daß die Einfriedigung meines Gartens vom vorigen Herbst völlig unzulänglich war. Auf Grund meiner diesbezüglichen Beschwerde bei der vorgesetzten Behörde wurde von der Herrschaft die vorjährige Einfriedung fortgenommen und durch Maschendraht ringsumher ersetzt. Hoffentlich können sich die seit einer Reihe von Jahren arg beschädigten Bäume von jetzt an ungestört entwickeln.
Wegen schwerer Erkrankung des Herr Schulinspektors Pastor Peters an Scharlach konnte die bereits angesetzte Schulprüfung nicht stattfinden. Das geringe Interesse der hiesigen Bevölkerung an solcher öffentlichen Veranstaltung läßt den Ausfall derselben wohl kaum als einen Verlust empfinden.
AmPalmsonntag wurden 17 Kinder konfirmiert. Da nur 13 schulpflichtige wieder eintreten, außerdem zwei Familien mit 6 Schulkindern verziehen und die Schüler auswärts vermietet worden sind, fiel die Schülerzahl so rapide, daß wir gezwungen sind, nach Ostern wieder eine zweiklässige Schule einzurichten. Im Interesse der Schule ist dieser häufige Wechsel in der Einrichtung zu beklagen; aber äußere Verhältnisse bedingten denselben.
Schuljahr 1901/1902
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden 14 schulpflichtige Kinder aufgenommen. Die Schülerzahl hiesiger Schule ging auf 107 herunter.
Anfang Juli wurde unser zweiter Lehrer vier Wochen zum Militär einberufen. Ich hatte in der Zeit die Vertretung des zweiten Klasse mit zu übernehmen. Trotz der vielen Mehrarbeit brachte sie mir viel Angenehmes, zur Charakterisierung einiger Schulinteressenten möge es kurz erwähnt werden.
Der älteste Sohn des Hufenpächters C. Wulf war ungeachtet wiederholter Verwarnung meinerseits im unmittelbaren Unterricht fortgesetzt so unaufmerksam, daß ich gezwungen war, ihm eine körperliche Tüchtigung (2 Schläge auf dem Gesäß) zu verabfolgen. Diese hielten die Eltern der Kinder für eine Überschreitung meiner Amtsbefugnisse, für eine Mißhandlung, obgleich der Sohn noch am Abend desselben Tages zu Fuß nach Lütjenburg gehen konnte und der Arzt keinerlei Symptome einer vorübergehenden oder dauenden Schädigung seiner Gesundheit festzustellen vermochte. Dies alles schien nur ein gesuchter Vorwand der Eltern zu sein, um den Sohn des (???) halber nach Lütjenburg schicken zu können.
Wenige Tage später sah ich mich aus pädagogischen Gründen veranlaßt, verschiedene Kinder der zweiten Klasse an einem freien Nachmittag (Freitag) wiederkommen zu lassen, damit sie Gelegenheit hatten, ihre schlechten Diktatarbeiten verbessern zu können. Vorher sollten aber alle auf ausdrückliche Anordnung nach Hause gehen und Mittag essen. Aber die Tochter des Müllers Kortum aus Vogelsdorf blieb trotzdem hier. Da auch nachmittags die Arbeiten nicht zu meiner Zufriedenheit gemacht wurden, ließ ich dieselben solange umschreiben, bis sie den gestellten Anforderungen genügten. Da erschien der Vater des genannten Kindes und drang in Gegenwart der noch anwesenden Schüler lärmend in das Schulzimmer ein, um sein Kind ohne meine Einwilligung gewaltsam fortzunehmen. Ich verhinderte ihn daran und wies ihn hinaus. Als er aber fortfuhr, in beleidigender Weise mit weiteren Vorwürfen mich zu überhäufen ohne meine Gründe anzuhören, brachte ich den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft wegen Hausfriedensbruchs zur Anzeige. Kortum wurde ohne weitere Gerichtsverhandlung zu einer Geldstrafe verurteilt. Bald darauf beantragte er die Entlassung seiner Kinder aus hiesiger Schule.
Zum 1. November erhielt unser zweiter Lehrer von der Kgl. Regierung die Bestätigung als Lehrer an der einklässigen Schule in Friedrichsfelde bei Schleswig, wohin er mit diesem Tage übersiedelte. Für die dadurch vakante Stelle hatten sich keine Bewerber gefunden. Auch die Regierung erklärte sich auf Grund einer Anfrage außerstande, hiesige Stelle besetzen zu können. So schien eine Vakanz auf längere Zeit unvermeidlich. Und doch kam es anders, das ging so zu: Dem Lehrer Ludwig Lüthje wurde die kommissarische Verwaltung der zweiten Klasse vom 1. November an bis auf weiteres gegen ein von der Kgl. Regierung festgesetztes Gehalt von 75 M pro Monat übertragen. Derselbe ist geboren an 14. November 1872 in Segeberg. Nachdem er die dortige Seminarschule absolviert hotte, bereitete er sich als Präparand auf dem Lande für die Aufnahmeprüfung vor. Von 1991-94 besuchte er das Seminar seiner Vaterstadt. Nach bestandenem Examen war er ein Jahr in Brunde bei Apenrade und fünf Jahre in Kellinghusen als Lehrer thätig. Alsdann nahm er seine Entlassung aus dem preußischen Volksschuldienst um sich im Auslande in Sprachen zu vervollkommnen. Zu diesem Zweck besuchte er England, Frankreich, Amerika und Hawai, woselbst er als Haus- und Privatlehrer thätig war. Aber aus Gesundheitsrücksichten mußte er wieder in die Heimat zurückkehren und stellte sich der Kgl. Regierung zur Verfügung, die ihm diese Stelle übertrug.
Im Herbst traten hier die Masern so zahlreich auf, daß vom 10 November bis 12. Dezember die Schule geschlossen werden mußte. Die Krantheit war in ihren Begleiterscheinungen so heftig, daß in einer Familie zwei Kinder daran starben. Besonders heimtükisch zeigten sich chronische Mittelohrentzündungen, die sich in so zahlreichen Fällen einstellten, daß selbst der Arzt erklärte, nie Gelegenheit gehabt zu haben, eine derartige Massenerkrankung zu beobachten. Hoffentlich wird der Gehörsinn solcher Klinder nicht wesentlich beeinträchtigt werden.
Die in hiesiger Schule von Herrn Paster Peter abgehaltenen Bibelstunden schienen ein plötzliches Ende nehmen zu wollen, da die hiesigen Hufenpächter sich weigerten, fernerhin die diesbezüglichen Fuhren zu leisten, angeblich aus dem Grunde, weil sie schon zu viele Fuhren hätten. Und dabei kam jeder alle zwei Jahre einmal an die Reihe. So wenig Interesse für höhere Dinge!
Da Herr Martens künftighin alle Fuhren zu übernehmen gedenkt, bleibt die Abhaltung der Bitelstunden auch feinerhin gesichert.
Judica würden 4 Knaben und 7 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr 1902/1903
Nach Ostern wurden 6 Knaben und 4 Mädchen aufgenommen
Im 3. April wurde Herr Thomsen Johannes als zweiter Lehrer hiesiger Schule in sein neues Amt eingeführt. Desselbe ist am 23. September 1879 zu Neu-Kappeln, Kreis Schleswig geboren. Er besuchte die einklässige Schule in dem 3 1/2 km entlegenen Dorf Dabel von 1885-1995, wohin inzwischen seine Eltern übergesiedelt waren. Von Ostern 1895-97 bereitete er sich auf der Privat-Präparandenanstalt für die Aufnahmeprüfung vor. Nach zwejähriger Vorbereitung in Eckerförde war er ein Jahr pratktisch an der zweiten Klasse in Nelsby thätig. Dann bestand er die Aufnahmeprüfung am Kgl. Seminar zu Eckernförde, das er jetzt 3 Jahre mit gutem Erfolg besuchte. Nach bestandenem Examen Ostern 1901 trat er als Königs-Einjähriger in das Füsilier-Regiment zu Flensburg ein und würde einen Monat vor seiner Entlassung zum Unteroffizier befördert.
Die Witterungsverhältnisse gestalteten sich recht ungünstig. Regen und kaltes Wetter wechselten stetig miteinander ab. Bis Pfingsten hatten wir nur 5 gute Tage zu verzeichnen. Der sonst so oft gepriesene Lenzmonat ließ dieses Jahr alles zu wünschen übrig. Nach Pfingsten wurde es etwas besser, so daß im Durchschnitt fast jeder dritte Tag als sommerlich gelten konnte. Nur einmal brauchte die Schule der Hitze wegen geschlossen zu werden. Wirklich heiße Sommertage hatten wir keinen einzigen aufzuweisen. Alte Leute können sich kaum erinnern je ein solches Jahr verlebt zu haben. Infolge dieser ungünstigen Witterung schritt die Vegetation nur langsam fort, sodaß erst am 17. Augest die Ernteferien ihren Anfang nehmen konnten. Aber auch jetzt hielt dass Regenwassser an, und mancher Landmann sah mit bangen Sorgen der Zukunft entgegen. Obgleich die Ferien um 8 Tage verlängert wurden, konnte die Ernte währenddessen doch nur teilweise beendet werden. Deshalb mußte die Hilfe der größeren Kinder weitere 8 Tage zur Verfügung gestellt werden. Für die Schule war das natürlich von nachteiligem Einfluß. Die Ernte fiel mittelmäßig aus und wurde den Verhältnissen entsprechend wenigstens teilweise gut geborgen, da jetzt das Wetter etwas beständiger wurde.
Kurz vor den Ferien wurden beide Schulklassen durch den Herrn Kreisarzt Dethlefsen auf ihren Gesundheitszustand hin untersucht. Er fand, daß das Aussehen der Kinder im allgemeinen ein nicht gerade günstiges sei. An einigen Kindern konstatierte er schlechtes Aussehen, Bleichsucht, Rachenanschwellung, Wucherungen im Hals, Epilepsie und Skrofulose. Diesen ungünstigen Zustand führte er auf mangelhafte Ernährung und schlechte Lebens- und Wohnungsverhältnisse der Eltern zurück. Bezüglich der Schulräume stellte er fest, daß beide Klassen nicht den Vorschriften entsprechend eingerichtet seien; beide seien zu niedrig von Decke, die Lichtverhältnisse in der ersten Klasse dürftig, die Fenster und Ofenthüren mangelhaft verschließbar. Die Aborte entbehrten Fenster und Luken. Die Lage des Schulbrunnens war eine recht ungünstige, weil er zu niedrig läge und nurr durch eine schmale Tonschicht vom schmutzigen Teichwasser getrennt sei. Infolgedessen müsse schmutziges Wasser aus der nächsten Umgebung hier zusammenfließen. Das erkläre zur Genüge, daß das Wasser oft untauglich sei. Sodann besichtigte der Herr Kreisarzt die öffentlichen Brunnen und verschiedene Wohnräume des Gutes Klamp und fand so seine obige Vermutung reichlich bestätigt. Von 6 besichtigten Brunnen wurden 5 als unzulänglich befunden. Man sieht auch hier wieder, wie soziale Umstände erschwerend auf die Thätigkeit in der Schule einwirken.
Nach stetem, viermonatlichem Bemühen war es Herrn Thomsen endlich gelungen, seine obige Kammer standesgemäß eingerichtet zu sehn. Sie wurde mit einem neuen Fußboden versehen, gestrichen und austapeziert.
In die hiesige Volksbibliothek wurden 14 neue Bände eingestellt.
Infolge obiger Anordnung würden die Fenster inwendig und die Wände unten mit Leisten versehen. Dadurch wurde das Heizen nach Vorschrift bedeutend erleichtert. Das Übrige hatte noch gute Weile; denn nach einem halben Jahr befand sich noch alles beim alten.
Ferner war vom Herrn Kreisarzt bestimmt, die Fenster in beiden Klassen zu erhöhen sowie die der zweiten Klasse nächst gelegene Linde fortzunehmen und die beiden folgenden über dem Stamm abzuschlagen. Ersteres wurde vom Patronat abgelehnt, letzteres sollte sofort ausgeführt werden. Auf meine Verantwortung entließ ich den hiefür gedungenen Arbeiter und richtete an das Kgl. Schulvisitatorium unter Angabe der Gründe ein Schreiben, in welchem ich um Erhaltung der Linden in ihrem alten Zustand nachsuchte. Auf Grund meiner jahrelangen Wirksamkeit in beiden Klassen konnte ich den Beweis erbringen, daß die Beseitigung der Linden weder notwendig noch wünschenswert, sondern sogar in Bezug auf die Klasse, das Schulhaus und den Spielplatz in mannigfacher Weise nachteilig sei. Im übrigen konnte festgestellt werden, daß man noch niemals in der zweiten Klasse über mangelhafte Lictverhältnisse zu klagen Ursache hatte, wohlaber in der ersten, und daß dieser Übelstand nicht auf die Linden, sondern auf die ungünstige Lage des Schulzimmers zurückgeführt werden müsse. Die Folge dieser Eingabe war, daß die Sache vorläufig zurückgestellt wurde, hoffentlich für immer.
Die Schule hatte diesen Winter mit vielen Versäumnissen zu rechnen. Bei dem nassen Wetter waren die Wege, besonders der Steig nach Rönfeldholz, kaum passierbar. Auf dem Steig gelang es zuweilen nur mit Mühe und Not, aus dem Schmutz wieder herauszukommen. An einigen Stellen ist er so tief ausgehöhlt, daß er fast einem Graben ähnlich ist. Dieser Zustand konnte eintreten, weil der Steig in den letzten 8 Jahren fast gar nicht ausgebessert worden ist, ob vordem, erscheint sehr zweifelhaft. Auch die anderen Schulwege befinden sich bei Regenwetter größtenteils in einem traurigen Zustande. Daher kam es, daß die armen Kinder oft mit nassen Füßen die Schule betraten, da ihre Eltern sie nicht genügend mit Fußzeug ansrüsten konnten. Meine Bemühungen in dieser Sache blieben bisher fast ergeblich. Es ist tief zu beklagen, daß auch hier so oft das nackte Interesse am rücksichtslosen Eigennutz so unendlich viel größer ist, als das Gefühl des Mitleid und Erbarmens!
Da der langjährige Schulvorsteher J. Wulf hierselbst sich wissentlich nachweisbarer Pflichtvergessenheit gegen meine Person zu schulden kommen ließ, würde er auf meine Veranlassung durch das Kgl. Schulvisitatorium seines Amtes entsetzt und vom Patronat C. Jipp hierselbst als Nachfolger ernannt. Neben ihm hat Joh. Schneider dieses Amt zu verwalten.
In diesem Jahr wurden 5 Knaben und 8 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr 1903/1904
Zu Beginn des neuen Schuljahrs wurden aufgenommen 6 Knaben und 8 Mädchen.
Am 29. April wurden beide Schulklassen durch den Herrn Schulrat Nickel einer Revision unterzogen.
In die Volksschul-Bibliothek würden 8 neue Bände eingestellt.
Ende Okober wurden die Wohnstube und die anliegende Fremdenstube neu austapeziert und letztere gestrichen. Vorher waren schon die Aborte mit verschließbaren Luken versehen worden.
Des Fußsteig nach Rönfeldholz ist endlich zum großen Teil mit Sand befahren; nur im Dorf lassen die Wegeverhältnisse noch manches zu wünschen übrig.
Im Januar erhielten beide Klassen das Bild Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. Da dieselben jedoch ohne Glas eingerahmt sind, ist zu befürchten, daß dieselben in unseren stäubigen Schulräumen in wenigen Jahren entstellt sein werden.
In diesem Jahr wurden nur 3 Knaben und 4 Mädchen konfirmiert.
Schuljahr 1904/1905
Nach zweijähriger Amtsdauer trat Herr Thomsen zu Geesthacht in der Hamburger Schuldienst. Sein Nachfolger wurde der Schulamtskandidat Herr Hinrich Gadow. Am 7. April wurde derselbe durch Herrn Pastor Peters in sein neues Amt eingeführt. Herr Gadow ist am 13. April 1883 zu Neritz Kreis Stormarn geboren und besuchte bis zu seiner Konfirmation daselbst die Volksschule. Von 1898-1900 war er Präparand auf der Anstalt zu Oldesloe und von 1900-1903 Seminarist zu Ratzeburg. Sodann genügte er als Königs-Einjähriger seiner Militärpflicht beim Infanterie-Regiment N.31 zu Altona und wurde als Unteroffizier der Reserve entlassen,
Zu Beginn des Schuljahres wurden 6 Knaben und die gleiche Zahl Mädchen aufgenommen, sodaß die ganze Schule augenblicklich von 106 Kindern besucht wird.
In die hiesige Bibliothek wurden 15 neue Bände eingestellt, sodaß dieselbe augenblicklich 331 Bände umfaßt. So erfreulich diese Tatsache ist, so bedauerlich ist es, daß die Bücher vielfach so wenig mit der nötigen Sorgfalt behandelt werden. Alle meine Bemühungen in dieser Richtung blieben fast ohne Erfolg.
Auf Ansuchen hat das Königliche Schulvisitatorium entschieden, daß der Lehrer fortan nicht mehr verpflichtet sei, das Heizen der Schulräume, das zerkleinern des Schulholzes und die Lieferung der Besen zur täglichen Reinigung gegen die angesetzte Vergütung von 30 M zu übernehmen, daß dies vielmehr Privatsache sei, die durch gegenseitige Übereinkunft geregelt werden müsse. Demgemäß sei dieser Passus in der Schulmatrikel zu streichen.
Am 19. Dezember war ich zur Wahl nach Flensburg und hatte das Glück, gewählt zu werden. Ich bin für die IV. Knaben-Marienschule in Aussicht genommen und werde voraussichtlich am 1. April dort antreten.
Am Sonntag Judica werden 6 Knaben und 10 Mädchen konfirmiert. 3 Knaben waren inzwischen von den Eltern in Dienst gegeben.
Da das Patronat gegen die obige Entscheidung des Kgl. Schulvisitatoriums Protest erhoben hat, bleibt das Weitere abzuwarten.
Am 8. März traf die Bestätigung meiner Wahl in Flensburg ein. Der Antritt erfolgt zum 1. April. Mein Nachfolger an hiesiger Stelle wird Herr Thiessen, Lütjenbrode. Meine Tätigkeit ist hier abgeschlossen. Zehn Jahre meines Lebens lasse ich hier zurück. Der Inhalt meines Hierseins war eine mühevolle Arbeit und ein sorgenvoller Kampf um die Entwicklung hiesiger Schulstelle. Bewegten Hezens nehme ich Abschied von hier in der Hoffnung, das meine Arbeit nicht vergeblich gewesen sein wird. den 29. März 1905, H. Peters Lehrer
Schuljahr 1905/1906
Vom 1. April ab wurden beide Klassen gemeinsam durch einen Lehrer unterrichtet, die Ober- und Mittelstufe hatte vorrmittages Unterricht von 8-12h. Mittwochs und Sonnabend von 8-10h. Die Unterstufe erhielt ihren Unterricht nachmittags von 1-4h, Mittwochs und Sonnabends vormittags von 10-12h.
Am 24. Juni feierten wir das diesjährige Kindervergnügen, an dem sich fast die ganze Bevölkerung beteiligte, nur der Arbeiter Chr. Biegemann hatte, wie auch in den Vorjahren, seinen Kindern die Teilnahme untersagt. Warum? Die Gründe liegen jedenfalls nicht im Mangel an Verdienst, sondern sind nach meiner Ansicht im Charakter dieses Mannes begründet. Alles für sich, für andere nichts!
Am 3. Juli wurde Herr Thiessen, Lütjenbrode, in sein Amt durch Herrn Pastor Peters eingeführt. Der Unterricht wird jetzt wieder in zwei Klassen erteilt und geht wieder seinen geregelten Gang.
den 4. Juli 1905, H. Gadow, Lehrer
Der Lehrer Otto Thiessen ist am 17. November 1878 zu Hennstedt, Kreis Norder-Dithmarschen geboren. Derselbe besuchte von 1897-1900 das Seminar zu Tondern. Nachdem genügte er seiner Militärpflicht beim Regiment Königin in Flensburg. Von 1901-1905 hat derselbe die 2. Klasse der zweiklässigen Vollssschule in Lütjenbrode verwaltet. Am 1. Juli 1905 übernahm er die hiesige 1. Lehrerstelle.
Meinem Vorgänger Herrn Peters habe ich als Ablösesumme für Obstbäume und die übrigen Gartenanlagen 80 M bezahlt.
Die 1. Klasse hatte bei meinem Antritt 47 Schüler. Der Schulbesuch war in diesem Jahre recht regelmäßig; überhaupt sind keine Störungen des Unterrichtsbetriebes vorgekommen.
Am 16. März war das gelieferte Schulholz verbraucht von dem Oberinspektorat zu Panker wurden dann Steinkohlen nachgeliefert. Eine notwendige Veränderung und Verbesserung der beiden Schulzimmer, wie solche schon vor einigen Jahren von dem Kreisarzt angeordnet worden ist, ist leider imer noch nicht erfolgt.
Am Sonntage Palmarum wurden 4 Knaben und 7 Mädchen konfirmiert.
Thiessen
Schuljahr 1906/1907
Nach Ostern wurden 11 Schüler neu aufgenommen und zwar 7 Knaben und 4 Mädchen. Der zweite Lehrer Herr Gadow bestand Anfang Mai des Jahres am Seminar zu Ratzeburg die 2. Lehrerprüfung.
Am 7. März 1907 erhielten wir die Nachricht, daß auf Antrag der Lehrer in der Herrschaft Hessenstein, die Feuerungslieferung sowohl für den Hausbedarf wie für die Schule abgelöst sei. Der 1. Lehrer erhielt bis dahin 7 Faden Holz a 20 m und für 8 m Reisig. Von jetzt ab erhält er 130 M in bar und freie Anfuhr des Materials im ganzen angerechnet mit 148 M. Für jede Schulstube erhält der 1. Lehrer 60 M, nebst freier Anfuhr. Diese 250 M werden Anfang Juli bezahlt und gelten für die Zeit vom 1. Oktober - 1. 0ktober. Außerdem erhält der 1. Lehrer wie bisher eine Vergütung von 30 M, welche gerechnet sind für Anheizen, Zerkleinern des Holzes und Beschaffen der Gegenstände für die tägliche Reinigung der Schulstuben.
In diesem Jahr wurden 5 Knaben und 5 Mädchen konfirmiert
Thiessen
Schuljahr 1907/1908
Zu Ostern würden 13 Schüler neu aufgenommen und zwar 7 Knaben und 6 Mädchen.
Im Juni dieses Jahres wurden für die 1. Klasse 4 neue Schulbänke angeschafft, die ich als gut und dauerhaft bezeichnen kann. Sie ermöglichen bei allen Tätigkeiten der Schüler eine ordentliche Köperhaltung derselben. Ein kleiner Übelstand ist nur, daß die Gehänge zu weit hervorragen, infolge dessen beim Schreiben hinderlich sind. Außerdem wurde für die Schule ein neuer Tisch geliefert, der besonders dem Zuschneiden im Handarbeitsunterricht dienen soll.
Zum 1. Oktober verließ der 2. Lehrer Herr Gadow seine hiesige Stelle, nachdem er dieselbe 3 1/2 Jahre verwaltet hatte. Derselbe übernahm die 1. Lehrerstelle an der zweiklässigen Schule in Westdorf bei St. Michaelisdom.
Nachdem im Februar des Jahres 1906 die Scheune des Hufenpächters Wilhelm Wulf abgebrannt war, bezog derselbe Anfang November 1907 seine im Laufe des Sommers neu erbauten Gebäude äußerhalb des Dorfes in der Nähe des Walkschar. Der Schulweg von dort beträgt etwa 20 Minuten.
Anfang Oktober 1907 verließ der Schulinspektor Pastor Peters Lütjenburg seine dortige Predigerstelle und siedelte nach Jevenstedt bei Rendsburg über. Derselbe ist von 1890-1907 als 2. Prediger in Lütjenbung tätig gewesen. An seiner Stelle wurde Anfang Dezember Herr Pastor Schulze gewählt, der schon früher 1 Jahr als Vikar hierselbst tätig gewesen war. Mit präsentiert waren die Pastoren Grantz-Heiligenhafen und Jensen, Kirchnüchel.
Teilung der Kirchengemeinde Lütjenburg Januar 1908. Die Kirhengemeinde Lütjenburg wird in 2 räumlich abgegrenzte Bezirke geteilt. Bezirk 1 umfaßt von Lütjenburg Quartier 1 und 4, die Gutsbezirke Neverstorf, Neudorf und Helmstorf, Bezirk 2 von Lütjenburg Quartier 2 und 3 und die Herrschaft Hessenstein. Es bleibt ein Kirchenvorstand, jeder Pastor wird durch die ganze Gemeinde gewählt; getrennte Kirchenbücher. Jeder hat sich in Amtshandlungen an seinen Pastor zu wenden, Abendmahl kann er bei beiden nehmen. Taufen und Trauungen können auch von dem Pastor in dem anderen Bezirk vollzogen werden, wenn es gewünscht wird. Jeder Pastor hat die Korfirmanden seine Bezirk, auf Wunsch können sie auch zu dem anderen Pastor gehen.
Am Sonntage Judica wurden 4 Mädchen und 6 Knaben konfirmiert. Von den Knaben wollen zwei Handwerker werden, der eine Maurer, der andere Tischler.
Thiessen
Schuljahr 1908/1909
Nach Ostern wurden zwei Knaben und neun Mädchen neu aufgenommen. Da des Lehrermangels wegen eine zweite Lehrkraft nicht zu gewinnen war, so mußte ich ebenso wie im verflossenen Winter beide Klassen verwalten. Die 2. Klasse erhält am Mittwoch und Donnerstag 12 Stunden Unterricht, die 1. Klasse an den übrigen Tagen 20 Std. Für die Mehrarbeit wird vom Patronat für jede Schulwoche 10 M bezahlt.
In diesem Frühjahr wurde der Rest des Schulhauses mit neuer Bedachung versehen, so daß unser altes Haus wieder einen ganz gefälligen Anblick gewährt.
Am 2. Juni besuchte uns der Herr Schulrat v. Berg. Leider scheint es sich zu bestätigen, daß dieser alte wohlwollende Herr uns bald verläßt.
Der 21. Oktober 1908 brachte uns ein aufregendes Ereignis. Die alte Schulscheune, die in geringer Entfernung vom Schulhause stand, ging in Flammen auf. Während ich in der Pause meine Zeitung studierte, wurde ich durch das Hinaustürmen der Kinder aus den Schulzimmer erst auf das Feuer aufmerksam gemacht. Glimmende Asche hatte die Strohmassen in Brand gesetzt, die neben der Scheune aufgetürmt waren und so kam es, daß die alte Scheune, die lange Jahre dem landwirtschaftlichen Betriebe der Lehrer gedient hatte, von der Bildfläche verschwand. Wenn das altersschwache Gebäude auch gerade keine Zierde unserer Schulgrundstücke war, so wäre es uns doch lieber gewesen, wenn nicht das Feuer die Ursache der Vernichtung gewesen wäre. Eine besondere Freude war es uns, daß der Wind die Flammen von dem Schulhause wegtrieb, so daß dieses gerettet werden konnte.
Schuljahr 1909/1910
Neu aufgenommen wurden zu Ostern 5 Mädchen und 6 Knaben. Ich hatte gehofft, daß nach Ostern sich für die zweite Klasse ein Lehrer einfinden werde; leider erfüllten sich meine Hoffnungen nicht und so verwalte ich beide Klassen weiter. Schon im vergangenen Herbst hatte sich für die zweite Klasse ein Herr Dechow gemeldet, der bis dahin einige Jahre an der deutschen Schule in Athen gewirkt hatte. Die Verhandlichen über seinen Antritt hierselbst, die während des ganzen Winters fortgeführt wurden, hatten keinen Erfolg.
In den Moaten April und Mai wurde bei unserer Schule ein kleiner Stall neugebaut. Derselbe hat Ziegeldach erhalten und enthält außer den Aborten nun Holz-, Hühner- und Schweinestall.
Neue Besoldungsordnung vom 26. Mai 1909. Das Jahr 1909 brachte den Lehrern Preußens eine neue Besoldungsordnung. Dieses Gesetz schuf im Gehalt eine gleiche Grundlage für alle Lehrer in Preußen, so daß besonders die Lehrer des Ostens, die bisdahin ziemlich im Rückstand waren, eine große Aufbesserung erhielten. Diese gemeinsame Grundlage besteht in gleichem Grundgehalt und gleichen Alterszulagen. Grindgehalt = 1400 M, Alterszulagen 2.200M, 2.250 M, 5. 200 M. Die ersten und einzigen Lehrer erhalten nach 10-jähriger ununterbrochener Tätigkeit in diesen beiden Stellungen 100 M Stellenzulage.
Die einstweilig angestellten Lehrer und Lehrer unter 4 Dienstjahren erhalten 4/5 des Grundgehalts, also 1.120 M, doch steht es den Gemeinden frei, auch weniger als 1/5 zu kürzen.
Auch das Wohnungsgeld wurde neu geregelt. Die verschiedenen Orte wurden danach in 4 Servisklassen eingeteilt. Wentorf gehört der Servisklasse 4b an = 320 M Wohnungsgeld. Für alle Klassen gilt als Wohnungsgeld ein pensionsfähiger Duschschnittssatz von 516 M.
Alle Lehrer Preußens erkennen freudig an, daß dieses eine Aufbesserung ist, wie sie vordem eine solche nicht erlebt haben, dieselbe wird der Schule zugute kommen, denn sie wird dem Lehrer ein Ansporn sein zu neuer Lust und neuem Eifer in der Schularbeit.
Nachdem die zweite Klasse unserer Schule genau zwei Jahre verwaist gewesen ist, erhielten wir am 1. Oktober des Jahres für dieselbe eine neue junge Kraft: Herrn H. Hinrichs.
Ich Heinrich Hinrichs, bin am 12 Juni 1888 in Averlak, Kreis Süder-Dithmarschen, geboren. Bis zum vollendeten 15. Lebensjahre besuchte ich die dortige zweiklassige Dorfschule, bestand im Herbst 1903, ein halbes Jahr vor meiner Konfirmation, die Aufnahmeprüfung an der Pröparandenanstalt zu Ütersen, die ich nach dreijährigen Kursus mit dem Reifezeugnis für den Seminarbesuch verließ. Meine eingentliche Ausbildung empfing ich am Kgl. Seminar zu Ütersen unter Leitung von Herrn Lic. Rubisch.
Herbst 1989 bestand ich die Abgangsprüfung und wurde kurz darauf von der Köngl. Regierung zu Schleswig an die 2. Klasse der Schule zu Wentorf berufen. Meine Vereidigung fand am 1. Oktober, meine Einführung am 11. Oktober durch der Ortsschulinspektor, Herrn Pastor Schulze Lützenburg, statt.
Die Bahn Lütjenburg – Preetz - Kirchbarkau
In den Jahren 1908/09 wurde die Bahn von Lütjenburg nach Kirchbarkau gebaut, die voraussichtlich im Herbst 1910 in Betrieb genommen wird. Da diese Bahn an den Toren Wentorfs vorüberfährt und das Gut Klamp durchschneidet, so sei auch an dieser Stelle über dieselbe einiges angeführt. Ich hoffte anfangs, daß die Linienführung so bestimmt würde, daß die Bahn dichter an Wentorf herankäme und etwa zwischen Wentorf und Rönfeldholz eine Station eingerichtet würde. Ob dieses aus technischen Gründen möglich gewesen wäre, weiß ich nicht, jedenfalls ist man von hier aus deswegen auch gar nicht vorstellig geworden. So bietet die Bahn sowohl für den Güter- als für den Personenverkehr für Wentorf-Rönfeldholz keine Verbesserung, da die nächste Station nach der andern Richtung „Seekrug“ ist. Die Plöner Zeitung schreibt über diese Bahn: Sie ist eine Klein- Kreis- Quer- und Verbindungsbahn. Sie hat bei einer Länge von 44 km 20 Stationen. Diese sind: Lütjenburg, Klamp, Seekrug, Gottesgabe, Rantzau, Treufeld, Friedeburg, Lammershagen, Stellböken, Ellhornberg, Rastorfer-Passau, Wildenhorst, Rastorf, Rethwisch, Wakendorf Preetz, Sieversdorf, Honigsee, Gross Barkau und Kirchbarkau. Diese Bahn wird vor allen Dingen wirtschaftlichen Zwecken dienen. Sie wird diesen wirtschaftlich hochstehenden Teil des Kreises Plön mit der nahen Großstadt Kiel verbinden. Vielleicht wird sie auch den Touristenverkehr etwas mehr in diese Teile Ostholsteins lenken. Die Einweihung fand statt am 30.09.1910.
Schuljahr 1910/1911
Neu aufgenommen wurden zum 1. April 14 Schüler. Im ganzen besuchen unsere Schule somit 99 Kinder, davon sind 50 in der ersten und 49 in der zweiten Klasse.
Am 17. September unternahmen wir mit der Ober- und Mittelstufe einen Ausflug nach dem Bungsberg. Wir fuhren mit dem Zuge von Lütjenburg bis Benz und wanderten von dort über Kirchnüchel auf die Höhe hinauf. Von der Turmes Spitze konnten wir dann die Schönheit Ostholsteins bewundern und unsere Kenntnisse in der Heimatskunde bereichern. Auf der Rückkehr wanderten wir an dem Uglei herum nach dem Kellersee hinunter. Die Bootfahrt auf dem Uglei, wie auch die Dampferfahrt über den Kellersee wird den Kindern wohl noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben, besonders schon aus dem Grunde, weil es für die meisten die erste Wasserfahrt war. Der Zug führte uns von der Holsteinischen Schweiz nach Lütjenburg zurück. Unsere beiden Hofpächter sowie einige Bauern waren so freundlich, uns von dort mit Wagen abzuholen.
In der ersten Klasse wurden in den Herbstferien verschiedene sehr lobenswerte Verbesserungen ausgeführt. Es wurde ein neuer Fußboden gelegt. Die letzten alten Bänke wurden durch neue ersetzt. Endlich wurde ein neuer eiserner Mantelofen aufgestellt. Das Schulzimmer macht durch diese Neuerungen einen bedeutend freundlicheren Eindruck als vorher.
Die Volkszählung am 1. Dezember 1910 brachte für das Gut Klamp folgendes Ergebnis:
| Ort | männl. | weibl. |
|---|---|---|
| Wentorf | 90 | 74 |
| Rönfeldtholz | 86 | 113 |
| Vogelsdorf | 44 | 52 |
Gut Klamp hat somit insgesamt 459 Einwohner. Die Herrschaft Hessenstein hat 2.645 Einwohner.
Für die 3 Städte der Kreises wurden folgende Zahlen festgestellt: Lütjenburg 2.335 - Plön 3.828 - Preetz 5.217 Einw. Der Kreis Plön hatte 49.253 Einwohner.
An Lehrmitteln wurden in diesem Jahre angeschafft: „Bildersaal deutscher Geschichte“ 3 Bände. 22 M.
Schuljahr 1911/1912
Zu Ostern wurden 9 Kinder neu aufgenommen, 3 Knaben und 6 Mädchen. In den Monaten April und Mai wurde unsere Schulgemeinde von den Masern heimgesucht; einige nichtschulpflichtige Kinder starben an den Folgen dieser Krankheit.
Unser Hauptausflug für beide Klassen führte uns diesmal an die Ostsee, nach Hohwacht. Für die größte Anzahl der Kinder war es das erste Mal, daß sie das offene Meer in Augenschein nehmen konnten.
In den Herbstferien dieses Jahres erhielt die erste Klasse anstatt der bis dahin üblichen Kalkanstrichs einen Ölanstrich. Hoffentlich folgt dieses Jahr die zweite Klasse noch.
Am 22. Oktober dieses Jahres wurde für die Schulen von Lütgenburg und Umgegend das 1. Spielfest abgehalten. In dem Dreikampf: Weitsprung, Kugelstoßen und Hindernislauf errangen auch vier von unsern Knaben einen Preis. Außerdem nahmen unsere Knaben an einem Faustballkampf teil.
Schon seit einer ganzen Reihe von Jahren wurde in unserer Schule eine größere Weihnachtsaufführung abgehalten, wozu Eltern und Gutsbewohner eingeladen wurden. Zuenst beschränkten sich diese auf deklamationer(???) und Liedervorträge. Dann wurden Weihnachtsfestspiele vorgeführt, aber ohne Kostümierung. Im letzten Jahre fande nun auch Kostüm und Bühne Verwendung letztere wurde hergestellt durch Anbringung einer Tannenwand und eines Vorhanges.
Reichstagswahl 1912 - In diesem Jahre fanden die Neuwahlen zum Reichstage statt, am 12. Januar die Hauptwahl, in unserm Wahlkreise am 20. Januar nur die Stichwahl.
Im Wahlbezirk Klamp waren die Stimmen folgend verteilt:
Hauptwahl: Konservative 29, Nationalliberale 1, Freisinnige 17, Sozialdemokraten 29 Stimmen.
Stichwahl: Konservative 45, Nationalliberale 0, Freisinnige 43, Sozialdemokraten 0 Stimmen.
Im 9. Wahlkreise erhielt bei der Stichwahl der Konservative Dr. Rösicke 8.812 Stimmen, der Freisinnige Dr. Struve 10.805 Stimmen; letzterer somit gewählt.
Herr Hinrichs, der 2 ½ Jahre: vom 1. Oktober 1909 bis 1. April 1912 an der hiesigen zweiten Klasse gewirkt hat, verläßt zum 1. April seine hiesige Stelle, um als Einjähriger-Schulunterkandidat beim Regiment 31 in Altona sein Jahr abzudienen.
Schuljahr 1912/1913
Neu aufgenommen wurden nach Ostern 11 Schüler, 7 Mädchen und 4 Knaben.
Beim Beginn des neuen Schuljahres war für die zweite Klasse zunächst noch keine Lehrkraft vorhanden. Der erste Lehrer übernahm für einige Wochen den Unterricht auch in der zweiten Klasse. Am 26. April übernahm dann die Lehrerin Frl. Ihfe die 2. Klasse. Das erste Mal das hierselbst eine Lehrerin Anstellung findet.
Ich, Emma Ihfe bin geboren am 29. Juli 1891 in Nindorf bei Meldorf, Kreis Süder-Dithmarschen. Vom sechsten Lebenjahre an besuchte ich die dreiklassige Volksschule in Eggstedt und wurde im Jahre 1906 in der Kirche zu Süderhastedt konfirmiert. Nachdem ich dann erst eine Zeitlang zu Hause gewesen war besuchte ich zuerst die Vorklasse, dann das Seminar zu Schleswig und bestand im Februar dieses Jahres die Abgangsprüfung daselbst. Am 25. April dieses Jahres wurde ich von der Kgl. Regierung zu Schleswig an die zweite Klasse der Schule in Wentorf beordert. Am 26. April fand meine Vereidigung, am Tag darauf meine Einführung durch den Ortsschulinspektor Herrn Pastor Schulze statt.
Die tägliche Reinigung der Schulstuben war bis dahin noch von Schulkindern besorgt worden. Vom 1. April des Jahres ab haben Frauen neben der Hauptreinigung am Sonnabend auch die tägliche Reinigung der Schulstuben übernommen.
Am 22. September des Jahres fand in Lütjenberg wieder ein Spielfest für die Schule unserer Gegend statt. Wir hatten die Freude, daß ein Knabe unserer Schule, Johann Stühm, den ersten Preis im Dreikampf davontrug.
Die hiesige Kirchspielsschulbibliothek ist vom 1. November 1912 ab der Lütjenburger Bürgerschule überwiesen worden. Den Pastoren und Lehrern der Kirchengemeinde Lütjenburg steht auch fernerhin die Benutzung frei.
In diesem Jahre haben wir unseren Spielplatz verbessert und vergrößert. Gegen Makobens Wiese ist ein 2m hoher Maschendraht gezogen worden. Der Herr Güterdirektor v. Tungeln hatte genehmigt, daß wir von dem Schulland ein Stück von 40 m Länge und 20 m Breite zu unserem Spielplatz hinzulegen dürften. Nachdem dieser Platz nun geebnet und mit Sand befahren worden ist, haben wir in Wentorf einen mustergültigen Turn- und Spielplatz bekommen.
Am 10. März fand auf Anordnung der Königlichen Regierung eine nationale Gedenkfeier statt. Die Lehrkräfte hielten eine Ansprache, in welcher sie der Königin Luisa, der Stiftung des Eisernen Kreuzes und der vaterländischen Begeisterung jener Zeit gedachten. Vorgelesen wurde u. a. „Der Aufruf an mein Volk“ vom 12. März 1813, von Schülern vorgetragen Gedichte der Freiheitsdichter. Patriotische Lieder aus jener Zeit bildeten den Schluß der Feier.
Wentorf, den 16. März 1913. O Thiessen.
Schuljahr 1913/1914
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden neu aufnommen 6 Mädchen und 9 Knaben.
Unser Schulinspektor Pastor Schulze siedelte im vergangenen Herbst nach Burg auf Fehmarn über. An seine Stelle trat jetzt Herr Pastor Cornelius aus Stedesand, welcher am 2. März in sein Amt eingeführt wurde.
Mit dem 1. April des Jahres schied auch unser Kreisschulinspektor Probst Mörding aus seinem Amte als Kreisschulinspektor, welches Amt er 8 Jahre verwaltet hat. An seiner Stelle tritt, als erster Kreisschulinspektor im Hauptamt für den Kreis Plön, Herr Pastor Rulffs aus Altenkrempe.
Am 16. Juni feierten wir in unserer Schule das 25 jährige Regierungsjubiläum unserer Kaisers Wilhelm II. Mit Freuden konnten wir unseren Kindern berichten, wie an diesem Tage alle Schichten der Bevölkerung zu unserm Kaiser zujubelten. An der Hand der Bücher „Unser Kaiser“ wurden die bedeutensten Errungenschaften Deutschlands in den letzten 25 Jahren vorgetragen und im Bilde vorgeführt. Besonders eingehend erörtert wurde das Dreikaiserjahr, die Arbeiterfürsorgegesetze und die Vergrößerung der deutschen Flotte. Am Schlusse wurden patriotische Lieder gesungen.
Am 2. August habe ich mit 9 Knaben teitgenommen an einer eintägigen „Flottenfahrt“ nach Kiel. Die Hauptpunkte waren: Besichtigung eines Kriegsschiffes, der Kaiserlichen Werft, Kanalerweiterung und Fahrt per Dampfer bis Labö. Die Kosten, Bahnfahrt eingeschlossen, waren für jeden Knaben 3,40 M.
Schuljahr 1914/1915
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden neu aufgenommen 6 Knaben und 6 Mädchen. In der ersten Klasse sind 24 Knaben und 28 Mädchen, in der zweiten Klasse 24 Knaben und 26 Mädchen, die Gesamtzahl der Schüler ist somit 102.
Am 18. April wurde in beiden Klassen eine Düppel-Gedenkfeier abgehalten. Es wurde zunächst festgelegt, welche Kämpfe und Reibungen seit dem Jahre 800 in und um Schleswig-Holstein geführt worden sind und daß diese Kämpfe endlich 1864 mit der Entscheidung beendigt wurden: Schleswig-Holstein ist ein deutsches Land.
Dann wurde der Sturm auf die Düppeler Schanzen den Kindern in lebendiger Anschaulichkeit vorgeführt. Der Helden dieses Tages: Prinz Friedrich Karl, Feldwebel Probst, Pionier Klinke, Kapellmeister Piefke wurde besonders ehrend gedacht. Nach dem Vortrage der Gedichte „Der Tag von Düppel“ sangen wir zum Schlusse unser „Schleswig-Holstein meerumschlungen“.
Neubau zweier Hufenstellen. In Wentorf befinden sich 9 Hufenstellen. Die Pächter sind augenblicklich (1914): Wilhelm Makoben, Heinrich Rönfeldt, Witwe Möller (Pächter W. Möller verst. im J.), Wilhelm Jipp, Johann Schneider, Wilhelm Wulf, Friedrich Voss, Johann Scheel und Friedrich Makoben. Im Februar 1906 brannte die Scheune von W. Wulf nieder; das Wohnhaus wurde niedergelegt und W. Wulf im Sommer 1907 ausgebaut. Diese neue Hufenstelle am Walkschar erhielt den Nomen „Rodenkrog“. Aus dem abgelegenen Land an der Gottesgaber Scheide wurde bei Beginn der neuen Pachtperiode, Mai 1914, durch Landaustausch unter den Pächtern wiederum eine neue Hefenstelle gebildet. Diese Hufenstelle bekam der 1913 neu zugezogene Pächter Friedrich Voss. Diese Hufenstelle wurde auf den Namen Charlottental getauft. Die Scheune von der alten Wohnstätte wird J. Scheel bekommen und das Wohnhaus wird niedergelegt. Der Neubau dieser beiden Hufenstellen bedeutet in wirtschaftlicher Hinsicht eine Verbesserung. Den im Dorfe wohnenden Pächtern ist das weite Land abgenommen worden und die beiden Ausgebauten haben ihr Land vor der Tür.
Vom jetzigen Kriege. Was man schon seit einigen Tagen erwartet hatte, wurde am Abend des 1. August 1914 zur Wirklichkeit: Der Krieg wurde erklärt. An 3 Stellen unserer Güter würde abends gegen sieben Uhr folgende Bekanntmachung angeschlagen: „Mobilmachung befohlen. Der erste Mobilmachungstag ist der zweite August.“ Von diesem Kriege soll an anderer Stelle dieser Bücher im Zusammenhang berichtet werden; hier sei nur erwähnt daß unsere Schule insoferne nicht vom Kriege berührt wurde, als beide Lehrkräfte vorläufig auf ihrem Posten blieben.
Wentorf, den 31.03.15 O. Thiessen
Schuljahr 1915/1916
Zu Beginn des Schuljahres wurden neu aufgenommen 13 Kinder, nämlich 4 Knaben und 9 Mädchen. Der Schulbetrieb konnte trotz des noch andauernden Krieges ungehindert seinen Fortgang nehmen. Die Königl. Regierung hat angeordnet, daß Schulkinder länger als sonst beurlaubt werden sollen, um die fehlenden Arbeitskräfte zu ersetzen. Davon wird vorläufig wenig Gebrauch gemacht, ist doch auch keiner von unsren Hufenpächtern zum Heeresdienst eingetreten und haben dieselben fast ihre Arbeitskräfte wie sonst. Nur auf den Höfen werden die Knaben mehr als sonst zur Arbeit herangezogen. Um das zu ermöglichen haben wir ungeteilte Schulzeit eingerichtet. Auf Klamp hatte man am 23. April 1915 14 männliche Arbeitskräfte, sonst 24; auf Vogelsdorf 17 statt 24.
Auf Vogelsdorf zogen am 21. April 1915 10 gefangene Russen als Arbeiter ein unter Bewachung eines deutschen Soldaten, der mit geladenem Gewehr ihre Arbeiten bewacht.
Siegesfeiern in unsrer Schule. Die bedeutenden siegreichen Ereignisse dieses Krieger sollen sich unsere Kinder dadurch einprägen, daß besondere Siegerfeiern mit nachfolgendem Schulschluß abgehalten werden. Solche Feiern haben wir bis jetzt 2 abgehalten: Am 18. Februar 1915 zur Verherrlichung der Masurenschlacht und am 25. Juni zur Verherrlichung der 3 großen siegreichen Schlachten in Galizien. Die Schlacht in Masuren war vom 7. - 16. Februar. Durch eine 9-tägige Schlacht in Eis und Schnee gelang es unsern tapferen Truppen Ostpreußen von den Russen zu befreien. Als Schlachtorte prägten wir uns ein: Gumbinnen, Lyck und Mlawa.
Bei der Lemberg-Feier am 25. Juni stellten wir zunächst das Anschwellen der russischen Flut „der russischen Dampfwalze“ bis an den Karpathenwall fest. Am 2. September war die 1. Lemberger Schlacht beendet. Die Österreicher mußten die Stadt räumen. Am 8. September 1914 war die 2. Schlacht bei Lemberg. Die Osterreicher versuchten vergeblich, Lemberg wiederzugewinnen. In den Wintermonaten versuchten dann die Russen, die Karpathen zu durchbrechen, um die ungarische Ebene zu gewinnen. Bei der siegreichen Verteidigung des Uschok und Dukla-Passes leisteten schon die Deutschen ihren Brudergenossen Unterstützung. Wilhelm Tot aus Rönfeldholz hat hier mitgekämpft. Neben den Kämpfen bei Ypern haben wohl hier die Soldaten am meisten aushalten müssen. Sie mußten oft bis zur Brust im Schnee waten. Von Ende April 1915 an kam dann das siegreiche Vordringen der verbündeten Osterreicher und Deutschen. Am 2. und 5. Mai war der siegreiche durchbruch am Dunajec bei Tarnow und Gorlize. Am 3. Juni wurde die Festung Przemysl zurückgewonnen, die am 22. März durch Hunger bezwungen worden war. Am 22. Juni war dann die 3. Lemberger Schlacht, siegreich für die Deutschen und Österreicher. Die russische Dampfwalze rollte ins eigene Land zurück. Fast ganz Galizien war vom Feinde befreit. Die Waffenbruderschaft der Deutschen und Osterreicher hat sich vortrefflich bewährt. Der deutsche General Mackensen und der österreichische Erzherzog Friedrich erhielten den Rang eines preußischen Generalfeldmarschalls. Zum Schluß der Feier sangen wir unsern Soldaten das Kampflied: O Deutschland hoch in Ehren. „Haltet aus, lasset hoch das Banner wehn!“
Geschrieben am Jahrestage der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand: 28.6.1915. Noch nie hat ein Toter ein solches Gefolge gehabt wie dieser!
O. Tiessen
Lehrerwechsel. Der Unterzeichnete verzieht am 1. Oktober 1915 von hier nach Kappeln an der Schlei. 10 Jahre lang habe ich hier freudig meines Amtes gewaltet. Von Seiten der Eltern wurde meiner unterrichtlichen und erziehlichen Tätigkeit das rechte Verständnis entgegen gebracht und so war es nach meinem Empfinden ein schönes Zusammenarbeiten zum Wohle der heranwachsenden Jugend. Wie ich stets gerne an mein idyllisches Wentorf zurückdenken werde, so hoffe ich auch, daß mancher meiner Schüler sich gerne der Zeit erinnern wird, da er hier zu meinen Füßen saß. In schwerer Zeit nehme ich von hier Abschied; möge der harte Kampf von unserm Volke siegreich durchgehalten werden.
Wentorf, den 28. September 1915 O. Thiessen.
Wie mein Kollege so verlasse auch ich am 1. Oktober das mir lieb gewordene Wentorf. Ich bin von der Königlichen Regierung an die einklassige Schule in Fuhlendorf bei Bramstedt versetzt. Auch ich habe in diesen 3 1/2 Jahren gerne an dieser Schule gearbeitet. Mit den besten Wünschen für meine Kinder und für die Schulgemeinde Wentorf nehme ich von hier Abschied.
Wentorf, den 29. September 1915 E. Ihfe
Ich, Jürgen Christian Johannes Langmaack, habe am 1. Oktober 1915 auftragsweise die Verwaltung der 1. und 2. Klasse in hiesiger Schule übernommen. Am 28. Februar 1894 bin ich als Sohn des Landmannes und Gemeindevorstehers Ernst Langmaack in Techelsdorf, Kr. Bordesholm, geboren. Nachdem ich drei Jahre die einklässige Schule meines Heimatdorfes besucht hatte, kam ich auf die III. Knaben-Mittelschule in Kiel. 1909 trat ich in die 3. Klasse der Präparandenanstalt in Kiel ein. Von 1912-1914 besuchte ich das Seminar daselbst. Da brach der Krieg aus. Am 4. August 1914 trat ich als Kriegsfreiwilliger bei der Garde ein, nachdem ich die erste Lehrerprüfung gemacht hatte. Ich nahm teil an den Kämpfen bei Dikmuiden, Ypern und Arras. Da ich immer gleich verwundet wurde (4x), war ich nie lange in der Front. Am 6. Juni 1915 erlitt ich durch Granatschuß einen Bruch des rechten Unterarmes. Darauf hin wurde ich entlassen.
Am 4. Oktober 1914 wurde ich durch Herrn Ortsschulinspektor Pastor Cornelius aus Lütjenburg in mein Amt eingeführt. Am 7. Oktober begann der Unterricht mit 24 Knaben und 39 Mädchen in der 1. Klasse und (? ) Knaben und (?) Mädchen in der 2. Klasse. An 4 Vormittagen und 2 Nachmittagen unterrichtete ich die 1. Klasse und an 2 Vormittagen und 2 Nachmittagen die 2. Im Winter war Herr Pastor Cornelius 4 mal anwesend und hielt Kriegsbetstunden ab. Der Besuch war zuerst schwach, zuletzt sehr gut.
Am 27. Januar, dem Geburtstage unseres geliebten Kaisers, hielt ich einen Vortrag in der Schule über Kriegserlebnisse: Was lernen wir vom Krieg! Der Besuch war sehr stark. Zur vierten Kriegsanleihe hielt ich in der Schule wieder einen Vortrag über die Kriegslage. Dann nahm Herr Lühr das Wort. Er sprach über die Anteilnahme der Güter Klamp am Geben von Liebesgaben. Der Erfolg blieb nicht aus. Das Dorf hat sich sehr gut an der Kriegtanleihe beteiligt. Am 11. März fand die Schulprüfung unter Leitung des Herrn Pastor Cornelius statt. Am 26. März 1916 wurden 5 Knaben und 10 Mädchen eingesegnet.
Wentorf, 13. April. 1916 J. Langmaack.
Schuljahr 1916/1917
Wie im verflossenen Winter muß ich beide Klassen weiter verwalten. Neu aufgenommen wurden in die 2. Klasse neun Knaben und sechs Mädchen. Von Darry kamen durch Zuzug drei Mädchen, sodaß die Zahl der Schüler jetzt 100 beträgt. Ich unterrichte an allen Vormittagen von 7-12 Uhr und an zwei Nachmittagen von 1-4 Uhr. Da Mangel an Arbeitskräften ist, sind 5 Kinder vom Unterricht am Mittwoch, Sonnabend und Nachmittag dispensiert.
In diesem Jahre fanden in der Schule viele Versammlungen und Feiern statt. Zu jeder Kriegsanleihe hielt ich einen Vortrag. Die Schule war immer besetzt. Herr Gutsvorsteher H. Lühr berief jede Versammlung. Am 10. Dezember 1916 sehen unsere Schulräume eine erhebende Feier. Wir nagelten ein Eisernes Kreuz. Alles strömte herbei. Jeder gab soviel in seinen Kräften stand. Kollege Schlüter und ich hielten Vorträge. Die Schulkinder sprechen Gedichte und sangen. Wir hatten einen Ertrag von 456,35 M. Das Geld, 150 Mb, war für die Kriegerwaisen bestimmt. Auch in Darry war ama 9.12. ein ähnliches Fest gewesen. Näheres darüber lesen wir in der Kriegschronik des Gutes Klamp.
Weihnachten wurden Pakete für unsere Kämpfer abgeschickt. Des ganze Dorf beteiligte sich sehr gut an den Gaben. Eine Sammlung für die gefangenen Deutschen in Rußland ergab 510,- M.
Im Januar hielt uns Frl. Martens, eine Verwandte unseres Herrn Hofpächters Martens auf Vogelsdorf, auf dessen Veranlassung eine langen, schönen Vortrag über ihre Erlebnisse in Saloniki. Sie wer Lehrerin in Saloniki, kam in französische Gefangenschaft. Über ihre Behandlung und endliche Befreiung wußte sie sehr packend zu erzählen.
Im Februar hielt Herr Kreisschulinspektor Rulffs aus Plön einen interessanten Vortrag über unsere wirtschaftliche Lage, über die Not in den Städten. Seine Worte waren nicht umsonst. Unsere Bauern ohne Ausnahme sind sich darin einig, daß sie helfen müssen und können. Das zeigte sich auch in dem hohen Ertrag der Hindenburgspende mit über 300 Rauchwaren. Er mahnte auch und rief auf, Stadtkinder aufzunehmen zur Erholung. Trotz sehr schlechter Platzverhältnisse erklärten sich die Bauern dazu bereit. Bis jetzt sind auf Vogelsdorf 2 Hamburger, die hier die Schule besuchen. Auch die Bewohner der Gutes Klamp wissen, daß der Sieg für uns eine Notwendigkeit ist. Unsere Aufgabe ist der Sieg. Alle greifen auch fest mit an, damit wir wirtschaftlich siegen. Jeder hat das bewiesen. Militärisch stehen wir glänzend da. Rumänien unser, Unterseeboote erfolgreich, die Offensive an der Somme aufgehalten. Zur 6. Kriegsanleihe zeichnete das Gut sehr gut, da alle Einwendungen gegen Kriegsanleihezeichnen in jedem Kopf besiegt waren. Auch die Schule zeichnete.
Am 25. März wurden 5 Schülerinnen in der Kirche zu Lütjenburg konfirmiert, und eine Schülerin (kath.) wurde entlassen.
Zu Weihnachten machte Herr Lühr von Klamp in hochherziger Weise unserer Schule ein Geschenk: Ein Bild mit der Inschrift: „Ich henne keine Parteien mehr. Ich kenne nur Deutsche.“
Für die Kriegerweisen stiftete wir aus der Schulklasse 9,- M und erhielten dafür das Kaiser-Hindenburg-Bild.
Wentorf am 1. April 1917 Langmaack, Lehrer
Schuljahr 1917/1918
Der Unterricht geht so weiter wie im verflossenen Jahre. Neu aufgenommen wurden 10 Schüler, 6 Mädchen u. 4 Knaben. Die Zahl der Schüler wurde bedeutend vermehrt durch die Stadtkinder, die die Bauern in Pflege nahmen. Im ganzen sind in Wentorf, Klamp und Vogelsdorf 13 Kinder untergebracht. Am 23. Mai waren in der 1. Klasse 72 Kinder und in der 2. Klasse 44 Kinder. Die Zahl der Schüler ist also auf 116 angewachsen.
Am 25. Mai übernehme ich nun auf unbestimmte Zeit die Vertretung in den Schulen zu Lilienthal und Rosenfeld bei Preetz. Ungern scheide ich von hier, da meine Schüler mir ans Herz gewachsen waren. Auch insofern ist es mir unangenehm, da ich mit meiner sehr guten 1. Klasse im Herbst die 2. Lehrerprüfung machen wollte. Doch höher als mein Interesse steht das des Vaterlands und der Jugend und freudig und mutig werde ich das neue, schwere Werk anfassen und aushalten bis eine hoffentlich bessere Zeit mich wieder nach hier zurückführt.
Wentorf am 23. Mai 191 J. Langmaack, Lehrer
Zum 1. Juni wurde Herr Hauptlehrer a. D. Fahl an die hiesige Schule berufen. Er führte den Unterricht in derselben Weise als einzige Lehrkraft weiter. Nach etlichen Dienstwochen erlitt er jedoch einen Schlaganfall, dessen Folgen seine Überführung ins Lütjenburger Krankenhaus als notwendig erscheinen ließ.
Nach langen Krankenlager verschied er am 6. Oktober des Jahres. Zum 1. Okt ober wurde der Schulamtsbewerber Wilhelm Westerhaus mit der Verwaltung der hiesigen Lehrerstelle beauftragt. Ich bin am 10. Dezember 1894 zu Hamburg geboren. Nachdem ich die 1. Knabenmittelschule in Kiel 8 Jahre besucht hatte, trat ich Ostern 1909 in die Präparanden-Anstalt zu Kiel ein. Nach dreijährigem Besuche derselben trat ich Ostern 1912 in das dortige Lehrerseminar über. Im August 1914 legte ich dortselbst meine erste Lehrerprüfung als Notprüfung ab, um als Kriegsfreiwilliger in das Heer einzutreten. Nach kurzer Zeit wurde ich als unbrauchbar entlassen. Dann bekleidete ich noch einander Schulstellen in Rederstall (Kr. Norderdithmarschen), Hartenholm (Kr. Segeberg) und Grebin (Kreis Plön). Am 1. Oktober nachmittags 2 Uhr wurde ich durch Herrn Ortsschulinspektor Pastor Cornelius in mein neues Amt eingeführt. Während des Winterhalbjahrs liegt der Unterricht der 1. Klasse Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 8-12 Uhr; nachmittags von 1-4 Uhr genießt die 2. Klasse Unterricht. Am Mittwoch und Sonnabend hat die 1. Klasse von 8-11 Uhr und die 2. Klasse von 11-1 Uhr Unterricht.
Am 1. Oktober hielt Herr Kreisschulinspektor Rulffs einen Vortrag zwecks Zeichnung zur 7. Kriegsanleihe. Eine Reihe äußerst interessanter Lichtbilder von Kriegsschauplatz, unter besonderer Berücksichtigung des Wirkens unseres Volkshelden Feldmarschalls von Beneckendorff-Hindenburg, dessen Geburtstag am 2. Oktober mit einer kleinen Schulfeier geehrt wurde, füllte den Abend aus. Die zahlreich erschienen Bewohners des Schulbezirkes gingen nachdem sehr befriedigt fort.
Eine Siegesfeier fand am 2. November statt, anläßlich des gewaltigen Vordringens unserer Truppen in Italien, wobei über 100.000 Gefangene und über 150 Geschütze unseren Leuten (???)
Infolge Kohlenmangels mußte die Schule bereits am 15. Dezember geschlossen werden. Am 23. Dezember fand abends 7 Uhr eine Weihnachtsfeier der Schulkinder in der Schule statt, zu der alle Erwachsenen eingeladen waren. Die Schule war so dicht besetzt daß kaum hindurchzukommen war. Die Vortragsfolge war wie folgt.
1. Tochter Zion, freue dich. (Gesang)
2. Verlesung der Weihnachtsgeschichte
3. Kommet ihr Hirten (Gesang)
4. Zwei Gedichte, aufgesagt von Mo Lorenzen u. Frida Ehrk
5. Ansprache des Lehrers.
6. Alle Jahre wieder (Gesang der 2. Klasse)
7. Weihnachtsspiel
8. Bescherung.
3. Stille Nacht (2-stimmiger Gefang).
Mit liebevollem Fleiße hatten die größeren Mädchen am Tage vorher die Schule geschmückt. Aus der landgräflichen Güterkasse waren für jedes Kind 50 pf überwiesen worden, wofür Zeichenblöcke Schreibhefte, Griffel, Kohle und Radiergummi gekauft wurden.
Weil die Gutsverwaltung zu Panker trotz mehrfacher Vorstellungen meinerseits keine Beschaffung von Feuerung veranlaßt hatte, war ich genötigt, das Weihnachtsfest im kalten Schulhause zu feiern! Tücher und Decken mußten uns vor Kälte schützen. Endlich, am Tage nach Weihnachten erhielt ich 2000 Pfund Steinkohlen. Damit war uns aber nicht geholfen; denn wir hatten kein Stück Holz zum Anheizen. Nach dem mir am 31. Dezember zugesagt war, daß ich 2 rm grünes Holz bekommen sollte, erhielt ich dieses am 3. Februar. Infolge heftigen Drängens wurde uns gestattet vorher 1 rm trockenes Holz zu kaufen. So konnnte endlich am 28. Januar der Schulunterricht wieder voll einsetzen. Vorher hatten einige Kinder Holzstücke mitgebracht zur Schule (auf Oberweisung des Herrn Oberschulinspektors). Jedoch war diese Menge nur zum Anheizen an vier Schultagen ausreichend.
Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers fand am 27. Januar abends 7 Uhr eine Schulfeier statt, zu der die Angehörigen der Kinder eingeladen wurden. Das Schulzimmer war bis auf den letzten Platz besetzt. Es wurde folgendes geboten.
1. Wir treten zum Beten (Gesang)
2. Gedicht: Dem Kaiser, aufgesagt von Kath. Biegeman
3. Auf, auf zum Kampf (Lied)
4. Gedichte: a). die Leipziger Schlacht. U. Ehlers, Hans Rath – b). Am 3. September 1870. Rosa Ehrk.
5. Aufführung: Wir Kinder helfen weiter mit
6. Ansprache des Lehrers, daran anschließend: Heil Dir …
7. Aufführung: Fritzchen will Flieger werden. Willi Lorenzen
8. Gedicht: Sonnenflug.
9. Nun brechen sie mit Scharen (Lied)
10. Plattdeutsche Vorlesung: Up‘n Eschenhoff v. Fritz Lau
11. Fahnenreigen mit Musikbegleitung
12. Lützows wilde Jagd (2 stimmiges Lied)
Abnläßlich des Friedensschlusses mit Rußland hatte Seine Majestät der Kaiser angeordnet, daß die Schulen einen Tag schulfrei haben sollen. Am 5. März wurde morgens eine Anprache von Lehrer gehalten, und nach dem Singen des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“ war die Schulfeier beendet.
Am 24. März wurden 13 Konfirmanden (6 Knaben und 7 Mädchen) in der Lütjenburger Kirche eingesegnet. Wieder einmal stehen wir am Ende eines Kriegsschuljahres. Die Kriegswaage hat den Sieg in unsere Schale geworfen: mit Rußland haben wir Frieden geschlossen und die Friedensverhandlungen mit Rumänien stehen vor ihrem Abschluß. Die Hoffnung zum entgültigen Frieden erweckt die mit einzig dastehendem Erfolge geführte Frühjahrsoffensive im Westen seit dem 21. März. Darum Du deutsches Volk: „Halte aus im Spurmgebraus!“
Wentorf, den 31. März 1918 Westerhaus
Schuljahr 1918/1919
Am 4. April begann das neue Schuljahr. Neu traten 10 Kinder ein. In der ersten Klasse sind 51 und in der zweiten Klasse 53 Kinder. Der Unterricht wird in derselben Weise wie bisher weitergeführt. Im vaterländischen Interesse fand eine Sammelwoche statt. Das Ergebnis war wie folgt: K(???) 65 Pfund, Lumpen 225 Pfund, Messing 1 Pfund, Blei 2 Pfund, Papier 30 Pfund. Der Erlös wurde den einzelnen Kindern gegeben. Aufgespannte Kaninchenfälle wurden sechs abgeliefert. Unser Bauervogt Friedrich Makoben erklärte sich bereit dem Schulplatze einen Schmuck in Gestalt einer Fahnenstange zu liefern. Diese wurde auch gleich am nächsten Tage aufgerichtet. Möge die Fahne noch recht oft, vor allen während des jetzigen Krieges den Dorfbewohnern Siege sowohl als auch frohe Festtage verkünden.
Unter der Schirmherrschaft unseres unvergleichlichen Ludendorff war im ganzen Reiche eine Sammlung zum Besten der Kriegsbeschädigten ins Werk gesetzt. Auch unser Gut Klamp durfte zu diesem nationalen Wohltätigkeitswerk einen Baustein beizutragen. Es gelang Herrn Hofpächter Martens auf Vogeldorf und mir, 270 M diesem edlen Zweck zuzuführen.
Da die Futtermittel für die Pferde besonders knapp wurden, erging in der schweren Kriegszeit ein neuer aber sehr ernster Weckruf an die Schule. Die Kinder sollten unter der Aufsicht ihrer Lehrkräfte Laub sammeln, das getrocknet und späterhin gemahlen und zu Kuchen gepresst als Pferdefutter verwendet werden sollte. Ein Zentner frisches Laub wurde mit 4 M, ein Zentner trockenes Laub dagegen mit 10 M bewertet. Die Kinder unseres Schulbezirkes hatten in 13 Sammeltagen 9.628 Pfund Frischlaub gesammelt. Das war der Erfolg bis zum 15. Juni.
Am Pfingstfeste hatte ich mit 26 größeren Schulkindern einen Ausflug nach dem Bungsberg unternommen, um ihnen die Heimat lieb und wert zu machen. Manch frohe Weise und manch lustiges Spiel brachte angenehme Abbwechselung in die Marschleistung von etwa 50 km von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr Abends. Leider war die Aussicht von Elisabethturm durch Dunst beeinträchtigt.
Die im Oktober des Jahres ins Leben gerufene Kreissparkasse suchte den Sparsinn der Jugend durch Ausgabe von Sparmarken und -karten zu wecken und zu fördern. Auch unsere Kinder waren sehr empfänglich dafür; das zeigt, daß in im Laufe von 14 Tagen auf 60 Sparkarten für 60 M Marken verkaufen konnte. Mein innigster Wunsch ist der, daß der gute Beginn auch einen guten Fortgang nehmen würde.
Einige Kinder fanden beim Spiel auf dem Bökenberg eine Urne, die jedoch leider zerstört wurde. Die in der Urne vorgefundenen Überreste an Bronzesachen sind auf einer Tafel aufgeheftet worden und in der Schule geblieben.
Von Kriegerverein zu Panker wurde ein Fest auf dem Hessenstein am 14. Juli veranstaltet. Um den Kindern, die während vier Kriegsjahren kein Vogelschießen gehabt hatten, einesteils dafür einen Ersatz zu bieten, andererseits aber auch ihren regen Sammeleifer im Dienste des Vaterlandes zu belohnen, wurde an demselben Tage dort ein Spielfest veranstaltet. Unsere Schule schnitt gut ab; denn im Dreikampf der Knaben errang sie von sechs Eichenkränzen vier. Im Schlagballspiel und Staffellaufen der Mäddhen unterlagen die Wentorfer.
Die Sammlung von Laub zur Gewinnung von Laubheu ergab ein Gewicht von 26.814 Pfund Frischlaub. So hoffe ich, daß unsere Schule ein gut Teil dazu beigetragen hat, indirekt zum Siege im Weltkriege zu helfen.
In jetziger Zeit herrscht in fast jedem Orte eine schnell um sich greifende Krankheit, die sogenannte „Spanische Krankheit oder Grippe.“ Auch unser Schulbezirk wurde davon heimgesucht. Ich war sehr von der Grippe mitgenommen und konnte in 16 Tagen nicht unterrichten. Ebenfalls waren sehr viele Kinder davon behaftet. An einigen Tagen waren 80% aller Schulkinder erkrankt.
An der Sammlung von Wildfrüchten hat sich die Schule ebenfalls mit Erfolg beteiligt. Es wurden gesammelt und abgeliefert 165 Pfund Bucheckern, 724 Pfund Eicheln, 583 Pfund Kastanien und 122 Pfund getrocknete Brennesseln. Ebenfalls konnten 59 Pfund Steine vom Steinobst zur Ablieferung gebracht werden.
Über das ganze Deutsche Reich erstreckte sich eine Sammlung zugunsten der Kriegsbeschädigten, die sogenannte Ludendorff Spende. Es gelang mir, im Klamper Gut 270 M dafür zusammenzutragen. Wahrlich ein schönes Zeichen für die Dankbarkeit der Daheim gebliebenen.
Infolge der Umwälzung in den Novembertag erreichte der Krieg ein jähes, aber für unser liebes deutsches Vaterland und jeden Deutschen beschämende Ende. Wo blieb der Geist von 1914? Durch den Sturmeshauch revolutionärer Bewegungen war er wie fortgeblasen. Die Folge jener Bewegung war, daß bald unsere, das sei zu ihrer Ehre hier ausdrücklich niedergelegt, tapferen Krieger nach und nach zurück kamen. Ein bedrückendes und niederschmetterndes Gefühl wollte von uns Ollen nicht weichen. Eine bange Sorge richtete sich in die Zukunft. Was mag werden. Um der vom Felde der Ehre heimkehrenden Kriegern auch einen Willkommensgruß zu entbieten, haben die Kinder der hiesigen Schule eine Ehrenpforte gebaut. Luftig und unbekümmert flatterte die Fahne, mit einem Kranze aus frischem Grün geschmünkt, im Winde und bot den Streitern einen Willkomm. Manche Pforte war ebenfalls mit Tannengrün geschmückt. Die ersten Wirkungen der neuen Zeit zeigten sich in der Abufhebung der geistlichen Ortsschulinspektion und der Treunung von Kirche und Schule. Damit ging eine Hauptforderung der Lehrer in Erfüllung und wurde allerorts mit Freuden aufgenommen. Unser Ministerium erhielt den Titel „Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.“ In der Verfügung vom 29. November erfuhr die Religion eine andere Stellung in der Schule. Jetzt brauchte ein Lehrer nicht mehr gegen Gewissen und Überzeugung Religionsunterricht zu erteilen. Nicht einmal Schulfeiern dürfen von jetzt ab einen religiösen Charakter tragen. Meiner Erfahrung ist dieser Ministerialerlaß zu einschneidend und wird wohl späterhin noch einmal einer Revision unterzogen werden. Darauf deuten auch schon die Bestrebungen des Schleswig-Holsteinischen Lehrervereins hin.
Am 22. Dezember fand in der Schule eine Weihnachtsfeier stätt. Trotzdem die Landgräfin Anna von Hessen gestorben war (sie hatte bestimmt, daß jedes Schulkind der Herrschaft eine Weihnachtsgabe eerhalten solle), fiel auch jetzt der Betrag von 50 Pf für die Kinder. Jedes Kind erhielt ein Schreibheft, ein Bleistift oder Radiergummi und Griffel.
Die Wahlen zur Nationalversammlung waren am 19. Januar. Die Schule diente als Wahllokal. Das Ergebnis im Klamper Gut lautete: Deutsch-Nationale 31 Stimmen, Deutsch-Demokraten 22 Stimmen, Christliche Volkspartei 1 Stimme und Sozialdemokraten 169 Stimmen.
Die Wahl zur Landesversammlung in Preußen zeigte folgendes Resultat: Deutsch-Nationale 34 Stimmen, Demokraten 20 Stimmen, Christliche Volkspartei 1 Stimme und Sozialdemokraten 159 Stimmen.
Nachdem ich zur 2. Lehrerprüfung zugelassen war, erfolgte diese am 5. Februar diesen Jahres. Anwesend waren Herr Regierungs- und Schulrat Wahlbruch, unser Kreisschulinspektor Herr Schulrat Rulffs sowie Herr Rektor Lietzow, Plön. Nach Bestehen meiner Prüfung ging ich daran, dem schon lange gehegten Wunsch, der anfänglich infolge mancherlei Umstände unerfüllt zu bleiben drohte, nämlich unseren heimgekehrten Kriegern einen Bergrüßungsabend zu bieten, Wirklichkeit zu verleihen. Geboten wurden von den Schulkindern eine Anzahl Lieder und von mir eine Rede zur Begrüßung der heim gekehrten Feldgrauen, sowie einige plattdeutsche Sachen von Gorch Fock und Fritz Reuter. Zu Ehren der Gefallenen wurde in der Schule ein Lorbeerkranz mit der Inschrift auf schwarz-weiß-roter Schleife „Zum Gedächtnis der Gefallenen 1914-18“ aufgehängt. Hoffentlich wird er dort dauernd seinen Platz behalten.
Am 2. April fand in der Schule eine Schulprüfung statt, zu der ich einige Kollegen eingeladen hatte. In diesem Jahre sind aus der Schule 10 Konfirmanden, 6 Knaben und 4 Mädchen entlassen worden. Zu meiner besonderen Freude will ich hier festhalten, daß 5 Knaben ein Handwerk erlernen wollen.
So ging das ereignisreichste und zugleich traurigste Schuljahr seinem Ende entgegen. Doch wollen wir hoffen, daß die Jugend einst ein besseres Dasein in einem freien Deutschland führen möge als uns die nächsten Jahre bringen werden.
Wentorf, den 10. April 1919 Westerhaus, Lehrer
Schuljahr 1919/1920
Es traten sieben Knaben vom 1. Jahrgang neu in die Schule ein. Somit umfaßte die erste Klasse 23 Knaben und 24 Mädchen und die zweite Klasse 21 Knaben und 21 Mädchen, zusammen 99 Kinder. Um bei den Kindern die Freude an dem Gartenbau zu heben und ihnen zugleich praktische Winke zu geben, ließ ich ein Stück auf dem Hofe umgraben un gab enigen Kindern je ein Beet zum bebauen.
Am 11. Juni wurde zum 1. Male seit 1914 das Kindervogelschießen wieder abgehalten. Dank der Opferfreudigkeit und Bereitwilligkeit unserer beiden Pächter und der Gutseinwohner konnten wir dieses Fest in schöner Weise feiern. 24 Kinder erhielten Hauptgewinne, die beim Topfschlagen und Schießen der 1. Klasse und beim Eierlaufen, Sacklaufen, Ringreiten und Kringelbeißen gewonnen worden. Alle anderen Kinder bekamen Trostpreise nämlich 1 Kladde, 1 Bleistift und 1 Griffel. Nach feierlichem Umzuge ging es nachmittags unter dem Vorantritt der Musik nach dem Klamper Speicher. Dort beschloß ein Tanz das von Wetter begünftigte Fest. Hauptsächlich wurden die alten Volkstänze: „Herr Schmidt“, „Wenn hier een Pott mit Bohnen steit“, „Lott is dot“ und „Mit de Föt dor geit dat trapp, trapp, trapp“ getanzt. Welch regen Anteil alle Gutseingesessenen an dem Feste nahmen bewiesen die 12 Ehrenpforten, die auf dem Wege errichtet waren, sowie das zahlreiche Erscheinen der Erwachsenen. Für die Volksspende zugunsten der Kriegsgefangenen-Fürsorge wurden von den Schulkindern im Gutsbezirke 130 M gesammelt.
Am 17. Juli fand unser diesjähriger Schulausflug nach Hohwacht statt. Von Wetter sehr begünftigt, haben wir dort genußreiche Stunden verlebt. Nach beinahe vierjähriger Pause kam an unsere Schule endlich eine neue zweite Lehrkraft, Herr Kröger.
Zum 15. Juli 1919 wurde der Schulamtsbewerber Max Kröger mit der Verwaltung der zweiten Lehrerstelle beauftragt. Ich bin am 23. Januar 1896 in Bösdorf, Kreis Plön geboren. Dort besuchte ich die einklassige Schule meines Vaters, war von Herbst 1911 bis Herbst 1914 auf der Präparandenanstalt in Barmstedt, ging dann nach Segeberg aufs Seminar und wurde am 15. März 1916 zum Heeresdienst eingezogen. Im Oktober selbigen Jahres wurde ich in der Sommeschlacht am 15. Juli 1918 am Pöhlberg verwundet und am 18. Januar infolge der Demobilmachung als Unteroffizier aus dem Heeresdienst entlassen. Ende Januar ging ich wieder aufs Seminar und legte im Juli die erste Lehrerprüfung ab. An meinem ersten Unterrichtstage hierselbst hatten die Kinder mein Klassenzimmer auf Veranlassung des Lehrers Herrn Westerhaus, mit Blumen reich geschmückt.
In diesem Sommer hatten wir wieder große Schwierikeiten bezüglich des Wassers.Wochenlang mußte uns täglich Wasser vom Möllersberge herangefahren werden. War Wasser in der Pumpe, so war dieses kaum genießbar, denn tote Frösche, Mäuse und Vögel wurden mit herausgepumpt. Hoffentlich wird von der Gutsverwaltung bald der Plan verwirklicht, eine Wasserleitung von Möllersberge durch das Dorf nach der Schule zu legen, zum Segen des Dorfes und der Schule.
Da in diesem Jahre Juli und August größtenteils eine ungünstige Witterung boten, konnte erst spät mit der Ernte begonnen werden. Anfang September war das prächtigste Sommer- und Erntewetter sodaß die Ferien mit Rücksicht auf den Stand der Ernte um fünf Tage auf Kosten der Herbstferien verlängert wurden.
Am 24. September fand in Lütjenburg das 3. Spielfest statt. Auch unsere Schule beteiligte sich an den Wettkämpfen. Es gelang den Kindern vier Schleifen für sich zu gewinnen.
Mit dem 30. September ist meine Amtsdauer hier in Wentorf beendet. Mitte des Monats bin ich an die einklässige Volksschule in Neu-Schönberg berufen worden. Zwei volle Jahre habe in hier walten können. Es waren 1 3/4 Jahre hindurch besonders schwierige Verhältnisse daich den Dienst in beiden Klassen allein versehen mußte. Wöchentlich habe ich 37 Stunden gegeben und versucht mein Bestes zu geben. In Freud und Leid, trüben und frohen Tagen hat zwischen Schule und Elternhaus das denkbar beste Verhältnis geherrscht. Ungern scheide ich, nur einem Zwange gehorchend. Nur die Kinderschar, die mir während der zwei Jahre anvertraut war, bedaure ich, da der stete Lehrerwechsel sie doch in der Schule etwas zurücksetzt. Möge es meinem Nachfolger vergönnnt sein, eine möglichst lange Reihe von Jahren hier zu walten, vor allen zum Segen unserer Kinder.
Wentorf, den 30. September 1919 Westerhaus, Lehrer.
Winter 1919/1925
Herr Lehrer Westerhaus siedelte am 1.10.1918 über nach seinem neuen Wirkungsorte. Mit demselben Tage trat Lehrer Saggau, Godau, der kurz nach Ostern dieses Jahres als erster Lehrer gewählt und im Sommerhalbjahr von der Regierung bestätigt worden war, hier seine Tätigkeit an.
Ich, Hugo Wilhelm Saggau bin geboren am 1. Dezember 1892 zu Arnstedt Kreis Segeberg. Nachdem ich von meinem 6. bis zum vollendeten 13. Lebensjahre die einklässige Volksschule meines Heimatortes besucht hatte, kam ich im Herbst 1906 auf das Städtische Präparandeum in Uetersen. Von 1909-1912 absolvierte ich das Königliche Seminar desselben südholsteinischen Städtchens und bestand im August 1912 meine erste Lehrerprüfung. Vom 1.4.1913 bis zum 31.3.1914 genügte ich meiner Militärpflicht als Einjährig-Aktiver beim Infanterie Regiment „Herzog von Holstein“ (Holsteinsches) Nr. 85 (III. Btl.) in Kiel. Als Lehrer war ich tätig vom 1.10.1912 bis 31.3.1913 an der 2. Klasse der 2-klassigen zu Stolk Kreis Schleswig und vom 1.4.1914 bis 4.8.1914 an der 2. Klasse der 3-klassigen Volksschule zu Schönwald Kreis Oldenburg. Am 3. Mobilmachungstage folgte ich dem Rufe meines obersten Kriegsherrn, S. M. Kaiser Wilhelms II. zum Kampf gegen eine Welt von neidischen Feinden. Es war mir vergönnt, meinem Vaterlande während des harten Ringens der 4 Jahre als „Frontsoldat“ dienen zu können. Eine 2-malige Verwundung zwang mich, auf einige Zeit die Front zu verlassen. Der überaus traurige Ausgang des Weltkrieges im Verein mit den letzten schweren Kämpfen im Westen hatte meiner Gesundheit so mitgespielt, daß ich nach meinem Abschied von der geliebten Truppe, der Ausgang Dezember 1918 erfolgte, von der Regierung in Schleswig einen 2-monatigen Urlaub bewilligt erhielt. Am 20. Februar 1919 trat ich zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges wieder vor Schüler hin. Bis zum April des Jahres verwaltete ich die beiden einklassigen Volksschulen in Godau und in Bredenbek. Nach Ostern hatte ich glücklicherweise nur noch die Einklassige in Godau zu verwalten, ich blieb dort bis zum 28. September und bestand in diesem Monat meine 2. Lehrerprüfung
Am 1. Oktober war meine feierliche Einführung in meine hiesige Stelle durch den Kreisschulinspektor, Herrn Schulrat Rulffs. Die Klasse war festlich geschmückt, zur Einführung waren mehrere Kollegen, Herr Ökonomierat von Tungeln, Herr Hufenpächter Schneider, Herr Hofpächter Martens und Herr Pastor Cornelius erschienen. Nach einer kurzen kernigen Ansprache des Herrn Schulrates, hielt ich eine halbstündige Lehrprobe in Religion. Thema: Der barmherzige Samariter.
Der Unterricht begann nach den Herbstferien am 9. Oktober. Schon sehr früh setzte in diesem Herbste der Winter ein, sodaß das Heizen der Unterrichtsräume in der letzten Woche des Monats Oktober unbedingt notwendig wurde. Da aber nur 4 rm Holz zur Verfügung standen, da keine Kohlen angefahren waren, mußte die Schule geschlossen werden. Die Gutsverwaltung Panker stellte daraufhin für die nächste Zeit Brennmaterial in Aussicht und der Unterricht wurde am 8. Dezember wieder aufgenommen. Der 2. Lehrer, Herr Kröger und ich stellten zum Heizen eines Unterrichtsraumes Holz zur Verfügung. Die erste Klasse hatte bis zum Beginn der Weihnachtsferien Unterricht von 8 1/2 bis 12 1/2 vormittags, die 2. Klasse nachmittags von 1-4.
Doch auch während der Ferien war keine Feuerung eingetroffen, sodaß am 9. Januar 1920 der „Kontrollunterricht“ eingeführt wurde. Die Schüler erschienen an 3 Wochentagen und empfingen Hausaufgaben die 3 Mal wöchentlich nachgesehen wurden. Dieser Kontrollunterricht dauerte bis zum 27. Januar. Am 28 Januar konnte der regelrechte Unterricht wieder einsetzen, da mittlererweile Holz geliefert worden war.
Ein Freudevoller, ununterbrochener Unterricht, der auch durch die Nebenerscheinungen des Kappputsches (Anm.: Der Kapp-Putsch war ein gescheiterter Umsturzversuch rechter Kräfte gegen die junge Weimarer Republik) in unserm Gutsbezirk nicht allzusehr beeinträchtigt wurde, setzte nun wiederein, der bis zur Entlassung der Konfirmanden, die am Sonnabend, dem 13. März erfolgte, dauerte. Am Sonntag, dem 14. März wurden konfirmiert 5 Knaben und 8 Mädchen
Vom 20.3. bis zum 31.3, an dem die Osterferien begannen, mußte der 2. Lehrer beide Klassen unterrichten, da ich am erstgenannten Tage abreiste zu meiner Hochzeitfeier, die am 29.3. im Heimatsorte meiner Frau (Saar-Union/Elsasz) stattfand. Bei meiner Rückkehr wurde uns ein herzlicher Empfang durch die Schulkinder unter Herrn Krögers Leitung bereitet. Auch die Schulgemeinde zeigte innige Teilnahme, mehrere Ehrenpforten waren errichtet und auf dem Schulplatze hatten sich viele Eltern meiner Schüler versammelt, um meine junge Frau in ihrem neuen „Heim“ zu bewillkommen.
Sommerhalbjahr 1920
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden neu aufgenommen 8 Knaben und 3 Mädchen. Die Schülerzahl betrug Klasse 1: 21 Knaben und- 22 Mädchen, Klasse 2: 31 Knaben und 17 Mädchen. Gesamt 52 Kanben und 39 Mädchen. Für die erste Klasse wurde wieder die ungeteilte Schulzeit eingeführt.
Die von der Regierung angeordneten wöchentlichen Wanderungen wurden von den Kindern mit Freuden begrüßt. Das diesjährige Kindervergnügen fand in altgewohnter Weise im Juni statt. Unterstützt wurden die Lehrkräfte bei den vielen Vorbereitungen und während des Festes von dem im Februar unter reger Beteiligung gewählten „Elternbeirat“. Es waren gewählt: 1. Ernst Beck, Arbeiter-Rönfeldholz, 2. Gustav Hagedorn, Arbeiter-Wentorf, 3. W. Todt, Arbeiter-Rönfeldholz, 4. Friedrich Hagedorn, Arbeiter-Vogelsdorf. 5. Frau Marie Ortmann, Rönfeldholz. Arbeiter August Hagedorn Vogelsdorf stiftete der Schule zur Feier des Kindervergnügens einen Degen.
Während des Sommerhalbjahres wurden mehrere Schulkinder von der hier milde auftretenden Diphterie heimgesucht, sodaß einige Schüler für längere Zeit dem Unterricht fernbleiben mußten. Sonst war der Schulbesuch regelmäßig, Anträge auf Befreiung der Schüler vom Unterricht für Erntearbeiten wurden nicht gestellt.
Die Sommerferien fielen in die Zeit vom 31. Juli -7. September. In dieser Zeit erhielt der Klassenraum der 2. Klasse zum ersten Male in ca 1,50 m Höhe einen Ölanstrich, sodaß auch dieser Raum einen freundlichen Eindruck macht. Überhaupt wurden alle Schulgebäude gründlich nachgesehen und etwaige Mängel nach Möglichkeit beseitigt.
Auf dem am 26. September bei Lütjenburg stattfindenden Bezirksspielfest konnten sich 3 Knaben und 4 Mädchen Eichenkränze im Dreikampf erwerben. Außerdem hatte die Schule eine Knaben- und Mädchenschlagball- und eine Tambrinmannschaft gestellt, die sich siegreich behaupteten. Auch die männlichen Jugendlichen des Gutsbezirkes, die sich im Frühjahre 1820 zu einer Spielvereinigung zusammengeschlossen hatten, namen aktiv an dem Spielfeste teil. Zur Unterstützung dieser Vereinigung wurden in hochherziger Weise aus der Kreiskasse 100 M überwiesen.
Winterhalbjahr 1920/1921
Wie im Vorjahre setzte der Winter sehr früh ein, sodaß ein Heizen der Schulräume schon Ausgang Oktober erforderlich wurde. - Spiel und Sport mit Wanderungen abwechselnd wurden jedoch bis in den Monat Dezember hinein fortgesetzt.
Am 21. Dez. und am 22. Dez. abends wurde von der Schule eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Dargeboten wurden von den Schülern der 1.+2. Klasse Deklamationen, Lieder, kleine Gesangspiele und Theaterstücke. An keinem Abend konnte der Schulraum die große Zahl der Gäste fassen. Ein kleines Eintrittsgeld kam den Schülern und den noch nicht schulpflichtigen Kindern der Schulgemeinde in Form von Kuchen, Äpfeln, Nüssen u. s. w. zugute.
Im Januar zwang mich ein mir im selbgezogenes Magenleiden, die medizinische Klinik in Kiel aufzusuchen, wo ich mehrere Tage verleben mußte. Auf meine Bitte hin wurde ich jedoch wieder hierher entlassen, war jedoch nicht imstande, den Unterricht zu erteilen. Der 2. Kehrer, Herr Kröger wurde beauftragt, meine Klasse bis zum Beginn der Osterferien mit zu übernehmen.
Am 15.3. legte Herr Kröger seine 2. Lehrerprüfung ab, er bestand sie mit dem Ergebnis: Gut. Die Prüfungskommission bestand aus dem Herren: Schulrat Rulffs, Lehrer Hanszen-Kühren und Lehrer Trede-Haszberg.
Palmarium, den 20. März, wurden konfirmiert: 6 Knaben und 6 Mädchen.
Sommerhalbjahr 1921
Ostern 1921 traten neu ein 9 Knaben und 4 Mädchen, sodaß die Gesamtschülerzahl 68 Knaben und 31 Mädchen betrug.
Gleich nach Beginn des neuen Schuljahres wurden von sämtlichen Hufenpächtern der Fußsteig Wentorf-Rönfeldholz zum Teil neu mit Kies befahren. Die Notwendigkeit der Maßnahme war im feuchten Frühjahr deutlich zutage getreten. Die kleineren Schüler aus Rönfeldholz mußten den Umweg über den Fahrweg Rönfhz.-Went. zur Schule nehmen um nicht in dem aufgeweichten Boden des lehmigen Fußweges stecken zu bleiben. Nach Befahren mit dem nicht salpeterhaltigen Kies der Vogelsdorfer Grube, war der Fußsteig sehr gut. Gleichzeitig wurde der Spielplatz auf seiner westlichen Hälfte mit Kies befahren, dodaß die kleinen Unebenheiten und die hervorgetretenen Steine beseitigt waren.
Spiel und Sport hatten von der „Jugendvereinigung Wentorf“ und den Schülern auch in diesem Frühjahre eingesetzt. Auf dem diesjährigen Bezirksspielfest in Lütjenburg am 5. Juni konnten die Wentorfer Knaben und Mädchen mehrere Siege im Ballspiel und 9 Kränze und 4 Urkunden im Dreikampf erringen. 4 Mädchen wurden, weil zu den ersten des Bezirks gehörig, nach Preetz zum Kreisspielfest am 25.6. zugelassen, wo sie in ihren Riegen den 2.,3., 11. und 14. Preis des Kreises errangen.
Das diesjährige Kindervergnügen fand in der üblichen Weise statt: Morgens Wettkämpfe, nachmittags Tanzbelustigungen in dem von der hiesige Schützengilde erbauten Zelt.
Der Sommer dieses Jahres war überaus trocken. Sämtliche Brunnen des Gutsbezirkes waren ausgtrocknet, weite Wege mußten gemacht werden um Wasser zu bekommen. In Wentorf waren nur 2 Brunnen, die noch Wasser lieferten: Der Brunnen am Westende des Dorfes, am Möllersberge und der Brunnen auf der Hauskoppel des Försters, hinter dem Backhause des Hufenpächters Scheel. Der Dorfteich war fast ganz ausgetrocknet, was die ältesten Einwohner noch nicht mit erlebt hatten. Im Oktober noch belustigte sich der ganze Gutsbezirk auf einem fast in der Mitte des Dorfteiches stehenden Karussell. Alt und Jung war hier eine Woche lang nach Feierabend anzutreffen, um das noch nie gewesene: „Ein Karussell im ausgetrockneten Dorfteich“ zu sehen. Trotz dieser Dürre war die Getreideernte recht gut und im Gegensatz zu fast ganz Deutschland hatten wir hier eine sehr gute Apfel- und Rübenernte.
In den Herbstferien reiste ich ins schöne Elsaß, um meine Frau und mein am 20. April dieses Jahres geborenes Töchterchen, die 2 Monate dort bei meinen Schwiegereltern geweilt hatten, wieder abzuholen. Es bereitete mir, wie auch wohl jedem Deutschen mit mir, überaus große Frende, daß die Franzosen sich in jeder Hinsicht die Sympathie der deutschsprachigen Elsäßer, Unternehmer sowohl wie Arbeitnehmer zum größten Teil verscherzt hatten.
Um meine wirtschaftliche Lage zu verbessern nahm ich, wie schon viele Kollegen vor mir, das Schulland wieder zur eigenen Nutznießung. Ein Kuhstall wurde im Nebengebände errichtet und der Schulboden eingerichtet für Holz und Stroh. Die Pachtsumme für das Land wurde entsprechend unserm Gehalt auf 500 M pro ha erhöht. Hand- und Spanndienste leisten die kontraktlich dazu verpflichteten Hufenpächter.
Winterhalbjahr 1921/1922
Der Winter 1921/22, schon im Oktober einsetzend, war äußerst streng und hart. Seit 30 Jahren war die Ostsee nicht zugefroren gewesen. Auf der ungefähr 85-90 cm dicken Eisdecke zeigten sich mehrere hintereinander liegende kleine Eisberge. Mehrere km weit sah man im Januar-Februar Menschen auf die Ostsee hinauswandeln oder radeln. Auch die 0+M unserer Schule machte dorthin einen Ausflug, anfangs zögernd und immer wieder staunend folgten die Kinder, über die Eisberge mit besonderem Vergnügen hinwegkletternd, ca 4 km auf die Ostsee hinaus. Die Kälte hielt ebenfalls recht lange bis ins Frühjahr hinein an, sodaß mit der Saatbestellung erst Ausgang April begonnen werden konnte.
In diesem Winterhalbjahr veranstalteten monatlich abwechselnd die Jugendlichen und Schüler allseitig besuchte Elternabende, die recht guten Anklang fanden. Stets war die Klasse übervoll. Geboten wurden plattdeutsche Theaterstücke, Gesangsvorträge und Deklamationen und Vorlesungen aus dem Werken der neuesten plattdeutschen Dichter. Zur Einstudierung fanden sich die Jugendlichen (männl. + weibl.) an den kalten Winterabenden gerne 2x wöchentlich Klassenzimmer I ein; ich hoffe, daß auch diese schöne Einrichtung von Dauer sein wird, wie die Pflege des Spiel u. Sports im Sommerhalbjahr, zum Segen der Jugendlichen unseres Gutsbezirkes, zum Wohle des Vaterlandes. Die Einnahmen aus den Elternabenden flosten zum Teil in die Schulkasse, zum Teil in die Sport- u. Spielkasse. Es war uns deshalb möglich 14 kulturhistorische Bilder und 12 Anschaungsbilder für den Deutsch bezw. Erdkundeunterricht neu anzuschalfen. Erhöht wurden die Einnahmen noch dadurch, daß die Lehrerkonferenz für Lütjenburg und Umgebeung ihre Kräfte in den Dienst der Schule stellten durch Aufführung des Fünfakters „Kramer Kray“ von Boszdorf.
Mit Schluß des Schuljahres verließ Lehrer Max Kröger nach 2 2/3 Jahren segensreicher Tätigkeit seine hiesige Wirkungsstätte, um als 1. Lehrer nach Hohenfelde in der Herrschaft Hessenstein überzusiedeln, wohin er sich beworben hatte und von der Regierung gewählt wurde. Die Schule verliert in ihm eine unermüdlich vorstrebende arbeitssame Kraft, der seinen Schülern ein treuer Lehrer war, dem sie ein ehrendes Andenken bewahren werden.
Mit dem 5.4.22 wurde der Lehrer Christian Hose-Kiel mit der Verwaltung der 2. Klasse beauftragt.
Ich, Christian Hose, bin am 28. April 1897 zu Kiel geboren. Daselbst besuchte ich 9 Jahre die 1. Knabenmittelschule mit Erfolg und trat gleich nach meiner Konfirmation in die dortige Präparanden-Anstalt ein. Nach Ausbruch des Krieges meldete ich mich bereits in September 1914 als Kriegsfreiwilliger bei der Matrosen Artillerie. Hier gefiel es mir aber garnicht, deshalb meldete ich mich schnell zu der neugebildeten Matrosen-Infanterie. Mit dieser Truppe rückte ich Anfang 1916 nach Flandern und habe hier bis zum Ausgang des Krieges ausgehalten. Im November 1918 vom Heere entlassen, besuchte ich sofort wieder das Kieler Lehrerseminar und bestand im Dezember 1920 meine erste Lehrerprüfung. In Kiel verwaltete ich dann nacheinander folgende Lehrerstellen: Von März 1921 bis Juli an der 9. Mädchen Volksschule. Von Juli bis Oktober an der 5. Knaben Volksschule. Im Oktober an der gemischten Mittelschule in Kiel-Wellingdorf. Von November bis Ostern 1922 an der Volksschule in Kiel-Wik. Kurz vor Ostern stellte ich mich der Regierung zur Verfügung und wurde nach wenigen Tagen mit der Verwaltung der 2. Lehrerstelle in Wentorf beauftragt. Nach den Osterferien, am 19. April 1922, bin ich hier meinen Dienst angetreten.
Sommerhalbjahr 1922
Am Schlusse des Winterhalbjahres wurden aus der Schule entlassen 7 Knaben und 5 Mädchen: 12. Neu eingetreten sind nach Ostern 3 Knaben und 3. Mädchen. Die Kriegsjahre machen sich fühlbar. Die Gesamtschülerzahl beträgt: 36 Knaben und 54 Mädchen = 90 Schüler.
14 Tage nach Pfingsten fand in der üblichen Weise das diesjährige Kindervergnügen statt: Wettkämpfe Vormittags und Nachmittags Tanz der Schuljugend mit Kaffeetafel im Zelt. Die nötigen Kuchen wurden in fast zu großer Zahl von den Eltern gestiftet. Gleich nach Beginn des Sommerhalbjahres wurde mit der Fertigstellung des Brunnens begonnen, die ersten Arbeiten waren schon im Februar getan, und endgültig fertiggestellt wurde der Brunnen erst im Oktober. Die Verzögerung in der Sache ist nach meinem Dafürhalten dem Schulverbandsvorsitzenden Hamann (Panker) zuzuschreiben, der stets die sofortige Beseitigung notwendiger Übelstände ankündigt, der aber erst wiederholt an seine Pflichten erinnert werden muß. Von dem Brunnen, der durch einen Zementdeckel geschlossen ist, geht jetzt eine Rohrleitung in die Küche des 1. Lehrers, wo eine Pumpe angelegt wurde. So haben wir endlich einen vorschriftsmäßigen Brunnen mit guten Trinkwasser nach jahrelangen Bemühungen der verschiedenen Lehrpersonen erhalten. Aber ein großer Übelstand ist geblieben der 2. Lehrer und die Frauen, die das Reinigen der Schule besorgen und die Schulkinder müssen in die Küche des 1. Lehrers hinein, um Wasser zu bekommen. Vom Herrn Oberispektor dies rechtzeitig vorgetragen, hatte nichts bewirkt. Traurig-kleinlich und rücksichtslos!
Der Sommer war in der 1. Hälfte sehr trocken und nachdem das Korn reif war, teils schon in Hocken (Anm.: Zum Trocknen aufgestellte Korngarben.) stand, regnete es wochenlang. Die Folge der Witterung war eine mäßig lohnende Ernte die dazu noch zum größten Teil naß eingefahren werden mußte. So hatte denn der Landmann in diesem Jahre tatsächlich, wenigstens im hiesgen Gutsbezirk, einen, wenn auch nur geringen, Grund zum Stöhnen, zumal die Getreidezwangswirtschaft nicht gefallen war, wohl eine bessere Verteilung auf die „Bauern“ im ganzen Reiche vorgenommen wurde dadurch, daß auch die „Viehbauern“ mit zur Umlage herangezogen wurden. (Marsch) Während eine hiesige Hufenstelle im Vorjahr noch ungefähr 2 dz pro ha abliefern mußte, kam er durch bessere Heranziehung der ganzen landwirtschaftlichen Nutzungsfläche doch mit 1 ½ bis 1 ¾ dz pro ha davon.
Endlich hat auch der hiesige Gutsbezirk den Segen der Elektrizität erhalten. Anfang September waren die Anlagen fertiggestellt und alle Einwohner konnten brennen, wie der Volksmund sagte. Wohl hat jeder, „das Licht“ und „die Kraft“ gerne, doch wagt sich noch niemand so recht an „das Neue“ heran, die Finger will sich keiner verbrennen.
Entgegen dem Vorjahre fande diesmal das Kreisspielfest und damit auch die Bezirksspielfeste am Ende des Sommerhalbjahres statt. Die hiesige Schule konnte sich diesmal 19 Siege im Dreikampf erringen. Immer mehr komme ich zu der Ansicht hin daß tatsächlich das Land verhältnismäßig viel mehr intensivere und erfolgreicher Körperpflege treiben kann als die Stadt.
Meine Vermutung, der im Mai vorigen Jahres gegründete hiesige Frauenverein würde nicht lange bestehen wegen der Abneigung der Arbeiterkreise gegen ihn, hat sich, Gott sei dank, nicht bestätigt. Im Gegenteil, die zuerst nur mäßige Mitgliederzahl hat sich schon jetzt reichlich verdoppelt, sodaß heute ungefähr 75% der Einwohnerinnen des Gutsbezirkes dem Verein angehören.
Die mit Schluß des Sommerhalbjahres beendigte Kartoffelernte war sehr lohnend, die Rübenernte recht mäßig.
Winterhalbjahr 1922/23
Gleich mit Beginn des Winterhalbjahres wurde auf Wunsch der Schulgemeinde, des Schulvorstandes und des Elternbeirats die ungeteilte Schulzeit für beide Klassen auch für das Winterhalbjahr eingeführt.
1) der schlechten und weichen Wege
2) der Gesundheit der Kinder und
3) der wirtschaftlichen Notlage der Eltern wegen.
Auch in diesem Jahre veranstaltete die Schule wieder Elternabende, die sich immer mehr das Wohlgefallen der Schulgemeinde erwerben. Die Reineinnahmen kommen der Schule zugute in Form von Lernmitteln. Außerdem war es bislang noch möglich, durch die Einnahmen aus den Unterhaltungsabenden allen Schülern eine kleine Tüte vom Weihnachtsmann überreichen zu lassen.
Dem Opfersinn der Hof- und Hufenpächter ist es zu verdanken, daß auch in diesem Jahre ca. 30 neue Anschauungsbilder für den Erdkunde-, Geschichts-, Naturgeschichts- und Deutschunterricht angeschafft werden konnten, für die ABC Schützen wurden 8 Lesekästen in das „Lehrmittelkabinett“ eingereiht.
Anfang Dezember wurde auch, wie in den meisten Schülbezirken unseres Kreises schon früher, die ländliche Fortbildungschule eingeführt. Es mußten die 12 15-18 jährigen männlichen Schulentlassungen unseres Gutsbezirkes, deren Arbeitgeber im Gutsbezirk wohnhaft waren, daran teilnehmen. Die Unterrichtszeit fiel auf Dienstags und Freitags von 5 bis 7 Uhr nachmittags.
Ostern 1923 wurden aus der Schule entlassen und konfirmiert 8 Mädchen und 6 Knaben. Mit diesen Konfirmanden verließ ein durchschnittlich recht guter Jahrgang die Schule.
Sommerhalbjahr 1923
Neu traten in die Schule ein 2 Mädchen und 3 Knaben. Die Gesamtschülerschar beim Beginn der neuen Schuljahres betrug 81. Wie üblich wurde wieder die ungeteilte Schulzeit eingeführt.
Auch in diesem Jahre konnten auf dem Kreis- und Bezirksspielfest einige Schüler sich Preise erringen
In diesem Sommerhalbjahr wurde für jede Schulklasse des Kreises vom Kreisausschuß eine namhafte Summe bewilligt. Der Patron der Schulen unseres Gesamtschulverbandes stiftete dieselbe Summe. Somit war es gerade in dieser Zeit des unheimlich schnellen Sinkens des Wertes der Mark gerade hier möglich, Lehr- und Lernmittel für die Schüler zu beschaffen, sodaß ein geregelter Unterricht weiterhin auch in der Inflationszeit erhalten blieb. Die Papiermark fiel täglich tausende, Millionen ja Milliarden, sodaß man noch einmal operieren lernen mußte mit Zahlen, die ihrer Größe wegen früher unbeachtet und ungeschrieben geblieben waren. Das Rechnen ging über in ein Rechnen mit Sachwerten. Der Spargroschen der kleinen Leute bei den Banken verrann in ein Nichts, unheimlich bitter für die, die Tausende und Zehntausende als Vermögen besessen, von denen sie in ihren alten Tagen zu leben gedachten. Unheimlich traurig für Alte und Rentner war diese Zeit, sodaß viele von Ihnen freiwillig, um dem Verhungern zu entgehen, sich das Leben nahmen.
In dieser Zeit, im September 1923 wurden die Dörfer Wentorf, Rönfeldholz, Vogelsdorf und der Meierhof Vogelsdorf zu Siedelungszwecken von der Höfebank der Herrschaft Hessenstein abgekauft und an die bisherigen Pächter wieder verkauft: Näheres darüber hinten im Heft.
Die diesjährige Ernte war sehr gut, konnte des anhaltenden Regenwetters aber nicht ohne Mühe geborgen werden.